(lustiges Wortspiel!), aber zu umständlich... handelte oft - aber nicht nur - vom Schreiben bzw. Nicht-Schreiben einer Doktorarbeit in Kunstgeschichte.
Die Arbeit ist fertig. Dieses Blog auch.
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In einem Schreibworkshop zur Hausarbeit, den die Leuphana für die Erstsemester angeboten hat, sagte ein Student: "ja aber ich darf ja gar keine eigene Meinung äußern. ich muss ja alles zitieren!" Hier kann man sehen, wie ein Student das Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens grundlegend mißverstanden hat.
Studierende sollen natürlich ihre eigene Meinung äußern. Aber nicht als diffuses Bauchgefühl, sondern wohlinformiert über den bestehenden Diskurs, und wohlbegründet unter Berücksichtigung bereits vorgebrachter Argumente.Um zu zeigen, dass man den Diskurs kennt, zitiert man ihn. Um dem weniger im Diskurs verhafteten Leser (und das sind im Falle eines Doktoranden alle außer ihm, inklusive Betreuer!) den Diskursverlauf nachvollziehbar zu machen, setzt man Belegverweise. Man knüpft sich ein in ein Netz aus Querverweisen. Und natürlich bewertet man sie auch, auf Grundlage der bekannten Fakten. Das ist schon Wissenschaft.
Hier kann man aber auch sehen, wie m. E. auch die Aktion Guttenplag etwas grundlegend mißverstanden hat. Um den Diskurs wiederzugeben, muss man ihn zitieren. Dass man dabei zum Teil auf Formulierungen stößt, die besser sind, als die eigenen, bleibt nicht aus. Aber tatsächlich ist es nicht unbedingt nötig, etwas "Neues" zu erfinden. Oder sagen wir lieber so: "neu" ist eben manchmal auch die Zusammenstellung bekannter Argumente und Tatsachen in einem ungewöhnlichen Kontext, oder unter einer neuen Fragestellung, oder mit einer neuen Bewertung unter Einbeziehung der bisher nicht berücksichtigten Komponente X. Es geht nicht um die Erschaffung von ETWAS aus NICHTS. Manchmal ist es schon eine promotionswürdige wissenschaftliche Leistung, überhaupt unterschiedliche Gesprächsfragmente zu einem Diskurs zusammenzufügen. Guttenplag zeigt deutlich und klar, dass Herr zu Guttenberg mehr "Zitatepatchwork" betrieben hat, als für eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit in Ordnung wäre. Daran herrscht kein Zweifel, nicht einmal mehr beim Autor. Es ist gut, dass er diese Fehler endlich eingesehen und eingeräumt hat. Es ist völlig richtig, dass er daraufhin den Doktortitel zurückgegeben hat. Wer so schlampig arbeitet, hat den Titel nicht verdient. Es ist ebenfalls richtig, dass die Affäre damit noch nicht beendet ist.
Ich habe übrigens den Verdacht, dass diese handwerklichen Mängel mit der gängigen Ausbildungspraxis der juristischen Fakultäten zusammenhängt, aber das wäre nur eine Erklärung, keine Entschuldigung. (Die Tatsache, dass besagte handwerkliche Mängel den Prüfern nicht aufgefallen sind, ist allerdings ein Indiz dafür, dass in diesem Fachbereich der Schwerpunkt nicht auf der Vermittlung und Wertschätzung handwerklicher Grundlagen liegt. Aber das ist Spekulation.)
Diese Anschuldigung kann nur der Prüfungsausschuss, bzw. ein Gremium ausgewiesener Fachleute beurteilen. Prof. Fischer-Lescano, der die Affäre losgetreten hat, gehört dazu. Eine Horde anonymer Blogger, die sich zur fröhlichen Ministerjagd versammelt haben, aber nicht.Viele der solcherart angezeigten Plagiatsstellen sind nämlich wahrscheinlich keine.
Und eine Ministerjagd ist es, leider: das zeigt der Name "Guttenplag" - warum nicht "Ministerplag"? Wäre doch schön, wenn jetzt alle promovierten Volksvertreter/innen -- und wenn wir schon dabei sind: alle promovierten Wirtschaftslenker/innen in Entscheidungspositionen -- mit Hilfe der vielberufenen Schwarmintelligenz überprüft würden. Klappt nicht? Interessiert keinen?
Eben.
Drum.
Schade eigentlich.
laufen vermummte Gestalten die Straße entlang und rufen:
"Nie wieder Deutschland!"
und
"Deutschland. Nation. Kapital. Scheiße!"
und
andere Dinge, die man in einer Demokratie laut und deutlich sagen darf.
Über die gewünschte Alternative sagen sie nicht viel, zumindest nichts, was ich so schnell verstehen kann. "Nie wieder Deutschland" - das zum Beispiel erklärt nicht, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen... Angliederung an Frankreich? Freistaat Bremen? Wohl kaum.
Und die jungen Leute, ausnahmslos mit schwarzen Kapuzenpullis uniformiert, würde man auch alle gerne mal in die Normannestraße nach Berlin schicken, oder nach Kuba, oder in eine Kolchose in Nord Korea, wo sie sich angucken können, wohin das führt mit dem real existierenden Sozialismus/Kommunismus.
Da sind die Uniformen auch gleich viel fescher...
Bis dahin sage ich: Happy Einheit, liebes Deutschland!
Gut gemacht - auch wenn es noch viel zu tun gibt....
SPIEGEL ONLINE schreibt vom "Alptraum Promotion". Diesmal liegt der Fokus aber auf dem finanziellen Alptraum, ein selten öffentlich beleuchteter Aspekt.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre, hieß es dazu früher. Mag sein. "Früher" studierte man fünf oder sechs Jahre, und der niedrigste Abschluss war die Promotion. 1960 wurde der Magister vorgeschaltet, inzwischen der Bachelor, auch wenn der vielerorts nun auch vier Jahre braucht - die Regelstudienzeit für meinen Magister. Wer also mit 25 seinen ersten "berufsqualifizierenden" Abschluss in der Tasche hat, hat heute einen niedrigeren akademischen Grad als vor 50 Jahren. Berufsqualifizierend hin oder her - die Lehrjahre sind damit -rein finanziell jedenfalls - noch lange nicht vorbei.
An sich ist das völlig in Ordnung: Wenn man jung ist, ist man schließlich (in der Regel) bereit, (auf vieles) zu verzichten. Schon deshalb, weil es sich gar nicht anfühlt wie ein Verzicht. Seien wir ehrlich: der Sprung vom 12qm Kinderzimmer ins 12qm Wohnheimszimmer bietet platztechnisch keine wirkliche Verschlechterung, aber enorme Chancen (oder doch Herausforderungen?) für die persönliche Entfaltung: selbst bestimmen, wann und ob man aufräumt, wann und ob man aufsteht, wann und ob man laut Musik hört (die Auseinandersetzung mit Mitbewohnern ist von völlig anderer Qualität als die mit Eltern. Selten beschwert man sich bei seinen Eltenr über zu laut gehörte Rockmusik während man eigentlich lernen will...) -- kurzum, eigentlich verbessert man sich. Noch mehr sogar wenn man in die erste eigene Wohnung zieht - mit oder ohne Umweg über Wohnheim und/oder WG. Die ersten Jahre "draußen" alleine - als Student/in oder in der Ausbildung - fällt die sogenannte Einschränkung daher gar nicht so schwer.
Für einige: ein verdrecktes Wohnsilo - für mich: grenzenlose Freihei tund ein Zuhause..
Außerdem studiert man ja (macht man ja eine Ausbildung), um später mal so richtig Geld zu verdienen.
Aber wann ist "später"? Und wieviel Geld ist "so richtig viel" eigentlich? In konkreten Zahlen? Davon hatte ich lange keine Ahnung. Eigentlich weiß ich es bis heute nicht so genau. Ganz sicherlich wusste ich nichts darüber zu der Zeit, als ich meinen Schulabschluss machte und mich für einen Ausbildungsweg entschied. (Es zahlt sich nicht aus, die Kinder zu sehr zu behüten.)
