Mittwoch, 31. Dezember 2008

Die Freuden des Fliegens. Spießiges Silvester.

Flughafen Bilbao: sehr schön aber klein und ereignisarm

Der Flughafen in Bilbao, wie das berühmte Guggenheim Museum ebenfalls ein Stück "Starchitecture", allerdings von Calatrava, ist zwar wunderschön. Aber wenn man den Regeln des internationalen Flugverkehrs folgt und ca. zwei Stunden vor Abflug am Check-in Schalter steht, hat man mehr Zeit die Architektur zu genießen, als einem lieb ist. Der Flughafen ist zwar ein eindrucksvolles Gebäude, aber eben auch klein. Man kann einen überteuerten Kaffee trinken, oder ein überteuertes Boccadillo essen, oder überteuerte regionale Spezialitäten kaufen, aber das ist es denn auch schon.

Flughafen Paris Charles de Gaulle: deutlich größer, dafür häßlich und ereignisarm
Bildquelle: http://www.skycontrol.net/UserFiles/Image/Industry_img/200801/200801-controlware-communications-CCTV-Paris-charles-de-gaulle-b.jpg

Fliegt man dann endlich ab, mit einer dieser winzigen Maschinen, so landet man kurz nach dem Start schon wieder in Paris Charles de Gaulle, weil Air France nunmal immer über Paris Charles de Gaulle fliegt. Dort stellt sich heraus, dass der Flughafen zwar nicht so schön, aber deutlich größer ist, bezüglich der Freizeitgestaltung einer gelangweilten Reisenden aber auch nicht viel mehr zu bieten hat als das beschauliche Bilbao. Sicher, es gab einen Zeitschriftenhändler, sogar mit internationalen (englischsprachigen!) Büchern, und ein beeindruckend umfangreiches Sortiment von Champagner und Gänsestopfleber im Duty Free Shop. Ansonsten gesellten sich zu überteuertem Kaffee, überteuerten Sandwiches und überteuerten Spezialitäten nur noch überteuerte (weil leider nicht steuerfreie) Kosmetika und Parfums. Eine PlayStation 3, die man offenbar kostenlos bespielen konnte, war natürlich von allerlei jungen Männern belagert, die damit auch umgehen konnten.


Sicherlich: hätte ich nicht erst vor einer Woche schon einmal viereinhalb Stunden hier verbracht, hätte ich mich vielleicht zwei Stunden mit dem Betrachten der Auslage und dem Ausprobieren diverser Duftstoffe beschäftigen können. Bei meinem zweiten Stopp gleicher Länge innerhalb von acht Tagen war der Reiz des Neuen allerdings verflogen. Ich wollte lieber nach Hause.
Zum Glück ist dem Herrn Dumas sein Graf von Monte Christo ein sehr langatmiges Buch, besonders in der ungekürzten französischen Originalfassung (mit Erklärungen im Anhang).
Eigentlich kein Wunder also, dass ich nach 13 Stunden Brutto-Reisezeit, von denen ich zwei Drittel auf zugigen Flughäfen oder Bahnsteigen zugebracht habe, den Montag erst einmal mit einem Anflug von Grippe im Bett geblieben bin. Silvester war akut gefährdet.
Der Meinige und ich haben uns daher für ein herrlich unspektakuläres Silvester zu zweit entschieden - ohne Raclette, ohne Feuerwerk, ohne - nja ok. Dinner for One (vorsorglich auf Video besorgt, da kein TV-Anschluß) muß schon sein... Und Knallbonbons. Bleigießen. Champagner. Was leckeres zu essen (Gemeinsame Zubereitung: 4 Stunden. Aufessen: 30 Minuten)...
Aber sonst: wunderbar unaufgeregt. Hätten meine Eltern so gefeiert, hätte ich es spießig gefunden. Aber es war herrlich!
Frohes und Gesundes neues Jahr!

Vorsätze für 2009:
1. Diss fertigstellen. (Natürlich.)
2. 5-10 Kilo abnehmen. (sobald die Reste vom Silvesteressen und die übrigen Lebkuchen aufgegessen sind. Natürlich.)
3. Sag ich nicht. (Aber wenn es klappt, wird es hier veröffentlicht. Natürlich.)



Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Santiago_Calatrava
http://de.wikipedia.org/wiki/Guggenheim-Museum_Bilbao
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo
http://www.amazon.fr/Comte-Monte-Cristo-1-Alexandre-Dumas/dp/226609033X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1230917906&sr=8-1

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung von Baskische Weihnachtsbräuche

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Baskische Weihnachtsbräuche

Über Weihnachten eine Woche nach Spanien, das hat mir viel Neid eingetragen. Was die Neider nicht bedacht, und ich nicht ordentlich erklärt hatte: Technisch ist San Sebastian ja gar nicht Spanien. Sondern Baskenland. Und die Lage am Atlantik, statt dem stets automatisch assozierten Mittelmeer, führt nun auch nicht gerade zu Gelüsten, sich unentwegt nur am Strand aufzuhalten... zumindest nicht bei mir.

Zwar genieße ich sofort und ohne Reue auch im Winter lange Spaziergänge am Meer, betrachte die Wellen und freunde mich mit Möwen an - nicht ohne mit selbst mich ermüdender Vorhersagbarkeit Morgensterns "Möwenlied" zu zitieren. Anders als die meisten Einheimischen (inklusive diverser zugezogener Wirtschaftsflüchtlinge aus meiner näheren Verwandtschaft) zähle ich aber nicht automatisch die Perioden, berechne Ebbe oder Flut oder den Abstand zwischen Wellenkamm und Wellental. Noch weniger schmeiße ich mich bei knapp 3°C in einen Neopren-Anzug, klemme mir ein Long- oder sonstiges Board unter den Arm, und trabe die knapp 100 m hinunter zur Concha, dem kleineren der beiden Badestrände in SanSeb, um eine Runde zu surfen... Aber da war ich wohl die Einzige.

Für mich war es viel spannender, und zugleich genauso pittoresk, mir die Parade anzuschauen, mit der der Olentzero, samt Schafherde, "Ochsenkarren" (es gab Ochsen, aber das Ding war motorisiert) und mit Geschenken bepackten Eseln* durch die Stadt zog.



Der Höhepunkt des Ganzen bestand darin, ähnlich wie Macy's Santa Claus in New York, dass der Olentzero auf einer Bühne saß und vom Fernsehen live verfolgt die Wunschzettel der baskischen Kinder entgegen nahm.

Das Tragen baskischer Tracht war dabei offenbar nicht unbedingt Pflicht, aber das hat weder Alt noch Jung gestört - mystische Bräuche, Geschenke UND Verkleiden: Das sind drei Dinge auf einmal! Und natürlich geht das! Und Spaß hat es gemacht. Ist es nicht schön, dass man mitten in Europa noch so viel Exotik erleben kann?
Danke nochmals, liebe Auswanderer!



*Die tanzenden Weihnachtsbäume werde ich verschweigen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Baskenland
http://en.wikipedia.org/wiki/Olentzero
http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Morgenstern
http://www.gedichte.vu/?moewenlied.html
http://www.macysbelieve.com/

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Wunschzettel

Gut, dass bald Weihnachten ist - diese Puppe möchte sicher jedes kleine Mädchen haben.
Da der Film in den USA PG-13, in Deutschland allerdings erst ab 16 freigegeben ist, sollte man wohl gleich die DVD mit dazu kaufen, damit die lieben Kleinen auch verstehen, womit sie da spielen...

http://www.boingboing.net/2008/12/16/special-barbie-comme.html
http://www.imdb.de/title/tt0056869/
http://www.amazon.de/Die-V%C3%B6gel-Rod-Taylor/dp/B000IU37B6/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=dvd&qid=1229542406&sr=8-3

Dienstag, 16. Dezember 2008

Warnung an alle Doktoranden...



...offenbar ist es an den amerikanischen Ivy League Universitäten auch nicht besser... auch wenn die Fama es anders will. Man hätte gewarnt sein können. Immerhin sind diese Comics schon seit 1998.


http://www.phdcomics.com/comics/archive/phd0427s.gif
http://www.phdcomics.com/comics/archive/phd0429s.gif

Montag, 15. Dezember 2008

Umzug vollzogen

Sechs Wochen nach dem Umzug/Einzug kann ich fast so etwas wie Verzug melden: von den 40 Kartons sind fast alle ausgepackt. Nur in der Küche stehen noch Kisten, mangels Küchenschränken dienen sie der Lagerhaltung. Gemütlich ist anders, aber der Mietvertrag läuft ja auch nur bis Ende März. Da lohnt sich weiteres Auspacken kaum.

Sehr wohnliches Wohnzimmer. Hier weihnachtlich, kurz nach ausgiebigem
Kaffeeklatsch mit sieben älteren (aber kein bißchen leisen) Damen
aus der unmittelbaren Nachbarschaft...

Immerhin: alle anderen (zwei) Räume sind schon sehr wohnlich - Bücher im Regal, Bilder an der Wand etc. Sogar Telefon habe ich schon. Und seit einer Woche auch Internet - ob ich jetzt wieder regelmäßiger blogge?
Richtig gemütlich wird es aber immer erst am Wochenende, wenn der Meinige sehr dekorativ auf meinem Bett sitzt - mangels Sofa der bequemste Ort der Wohnung - um den Spiegel zu lesen...