Während des Studiums kam ich gut aus mit meinem Geld - ich brauchte nicht viel: Bafög und Hiwi-Stellen; Wohnheim oder WG-Zimmer, Semesterticket, selber kochen statt essen gehen, Hausarbeiten schreiben und Ferienjobs statt Urlaub, dazu kein Auto -- und schon blieb genug Geld für's Kino. Erst mit dem 27. Geburtstag wurde das Leben teuer: Versicherungen selber zahlen zum Beispiel, aber auch andere Vergünstigungen fielen weg. Viel schlimmer aber - ich hatte langsam das Gefühl, mit dem Studienabschluss sollten die Lehrjahre nun mal langsam vorbei sein. Außerdem: ich brauche zwar kein zusammenhängendes Geschirr - aber ich mag es.... Nichtsdestotrotz entschied ich mich für eine Promotion.
SO nicht mehr! Bild: http://www.tip-berlin.de/files/mediafiles/58/Neurotitan_byHercher.jpg
Inzwischen bin ich im 6. Jahr . Drei Jahre genoß ich die Vollzeit-Förderung in einem Graduiertenkolleg. Das Stipendium war ausreichend, aber bei 1000 Euro brutto war es schon vorteilhaft, dass wir Residenzpflicht ausgerechnet in Berlin hatten. In München oder Hamburg wäre die Haushaltsführung alleine schwieriger geworden, und dem WG-Alter fühlte ich mich entwachsen. Reisen, selbst in Archive, war eigentlilch nicht drin.
Herrenjahre? Wohl kaum. Nennen wir es "Gesellenjahre".
Seit zweieinhalb Jahren bin ich zudem berufstätig. Für die 30-Stunden Woche bekam ich ursprünglich 50%, inzwischen habe ich die verdienten 75%. Von dem Gehalt kann man leben. Man kann sogar ab und zu mal einen Kaffee trinken gehen, Bio-Eier kaufen, und ich darf sogar mein Bafög zurückzahlen - untrügliches Zeichen dafür, dass man nun zu den "richtigen" verdienenden Menschen gehört. Ohne Dispo geht es trotzdem noch immer nicht.
Geld ist besser als Armut, wenn auch nur aus finanziellen Gründen. Woody Allen
Mir geht es gut, ich will mich nicht beschweren. (Vielen Doktoranden geht es bedeutend schlechter!) Aber "Herrenjahre" sind es noch nicht. Ich stecke zurück, ich habe mich schließlich selbst und freiwillig für eineTeilzeitstelle (und die Teilzeitbezahlung) entschieden - da ist schließlich noch immer eine Diss zu schreiben.
Aber wisst Ihr was?
Sollte ich mich für eine Universitäts"karriere" entscheiden, dann wird es garantiert nie mehr etwas mit den Herrenjahren.
Eine Habilstelle ist für Kunsthistoriker nicht leicht aufzutreiben, vor allem wenn man örtlich nicht mehr so flexibel ist - was mit Nestbauphase und so weiter. Das Leben als Wanderlehrer hingegen kann ich mir gerade ausführlich aus sicherer Entfernung betrachten. Einen Lehrauftrag für 500 Euro (wenn man Glück hat sind es fast 1000 Euro, das variiert) im Semester (28 SWS)? (Reisekosten häufig nicht oder nicht vollständig inbegriffen) Also, Wertschätzung für gute und engagierte Lehre spiegelt das nicht, zumal wenn man sieht, dass Leute in der sogenannten "freien Wirtschaft" das gleiche Geld für einen zweistündigen Workshop einstreichen. Und verdientermaßen! Gute Lehre muss vorbereitet, begleitet und nachbereitet werden - Hausarbeiten wollen korrigiert und besprochen sein - das alles zahlt Dir keiner. Der Stundenlohn, den die VERDI für ungelernte Arbeiter fordert, liegt damit ungefähr 100% über dem von promovierten Lehrbeauftragten. Der Reiz des Wanderjahrs liegt in der zeitlichen Begrenzung: ein Jahr und ein Tag - und der Aussicht, danach ein wertvolles Mitglied der Zunft zu sein. Der Frust des "Wanderlehrers" liegt in der zeitlichen Begrenzung: Wissenschaftszeitvertrag - noch 6 Jahre bis zur Arbeitslosigkeit, danach Ausschluss aus der Zunft (universitas)....
Als Zimmermann macht das Wandern Spaß. Bildquelle: http://de.academic.ru/pictures/dewiki/103/gesellen1.jpg
Warum sich dennoch so viele Wissenschaftler auf diese Ausbeutung während der "Wanderjahre" ohne feste Stelle einlassen? (Das Phänomen ist übrigens keineswegs auf Doktoranden beschränkt. Die Situation ist selbst für Habilitierte, sogenannte Privatdozenten unverändert ) Ganz einfach: Man macht es aus einer Mischung aus Idealismus und Erpressung.
Erpressung, denn dies ist der einzige Weg, einen Fuß in die Tür der akademischen Festeinstellung zu bekommen, oder zumindest am Flurfunk eines Instituts teilhaben zu können. Lehrerfahrung ist eine Einstellungsvoraussetzung, denn promoviert (auch mit guten Noten) haben alle anderen auch. Sie wollen lehren? Dann zu unseren (schlecht bezahlten) Bedingungen.
Und Idealismus, denn durchschnittliche Lehrbeauftragte lieben Ihren Job. Sie haben Freude an der Lehre, sie wollen junge, oder zumindest jüngere Menschen zum Lernen, zum Forschen animieren. Ja, wirklich, das macht enorm Spaß. Aber nicht soviel Spaß, wie endlich mal den Dispo auszugleichen, oder sich einen Kleiderschrank kaufen zu können.
Klar: Ich rede als Süchtige von der Droge. Aber ich werde versuchen, von dieser Droge runterzukommen.
Links:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,706286-2,00.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Magister
weitere Meinungen:
http://blog.arthistoricum.net/promotion-selbstausbeutung/
Merkwürdig sind die Studierenden von heute. Zumindest diejenigen, die als hochschulpolitisch Engagierte in Erscheinung treten.
überfüllter Hörsaal
Seit den Siebziger Jahren klagen alle über die Massenuniversität. Das Betreuungsverhältnis ist an manchen Universitäten so schlecht, dass der/die Prof die Studierenden zum ersten Mal in der Prüfung richtig wahrnimmt. Das ist nicht schön. Schuld daran ist die Kapazitätsverordnung, ein schönes Blatt Gesetzestext, das für die "Erschöpfende Nutzung der Ausbildungskapazität" (§1) sorgen soll, indem es diesem hehren Ziel weitere 21 Paragraphen widmet. Dabei wird genau festgelegt, wie die Zulassungsquote zu ermitteln ist, wie darin die Vorjahresbewerber zu behandeln sind (Stichwort: Wartesemester) und was ein Curricularnormwert (§13) ist.
Das ganze ist so kompliziert, dass selbst versierte Bildungspolitiker sie nicht verstehen.
ein Paragraf entscheidet
Kurz gefasst läuft es aber auf folgendes hinaus: Auf X Profs kommen Y Studierende. Dies sind (Massenuniversität!) zu viele, um sie angemessen zu betreuen. Schafft man nun 2X Professuren, heißt dies aber dank KapVO automatisch auch 2Y Studierende - das (schlechte) Betreungsverhältnis bleibt also gleich!
Vielerorts liegt die "Lösung" darin, zusätzliche Lehraufträge einzuwerben. Die allerdings - obwohl meist undankbar schlecht bezahlt mit ca 500 Euro/Semester (brutto!) - kosten Geld. Und Geld haben Universitäten bekanntlich nicht, seit ihre Finanzierung stetig gekürzt wird bei gleichbleibenden/steigenden Fixkosten (festes Personal in Lehre und Verwaltung, Gebäudeunterhalt, Zeitschriftenabonnements etc). Frisches Geld gibt es (fast immer) nur für Forschung. Damit Profs forschen können (oder zumindest prestigeträchtige Forschungsanträge schreiben können, mit denen man Drittmittel einwerben kann), werden sie (wenn erfolgreich bei der Drittmittelacquise) von der Lehre freigestellt. Die Studierenden haben davon im normalen Uni-Alltag nicht viel -mit Glück kommt ein neues Buch/Aufsatz dabei heraus. Ihre Lehrveranstaltung hält besagter berühmter/erfolgreicher/forschender Prof nicht.
so sieht er aus, der Unruhestifter
Auftritt Sascha Spoun: Die Uni Lüneburg soll sich neu profilieren/positionieren/ausrichten. Die Lehre spielt dabei eine große Rolle: von exzellenter Qualität soll sie sein. Darüber ist ein Großteil der altgedienten Professorenschaft natürlich erzürnt: man sei ja nicht nach Lüneburg gekommen, um dort exzellente Forschung oder Lehre abzuliefern! Ja, da hätte man ja auch an die LMU oder HU/FU gehen können! (So zumindest muss man ihren Widerstand gegen die Qualtiätsoffensive wohl lesen. Wer hingegen ein schriftliches Feedback zur Hausarbeit, eine regelmäßige Sprechstunde oder die regelmäßige Ankündigung des Seminarplans für selbstverständlich hält, dürfte eigentlich nicht beleidigt sein, wenn genau das jetzt verlangt wird. Meint man so. Ich kann mich irren.)