Dekorativer Mann bei der Lektüre politischer Magazine (verfremdet)

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Karl der Große - Verschwunden.

Flickr-User Daumesnil hat ihn 2007 noch gesehen...

Der Bahnhof von Metz. Hauptattraktion (für mich): ein Glasfenster mit einer Darstellung von Karl dem Großen. Morgens um sieben saß ich demnach im Zug von Stuttgart nach Straßburg (Zwischenstop, die Fresken dort sind längst zerstört, wen wundert's, zeigten Sie doch das Deutsche Kaiserreich in all seiner Pracht). Von Straßburg aus weiter nach Metz, und alles nur, um Charlemagne zu sehen.
Allerdings war er nicht da. Natürlich kam ich - anders als der Flickr-User, dessen Bild ich mir ausgeliehen habe (s.o.) - nicht einmal in den Kaisersaal, wo er seit 100 Jahren standesgemäß untergebracht ist. Oder besser, war, denn von außen zeigt sich: der hohe Herr ist ausgeflogen.

Außenansicht des Kaiserpavillons mit bzw OHNE Fenster von Charlemagne...

Für Hinweise auf den Verbleib wäre ich dankbar...


Foto: http://flickr.com/photos/daumesnil/sets/72157600622381554/

Dienstag, 21. Oktober 2008

Kaum hatte ich mir auch nur einen Kaffee gekocht...

... war der Tag irgendwie schon vorbei. Vielleicht klappt ja heute abend noch was. Schließlich gibt es ja elektrisches Licht, damit man auch NACH Sonnenuntergang noch am Rechner sitzen kann.

Dieser Artikel ist ein Update zu Bücher sind Lebensmittel. Pro Prokrastination. Schon wieder. Kein gutes Zeichen.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Bücher sind Lebensmittel. Pro Prokrastination.

Letzten Montag ist ja bekanntermaßen das langersehnte und hier schon öfter angekündigte Buch erschienen. Kathrin Passig und Sascha Lobo: "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin".
Da ich gerade drei bis sieben schwere Bücher, teils in französischer Sprache, allesamt langersehnte Fernleihbestellungen mit einem Gesamtwert von zehn Euro fünfzig aus der Unibibliothek abgeholt hatte, Rückgabe spätestens 30.10., lag es nahe, "Dinge geregelt kriegen..." sofort zu kaufen und zuerst zu lesen.
Gesagt, getan. Obwohl ich ja das Lesen von Sachbüchern eigentlich ablehne und es vorziehe, in meiner Freizeit möglichst effiziente Realitätsflucht zu betreiben, habe ich das Buch ohne Abzusetzen durchgelesen. Einiges Vorwissen hat sich bestätigt, einiges habe ich neu dazugelernt. Beides lässt sich auf wenige Punkte zusammenfassen:

1.) S. 8-287
Passig und Lobo schreiben sehr unterhaltsam, ohne einem das Gefühl zu geben, unfundiert zu sein. Sie haben bloß die Fußnoten ausgegliedert und im Begleit-Blog publiziert. Das macht das Lesen erstmal angenehmer.
(bekanntes Vorwissen, da ich a) das Blog zum Buch b) andere Blogs der beiden schon länger lese)

2.) Teil III: Alltag, S. 133-192; bes. der Forderungskatalog auf S. 186-189, bes. Forderungen 5 und 18
Ich mag einiges Aufschieben in meinem Leben, zum Beispiel und vor allem die Kündigung einer unsäglich nutzlosen Domain bei 1&1, aber offenbar gibt es Abgründe der Prokrastination, dessen dunkelste Tiefen ich nur ahnen kann. Holla die Waldfee, nee: ich kriege eigentlich eine ganze Menge geregelt... Obwohl 1&1 es m. E. in bösartiger Absicht extra schwer bis unmöglich (nicht nur für LOBOs) macht, eine Kündigung durchzukriegen. Mehrere Anläufe sind bisher jeweils nach ungefähr 2/3 des Prozesses gescheitert, ein Prozess, der verlangt, Hotlines anzurufen, zugeschickte Links anzuklicken, Formulare auszufüllen, zu unterschreiben und an eine Faxnummer zu senden, die nicht funktioniert...
(irgendwie ein bisschen bekanntes Vorwissen in beruhigenderweise bestätigt)


3.) Teil IV - Abhilfe. Bes. der Abschnitt "Jetzt helfe ich mir nicht mehr selbst: Outsourcing", S.212-225
Ich werde meinen Freund bitten, sich den gehörnten, dreischwänzigen, schwefelriechenden o. g. Internet-Anbieter vorzuknöpfen. Dafür kündige ich seinen Telefonanschluss (ja, das will er schon länger tun).
(neu gelernt, auch wenn es wie fast alle einfachen Lösungen irgendwie total banal ist.)

4. ) Teil II - Arbeit. Besonders der Abschnitt "Der innere Zwingli: vom Arbeitsethos", S. 57-64
Am schlimmsten ist tatsächlich das schlechte Gewissen und der innere Leistungsdruck. Zwar habe ich nichts übrig für eine Angestellten-Mentalität, bei der man nur Dienst nach Vorschrift macht, und um fünf vor vier den frisch gespitzten Bleistift fallen lässt, aber gut ein Drittel meines Stresses ist in der Tat selbstgemacht. Mein nominell-direkter Chef zumindest macht mir keinen Druck (eher umgekehrt). Mag ein Berufsanfänger-Fehler sein - vielleicht kann man ja da zukünftig etwas gegenbalancieren. Wenn es zum Burn-Out kommen sollte, will ich ihn zumindest nicht selbstverschuldet haben. Sich selber (und die eigene Arbeit) weniger wichtig nehmen - ein Akt von Demut und Bescheidenheit. Hart zu erlernen, auf Dauer sicherlich gesünder für alle.
(leider immer wieder neu, jedesmal, wenn es mir gesagt wird. Hier zumindest amüsant formuliert und ohne Vorwurf, da die Autoren offenbar selbst betroffen sind.)

5. ) Teil IV - Abhilfe. Besonders "Wir müssen nur wollen: Motivation diesseits des Lustprinzips", S. 193-199, und "Aufschubumkehr: Die belebende Kraft der Deadline", S. 236-247
Zwischendeadlines sind gut. Sind für die Diss auch schon eingeführt. Gleichzeitig bricht mir bei Nicht-Einhaltung der aktuellen Deadline (Dezember 08 bzw März 09) auch kein Zacken aus der Krone, die Welt geht nicht unter, und vor allem, bedingt durch den grundsätzlichen Fleiss, mit dem ich eigentlich ganz kontinuierlich an der Arbeit schreibe: es wird nicht besser, wenn ich es übers Knie breche. Der innere Zwang (Zwingli?) nimmt mir den Spaß am Schreiben, den ich eigentlich habe, und verwandelt alles in eine unerträgliche Pflichtübung, eine Fußfessel. Werde also mal versehen, ob ich ohne die selbstangelegte Fessel nicht sogar schneller vorankommen. Möglich wäre es ja. Es spricht einiges dafür.
(fast neu gelernt - die Zwischendeadlines hatte ich mir beispielsweise schon selbst erbeten. Aber die Studien zur geänderten Produktivität in Abhängigkeit von der geforderten Einstellung waren neu, und irgendwie tröstlich.)


http://prokrastination.com/
http://www.amazon.de/gp/product/3871346195?ie=UTF8&tag=riesenmaschin-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3871346195

Dieser Beitrag ist ganz klar ein Update zu: Fortschritte

Samstag, 11. Oktober 2008

Bildung für Studienanfänger. Glanz und Elend einer Idee.

Den Auftakt der Ringvorlesung im interdisziplinären Modul "Wissenschaft macht Geschichte", Pflichtveranstaltung für alle Erstsemester im Leuphana Semester, machte gestern Prof. Jörn Rüsen (Witten-Herdecke; KWI). Er sprach über "Humanismus als Bildungskonzept-Glanz und Elend einer Idee" und setzte damit den inhaltlichen Tenor für das gesamte Semester.

Die Überlegung war ja gewesen, für welches historische Thema sich wohl alle Studienanfänger - vom zukünftigen Wasserbauingenieur bis zum Lehramtskandidaten, interessieren würden. Da sich die Uni in einer einzigartigen, und durchaus auch umstrittenen Umbruchsphase befindet, kam die Idee auf, diesen Umbruch - also die Neuausrichtung auf das Konzept des Leuphana Bachelor mit seinen humanistischen Bildungsidealen - wissenschaftlich zu begleiten und dabei kritisch zu hinterfragen. Die Vermutung lag nahe, dass die 1300 Erstsemesterstudierenden, die sich ja aktiv für diesen Studiengang an dieser Universität entschieden hatten, tatsächlich ein Interesse an Bildung haben könnten. Vor allem natürlich ihrer eigenen. Bei der Entscheidung FÜR das Leuphana Konzept hatten sie sich schließlich auch GEGEN andere Konzepte entschieden: den 08/15 Bachelor anderer Universitäten, eine FH-Ausbildung, ein Auslandstudium, eine Banklehre... Dieses Bild des typischen "Leuphanten" ist wahrscheinlich ziemlich idealisiert. Aber als jemand, an dem/der eine Universitätsreform ausprobiert wird, könnte man sich ja auch mal mit den historischen und geistesgeschichtlichen Hintergründen dieser Reform befassen.