Weil nun Herrn Spoun die Lehre wichtig ist, möchte er das Betreuungsverhältnis ändern. Kurzfristig geht das über Lehraufträge - natürlich, das Mittel ist bewährt. Langfristig muss der höhere Aufwand, den kleinere Gruppengrößten nun einmal mit sich bringen, aus dem eigenen, festangestellten Hause erbracht werden. Das ergibt ökonomisch Sinn, daher protestiert die o. g. Professorenschaft vorsorglich gegen die unternehmerische Universität (entrepreneurial university). Die von schlechtbezahlten Lehraufträgen lebenden Wanderdozenten freut's. Hier nun der Trick: Da Profs verbeamtet sind, funktioniert die KapVO nur in eine Richtung: der vorhandene Prof muss bis zu Y Studierende unterrichten. Wenn sich aber weniger Studierende bewerben (zum Beispiel, weil man den Studiengang Sozialpädagogik schließt und die festangestellten, vorhandenen Profs stattdessen in der Lehrerbildung einsetzt) - tja: dann bessert sich das Betreuungsverhältnis von früher 1:39 auf heute 1:29 in nur drei Jahren. Und alles ohne einen (elitären) Numerus Clausus! Ein guter Draht in die Landespolitik sichert dabei (für einige Zeit) die bestehenden Zuschüsse.
linker Student (vermummt) porträtiert von Uli Stein
Und jetzt kommt das Merkwürdige: Einige, auffallend viele linke, Studierende finden diese Entwicklung doof. So zum Beispiel Ansgar Gräntzdörffer, stellvertretender Juso-Vorsitzender in Lüneburg: "Wir Jusos im Unterbezirk Lüneburg kritisieren den starken Rückgang der Studierendenzahlen der hiesigen Leuphana Universität. [...] Herr Spoun versucht durch diese Eindampfung der Studierendenzahlen das Betreuungsverhältnis zwischen den Lehrenden und den Studierenden künstlich zu verbessern, damit die Uni am Ende gute Zahlen präsentieren kann", beschwert sich der vermutlich studierende Juso auf der Lüneburger Juso-Homepage. (Skandal! Die Verbesserung ist nur künstlich!)
Im Detail moniert er
1. dass "dadurch der wachsenden Schar von Abiturientinnen und Abiturienten der Hochschulzugang versagt" werde (weil Lüneburg scheinbar die einzige Uni in Deutschland ist, und alle Schülerinnen und Schüler offenbar ein Grundrecht auf ein Studium von ihrem Kinderzimmer aus haben. Geht doch alle nach Berlin, wenn Euch die Massenuni so gut gefällt! Als ob es in Deutschland keine anderen Angebote für einen zweiten/dritten Bildungsweg gäbe... wie wär's denn mit der Fernuni Hagen?)
2. bedeuten "sinkende Studierendenzahlen [...] geringere Einnahmen für die studentische Selbstverwaltung. Durch diese Einbrüche fehlen der verfassten Studierendenschaft wichtige finanzielle Mittel für politische, soziale wie auch kulturelle Zwecke" (-- weil nämlich alle Steuerzahler den ohnehin verwöhnten Studierenden ihr Freizeitangebot bezahlen sollen. Schon mal was von fundraising gehört? Klappt bei Lunatic doch auch!)
Noch klarer äußert sich Michael Pauly, ebenfalls Student und Mitglied bei den LINKEN, in der Landeszeitung (nicht bekannt für fundierte Recherche und unparteiische Berichterstattung, vor allem im Kontext mit der ungeliebten Universität) vom 4. Juni 2010, S. 8: "Die Studenten wollen keine zusammengeschrumpfte Elite-Uni. Wir wollen, dass möglichst viele Menschen einen Zugang zur Hochschule erhalten und fordern, dass die Universität zu ihrer alten Größe von 10.000 Studenten zurückkehrt."
Seufz. Also doch lieber Masse (alle, auch Unfähige, sollen Studieren, vor allem aber ich!) statt Klasse (gute Lehre dank intensiver Betreuung)? Und wer spricht denn immer von Elite? Im Zulassungstest für den Leuphana Bachelor kann man seinen Notenschnitt um bis zu 30% verbessern - nur durch außerschulische Leistungen. Verlieren, also seinen Notenschnitt verschlechtern, kann man dabei nicht... Das ist doch keine elitäre, rein auf Noten und soziale Herkunft bezogene Auswahl - oder was stört Euch? Das Zurückstellen schulischer Leistungen geht ja soweit, dass schon die Erstsemester-Tutoren (ihres Zeichens selbst Studierende) anregen, vermehrt Rechtschreibs-und Grammatikkurse für die Studierenden anzubieten, weil dort riesige Defizite herrschen...
Für mein Teil gilt: ich möchte, dass möglichst viele geeignete und studierfähige Menschen einen Zugang zur Hochschule erhalten.
Das muss nicht unbedingt die Lüneburger Hochschule sein. Manchmal lernt man schon ganz viel, wenn man mal zu Hause auszieht. Ob diese Menschen studierfähig sind, hängt meines Erachtens in beträchtlichem Ausmaß von einer ordentlichen Schulbildung ab (Abitur = Hochschulreife -- so sollte es sein). Ich möchte, das Menschen eine ordentliche Schulbildung erreichen, unabhängig von sozialen Faktoren oder ethnischer Herkunft oder Geschlecht, oder oder ...hier ist noch viel zu tun! (Kindergartenpflicht für alle, frühkindliche Spracherziehung, verlängerte gemeinsame Schulzeit etc). Und ich möchte, dass diejenigen, die es an eine Hochschule geschafft haben, dort keine Massenuniversität vorfinden, wo man mit dem Trichter Einheitswissen vermittelt bekommt und eine individuelle Förderung nicht möglich ist. Aber so wie es jetzt aussieht, geht das nur durch zusätzliche Lehrende und verbesserte Ausstattung und Infrastruktur. (Und dazu gehört auch die Lüneburger Campusentwicklung - mehr Kurse mit weniger Teilnehmern brauchen nämlich auch mehr Räume. Vor allem, wenn die Studierenden Volgershall schon nicht mehr zum Campus zählen und sich weigern, "da draußen" (10 Minuten mit dem Fahrrad) Kurse zu besuchen Auch für Euch gilt: geht nach Berlin! Da bekommt Ihr ein ganz neues Verhältnis zu Entfernungen...)
Also, liebe Linke, liebe Jusos, liebe Studierende - protestiert ruhig, protestiert auch gerne laut, aber protestiert gegen die lähmende KapVO, und protestiert gegen die Ausbeutung von engagierten Nachwuchswissenschaftlern in faktisch unbezahlten Lehraufträgen. Protestiert für mehr feste (aber nicht notwendigerweise unbefristete) Stellen für engagierte Lehrende. Aber hört verdammt noch mal auf zu Jammern, noch dazu auf dem jetzigen hohen Niveau. Ist doch kein Wunder, wenn Euch keiner ernst nimmt.
Die Forschung, so meint man, das ist die Speerspitze des aktuellen Wissens. Hier wird Bahnbrechendes erfunden, weltveränderndes entdeckt, unverständliches verstanden und erklärt. Weiter vorne geht gar nicht. In Wirklichkeit ist das natürlich ganz anders. Niemand auf der ganzen weiten Welt ist konservativer als eine Gruppe (geisteswissenschaftlicher) Akademiker - genauer gesagt: die vielgeschmähte Professorenschaft. "Das-war-schon-immer-so" ist genauso ein Mantra wie "das-haben-wir-früher-auch-nicht"...