Prof. Rüsen hielt also seinen Vortrag. Er hielt ihn nach einem stichworthaften Konzept, und er hielt ihn frei. Der Hörsaal 2 war gut gefüllt, fast 750 Studierende waren anwesend, die Vorlesung gilt als Pflichtveranstaltung, auch wenn die Anwesenheit natürlich nicht kontrolliert wird - Studierende sind erwachsenen Menschen - und das vermittelte Wissen nicht in einer Klausur abgefragt wird. Es soll später nur ein Essay geschrieben werden zur Frage "Was ist der Bildungsauftrag der Universität?", eine unbenotete Studienleistung, immerhin erforderlich um die 5 Credit Points zu erhalten.

Prof. Rüsen sprach frei, aber mit einer klaren Gliederung, ohne Medienunterstützung aber nachvollziehbar, teils geradezu mitreißend über ein komplexes geistesgeschichtliches Thema, das er wohlformuliert und routiniert in eine allgemeinverständliche Form brachte. Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schleiermacher, Schiller und immer wieder Kant wurden als Gewährsleute eingebracht. Ein wohlfundierter Überblick und solider Einstieg ins Semesterthema, immer wieder in Bezug gebracht zur heutigen Situation der Studierenden. 1808 wie 2008 wurde statt Bildung (auch der Persönlichkeit) die Vermittlung von "Kompetenzen" (neudeutsch: Employability) gefordert. Damals reagierte Humboldt mit der Gründung der Berliner Universität. Heute reagieren die meisten deutschen Hochschulen mit der Abwendung von deren Prinzipien. Nicht selten unter dem fadenscheinigen Vorwand, sich amerikanische Elite-Universitäten zum Vorbild zu nehmen - Harvard, Yale, Stanford würden das nicht gerne hören, ja von sich weisen, setzen sie doch das Humboldtsche Bildungsideal als bald letzte ihrer Art in der Praxis um.

Kurzum, ein hochinteressanter Vortrag, fand ich. Die Erstsemester fanden das wohl nicht. Vielleicht sind sie nur an der Leuphana, weil sie aus dem Großraum Lüneburg stammen und keine Lust auf ein Leben in der Fremde verspüren. Jedenfalls war der Geräuschpegel kontinuierlich hoch. Kurz nachdem die ersten Zu-Spät-Kommer sich endlich gesetzt hatten, fingen die ersten an, wieder zu gehen. Es wurde gekichert und geratscht, zum Teil zu dritt und über mehrere Reihen hinweg. Es war wahnsinnig schwierig sich zu konzentrieren - sowohl für die interessierten Zuhörer als auch für den Redner.

Vor allem aber war es unaussprechlich unhöflich und zeugte von mangelndem Respekt vor dem Sprecher. Unwichtig, dass er einer der renommiertesten deutschen Historiker ist: wenn einer vorne spricht, dann hören die anderen zu. Und zwar leise. Auch wenn es langweilig ist, dann bleibt man leise - es gibt unzählige Möglichkeiten sich ohne Getuschel zu beschäftigen: Zettel schreiben zum Beispiel. Oder Käsekästchen spielen. Ich kenne einen sehr renommierten Wissenschaftler von der Columbia University, der auf Konferenzen einen konzentriert-interessierten Eindruck hinterlässt, indem er Sudoku spielt. Aber verdammt noch mal: in jedem Fall hält man die Klappe und versucht zu schlafen, ohne zu schnarchen.

Okay, sagt man. Das sind alles Erstsemester. Die müssen bestimmte Kompetenzen, die im "Studierfähigkeitstest" nicht abgefragt werden, noch lernen: z. B. wie man 90 Minuten still sitzt, seine Blase und den Trieb nach Kaffee kontrolliert und zuhört, auch wenn keine bunten Bilder an die Wand projiziert werden. Oder wie man die wichtigsten Gedanken mitschreibt, statt sie von einer später ins Netz gestellten PowerPointFolie abzuschreiben - wenn überhaupt.

Andererseits: die sind alle über 18 - haben die wirklich nie gelernt, wie unhöflich ihr Verhalten ist? Liegt es daran, dass ihre Eltern die anti-autoritär erzogenen Kinder der 68er Generation sind? (sind sie das überhaupt?)
Und vor allem, bin ich wirklich schon so alt und spießig, dass ich über die mangelnden Manieren "der Jugend von heute" stöhne, wohlwissend, dass über meine Jugendgeneration genauso gestöhnt wurde?
Ohweh.
Vielleicht wird es ja nächste Woche etwas besser. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rn_R%C3%BCsen
Bildquelle Rüsen: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:R%C3%BCsen2.jpg


Dieser Artikel ist irgendwie auch ein Update zu: Alte Zöpfe abschneiden

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Angela Merkels Bildungsreise: Station Leuphana. Andreas Keller, GEW

An der Leuphana gibt es eine "Projektgruppe Alternative DenkRäume", die sich dem Thema Hochschulpolitik verschrieben hat.
Abgesehen von dem unsäglichen Namen hat die Gruppe ein beeindruckendes Programm aus Vorträgen und Workshops organisiert, die das Thema Hochschulpolitik, insbesondere natürlich Bologna-Prozess und Lissabon-Prozess, be-und durchleuchten sollen. Sogar die Finanzierung besteht zu 90% ausMitteln selbst angeworbener Stifter, Stiftungen, ja auch der DGB... Dennoch: ehrlicher Respekt vor der Leistung. Schade, dass nur knapp 40 Hansel da waren, obwohl die geringe Besetzung der Diskussionsfreude keinen Abbruch getan hat. Und für nächste Woche kann man vielleicht etwas mehr Werbung machen.
Zum heutigen Auftakt sprach Dr. Andreas Keller, Leiter des Vorstandsbereichs Hochschule und Forschung der GEW über "Hochschulentwicklung im 21. Jahrhundert - Aktuelle Trends und mögliche Alternativen". Hochinteressant, sprach er mir doch in allen Bereichen zum Thema "Wissenschaft als Beruf" aus der Seele. In der Tat muss neben dem Beruf "Professor(in)" noch eine Position möglich sein, die nicht als "Nachwuchswissenschaftler" vermarktet wird: ist man mit fertiger Habil etwa noch Nachwuchs, bloss weil man keinen Lehrstuhl hat? Es gibt keinen Betrieb in Deutschland, wo ausschließlich die Kategorien "Manager" und "Praktikant" existieren. Nur die deutsche Uni hält das für normal. Die Ausbeutung der Lehrbeauftragten und PDs muss man gar nicht weiter ausführen, der systematische Abbau des Mittelbaus hat die Wissenschaft zweifellos für viele Menschen, insbesondere Frauen, als Karriereoption noch unattraktiver gemacht. (Aber wer soll die fehlenden Fachkräfte denn ausbilden?) Die anwesenden Studierenden interessierten sich naturgemäß mehr für die Aspekte der Bologna-und Lissabon-Prozesse. Kernfragen: wenn dies keine völkerrechtlich bindenden Abkommen sind, warum werden sie dann so umgesetzt, als seien sie welche? Und warum haben die Gesetzgeber die Deklarationspapiere offenbar nicht gelesen- immerhin sei dort weder von Bachelor, noch von Master, noch von dreijährigem Studium die Rede. Während die Abkommen selbst gar nicht schlecht seien, sei die Umsetzung halt weit vom Inhalt der Abkommen entfernt.
Da muss man nun aber auch die Hochschulen, ja- die selbstverwalteten Hochschulen mit ihren Gremien aus etablierten Professoren und Professorinnen - viel mehr in die Verantwortung ziehen. Jahrelang nichts mitbestimmen wollen, sondern die Reform aussitzen versuchen. Und jetzt den Frust an den Studierenden auslassen, die ja nun am allerwenigsten dafür können.
Nun ja. Die Debatte hat viele Aspekte. Weitere folgen.

Nächste Woche, 6. Oktober 18:15-19:45 im C HS 3, in den DenkRäumen: (V) Hochschulsysteme in ihrer historischen Entwicklung. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der deutschen, französischen, englischen und amerikanischen Hochschulentwicklung seit 1750 Dr. Detlef Gaus, Leuphana Universität Lüneburg