Studenten werden Professoren - die Kritikpunkte bleiben die gleichen...
Das hat natürlich auch gute Gründe und nachvollziehbare Ursachen: viele sind so ausgelastet mit Lehre, Nachwuchsbetreuung, Drittmittelacquise und Gremienarbeit, außerdem den allgemeinen Übeln ganz einfach nur "Chef" zu sein (SekretärInnen, Hilfskräfte, WiMis...), dass sie häufig genug gar nicht dazu kommen, den Teil ihrer Arbeit zu machen, für den allein sie ausgebildet wurden: die Forschung in ihrem eigenen Fachgebiet. (Die anderen, eben zueerst genannten Fähigkeiten eignet man sich unterwegs an... oder auch nicht. Es gehört aber in der Regel zum offiziellen Dünkel der Professorenschaft, evtl. professionelle Defizite in den Bereichen ihres Berufes, die NICHT mit ihrem Fachbereich zu tun haben, einfach abzustreiten. Man hat schließlich über Raffaels frühe Maltechnik habilitiert. Da kann man ja wohl auch einen DFG-Antrag ausfüllen oder ein interdisziplinäres Seminar abhalten. Obwohl - die gab's früher auch nicht, und geschadet hat das niemandem...) Und nun kommen noch all diese neuen Herausforderungen dazu: der Bologna-Prozess mit seiner Globalisierung, den höheren Ansprüchen an einen grundständige Lehre und einem völlig anderen Verständnis von akademischer Kultur (*Versuch wertfreier Formulierung*), dazu die Informationsgesellschaft mit völlig neuen und schnelleren Zugang zu Informationen vor allem dank Internet (es gibt immer noch Leute, die behaupten, das Internetquellen seien niemals unter keinen Umständen zitierfähig!).
Und wie reagiert die wissenschaftliche Gemeinschaft? Ich befürchte, bis auf wenige Ausnahmen (es gibt natürlich auch ganze Disziplinen als Ausnahmen) reagiert sie gar nicht.
Oder bockig.
So hat es zumindest meine Mutter genannt, wenn ich mein "so sollte es meiner Meinung nach sein" dem "so ist es aber" nicht anpassen wollte. Sie verkriechen sich, sie bejammern, was früher besser war, sie sperren sich gegen Veränderungen, selbst wenn diese sie entlasten wollen. Zum Teil ist das berechtigt, denn jede Reform und jede Revolution droht, bewährtes zugunsten des schlicht Neuen auszutauschen - oft voreilig und unbedacht. Aber nach zwanzig Jahren Internet und fast 10 Jahren WEB 2.0 fragt man sich doch, wann die Potenziale endlich genutzt werden. Für die Lehre, ja, aber vor allem für die Forschung. Die steckt nämlich noch im WEB 1.0 fest - E-Mail-Listen, H-List-Server - nützliche Tools, aber nicht die Bestmöglichen.
David Smith, Historiker mit Schwerpunkt Frankreich, hat dies zurecht auf einer der größten Konferenzen zur franz. Historie beklagt. (Link zum Vortrag: PPP und Ton). (via arthistoricum)
Der Vortrag betont die ungeheure Wichtigkeit von Konferenzen für den persönlichen Austausch, das Netzwerken und die Diskussion unter Akademikern. Das bleibt sich unbenommen. Zugleich stellt er ausführlich dar, wie schwierig es ist, an diesen ungeheuer wichtigen Konferenzen teilzunehmen, weil die Reiseunterstützung bereits in den ökonomisch guten Jahren vor der momentanen Wirtschaftskrise in vielen Fällen gekürzt oder nicht den steigenden Kosten angepasst wurden. Und er fragt sich, ob man nicht endlich Konferenzen 2.0 einführen sollte: Papers im Vorfeld online publizieren, Kommentare ermöglichen, Blogposts mit Kommentaren ermöglichen etc.
Leider deutet er die Möglichkeiten nur an (der Großteil des Vortrags belegt die schwindende finanzielle Unterstützung mit Fakten. Gejammer?)
Leider hat man das Gefühl, dass all diese Techniken schon existieren. Natürlich ist das möglich (und natürlich wird die reale Konferenz immer ungleich wertvoller sein). Aber ich fürchte, die Umsetzung scheitert an den Protagonisten. Die sind nämlich, Verzeihung, zu alt (ich meine nicht das physische Alter), zu unflexibel, zu beschäftigt oder auch einfach nur: zu überfordert. Es ist wirklich ein Generationenproblem. Und wie soll man sich denn bei dem ganzen oben genannten Arbeitsaufwand auch noch an diesen Systemwechsel gewöhnen?
Man kann mit der Überforderung kokettieren - wie Frank Schirmmacher - oder man kann sich ihr stellen. Es gab und gibt ja Beispiele dafür, sogar innerhalb der Universitäten.
Oder man könnte tatsächlich mal die jungen Leute ranlassen, bevor sie selbst zu alt dafür sind. Oder ihnen die Innovation abgewöhnt wurde...
Aber die veränderten Anforderungen und Möglichkeiten weiterhin ignorieren und so tun, als gäbe es Web, Welt und Wissenschaft 2.0 nicht - das darf man nicht.
Schließlich ist man doch ganz vorn dabei...
Den ersten Absatz habe ich zwar schon lange hinter mir, ja sogar das erste Kapitel, den ersten Vortrag und sogar die erste Publikation... genau genommen so lange, dass ich mich kaum noch daran erinnern konnte. Umso wichtiger, endlich einmal wieder etwas fertig zu bekommen!
(So weit man jemals von "fertig" sprechen kann - ich glaube, ich muss zu Beginn noch eine halbe Seite Kontext einfügen...)
"Fertig" ist unter dieser Einschränkung mein zweites Kapitel Diss, das im endgültigen Text allerdings das fünfte sein wird. Als ich es am Mittwoch einer Freundin "präsentiert" habe, war ich selbst ganz erschöpft von der komplexen Struktur, und zugleich erleichtert, dass sie funktioniert, und dass ich irgendwie ja doch ein paar Sachen herausgefunden habe. Bei den rein kunsthistorischen Erkenntnissen bin ich auch einigermaßen sicher, bei den etwas allgemeineren, kulturhistorischen Meta-Schlussfolgerungen hingegen bin ich naturgemäß etwas unsicherer. Da muss jetzt der geschätzte Doktorvater mal was zu sagen, und das heißt, ich muss es ihm zuschicken.
Bevor ich ihm allerdings irgendetwas zuschicken kann, müssen noch drei Fußnoten überprüft werden und ungefähr 103 Abbildungen ausgesucht, formatiert, im Text vermerkt und in das entsprechende (natürlich separate) Dokument eingefügt werden. Dann muss man das ganze noch einmal machen, weil die Durchnummerierung mit der im Kapitel nicht übereinstimmt. Und dann ... naja.
Diese ganze Prozedur gehört übrigens zu den abstoßendsten Aufgabe im Rahmen einer Diss. Widerlich! Stupide, langweilige Hilfskrafttätigkeit. Leider habe ich keine Hilfskraft. Und leider habe ich auch keine schönen Fotos. Alle meine Bilder sind unscharf, oder zu dunkel, oder sonst irgendwie merkwürdig - gerade gut genug, dass ich mit ihnen arbeiten konnte. Aber vorzeigen? Ich kann einfach echt nicht fotografieren, und so richtig super ist meine Kamera eben auch nicht. Also, im Falle einer ordentlichen Publikation muss da jedenfalls nochmal ein Profi ran, finde ich. Das ist traurig und ein bißchen frustrierend. Zugleich ist schon die technische Umsetzung des vermaledeiten Abbildungsverzeichnisses eine echte Herausforderung. Erstens habe ich seit Jahren keines mehr erstellt (wie war das noch mit Fotos als Primär-/Sekundär-/Tertiär-Quelle?), zum zweiten habe ich noch nie so ein umfangreiches Abbildungsverzeichnis erstellt (102 Bilder allein für dieses eine Kapitel!). "Zu meiner Zeit", also zu Beginn meines Studiums reichte es ja, auf einem Stapel Schmierpapier ein paar schlechte Schwarzweiß-Kopien aufzukleben. Heute sind die Ansprüche natürlich größer, zugleich macht die digitale Fotografie es natürlich auch einfacher, Blder und Details von Bildern in hübscher Anordnung und erkennbarer Auflösung auf ein Blatt Papier zu bringen. Aber wie genau? In den Word-Kapiteltext einbauen geht nicht. Erstens stürzt mir das Dokument schon bei siebzig Seiten ab, wenn ich ein Inhaltsverzeichnis erstellen will (weil: MSWord). Zweitens wäre ein Ausdrucken viel zu teuer. Ein neues Word-Dokument? Schwer zu layouten (weil: MSWord), und würde sofort auch zu groß und damit absturzgefärdet.
Also MSPublisher, was schließlich die zu diesem Zweck entwickelte Software ist, und dann ein PDF. (Jetzt bitte keine Hinweise auf Macs oder OpenSource Software oder Linux/Tex. Ich weiss ich weiss, aber ich bin nur ein dummer 08/15-User...) Das habe ich jetzt gemacht, aber "schön" sieht das leider nicht aus. Das scheint für Geisteswissenschaftler zwar üblich zu sein, aber ich kanns halt nicht besser. Und ich habe weder Zeit noch Nerv es zu lernen, sonst hätte ich ja gleich Grafikdesign studieren können. Dafür gibt es speziell ausgebildete Menschen, und ich bin keiner davon. (Neulich gabs übrigens eine prima Dokumentation zum Thema "Der Kunde als Knecht". Wir sind ja selber schuld...) Egal. Der Inhalt zählt...
Der Plan ist, beide Dokumente am Montag zu brennen und nach Berlin zu schicken (für eine E-Mail ist das Dokument zu groß). Und dann kann ich endlich wieder inhaltlich vorankommen, zum Beispiel, indem ich ein neues Kapitel anfange. Wäre das nicht schön?
Schön wäre es übrigens auch, nach fast drei Monaten die Zwei-Zimmer-Wohnung wieder einmal in beiden gemieteten Zimmern bewohnen zu können. Immerhin: am Montag waren die Maler da, und sie haben gestrichen. Sie haben auch die Jalousien wieder anmontiert, und die Fußleisten wieder befestigt. Was sie nicht getan haben, war besagte Fußleisten ebenfalls zu lackieren. Das hätte am Donnerstag nachgeholt werden sollen. Ja genau: hätte. Als ich von der Arbeit nach Hause kam, war das offenbar nicht geschehen. Und mein zu diesem Zweck bei der Vermieterin hinterlegter Hausschlüssel lag auch nicht wie verabredet in meinem Briefkasten. Der Plan, dieses Wochenende zum Bezug des Schlafzimmers zu nutzen fällt also ins Wasser.
wohnlich find ich das nicht...
Es kotzt mich ziemlich an. Zum Glück kann ich nächste Woche bereits Dienstag dem Chaos und "Müll" ( zwei Haushalte auf zwei Zimmer zusammengeführt, und jetzt in einem Zimmer aufzubewahrt) entkommen, weil mir eine längere Arbeitswoche in Lüneburg bevorsteht. Das ist echt neu, dass ich mich auf mein karges Zweck-WG-Zimmer fern von zu Hause freue...
Es soll nicht heißen, hier würde nicht gearbeitet!
Letzte Woche zum Beispiel sollte mit dem Verputzen des Schlafzimmers begonnen werden. In unserem jugendlichen Leichtsinn sind wir daraufhin ins schwedische Möbelhaus, um endlich ein Bett samt Matratze und Lattenrost zu kaufen. Man kann ja nicht ewig auf dem Schlafsofa liegen, und schon gar nicht auf diesem... Lieferung für Samstag!
Hat auch alles geklappt: Mittwoch wurde grob verputzt.
Allerdings muss das 10 Tage trocknen. Und dann muss meines Erachtens noch verputzt werden. Vom Streichen ganz zu schweigen... wie schaffen die das bloß bei "Zuhause im Glück" ein ganzes Haus in 8 Tagen umzubauen wenn das alles ja immer 10 Tage trocknen muss?
Bett und Matratze wurden Samstag geliefert. Die Matratze liegt jetzt auf dem Schlafsofa. Bequemer ist das allemal, und gästetauglich ist das Wohnzimmer grad ohnehin nicht.
Und ja, auch die Diss wird bearbeitet!
Es sind "nur" noch Zusammenfassungen einzufügen. Ein weiteres Beispiel für die irrige Annahme, kürzere Texte seien schneller zu schreiben... aber ich arbeite dran. Dank "Zielvereinbarung" mit einer Kollegin muss bis nächste Woche alles fertig sein (also dieses Kapitel betreffend). Und das heißt: spätestens am Wochenende muss ich das olle Abbildungsverzeichnis machen (also nur dieses Kapitel betreffend). Da kommt noch was auf mich zu. Das ist fast so eklig wie Fußnotenkontrolle. Uups. Die kommt wohl auch noch auf mich zu...
Ich habe das Rheinland eigentlich nicht verlassen, um mich dann überall mit merkwürdig aufgepflanzt wirkenden "Karnevalstraditionen" befassen zu müssen. Zum Beispiel das hochprotestantische Tübingen - das funktionierte einfach nicht. Willste Fasenacht, fahr die 10 km nach Rottenburg (katholisch). Die können das!
Und jetzt Bremen! Wer hätte damit gerechnet? Aber vor 25 Jahren hat wohl irgendjemand gedacht: ha! Das können wir auch! Und so stehen seit Stunden verkleidete Trommler vor meinem Fenster und hindern mich am konzentrierten Arbeiten.
Offenbar wollen Sie das Beste aller Karnevalstraditionen vereinigen, und so trommeln ausnahmslos alle Gruppen mehr oder weniger erfolgreich Sambarhythmen. Politische Kommentare erfolgen über Handkarren (offenbar gibt es eine Kooperation mit dem BUND).
Und die Kostüme sind bunt, liebevoll und vielfältig, wenn auch alle etwas wasserlastig. Ist das der regionale Einschlag? Google erklärt:
"Das Motto ist entstanden aus Assoziationen rund um das kostbare Element Wasser. Es zeigt sich uns in farbenfrohen, geheimnisvollen Unterwasserwelten, in märchenhaften Wassergestalten, in der sagenhaften Stadt Atlantis, in fesselnden Geschichten über versunkene Schätze, Schiffe oder Giganten des Meeres.
Dochauch die nicht aufzuhaltende Macht und die Kraft des Wassers werden uns durch bedrohliche Überschwemmungen bedingt durch Klimawandel immer bewusster gemacht. So werden beim 25. Bremer Karneval spannende Gegensätze zusammentreffen. Einerseits Figuren und Bilder, die uns die Schönheit der Unterwasserwelt in ihrer ganzen Faszination präsentieren, andererseits solche, die ihrer Wut über den verantwortungslosen Umgang mit den Ressourcen der Erde Ausdruck geben."
Ja dann.
Persönlich meine ich, einige fundamentale "Fehler" entdeckt zu haben:
1) Ihr seid viel zu früh - Rosenmontag ist erst nächste Woche!
2) keine Kamelle!
3) statt Kamelle wird Geld vom Publikum gesammelt (wofür?)
4) das Publikum ist kaum verkleidet
5) Niemand spielt "de Höhner" (zum Glück! Aber es gehört doch dazu)
Ich hoffe nur, dass es Ihnen im Dunkeln irgendwann kalt und langweilig wird, und sie irgendwo hingehen, wo es wärmer ist.Und die Trommeln mitnehmen...
Also, Schnee ist ja sicherlich wichtig zum Schlittenfahren und Schneemannbauen.
Überflüssig ist er auf der Straße, dem Radweg und auf Fußwegen. Vor allem, wenn es erst etwas taut, dann festgetrampelt wird, und dann wieder friert. Braucht kein Mensch!
Daher kann ich der Krümelmonster AG nur zustimmen:
Ob die Renovierung vom Schimmelzimmer so funktioniert?
1. Putz abschlagen, damit man die Wand trocken legen kann...
...führt zu Unmengen Staub auch im Rest der Wohnung. (Einmal feudeln reicht wohl kaum, aber....