Die Veranstaltungen der DenkRäume, aber auch das Semesterthema "Bildungsauftrag der Universität" im interdisziplinären Modul "Geschichte" für die Erstsemesterstudierenden der Leuphana ist aktuell und betrifft uns alle. Das zeigt auch die Tatsache, dass nur wenige Stunden zuvor Frau Merkel auf ihrer so genannten "Bildungsreise" die Leuphana als einzige Universität in Deutschland besucht hatte. "Dort wolle sie sich über das neue Studienkonzept der Universität sowie die von Architekt Daniel Libeskind entworfenen Pläne zum Ausbau des Campus informieren, sagte ein Sprecher der Universität. Geplant ist außerdem ein halbstündiges Gespräch mit Studentenvertretern." so hieß es im Vorfeld auf Yahoo News.
Die "DenkRäume" hatten auch hier ein aufwendiges Programm inszeniert, um gegen irgendetwas zu protestieren. (Was genau wurde mir leider nicht klar, da ich arbeiten musste und dem Gepfeife nicht zuhören konnte. Einen offenen Brief mit den Kritikpunkten habe ich aber inzwischen gefunden. Der AStA hatte sich nämlich auch beschwert, innerhalb ihres 90 minütigen Besuchs sei zu wenig Zeit Diskussion. Geplant war eine halbe Stunde mit 16 ausgewählten Studierenden. Ich war ja nicht dabei, aber ein Drittel der Gesamt-Zeit klingt doch schon ganz gut... Und da Bildungspolitik ja eigentlich Ländersache ist, wäre Frau Merkel wohl ohnehin nicht die zuständige Ansprechperson.)
Da alles abgesperrt war, erfahre ich auch nur aus der Presse, was sie denn nun hier tatsächlich getan haben soll. Die ad-hoc-news.de berichten: "Merkel lobte dabei das neue Studienmodell der Universität, das dazu beitrage, Studenten schneller für die Wirtschaft verfügbar zu machen."
Ich wage zu bezweifeln, dass sie -als Wissenschaftlerin- das Leuphana Konzept nur wegen des schnelleren Abschlusses gelobt hat. Das können schliesslich alle Bachelorstudiengänge Deutschlands von sich sagen. Bemerkenswert ist doch vielmehr, dass das Studium trotz der zeitlichen Verdichtung nicht nur Raum für interdisziplinäres Arbeiten, Persönlichkeitsbildung und andere humanistische Werte lässt, sondern diese im Konzept ausdrücklich fordert. Immerhin ein Drittel der Studienleistungen muss über das komplett interdisziplinäre erste "Leuphana Semester" und das sogenannte Komplementärstudium erworben werden. Der Blick über den Tellerrand ist also auch im Bachelorstudium möglich - und nötig.
Das wusste die Kanzlerin/Physikerin wohl tatsächlich auch zu würdigen: „Ich habe den festen Eindruck gewonnen, dass hier etwas sehr Spannendes entsteht.“ (so liest man auf de Homepage der Stadt Lüneburg.) Festmachen könne sie das an drei wichtigen Punkten: der Gestaltung eines Campus, der Umsetzung des Bologna-Prozesses mit Bachelor- und Master-Studiengängen sowie der grundsätzlichen Ausrichtung mit jeweils einem Haupt- und einem Nebenfach. Die Universität in Lüneburg „ist mit Sicherheit eine Bereicherung für die deutsche Universitätslandschaft“ .
Wirklich ausführlich berichtet bisher nur die HAZ, dafür aber mit Video. Juchhe. Dennoch eine Richtigstellung: Dass "viele der 8500 Studierenden [...] zu den Trillerpfeifen" griffen, klingt nach Massendemo.
Wahr ist, dass die Leuphana ca 8500 eingeschriebene Studierende hat. Anwesend waren schätzungsweise 200 Studierende aller Jahrgänge- der Rest hatte entweder Vorlesung, oder war schlichtweg wegen der angekündigten Parkplatzprobleme gar nicht erst erschienen. Von den Schaulustigen waren vielleicht 30 Protestler, von denen einige, ja, Trillerpfeifen hatten. Nur um mal die Dimensionen zurechtzurücken.
Und die Finanzierung des geplanten neuen Audimax (durch Bund, Land, Kommune, Spender etc) hat mit der Finanzierung einzelner Studiengänge (Land! Bildungsministerium!) oder der Entscheidung über zukünftige Schwerpunktbildung an der Universität (Stiftungsrat! Senat! Präsidium!) nicht wirklich viel zu tun. Den Platz brauchen wir ohnehin - es gibt jetzt schon zu wenig Räume. Der Neubau ist im Verhältnis auch nicht zu teuer, und wird sich durch die nachhaltige Bauweise und nicht zuletzt durch die (für die Leuphana kostenlose) Marke "Libeskind" auch schnell ammortisieren.


Quellen und Links:
http://www.leuphana.de
http://www.gew.de/Vorstandsmitglieder.html
http://www.gew.de/Startseite.html
http://bildungsklick.de/pm/35084/personalia-andreas-keller-neues-gew-vorstandsmitglied/
http://www.angela-merkel.de/
http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/sprecherinnen/2008-10-09_Offener_Brief_AStA_Merkel.pdf
http://www.ad-hoc-news.de/Merkel-beendet-Bildungsreise-Lob-fuer-Lueneburger--/de/Politik/19733485
http://www.lueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-77/169_read-11600/
http://www.haz.de/newsroom/regional/art1065,704206

Update:
http://www.net-tribune.de/article/091008-100.php
Auf der Seite der Lünepost -ohnehin schwer zu navigieren - ist offenbar der neue Sülfmeister die wichtigere Meldung... von Frau Merkel nichts zu lesen.
http://www.luenepost.de/

Montag, 6. Oktober 2008

Fortschritte

"Und Deine Diss?"
"Läuft. Mühsam, aber läuft. Will noch dieses Jahr/spätestens im März abgeben. Ehrlich."


Ich befinde mich - wen wundert's - anders als der Pfeil suggeriert bei: "Find Food" oben links...
Immerhin habe ich grad drei Bücher aus der Fernleihe geholt, die sogar mit der Diss zu tun haben.
Na dann...
(Heute ist endlich das wichtige Ratgeber-Buch erschienen! Das solle ich dann wohl mal zuerst lesen, nicht wahr?)

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Prokrastination. Alles wird gut!

Quelle flowchart: http://prokrastination.com/index.html?nr=20081002145550
und die haben es von http://www.projectsidewalk.com/images/flowchart2.jpg

Sonntag, 5. Oktober 2008

Alte Zöpfe abschneiden

Im Gegensatz zu dem, was andere Blogger so fordern, glaube ich, dass alte Zöpfe in regelmäßigen Abständen abgeschnitten werden sollten - nicht so sehr, weil eine neue Lebenssituation auch eine neue Frisur erfordert (obwohl das nicht zu leugnen ist), sondern weil die Haare Spliss entwickeln, fusselig werden, und ständig im Gesicht/Mund herumhängen, oder von Schals/Taschen eingeklemmt schlichtweg störend sind. Abschneiden hilft: man trägt den Kopf wieder höher, die Haare sehen gesünder und stärker aus, und bis zum Sommer kann man sie wieder hochstecken.
Letzten Samstag ist dies wörtlich geschehen mit diesem Zopf - hier links im Bild.
Alter Zopf, abgeschnitten

Ab morgen beginnt ein ähnlicher Prozess im übertragenen Sinne auch an der Leuphana: für die zweite Generation der Leuphana Bachelor Studierenden ("Leuphanten") beginnt die Vorlesungszeit mit einem Semester voller interdisziplinärer Pflichtverantaltungen. Auch für mich sehr aufregend, schließlich habe ich die letzten sieben Monate darauf hin gearbeitet. Ob es uns gelungen ist, mit der 2007 begonnenen Neuausrichtung alte Zöpfe abzuschneiden, und eine neue praktische, alltagstaugliche Frisur zu gestalten, wird sich zeigen. Auf jeden Fall haben wir uns Mühe gegeben.

www.leuphana.de

Dieser Artikel ist ein Update zu: Brave New Life

Dienstag, 30. September 2008

Internetbasiertes Lernen 2: Moodle

Heute also Moodle.
Wiederum führte uns Heike Wiesner in die Vorteile und Geheimnisse internetbasierter Lernumgebungen ein. Sie selbst benutzt seit Jahren Moodle, seit ihre StudentInnen vor Jahren in einem Seminar zu E-Learning herausgefunden haben, dass es vielseitiger einsetzbar sei als ILIAS und ähnliche Konkurrenzprodukte. Seither scheint sich Moodle offenbar auch europaweit bzw. weltweit "Marktführer" unter den OpenSource Produkten durchzusetzen.
Wir haben auch schon einen Moodle-Server in Betrieb, und so konnte ich mich letzte Woche schon davon überzeugen, dass eine E-Kurs in Moodle recht unkompliziert aufzusetzen ist. Schließlich fand die Schulung ja erst heute statt...
Dennoch: um einige der komplexeren Grundeinstellungen zu begreifen, war die Schulung heute sehr aufschlussreich. Auch didaktische Konzepte wurden vorgestellt bzw. hinterfragt. Für alle E-Learning Einheiten gilt ja, dass sie didaktisch sinnvoll sein müssen. (ja. natürlich gilt das auch für offline Unterricht...). Nicht für jedes Lernziel ist die gleiche Übungs- oder Testform geeignet. Wie bei PowerPoint - es geht nicht um den Einsatz von, sondern den richtigen/sinnvollen/effizienten Einsatz von. Und das heisst in manchen Fällen eben auch: Verzicht auf...
Noch was Gutes: offenbar wurde Moodle auch schon erfolgreich zur Planung/Koordination/Verwaltung von Konferenzen eingesetzt. Das sollte ich schnell prüfen, wenn aus unserer Tagung im März was werden soll.

Bleibt die Frage, wie man Anreize schafft, mehr Moodle-unterstützte Kurse in die Vorlesungsverzeichnisse zu bringen. Im Leuphana Semester klappt das ja schon ganz gut: alle drei interdisziplinären Module verwenden Moodle. Darüber hinaus wird es wohl an der Trägheit der Lehrenden scheitern. Schließlich erfordert die Neukonzeption aller etablierten Lehrinhalte vom Frontalunterricht auf Problem Based Learning Konzepte einigen Aufwand und auch eine mentale Umstellung. Auch muss man sich - ich unterstelle: häufig erstmals!- Gedanken um didaktische Ziele machen. Das ist neu, und war in den seltensten Fällen Teil der wissenschaftlichen Fach-Qualifikation, die der Berufung zugrunde lag. Und die Idee vom "lebenslangen Lernen" ist eben in großen Teilen der Professorenschaft noch nicht angekommen.