...mit der Detailreinigung nicht benutzter Dinge kann man warten, bis die Handwerker wirklich fertig sind. (Diese Schuhe trage ich im Moment ohnehin nicht. Lammfellstiefel sind angesagt!)
2. Mysteriöse Maschinen aufstellen und mit ...
...2a) merkwürdigen Instrumenten an der Wand...
... verbinden (2b)). Zuletzt...
...3. die Bewohner am Trocknungsprozess teilhaben lassen!
Problem bei der ganzen Sache: Das Ding steht da seit Freitag abend, und bisher hat es weder jemals gepiept noch einen einzigen Tropfen Wasser im Behälter gezeigt. Ob das richtig angeschlossen ist? Und wann die Handwerker wohl wiederkommen, um das zu überprüfen? Immerhin soll schon diese Woche wieder verputzt werden...
Nachdem ich mir klar gemacht hatte, was Diss-mäßig zu tun war, war ich echt ziemlich fleißig. Johannesburg nimmt Gestalt an, noch dazu die Gestalt eines kunsthistorischen Textes.
Gestern um 22.14 schicke ich das geänderte Dokument zwecks Back-up an meinen Google-Docs account und fahre den Rechner herunter für den Tag. Dann fiel mir ein, dass ich die Citavi-Datenbank besser auch noch sichern sollte und fahre den Rechner wieder hoch.
Nur dass er nicht reagiert: "unmountable boot volume"behauptet er. Was immer das heißen soll.
Aber war ja klar: ungefähr vorgestern muss die zwei-Jahres-Garantie abgelaufen sein.
ich geh dann mal duschen...
PS: offenbar ist die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos.
Viele Menschen scheinen ein ähnliches Problem gelöst zu haben und konnten ihre Daten retten. Haltet mir die Daumen - ich hab mich immer noch nicht von der letzten Katastrophe erholt...
Und nein, ich schreibe nicht von meinem eigenen Rechner aus.
Das Jahr 2008 ist mir wegen Auslaufens des Stipendiums, Arbeitssuche, Umzug, Einarbeitung in einen neuen Job etc. Diss-technisch in großen Teilen abhanden gekommen. Das sollte letztes Jahr besser werden. Der Plan war: mehrfach Urlaub nehmen um mal am Stück dran zu arbeiten. Kapitel 5 fertig kriegen (NB: ich schreibe nicht in der "richtigen" Reihenfolge. Fertig ist bisher erst Kapitel 4 und Fragmente der Kapitel 1 und 2. Und jetzt fragt mich nicht nach Seiten oder Prozent, was weiß denn ich?)
Kapitel 5 schien mir besonders interessant, aber auch sehr komplex. Ausgehend von sechs, dann doch nur vier Detailanalysen von Bahnhöfen in den USA, Südafrika, und dem damaligen Reichsland Elsass-Lothringen soll etwas über politische Bildpropaganda schreiben. Noch nie haben sich einzelne Texte so stark dagegen gesperrt, geschrieben zu werden. Ich wusste zwar recht früh, worauf ich hinaus will - doch das WIE der Argumentation war richtig schwer in Form zu hauen...
schwer in Form zu bringende Diss...
Was ich 2009 tatsächlich (endlich) geschafft habe: Alle Einzelanalysen stehen. Es fehlte nur noch der Meta-Text, die Rahmenanalyse, in der ich die Ergebnisse abstrahiere und zusammenführe. Daran arbeite ich (unregelmäßig) seit Dezember. (Ha! Wollte im Juni damit fertig sein! Egal...) Und komme zu folgendem Ergebnis:
1. Der Teil über Cincinnati und Elsass-Lothringen ist ok. Was zu tun ist: Von einem Muttersprachler gegenlesen lassen. Dem Doktorvater vorlegen.
2. Der Teil über Johannesburg geht gar nicht. Die Hälfte von dem, was ich letztes Jahr dazu geschrieben habe, ist zwar interessant, und war für meine Erarbeitung des Themas grundlegend - ist aber leider nicht wichtig für den Text. (siehe auch den Post: Südafrika on my mind.) Was zu tun ist: Kill your darlings! (Schmerzhaft. Schwierig.)
3. Der restliche Text über Johannesburg stimmt in der Aussage, aber nicht in der Form oder Struktur: Das ist einfach keine gute Kunstgeschichte. Kunsthistoriker gehen vom Bild aus, sie beschreiben das, was sie sehen (Ikonographie: was sehe ich auf dem Bild?). Erst dann analysieren sie das Bild/Werk und interpretieren die Darstellung z. B. mit Hilfe des zeitgenössischen politischen Kontextes (Ikonologie: was bedeutet das Bild?)
Mein Text formuliert eine These, begründet sie mittels Zeitgeschichte und Sekundärliteratur, und zieht dann die Bilder zur Illustration heran. Das ist nicht Kunstgeschichte. So arbeiten nur Historiker (no offence).
Was zu tun ist: Entweder alles umschreiben. (Nicht schon wieder, jammer!) Oder alles wegstreichen und ohne diesen Teil auskommen. (Die ganze Arbeit total umsonst? Oh weh...)
4. Beim Zusammenfügen der Einzelanalysen zu einem zusammenhängenden Kapiteltext mit Einleitung (was will ich in diesem Kapitel herausfinden), Hauptteil (Analysen) und Schluss (was habe ich herausgefunden, lässt sich das verallgemeinern, und wenn ja, wie?) fällt mir auf: Alles was ich zum Thema Nationalstaatenbildung, nationale Mythen etc im letzten Jahr gelesen habe, ist hoch interessant. Man könnte daraus einen Beitrag zur Kulturgeschichte der Nationalstaatenbildung basteln, oder etwas Soziologisches, oder Politikgeschichtliches... aber ich bin Kunsthistorikerin. Das ist nicht meine Aufgabe. Das kann ich nicht (gut). Und deshalb fällt es mir auch so schwer. Fazit: Weitere vier Monate Lektüre und Gegrübel für die Katz... Kein Wunder, dass das alles so lange dauert und nicht fertig wird.
Was also zu tun ist: Den verdammten Text umschreiben, zusammenfügen, Abbildungsverzeichnis erstellen, E-Mail an den Doktorvater. Und dann endlich mit dem nächsten Kapitel weiterkommen...
Links:
Der aktuelle Wikipedia-Eintrag zur Ikonographie scheint mir Blödsinn zu sein. Ich lasse ihn daher mal weg.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ikonologie
Bildquellen:
http://www.comedix.de/interaktiv/wallpaper/1024/hinkelstein.jpg
Gute Vorsätze sind doof. Außerdem funktionieren sie nicht.
Heute morgen zum Beispiel wollte ich trotz Ferien (!) einmal früh(er als sonst) aufstehen und den möglicherweise verkaterten (Wodka! Sekt! Martini! alles durcheinander!!), ganz sicher aber immer noch leicht grippig-maladen Liebsten mit einem schicken Milchkaffee am Bett wecken. Ein liebevoll-romantischer, fürsorglicher Start ins Neue Jahr!
Leider weckte ihn dann mein Schmerzensruf, hatte ich mir doch beide Hände an der heißen Milch verbrannt... So eine überflüssige Verletzung!
Das perfekte Neujahrsfrühstück (Bagels, Lachs, Rührei, Krabben) musste nun der Meinige selbst anrichten. Ich hatte die Hand mit einer feuchten, tiefgekühlten Serviette umwickelt und beobachtete mäßig beeindruckt, wie 3 Polizeiautos und 3 Leiterwagen der Bremer Feuerwehr mit ca. 12 Mann Besatzung plus Einsatzleitung im eigenen Auto den Schwelbrand im Keller vom Café gegenüber löschten..
Es ging etwas schneller, nachdem der Polizeiwagen vom Hydranten runtergefahren war.
Das hatten sich die Nachbarn sicher auch nicht vorgenommen fürs Neue Jahr! Aber man muss sich ja noch steigern können.