Schaumama, dann sehen wir schon. Vielleicht schafft ja die Nachfrage (der Studierenden) das Angebot (durch die Professorenschaft), ohne dass man Anreize schaffen muss.

http://moodle.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Moodle
http://www.heike-wiesner.de/moodle/
http://de.wikipedia.org/wiki/Problembasiertes_Lernen
http://de.wikipedia.org/wiki/Lebenslanges_Lernen
http://www.uni-potsdam.de/agelearning/
Bildquelle: http://moodle.de

Dieser Beitrag bezieht sich ziemlich direkt auf: Internetbasiertes Lernen: Wikis im Unterricht

Montag, 29. September 2008

Internetbasiertes Lernen: Wikis im Unterricht

Heute habe ich eine interessante Schulung mitgemacht: Heike Wiesner von Wiesner-Wiki berichtete über den Einsatz von Wikis im Unterricht.
Technisch: wie erstellt oder "programmiert" man überhaupt ein Wiki?
Das Prinzip "Wiki" kennt man ja am ehesten aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia: jeder kann an einem Artikel mitarbeiten, ihn verändern und verbessern, mit Quellen versehen oder mit anderen Artikeln verknüpfen. Und "programmieren" sollte eigentlich nicht in Anführungszeichen stehen, da es ja wirklich um echtes Programmieren geht. Die Gänsefüßchen sollen hier nur zum Ausdruck bringen, wie unerwartet einfach die Syntax von Wikis ist - in weniger als vier Stunden kann man alles, was nötig ist, beherrschen. Und auch sofort den Erfolg sehen.
Laut Frau Wiesner ist dies eine Grundvoraussetzung dafür, dass auch Frauen sich mit der "feindlichen" Technik auseinandersetzen, ja sogar allen Vorurteilen zum Trotz Spaß an ihr finden. (Soll heißen: Frauen haben in der Regel weniger Interesse, sich mit Programmiersprachen herumzuärgern als Inhalte zu gestalten. Hat was mit Gendering zu tun.)

Inhaltlich: wann und wie ist der Einsatz von Wikis in der Lehre nicht nur sinnvoll, sondern sogar sinnvoller als der Verzicht darauf?
Der Lernerfolg ist natürlich höher, wenn man selbst etwas erarbeitet hat. Zudem können Gruppen auch virtuell miteinander kommunizieren, ohne sich mühselig auf einen gemeinsamen Termin zu einigen. Riesen-Vorteil: der Anteil, den jede/r einzelne geleistet hat, kann über die "Versionen nachverfolgen"-Funktion genau überprüft werden - so kann auch innerhalb von Gruppen jede Einzelleistung gerecht benotet werden. Und die "stillen Macher" gehen nicht hinter charismatischeren Gruppenmitgliedern unter.
Blockseminare lassen sich besser beaufsichtigen, Lernprozesse können besser nachvollzogen und (Gruppen-)Arbeiten dichter betreut werden.
Eigentlich ziemlich cool, das internetbasierte Lernen... ob und wie ich das wohl in meinem Job anwenden kann?
Morgen geht's weiter. Mit Moodle.

Dieser Artikel ist im weitesten Sinne ein Update zu: Web 2.0

http://www.wikimedia.de
http://www.wikipedia.de
http://www.heike-wiesner.de/wiki/index.php/Hauptseite
Bildquelle: wikipedia

Dienstag, 23. September 2008

Mythische Tiere: die Heidschnucke


Am Samstag sind wir in die Lüneburger Heide gefahren, Heidschnucken suchen.
Das hatten wir im Juli schon mal vor, aber erstens war uns damals das Wetter nicht hold, und zweitens soll die Heide ja während ihrer Blütezeit am schönsten sein.
Ist sie auch - leider haben wir es mit Mitte September fast verpasst.
Dennoch: es war ein herrlicher Tag, kühl genug für einen strammen Fußmarsch, aber auch warm genug für ausgiebige Pausen auf sonnenbeschienenen Felsen oder sonnenbeschienenen Bierbänken in einer Gaststätte, Heidjer Bier inklusive.
Auch wenn selbiges merkwürdigerweise aus Baden-Württemberg kommt. Ja, gibt's denn keine Braukessel in der Heide? Was ist mit der Nachhaltigkeit? Die Heide schrumpft, von den paar Schnucken kann doch kein Bauer leben, nennenswerte Industrie gibt es nicht. Bleibt der Tourismus, aber: die Heide schrumpft... Und da verlagern die Heidjer ihre Bierproduktion ins kapitalistische Ausland, äh, zu den Schwaben!?
Nun ja.
Heidschnucken haben wir übrigens keine gesehen. Wohl aber Reiter, Radfahrer und Rentner in Pferdekutschen.

Wahrscheinlich gibt es die mythischen Schafe gar nicht. Ich werde immer misstrauisch, wenn ein Tier überall vermarktet wird, aber nicht besichtigt werden kann.
(Wie Elche in Schweden - ich mein, die verkaufen Elch-Scheiße in Gläsern als Souvenir! Wenn das kein Beweis für ihre Nicht-Existenz ist, dann hat sich wohl noch niemand mit dem Wolpertinger-Phänomen auseinandergesetzt!)
Wolpertinger und Rasselböcke in den Alpen, Elche und Skvader in Schweden, Haggis in Schottland (nach Minute 6: http://www.youtube.com/watch?v=JBasrhYUFaU) , Bigfoot in den USA, der Yeti im Himalaya, Orang-Pendek, Jackalopes, Werwölfe und jetzt eben auch noch Heidschnucken... aber leckere Würstchen machen sie. Hmmm.

Übrigens: bequem und einfach zur Unterstützung der Wanderer ist zumindest am Wochenende der Heide-Radbus incl. Fahrradanhänger. Wir sind in Döhle ausgestiegen, bis Wilsede gewandert, von dort nach einer Einkehrpause nach Undeloh, und mit dem kostenlosen Heide-Shuttle wieder nach Döhle. Von dort fuhr der Bus zurück nach Lüneburg. Empfehlung!

Donnerstag, 11. September 2008

9/11 - WTC. Memorial of the Twin Towers

Vor sieben Jahren stürzten die Zwillingstürme des World Trade Centers ein. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern.
Seither kennen wir diesen Ort nur noch als Loch inmitten von Manhattan - Ground Zero.
Aber die Twin Towers hatten schon eine aufregende Geschichte lange bevor sie einstürzten. Auch daran sollten wir uns erinnern. Atemberaubend.


Man on Wire kommt am 22. Januar in die deutschen Kinos.


http://www.imdb.com/title/tt1155592/
http://www.laweekly.com/2008-08-07/film-tv/philippe-petit-amp-james-marsh-men-on-wire/

Dieser Artikel bezieht sich ein kleines bisschen auf: Sechs Jahre später. Irak und 9/11

Montag, 8. September 2008

Vogelförmige Fettflecken

Hat ganz schön geknallt, gestern, als eine fette Taube mit voller Wucht gegen meine Scheibe flog.
Zum Glück war das NICHT das Fenster, das ich in einem Anflug von Aufschieberitis neulich mal geputzt habe...

Keine Angst, liebe Tierschützer: die Taube flog zügig, wenn auch etwas taumelnd, weiter. In die entgegengesetzte Richtung wohlgemerkt. Ich habe deutlich länger gebraucht, um mich von dem Schreck zu erholen.

Donnerstag, 4. September 2008

Prokrastination. Alles wird gut!

Endlich ist es soweit! Ein Jahr lang heiß ersehnt, am 6. Oktober endlich auf meinem Tisch.
Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin.
Auf dieses Buch habe ich gewartet!
Danke, Frau Passig! Danke, Herr Lobo! Danke, danke, danke!

(Hoffentlich ist es noch nicht zu spät. Die nächste Deadline für meine Diss naht nämlich schon...)

Dieser Beitrag ist ein Update zu: Putting the Pro in Procrastination. Nachtrag: 9to5


http://prokrastination.com/

Dienstag, 2. September 2008

Arthist.net: Die Sommerpause ist vorbei

Pünktlich mit dem September hat jetzt wohl endgültig der Herbst angefangen. Behaupten zumindest die Meteorologen, und die haben das ja studiert. Der Blick aus dem Fenster scheint die Vorhersage zu belegen. Kein Wunder: Als Unterbereich der Geographie, oder Physik, oder was auch immer, ist die Meteorologie schließlich eine richtige Wissenschaft, so richtig mit empirischen Messdaten und vielen Zahlen, also mathematisch, und da gibt es ja bekannterweise nur richtig und falsch.

Anders bei uns Kunsthistorikern. Auch wenn wir uns sehr bemühen, objektiv, sachlich und wissenschaftlich daher zu kommen, so ist die Grundlage unseres Faches doch, wenn wir mal ehrlich sind, der Geschmack. Und über den läßt sich bekanntlich trefflich streiten. Auch wenn wir uns bemühen, unsere Meinungen gut zu begründen, so bleibt es doch eine Meinung. Und "Meinung kommt nun mal von mein - deine Deinung kann nicht meine sein!" Also wird man nicht zu einer Wahrheit finden - Wahrscheinlichkeit muss uns reichen.

Seit gestern können wir unsere Meinungen wieder dem Diskurs der wissenschaftlichen Gemeinschaft aussetzen. Das Portal Arthist-net ist aus der Sommerpause zurück und meldet wieder Konferenzen, Stipendien und Stellenangebote, rezensiert Bücher und Veranstaltungen und agiert auch sonst als nationaler Flurfunk für das Fach. Wie wichtig das ist, wissen vor allem diejenigen unter uns, die freiberuflich und nicht an ein Institut gebunden Kunstgeschichte betreiben.

Übrigens: das Redaktionsteam arbeitet seit 2001 völlig unentgeltlich: sie erhalten weder Förderungen aus öffentlicher Hand, noch erheben sie Gebühren. Gestern erhielt ich aber folgenden Aufruf:
"Um den redaktionellen Ablauf zu gewährleisten und zu erleichtern, planen wir die Einrichtung eines neuen Content-Management-Systems. Um dies verwirklichen zu können, benötigen wir die finanzielle Unterstützung von Ihnen als unseren Leserinnen und Lesern sowie Beiträgerinnen und Beiträgern. [...] Um diese flexible und dezentrale Form des wissenschaftlichen Austauschs und der Zusammenarbeit, die jenseits von starren institutionellen Anbindungen funktioniert, zu unterstützen, können Sie für diesen Zweck Spenden an den gemeinnützigen Verein arthist e.V. entrichten. Jeder auch kleine Betrag hilft."

Also: hierhin spenden!
Arthist e.V.
Kontonummer: 110 30 88 900
GLS Bank
BLZ: 430 609 67

Vielen Dank...

PS: auch wenn ich nicht zum Redaktionsteam gehöre, unterstütze ich deren Arbeit. Auf diesem Blog fasse ich nämlich seit kurzem in einem Google-Kalender in der Spalte rechts die CFPs und CONF zusammen.

Samstag, 23. August 2008

Chick Flick: Wäre ich single, würde ich wohl Colin Firth heiraten.....

...behauptet zumindest Sarah Haskins.
Seit ich mit meinem Liebsten zusammen bin, war ich glaube ich drei mal im Kino. Natürlich immer (auch) wegen der sexy Männer: Johnny Depp und Alan Rickman in Sweeney Todd. George Clooney in Oh Brother Where Art Thou. Und sicher noch irgendwas an das ich mich jetzt grad bloß nicht erinnern kann. Colin Firth war nie dabei. Aber es war ja auch nie ein chick flick.


Sonntag, 13. Juli 2008

Nochmal Lindenoper: Landesdenkmalrat auch gegen Renovierung

Schon am 1. Juli hat der Landesdenkmalrat der Senatorin für Stadtentwicklung, Brückenstraße 6, D-10179 Berlin folgende Presseerklärung herausgegeben:

"Umbau im Kopf
Presseerklärung zum Opernstreit (1.7.2008)

Der Landesdenkmalrat Berlin hat frühzeitig den hohen Denkmalwert des Paulick'schen Ausbaus der Staatsoper hervorgehoben und vor extensiven Umbaumaßnahmen gewarnt. Er bedauert, dass die Ausschreibung zur Sanierung des Hauses mit widersprüchlichen Zielstellungen überfrachtet wurde. Nach eingehender Analyse der drei prämierten Entwürfe steht fest, dass in jedem Fall der denkmalgeschützte Raum zerstört werden würde. Nicht nur im Fall einer "modernen" Fassung, sondern auch bei einer historisierenden Anlehnung an das gegenwärtige Raumbild geht es um einen kompletten Neubau im Inneren. Die vage Rekonstruktion Paulick'scher Motive in einer aufgeweiteten Kubatur ist keine denkmalpflegerische Option. Der Landesdenkmalrat empfiehlt deshalb in der Entscheidung noch einmal dorthin zurückzugehen, wo das Dilemma um die verständlichen Wünsche der Staatsopernleitung eingesetzt hat. Die öffentliche Fachdiskussion im Opernstreit hat unter anderem erkennen lassen, dass bei historischen Opernsälen über kreis- oder ellipsenförmigem Grundriss Einschränkungen der Sicht hingenommen werden, zumal sie vielen Menschen einen Opernbesuch erst bezahlbar machen. Darüber hinaus wurde klar, dass die bemängelte kurze Nachhallzeit für ältere Werke der Opernliteratur bzw. für die Formate der Kammeroper keineswegs nachteilig ist. Die Akustik des Raumes beeinträchtigt in erster Linie das Repertoire der grossen spätromantischen Oper seit Richard Wagner, der in seiner Festspielhausidee entsprechende Reformen von Bühne und Zuschauerraum einführte. Berlin verfügt mit der Staatsoper und der Deutschen Oper über zwei wunderbare, kontrastierende und mittlerweile schon historische Opernhäuser aus der Nachkriegszeit, die sich hervorragend jeweils für eines der beiden Formate eignen. Es liegt nahe, beide Häuser nach Bedarf durch beide Opern-Institute zu nutzen und damit dem Staatsoperngebäude eine zerstörerische und unnötig kostspielige Tortur zu ersparen. Dies setzt lediglich hinsichtlich der Kooperation beider Opernintendanzen einen "Umbau im Kopf" voraus, der auch bei der Abstimmung der Spielpläne von Vorteil sein könnte. Die Durchführung einer Neugestaltung des Hauses Unter den Linden würde zum Verlust des Denkmals führen und damit ein weiteres, über die DDR-Geschichte hinaus bedeutsames, qualitätsvolles und als rekonstruktive Neuschöpfung gerade heute überaus aktuelles Werk des 20. Jahrhunderts aus dem historischen Gedächtnis der Stadt und der internationalen Opernfreunde auslöschen. Seit einem halben Jahrhundert, insbesondere aber seit 1989 hat die Schöpfung Paulicks für Gesamtberlin eine starke identitätsstiftende Wirkung entfaltet. Infolgedessen sollte sich die Sanierung des Hauses auf die technische Infrastruktur und auf denkmalverträgliche Verbesserungsmaßnahmen konzentrieren. Der Landesdenkmalrat tritt mit diesem, dem Pariser Opernmodell (Opéra Garnier und Opéra Bastille) verwandten Vorschlag an die Opernstiftung, an den Regierenden Bürgermeister und an die Leitung der beiden Opern-Institutionen heran und bittet, diesen "Weg der Vernunft" ernsthaft zu diskutieren und zügig umzusetzen.

gez. Prof. Dr. Adrian von Buttlar
(Vorsitzender des Landesdenkmalrates Berlin)"

Geschäftsstelle des Landesdenkmalrates:
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Oberste Denkmalschutzbehörde
Am Köllnischen Park 3
10179 Berlin
Tel.: (030) 9025- 1308 / 1309
Fax: (030) 9025- 1665
E-Mail: ldr@senstadt.berlin.de





Der Text der Presse-Erklärung ist auch im Internet zu finden: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/landesdenkmalrat/de/pressemitteilungen/download/pe_opernstreit_01_07_08.pdf

Dieser Artikel ist ein Update zu: http://bleistift-und-notiz-blog.blogspot.com/2008/07/offener-brief-staatsoper-unter-den.html

Offener Brief: Staatsoper unter den Linden gefährdet


Über arthist.net kam heute folgender offener Brief in meine Inbox geflattert:
[Anmerkung der arthist.net-Redaktion: Wir dokumentieren einen Offenen Brief des
Ulmer Vereins für Kunst- und Kulturwissenschaften. Der Inhalt dieses
Briefes muss nicht die Meinung der Redaktion von H-ArtHist
widerspiegeln.]