Heute mit wunden Fingern das letzte Weihnachtsgeschenk fertiggestellt, fotografiert (für den "Werkkatalog") und eingepackt. (Klar, dass das hier nicht veröffentlicht werden kann.) Der Maurer war da, betrachtete den Schimmel, kletterte einmal halb aus dem Fenster, schüttelte betrübt den Kopf, und bemängelte die Kälte im Schlafzimmer (zwei Außenwände). Die Kälte im Schlafzimmer hatte ich auch schon mal bemängelt, aber was soll ich tun? Die Heizung dort heizt eben nicht so wie im Rest der Wohnung (weniger Heißwasserschlingen im Estrich?), die sich nach kurzem Zwischen-Hoch jetzt zwischen 19 und 20°C einzupendeln scheint. Abwarten! Der Maurer verließ die Wohnung und fand den Besitzer des Nebenan-Appartments im Nachbarhaus, das an unserere Außenwand grenzend mit einer großen Dachterrasse gesegnet ist. Von dort scheint der Übeltäter ausfindig gemacht worden zu sein: rissige Wand und Efeu.
(Vom Efeu können wir viel lernen: er ist sehr grün und läuft spitz aus. Er rankt rasch, und er ist vom Haus, an dem er wächst, schwer zu entfernen.
Was uns der Efeu lehrt? Ich will es so umschreiben: Das Grünsein lehrt er uns. Das rasche Ranken. Den spitzen Auslauf und, um den Gedanken noch abzurunden: auch das Haftenbleiben.
Haftenbleiben kann der Efeu, indem er in die Mauer kriecht. Mit ihm kriechen Frost und Feuchtigkeit und was-weiß-ich-was-schädlich-für-die-Wand-ist. Hinzu kommt der Temperaturunterschied zwischen draußen und drinnen, sowie drinnen (Schlafzimmer) und drinnen (restliche Wohnung), der offenbar dazu führt, dass sich an der vorgeschädigten Wand besonders viel Kondenswasser niederschlägt.
Bei diesem Wetter (kalt, Schnee) und dieser Jahreszeit - d. h. zwischen zwei Jahren - läßt sich unser Problem nicht so gut beheben. Immerhin dürfen wir im Januar in die gerade frei gewordene Nachbarwohnung ausweichen. Ab Februar sollte der Schimmel dann besser verschwunden sein.
Sicherheitshalber begebe ich mich ab morgen in die Weihnachtsferien. Bloggen ist unwahrscheinlich. Falls ich mich also dieses Jahr nicht mehr melde - gesegnete Feiertage und guten Rutsch - wir sehen uns 2010!
Also bis Weihnachten soll es ja wieder milder werden, der Schnee wäre damit wohl auch erledigt. Also nix mit "White Christmas". Aber welcher Stadmensch träumt schon ernsthaft von Schnee? Eis und Matsch, oder - noch schlimmer - vereister Matsch auf den Straßen und Gehwegen. Auf die nassen Füße könnte ich auch verzichten. Aber vielleicht sollte ich mir auch einfach nur einmal ordentliche Winterstiefelchen besorgen - genau! Wie konnte ich mir diese wunderbare Ausrede, neue Schuhe zu kaufen, solange entgehen lassen?
Dennoch: das frightfulle weather outside kann man natürlich stets durch delightfulles fire inside ausbalancieren. Leider haben wir keinen Kamin. Wir haben eine Fußbodenheizung. Wir haben eine Fußbodenheizung, die nicht richtig funktioniert. Momentan sind es knapp 14°C im Wohnzimmer. Im Schlafzimmer hält man sich am besten voll bekleidet, ausgestattet mit mehreren frisch gefüllten Wärmflaschen und eingemummelt in alle vorhandenen Daunendecken auf. Oder gar nicht - die mangelhafte Heizung hilft nämlich nicht dabei, den Schimmel wieder aus der Wand zu bekommen. Wir haben ihn am Mittwoch entdeckt. Die Wand am Kopfende unseres Bettes ist bis zur Höhe der Gürtellinie damit durchwachsen. Links http://www.youtube.com/watch?v=m51ay8nXIeU
Irgendwie scheint mir das öfters zu passieren. Letztes Jahr flog mir fast der Boiler um die Ohren - wisst Ihr noch? lieber kalt als abgebrannt
Edit: Irgendwann sprang die Heizung an. Heute sind es mollige 23,2°C. Fast schon ein bisschen zu warm. Wie es is', isses falsch... Aber es wäre schön, wenn wir bald herausfinden könnten, wie das Ding zu regulieren ist, oder ob es eigenen Gesetzen folgt. Edit 2: Inzwischen (Dienstag) sinkt die Temperatur wieder. Momentan stehen wir bei 19,2°C. Mir ist klar, dass man Fußbodenheizungen nicht so regulieren kann wie eine "normale" Zentralheizung. Aber dass sie sich selbst so schwankend reguliert ist schon irgendwie merkwürdig.
Bis 2019 fallen allein an der Hamburger Kunsthalle 17 Stellen weg. Niemand soll gekündigt werden, vielmehr scheiden die vorhandenen Mitarbeiter altersbedingt aus, und die Stellen werden dann nicht neu besetzt. Warum das Ganze? Sparzwang, natürlich. Aber das meine ich auch nicht. Die Frage ist aber: was machen diese 17 Leute in der Kunsthalle heute, das so unwichtig ist, dass es in Zukunft nicht mehr erledigt werden muss?
Oder wird es erledigt, nur anders, billiger? (Irgendwie muss man diese ganzen auf Praktika angewiesenen BacholorEtten ja unterbringen... ) Oder werden stattdessen die Aufgabengebiete der verbleibenden Mitarbeiter umverteilt? Wie glaubt denn die Stadt Hamburg, dass Museen attraktive und originelle Ausstellungen machen können, wenn das Personal dafür fehlt? Wie sollen denn die Besucherzahlen wachsen und eine Klientel angeworben und bedient werden, die nicht dem klassischen Bildungsbürgertum entstammt? Auch das wäre Bildungspolitik...
"Ich brauche keine Führung, ich hör den AudioGuide/lese den Katalog..." hat mir mal jemand gesagt, als ich mein berufliches Selbstbild (Kunst-Vermittlerin, Kunst-Dolmetscherin) beschrieben habe. Genau. Die Kataloge wachsen auf Bäumen, die muss man nur noch pflücken. Und die Audio-Guides produzieren sich auch von selbst. Was leider stimmt: beides kann man auf den Markt bringen ohne (bei einem Museum) fest angestellt zu sein. Oder sollte ich sagen: Zum Glück?
Ich glaube, über kunsthysterische Berufsaussichten hab ich noch nie geschrieben. Zuletzt gings um Museen hier:Slow Art. Ein neuer Trend im Museum.
Davon abgesehen, dass man "gar nicht" (analog wohl "gar nix") gar nicht zusammen schreibt, ist diese Ankündigung auf dem Transparent vor dem nunmehr nach vollen vier Wochen Besetzung "geräumten" Hörsaal 1 eine tröstliche Angelegenheit. Klingt auch so hübsch kämpferisch, und täuscht völlig darüber hinweg, dass der Hörsaal von den Studierenden selbst geräumt wurde - ein kontrollierter Rückzug. Wenn es nach der Hochschulleitung gegangen wäre, hätten die Studierenden wahrscheinlich dort auch einen Weihnachtsbaum aufstellen und auf das Christkind warten können. Fakt ist, dass schon seit zwei Wochen andere Studierende angefangen hatten sich zu beschweren - die wollten nämlich schon länger ihren Hörsaal wiederhaben. (hier, besonders in den Kommentaren...)
Auch "Freiraum erkämpfen!" klingt wunderbar martialisch. (hab leider keine Kamera hier, sorry: versuche ein Foto nachzureichen!) Viel besser als "Vorhandenen Freiraum endlich nutzen!" - denn seien wir ehrlich: der AStA klagt auch in Lüneburg über Nachwuchssorgen, denn die Bachelors und Bacheloretten wollen sich alle nicht fürs zeitaufwendige StuPa aufstellen lassen. Das heißt wohl, die offiziellen, vorhandenen Gremien für die studentische Mitbestimmung werden nicht so flächendeckend genutzt, wie es möglich wäre. Und damit werden auch nicht die vorhandenen Räume genutzt, denn natürlich hat der AStA in Lüneburg mehrere Räume zur Verfügung, in denen man sich regelmäßig treffen kann. Und mittwochs nachmittags dürfen laut Leuphana Bachelor Rahmenstundenplan keine (Pflicht-) Veranstaltungen stattfinden, explizit um Freiraum für studentisches Engagement und Gremienarbeit zu ermöglichen.
(Wieso werden die vorhandenen Freiräume nicht genutzt? ist also m. E. die interessantere Frage - vielleicht weil sie von den Nachwuchs-68ern und anderen Kapitalismuskritikern so vereinnahmt werden, dass sich "nur" für Hochschulpolitik interessierende Studierende abgeschreckt fühlen? Offenbar hat die organisierte Studierendenvertretung Akzeptanzprobleme. Wieso wurde denn so großen Wert darauf gelegt, dass die Hörsaal-Besetzung nicht vom AStA organisiert wurde, sondern von "richtigen" Studierenden? Der AStA an sich ist zwar wichtig und leistet gute Arbeit, aber er ist nicht wirklich demokratisch legitimiert ( x% der Stimmen von 29% der Wahlberechtigten? Hallo?? findet ihr das wirklich repräsentativ?) Warum wollen die Besetzer nicht einmal einen Freiraum in der Nähe des (sehr zentral platzierten) AStA-Büros? Und warum wollen sie den einzigen Raum, über den das Präsidium nicht verfügen kann, weil er der Campus Management AG gehört? Aber das nur am Rande...)
Nun zu den Erfolgen der Besetzung hier auf lokaler Ebene: 1. Man hat sich ein Gespräch mit dem Präsidenten erstreikt! Hurra - obwohl er das natürlich schon am Tag 1 der Besetzung angeboten hatte. Aber da wussten die Studierenden ja noch gar nicht, was sie eigentlich wollen und mußten das erstmal beraten. Is' ja auch richtig so.
2. Man kämpft für die Abschaffung der Anwesenheitspflicht. (hier und nochmal hier) Wirklich? Wenn das Eure größte Sorge ist, dann jammert Ihr in Lüneburg wirklich auf verdammt hohem Niveau... Denn, seien wir mal ehrlich: laut RPO im Leuphana Bachelorgibt es überhaupt keine Anwesenheitspflicht. Sie ist zumindest keine Studienleistung. Und wenn eine Empfehlung ausgesprochen wird, dass die Studierenden doch bitte an 75% des Seminars auch tatsächlich teilnehmen wollen - wer will einem Lehrenden das verdenken? Immerhin geht es hier um Bildung. Wissen erwerben - also ein Buch lesen - kann ich auch alleine zu Hause im stillen Kämmerlein. Aber Bildung - sei es Persönlichkeitsbildung oder auch nur Meinungsbildung - Bildung erwerbe ich allein in der Auseinandersetzung mit anderen, und zwar in der Diskussion über das zuvor im o.g. Buch gelesene abstrakte Wissen. Daraus folgt
1. dass ich ins Seminar gehe und 2. dass ich vorbereitet ins Seminar gehe. Und 3. sollte ich dann dort tunlichst den Mund öffnen, und mich aktiv beteiligen.
Dafür zahlen wir Geld, dies ist die Infrastruktur, die uns nur eine Universität bieten kann, hier findet die "exzellente" Lehre statt, um und für die wir kämpfen - und dann habt Ihr das größte Problem damit, dass von Euch erwartet wird, tatsächlich teilzunehmen? Findet Ihr das nicht auch ein bisschen paradox?
Persönlich habe ich genug Lehrerfahrung um beurteilen zu können, wie frustrierend es sein kann, wenn man einen sorgfältig durchdachten Seminarplan erstellt hat, nur damit dieser durch das offensichtliche Desinteresse (schlechte Vorbereitung, unentschuldigtes Fernbleiben) von Studierenden torpediert wird. Auch ist es das Recht der Lehrenden zu wissen, wer wann da war und bestimmte Informationen tatsächlich erhalten/Referate gehört/ an Diskussionen teilgenommen hat. Anwesenheitslisten können das gut dokumentieren.
Und auch wenn einige Lehrende der Versuchung erliegen, eine in der RPO nicht verankerte Anwesenheitspflicht mittels solcher Listen zu suggerieren - ja seid Ihr nun erwachsene, selbstverantwortliche Menschen mit Informationskompetenz oder nicht? Laßt einzelne Lehrende doch leere Drohungen aussprechen - sie können und dürfen Euch nicht wegen mangelnder Teilnahme von Prüfungsleistungen ausschließen! Persönlich wage ich zu äußern, dass die meisten Studies von einer regelmäßigen Teilnahme auch in der Prüfung profitieren würden - und zwar schlichtweg, weil sie dann besser auf die Prüfung vorbereitet wären. So simpel ist das nämlich manchmal.
Allerdings ist mir allerdings schon aufgefallen, dass in der direkten persönlichen Auseinandersetzung mit Prüfungsberechtigten unsere ach-so protestbereiten Studierenden häufig nicht einmal zu einer erwachsenen Gesprächsführung (höflicher Ton und Wortwahl) bereit sind. Sie schreiben geradezu unverschämte Briefe an Prüfungsamt, Studiengangskoordinatoren, oder das in diesem Kontext weitestgehend anonyme Präsidium und fordern dies oder jenes. Die Forderungen sind oft berechtigt - es geht mir um grundlegende Anzeichen von Höflichkeit und Respekt - aber warum sprecht Ihr nicht direkt mit dem für den Mangel verantwortlichen (Dozenten)? Warum traut Ihr Euch nicht, öffentlich und auch im Angesicht von möglichen Sanktionen (die wohl in 99% der Fälle unbegründet bloß befürchtet werden) einmal zu Eurer Meinung zu stehen? Dazu gehört weit weniger Zivilcourage als die "Weiße Rose" damals aufbringen musste, und doch möchten bspw. die drei Sprecherinnen des besetzten Hörsaal 1 ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. (hier) Ja Himmelsakra, warum denn nun eigentlich nicht? Schämt Ihr Euch? Angst vor Exmatrikulation? Glaubt Ihr wirklich, eine geduldete Hörsaalbesetzung mit der allseitigen Ermutigung zu konstruktiven Gesprächen führt zu Exmatrikulation? Oder man könnte die "Rädelsführer" aus einem festen Kern von 40 Besetzern nicht durch einfaches Vorbeigehen identifizieren? Ist "Kaja" etwa ein so häufiger Vorname!? Werdet erwachsen! Wie aufgeschlossen gerade auch Präsident Spoun Euren Forderungen gegenüber ist, habt Ihr doch selbst dokumentiert:
Statt das Angebot einer konstruktiven, auf win-win angelegten Zusammenarbeit anzunehmen, wohlt Ihr Euch nicht "niederkuscheln" lassen. Schön, wenn der Feind identifiziert ist. Allein, die Begründung des Feindbildes entgegen jeglicher Erfahrungswerte schmeckt nach ererbtem Vorurteil. Wohlgemerkt: ich bin den Studierendenprotesten wohlgesonnen. Aber Ihr macht es mir verdammt schwer, mich nicht über sie lustig zu machen, denn zu sehr scheint alles einer vorgegebenen Inszenierung zu folgen, die nicht authentisch wirkt. Wahrscheinlich war das bei uns damals genauso, aber Ihr bleibt echt hinter Euren Möglichkeiten zurück. Weil Ihr immer noch APO spielt, aber an deren Ideen nicht mehr glaubt. Weil Ihr Euch nicht mal traut, Euren kleinen (aber wichtigen) Forderungen Euren Namen und Euer Gesicht zu geben. Und weil Ihr nicht bereit seid, verantwortliche Konsequenzen aus Eurem Unmut zu ziehen (z. B. durch konstruktives und vor allem dauerhaftes und daher anstrengendes Engagement in den immer noch vorhandenen hochschulpolitschen Gremien). Und dann rasselt Ihr wieder mit den Säbeln und probt Eure unnütze und überflüssige Krawallrhetorik, nur weil das kulturelle Gedächtnis sich immer noch an Dutschke und Co orientiert. Das ist doch traurig. Ihr wollt nicht sein wie "die Leute vom AStA"? Benehmt Euch nicht so. Irgendwie tut Ihr mir alle ein bißchen leid.
Bildquellen: http://www.flickr.com/photos/hoersaal1lg/4155879602/ und http://hoersaal1lg.zzl.org/?p=583