Foto: il Bern

"Berlin, den 09. Juli 2008 Sehr geehrter Herr Wowereit, der Ulmer Verein für Kunst- und Kulturwissenschaften, die Berufsvertretung von Kunsthistorikern in Deutschland, möchte mit diesem offenen Brief den hohen architektonischen und geschichtlichen Wert der heutigen Berliner Staatsoper Unter den Linden unterstreichen. Wir plädieren ausdrücklich für den Erhalt des denkmalgeschützten Zuschauerraums der Lindenoper. Die besonnene und künstlerisch hochwertige Vermittlungsleistung ihres Wiedererbauers Richard Paulick wird in der gegenwärtigen Debatte unterschätzt. Paulick war ein namhafter Vertreter des Bauhauses. Seine Staatsoper ist ein Schulbeispiel für eine gelungene Rekonstruktion. Der Wert des verloren gegangenen Originals ist auf einen Ersatzbau übertragen worden. Der Ersatzbau hat den Ort, die Form sowie Teile der Substanz des alten übernommen und wurde so zu einem neuen Original. Es mag paradox klingen, aber die Wertübertragung gelang gerade deswegen so gut, weil das neue Original nicht mit dem alten identisch ist. Denn Paulick hat nicht einfach das friderizianische Interieur wieder nachgebaut. Er hat es vom feudalen Logentheater in ein bürgerliches Rangtheater verwandelt, hat die Detailgestaltung nach Vorbildern in Knobelsdorffs Potsdamer Bauten neu entworfen und damit ein eigenes Werk geschaffen, das Knobelsdorff allenthalben evoziert. Die Akteure von damals - der Kulturminister der DDR, Johannes R. Becher, der Architekt Richard Paulick, der designierte musikalische Leiter der Staatsoper, Erich Kleiber, alle aus dem Exil zurückgekehrt - gehörten zu den Künstlern und Politikern, die Deutschland noch als die ungeteilte Kulturnation dachten, die wir jetzt, bald 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, allmählich wieder geworden sind. Die Staatsoper ist kein Ost-Denkmal, sondern ein gesamtdeutsches. Sie ist in ihrer Wiederaufbaufassung ein wertvolles, charakteristisches Werk des ersten Nachkriegsjahrzehnts, das als Gesamtkunstwerk überliefert und als Erbe für kommende Generationen zu bewahren ist. Es ist Paulick, der uns Knobelsdorffs Werk übermittelt hat; und wer jetzt Paulicks Wiederaufbau ausräumt, hat am Ende auch keinen Knobelsdorff mehr. Abschließend noch ein Wort zur Akustik: Die ältere Musik klingt, wie alle Kenner versichern, in der Staatsoper vollkommen richtig. Vielleicht sollten die neueren, ganz großen Opern (Richard Wagner, Richard Strauss) eben doch in der Deutschen Oper an der Bismarckstraße aufgeführt werden. Das Versprechen, der neue, von Roth entworfene Zuschauerraum werde mit Gewissheit eine entscheidende akustische Verbesserung bringen, hören wir mit größter Skepsis. Die UnterzeichnerInnen fordern Sie im Namen unserer Mitglieder und Kollegen auf, sich für einen Entwurf einzusetzen, der die sensible gestalterische Leistung Paulicks respektiert und den Zuschauerraum vor einer Zerstörung bewahrt. Mit freundlichen Grüßen Der Vorstand des Ulmer Vereins (Matthias Bruhn, Lucas Elmenhorst, Elke A. Werner, Philipp Zitzlsperger)

Der Text des offenes Briefes und die Liste der Unterzeichnenden:
http://www.ulmer-verein.de/uv/index.php Wenn Sie das Schreiben mit Ihrer Unterschrift ebenfalls unterstützen wollen, senden Sie bitte eine E-Mail mit Name, akadem. Titel, Wohnort an: philipp.zitzlsperger@culture.hu-berlin.de"

Sonntag, 29. Juni 2008

Murder by Death in Hamburg und Berlin (und Köln und München)


Die Band meines amerikanischen Austausch-Neffen tourt Europa und spielt auch in Deutschland. München, Köln, Hamburg und Berlin - vielleicht schaffe ich es ja nach Hamburg? keine Ahnung was die für Musik machen oder ob sie gut sind, oder ob Matt überhaupt noch weiß, wer ich eigentlich bin - Versuch ist es wert!

Murder by Death - Tourdaten:
06.28.2008 HEADLINING W/ OPENERS TBA Barcelona, Spain
06.29.2008 HEADLINING W/ OPENERS TBA Limoges, France
06.30.2008 OPENING FOR MARTHA WAINWRIGHT Paris, France
07.02.2008 HEADLINING W/ TBA Vienna, Austria
07.04.2008 HEADLINING W/ TBA Zurich, Switzerland
07.05.2008 PERFORMING AT Fun For Free Festival Munich, Germany
07.06.2008 PERFORMING AT Metropolis Festival Rotterdam, Holland
07.07.2008 HEADLINING W/ TBA Cologne, Germany
07.08.2008 HEADLINING W/ TBA Hamburg, Germany
07.09.2008 HEADLINING W/ TBA Berlin, Germany
07.11.2008 HEADLINING W/ TBA Oxford, England UK
07.12.2008 HEADLINING W/ TBA Bristol, England UK
07.13.2008 HEADLINING W/ TBA Nottingham, England UK
07.14.2008 HEADLINING W/ TBA Manchester, England UK
07.15.2008 HEADLINING W/ TBA London, England UK
07.16.2008 HEADLINING W/ TBA Glasgow, Scotland UK
07.17.2008 HEADLINING W/ TBA Birmingham, England UK
07.18.2008 PERFORMING AT Latitude Festival Suffolk, England UK


also als ich ihn das letzte Mal gesehen hab, so vor 12 Jahren oder so... hmm.
An den Kindern merkt man dass man alt wird...

Samstag, 7. Juni 2008

Ich will den Himmel auf Erden, ich will nicht länger warten

"Alle reden über Renten
Über Zukunftssicherung
Aber ich will heute leben
Denn heute bin ich jung

Alle reden nur von Krise
Und sie schau'n so traurig drein
Wer will das denn, verdammt nochmal?
Ich will lustig sein

Ich will den Himmel auf Erden

Ich will nicht länger warten
Ich will ein Bierzelt, ein Bierzelt
Mit Livemusik im Garten"


--- kann man es eigentlich besser auf den Punkt bringen? Die schönsten Dinge sind doch immer noch die einfachen...

http://de.youtube.com/watch?v=hqM7Op62e28&feature=related
http://lyricwiki.org/Funny_Van_Dannen:Himmel_Auf_Erden


Mittwoch, 16. April 2008

Mittwoch, 9. April 2008

schon fast da

so langsam wird das alles was. Ein Schild kommt an die Klingel und den Briefkasten. Fehlen nur die Möbel. Samstag, hoffentlich.
Bin auch schon gemeldet. Noch nie waren Sachbearbeiterinnen so freundlich wie auf dem Bürgeramt in Lüneburg! Die Kollegen sind auch alle so nett.
Wenn nicht bald alles gut wird, so sieht es doch so aus als ob vieles besser würde...

Dienstag, 8. April 2008

Möbeldiät

Wie wohl die meisten Frauen habe ich permanent das Gefühl, das ich abspecken sollte. Besonders schlimm wird es im Frühling.
Dieses Jahr verlagert sich der Drang, dank bevorstehenden Umzuges, der, so Gott will, nun tatsächlich am kommenden Freitag stattfinden soll, in andere Sphären. Statt eigener Pfunde entledige ich mich also all der angesammelten Überflüssigkeiten, die sich in einer großzügigen Berliner 2-Zimmer-Altbau-Wohnung eben so ansammeln. Nach eigenem Ermessen habe ich schon zwei Müllcontainerfüllungen allein mit meinem Wegwerfwahn gefüllt, und dabei auch gleich gefühlte 107 Plastiktüten einer zweiten, endgültigen Verwendung zugeführt. Auch die Altkleidersammelstelle wird sich hoffentlich freuen, und ich kann zugleich auch einige Dutzend der viel-umweltfreundlicheren-als-Plastiktüten Stoffbeutel loswerden. Vieles kann ich auch noch verkaufen - bilde ich mir ein, denn wenn die fragliche Ware nicht "noch gut" gewesen wäre, hätte ich sie ja wohl kaum drei Jahre oder länger aufbewahrt, ohne sie zu benutzen oder auch nur zu vermissen - oder?!? Zu diesem Zwecke habe ich den heroischen Entschluss gefasst, trödeln zu lassen, und habe fest vor, einen Ebay-Agenten auf die Sache anzusetzen. (Bericht folgt.)

schrumpfende Billy-Regale - mein persönlicher Alptraum Bildquelle: Inter IKEA Systems B.V.




Stille Verzweiflung packt mich aber bei den Sachen, die ich behalten möchte, aber nicht mitnehmen kann, schlichtweg weil mein Mietzins mir in Lüneburg nur halb so viele Zimmer (und Quadratmeter) erkauft wie in Berlin. Von Kubikmetern wollen wir gar nicht sprechen: die neue Deckenhöhe von 2,2o (Durchschnittswert, wegen der dekorativen Deckenbalken) verhindert beispielsweise, "Billy" durch Aufsatzregale noch effizienter zu nutzen. Altbau im Fachwerkbau ist eben nicht zu vergleichen mit Altbau im Mietshaus der Gründerzeit...
Was tun? schon habe ich vier Kisten Bücher zum Verkauf freigegeben, weitere zehn Kisten zum Einlagern - das Einsparen eines "Billy" soll mir Platz für einen Schrank verschaffen. Der schöne alte Esstisch hat schon ein Asyl gefunden, aber die heißgeliebte Sitzgruppe? Die Regal-Aufsätze? Unzählige schöne, geliebte, wenn auch möglicherweise nicht überlebensnotwendige Dinge, mit denen ich eine baldige Wiedervereinigung erhoffe, müssen in ein Lager. Das Lager kann ich mir nicht leisten, denn sonst hätte ich eine größere Wohnung. Es ist ein Kreuz!
Wie das Drama ausgehen wird, erzähle ich später. Zumal ich hoffentlich bald wieder zu Hause online sein werde - und dann auch wieder regelmäßig bloggen kann.

Dienstag, 18. März 2008

Brave New Life

Yokatta und Juhu! Seit Freitag arbeite ich für die oben genannnte (und ja, das ist eine Satire, auch wenn die Ironie nicht ganz deutlich gekennzeichnet wurde) Universität. Leider bedeutet das eben auch den Abschied von Berlin. Immerhin: Meiner Traumstadt Hamburg komme ich immer näher. Wer mir helfen kann, eine Wohnung zu finden, möge sich melden - die Gehälter sind allerdings nach wie vor TVL... aber das sollte in der Heide ja reichen.

Donnerstag, 14. Februar 2008

Unser Föhn - Ausnahme-Auftritt am 17. Februar


Wer am Sonntag noch nichts vorhat sei darauf hingewiesen, dass die hoffnungsfrohen gar-nicht-mehr-so-Nachwuchsgruppe "Unser Fön" am 17. Februar noch einmal spontan auftritt, um ihre berühmten "Texte an Musik" zu präsentieren. Offenbar mit neuem Programm bzw. mindestens mal mit neuer CD ("Ein bisschen plötzlich"). Das ist lobenswert und muss unterstützt werden.
Also: Am 17. Februar um 20 Uhr Café Garbaty (Breite Straße 43; direkt U-Bahnhof Pankow).

Dienstag, 29. Januar 2008

Tränen gelacht!

Daß man sich darüber so freuen kann! Manchmal sind die Zuschauer besser als die Filme...

Mittwoch, 9. Januar 2008

Warum Wombats? Warum nicht ich?


Wenn Wowi dem Wombat helfen kann, vielleicht kann er auch mir helfen? Immerhin ist er Kultursenator! Und ich bin kulturschaffend. Im weitesten Sinne. Oder kulturinterpretierend, mindestens. Und einen Beutel habe ich auch, gleich hier, waschbar und aus Baumwolle, ich trage darin Bücher umher. Zum Beispiel dieses, sehr empfehlenswert. Sehr verehrter Herr Regierender Bürgermeister: meine Bewerbung liegt auf Ihrem Schreibtisch! Tun Sie was!
Bis dahin ist hier auf unbestimmte Zeit Funkstille. Ich bin nämlich ab jetzt gleich nicht nur arbeitslos (was aber nicht heissen soll, dass ich weniger Arbeit hätte als vor vier Wochen, sondern nur meine Aufnahme in Die Statistik feiern soll), sondern auch arbeitsplatzlos (also ohne Schreibtisch, bzw. ohne Schreibtisch mit Internetanschluss). Ob das wiederum dem eigentlichen Arbeiten nicht vielleicht sogar zugute kommt, da die Prokrastination in Internet (z. B. durchs bloggen) damit zumindest mal erschwert wird, wird sich erweisen.
Genauso wie die Frage, wann ich wieder online sein werde.

Dienstag, 8. Januar 2008

Soo viel gute Laune! soo früh am morgen!

Da singt die gute Nana das Lied seit so vielen Jahren, und kann den Text immer noch nicht... (oder nicht mehr. Wer will das entscheiden...)

Freitag, 4. Januar 2008

Käufliches Glück. Daruma 2008.

Von einem japanischen Freund kam dieses Bild mit den besten Wünschen für das Neue Jahr. Sehr japanisch: Pflaumenblüten. Außerdem Mochi, das sind die weißen Reiskuchen unter dem Käse. Die bringen an Neujahr angeblich Glück, auch wenn sie nach nichts schmecken und eine Konsistenz wie Kaugummi haben. Die Maus in der Mitte - es hätte natürlich auch Hello Kitty sein können - ist eigentlich ein Daruma . Traditionell hat Daruma allerdings keine Augen, und das ist auch gut so! Blindheit macht nämlich abhängig, und deshalb ist er uns Menschen ausgeliefert. Und zwar so:
1. Man kauft einen kleinen Daruma aus Pappmaché.
2. Man malt ihm ein Auge, und wünscht sich was.
3. Daruma erfüllt den Wunsch, bekommt er ein zweites Auge gemalt und wird verbrannt. Offenbar hat er ein Interesse an diesem Prozess, und so beruht dieser Teil japanischer Religion ganz überzeugend auf schlichter Erpressung: pro Wunsch ein Auge. Do ut das. Eigentlich viel sinnvoller oder zumindest angenehmer als das in unserem Kulturkreis übliche Betteln...
Dieser spezielle Daruma hat nun leider schon zwei Augen. Das heißt, entweder ist er nicht erpressbar, oder aber - viel wahrscheinlicher - ich hab schon alles was ich zum Glücklichsein brauche...

Mal sehen: Ich bin jetzt exmatrikuliert. Ich habe einen Alumni-Bibliothekskarte für die VW-Bibliothek (5 Jahre kostenfrei, keine Bücher aus der Lehrbuchsammlung). Ich habe ein Monatsticket für die BVG, dank des Internationalen Studentenausweises sogar ermäßigt. Ich habe gute und günstige Bewerbungsfotos. Von all den widrigen Umständen abgesehen, die mich dazu bringen, all diese Dinge überhaupt zu besorgen, also eine ganz gute Leistung für den Tag. Da kann ich ja am Montag gleich nochmal aufs Jobcenter gehen...

Dieser Beitrag ist ein update zu: Paupertas Leprae Species... nicht qualifiziert für ALG II?

Donnerstag, 3. Januar 2008

Paupertas Leprae Species... nicht qualifiziert für ALG II?


Paupertas vitium non est: sordet tamen omnis
Pauper, & egregio semper honore caret.
Est leprae species: qua si teneare, propinquum
(Excuses quamvis omnia) nemo volet.

Ja, lateinisch bloggen, das kann ich! Aber ALG II beantragen, das ist nicht so einfach. Der zweite Anlauf führte mich heute immerhin zum richtigen Arbeitsamt. Dank frühen Aufstehens und sehr freundlicher Mitarbeiter hat das auch gar nicht weh getan. Jetzt habe ich also den ersehnten Bescheid mit Stempel, dass ich keinen Anspruch auf ALG I habe.
Weiter geht's zum Jobcenter, natürlich am anderen Ende der Stadt. Mitte ist groß. Das Jobcenter in der Sickingenstraße zu finden ist nicht schwer: Ringbahn bis Beusselstraße und dann einfach hinten an die Schlange anstellen. Die Arbeitslosen im Jobcenter sind offensichtlich deutlich arbeitsloser als die Arbeitslosen in der Arbeitsagentur. Das sieht man gleich. Hinter mir in der Schlange wird gefachsimpelt - man kennt sich hier aus. Schon 20 Minuten später bin ich im Gebäude drin. Weitere 10 Minuten später sorgt eine kleine Schlägerei für Abwechslung und das beschleunigte Vorrücken der Schlange um die Anzahl der beteiligten, vom Sicherheitsdienst zügig entfernten Personen. Am Empfang bekomme ich einen Zettel, auf dem steht, vor welchen Zimmertüren ich warten soll. Im dritten Stock ist die Beschriftung aber verwirrend: vierstellige Zimmernummern und eine merkwürdige Aufteilung in gerade und ungerade Flure (glaube ich) sind der schnellen Orientierung nicht dienlich. Ich setze mich im vermuteten Bereich und lese die Broschüre über ALG II. Ab und zu öffnen sich Türen, Jobcenter-Angestellte mit Aktenpaketen kommen heraus, schließen ab, gehen ein Büro weiter und verschwinden. Manchmal wird jemand aufgerufen. Ich lese einige Seiten in "Professionelle Bewerbungsberatung für Hochschulabsolventen". Um mich herum beginnen türkische Großfamilien ihr Mittagessen, Menschen werden aufgerufen und vermutlich beraten. Ich verschiebe meinen 13-Uhr-Termin. 110 Seiten Bewerbungstips gelesen. Vorsichtig frage ich nach, welche Kriterien beim Wartenden zur Erlösung führen. Falscher Buchstabe? Falsche Tür! Abitur und Magisterabschluss schützen nicht vor einfacher Dummheit. Immerhin geht es jetzt schnell, die Dame - die mich angeblich mehrfach vergeblich aufgerufen hat, nur eben fünf Meter weiter links - schiebt mich dazwischen. Leider ist sie nicht zuständig, denn Studierende haben einen theoretischen Anspruch auf Bafög. Praktisch habe ich den nicht, aber ich könne mich ja beurlauben lassen, das würde reichen. Immerhin habe ich 284 Euro Rückmeldung gezahlt, das Semesterticket gilt noch 3 Monate. 20 Seiten Formulare zum Ausfüllen druckt sie mir freundlicherweise auch gleich aus und rät mir, telefonisch einen Termin zu vereinbaren. Bzw. es zu versuchen, denn garantieren kann sie nichts. Es ist halb zwei.
(Die Schlange reichte bis zur Straßenecke)
Der Mann vom funkelnagelneuen "CampusCenter" der TU schließt mir die Tür vor der Nase zu. Immerhin erklärt er mir auf Nachfragen, dass Beurlaubungen nur vor Semesterbeginn möglich sind, rückwirkend schon gar nicht, und zum Erwerb von Hartz-IV-Ansprüchen ohnehin nicht ausreichend seien. Aber wenn ich mich morgen bis 14 Uhr exmatrikuliere, bekomme ich das Semesterticket anteilig zurückerstattet. Muss dann nur alle meine Bücher zurückbuchen, Gästeausweis bestellen, Bücher neu bestellen, und ein Monatsticket kaufen. Fürs Fahrrad ist es mir grad zu kalt. Aber ich hab im Jobcenter einen BVG-Schalter gesehen...
Gut, dass ich außer Diss schreiben nichts zu tun habe. Ich würde mich sonst womöglich langweilen.
Dieser Beitrag ist die Fortsetzung zu Prost Neujahr - ist Hartz IV die Lösung?