Montag, 17. Januar 2011

Das verflixte Siebte Jahr.

Volle Sechs Jahre sind vergangen, und die Doktorarbeit ist immer noch nicht fertig.
(Mal abgesehen von den Vorbereitungen, wie Themensuche, Betreuersuche, Exposé schreiben etc, dann könnte man noch einmal 18 Monate draufschlagen.)

Challenges. I expected times like this - but I never thought
they'd be so bad, so long, and so frequent.

Zuerst lief alles ganz gut. Dem Exposé lag ein Zeitplan bei, ausgerichtet auf drei Jahre. (Natürlich frei erfunden.) Am 1. Januar 2005 habe ich in Berlin mein Stipendium im Graduiertenkolleg angetreten. Wie es auslief, ohne dass die Arbeit fertig war, wie ich seit nunmehr fast drei Jahren "nebenher" an der Universität Lüneburg arbeite - oder vielmehr: arbeite, und nebenher die Diss schreibe, das habt Ihr in diesem Blog immer wieder mitverfolgen können.


In letzter Zeit stand hier nicht mehr sehr viel über neue Fortschritte. Genau genommen stand hier überhaupt nicht mehr viel. Im März hatte ich ein (sehr langwieriges, komplexes) Kapitel eingereicht. Im Mai habe ich mich ans nächste Kapitel gemacht. Dann kam wieder der Job dazwischen. Im August wollte ich -während meines Urlaubs - mit der relevanten Literatur weiterkommen, hatte aber im Juli soviel berruflich zu tun, dass ich die zu sichtenden Bücher weder recherchiert noch bestellt hatte. Seit September liegen mir einige Aufsätze vor, und seit September ruht auch die Arbeit an der Diss - ein sehr wichtiges anderes Projekt war mir in meiner "Freizeit" dazwischengekommen.

Do it later. The Early Worm is for the Birds.
Das ist nun aber alles vorbei und für das neue Jahr habe ich nur einen wirklichen Vorsatz:
Fertig werden!

Fertig werden ist ein Wert an sich, und er ist deutlich wichtiger und höher zu bewerten als die Qualität der wissenschaftlichen Prosa, die Breite und Repräsentativität (?) der Feldstudien, ja sogar wichtiger als die Tiefe der analytischen Untersuchung.
Denn nur wer fertig wird - und sei es mit einem verachtenswerten "rite" - wird geprüft, und darf seinen Titel führen. Wer nicht fertig wird, ist nichts und wird auch nichts (in der Wissenschaft). Macht nichts?


 Nee, macht an sich nichts - die Wissenschaft ist ohnehin ein korruptes sehr spezielles Berufsfeld (aber auch toll, natürlich). In jedem anderen Beruf (inklusive Hausfrau und Mutter) fragt niemand nach Note oder Inhalt der Doktorarbeit. Nie.

Die Frage ist jetzt natürlich: wie wird man fertig? Wie immer: jede große Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. In diesem Fall: drei Schritten:
  • Schritt Eins
habe ich schon erledigt, in den letzten Wochen und Monaten: ich habe mich mit Verstand UND Herz (schwieriger) von meinem ursprünglichen Konzept verabschiedet. Zu viel, zu komplex, zu umfangreich, zu viele Vergleichstudien. Das schaffe ich nicht, und ich MUSS das auch gar nicht schaffen -- denn vieles was ich sagen möchte ist schon nach einer Analyse gezeigt, Vergleiche wären nur "mehr vom Selben, bloß anders"... interessant, aber nicht wichtig.

ist schon schwieriger: es geht darum, genügend Motivation und/oder externe Verpflichtung in Form von Deadlines, Kolloquien etc aufzubieten, um dem Endspurt durchhalten zu können.



Motivation. If a pretty poster and a cute saying are all it takes to motivate you,
you probably have a very easy job. The kind robots will be doing soon.
 

Hier bin ich auf einem guten Weg: schon in einer Woche muss ich im Doktoranden-Kolloquium des geschätzten Betreuers präsentieren (zuletzt war ich da im November 2007...) Was ich da erzählen soll? Keine Ahnung! Aber dafür sind Deadlines ja gut. Im März ist außerdem Kunsthysterikertag in Würzburg. Da gibt's zwar auch nichts zu meinem Thema, aber schon beim letzten Mal in Marburg hat der halbe Tag Forschungsluft ordentlich Schwung in die Sache gebracht. Außerdem kann man da Freunde treffen und Strategien aushecken. Und natürlich mit Verlagen anbandeln... Bis März bin ich also versorgt.
  • Schritt Drei
hängt mit Zwei zusammen - denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - und zwar geht es um ausreichend Zeit UND AUCH Kraft/Energie. Hier habe ich die bedrückende Erfahrung gemacht, dass ich neben meinem Beruf die Dissertation oft - zu oft - hinten angestellt habe.
Das eine wird bezahlt, das andere nicht;
Get to Work. You aren't being paid to believe in the power of your dreams.

beim einen bin ich Kollegen (und Studierendem und einem Semesterzeitplan) verpflichtet, beim anderen nur mir selbst... Nach einer durchschnittlichen 28 h/Woche, in drei Wochentagen absolviert, brauche ich sowohl den jeweiligen Feierabend als auch mein Wochenende zur Regeneration, und an den eigentlich freien Tagen prüfe ich dennoch die E-Mails, beantworte Fragen und betreue Lehrende und TutorInnen - da gehen oft mehrere Stunden für drauf. Problem: die Arbeit macht mir ja Spaß, und der "Nutzen" ist sofort sichtbar - im persönlichen Kontakt, und auch in Form taktiler Beweise (Briefe, Aktenordner, interne Publikationen). Das ist viel befriedigender als ein Doktortitel in weiter Ferne...

 Zu dieser Form des Multi-Taskings (zwei parallele Jobs plus Privatleben) tauge ich offenbar nur bedingt. Allerdings läuft demnächst der zweite Zeitvertrag aus, aber die nächste "Karrierestufe" bleibt mir ohne die Diss versperrt. Will ich beruflich weiterkommen (egal wo, egal was), so muss ich fertig werden, und zwar bald, soviel ist klar.


vision, determination, and an endless supply of expendable labor.


Ob mein Zeitmanagement in diesem Jahr, ohne besagtes persönliches Großprojekt aus 2010, nun besser wird, sehe ich dann ab übermorgen - denn da geht's ja wieder los. Wird die Motivation aus Schritt Zwei reichen?

Inspiration. Genius is 1 percent inspiration and 99% perspiration,
Jetzt werde ich sie jedenfalls erst einmal in meine Präsentation für nächste Woche umlenken. Ich versuche mich gerade an einer To-Do-Mindmap mit Prezi... Gambarimas!

Links:
alle Bilder: http://www.despair.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Promotion_(Doktor)#Deutschland
http://www.kunsthistoriker.org/1166.html

Über Planungen für  meine Diss wahrscheinlich hier (oha!): Feinschliff. Kapitel 5 und auch sonst.
Über Prezi hier: PowerPoint ist tot - Es lebe Prezi? Einige Überlegungen für und wider.
Über gute Vorsätze zuletzt hier: Lauter gute Vorsätze.
Über Berufsaussichten in der Wissenschaft  zuletzt hier: Templiner Manifest - hier lang zur Unterschrift.
Über den Deutschen Kunsthistorikertag hier: Kanon ist, wenn alle dasselbe singen nur nicht gleichzeitig.

Montag, 6. Dezember 2010

Return of Investment.

Also, ich finde, es hat sich gelohnt:
Stiefel aufstellen...
schlecht geputzt...*schäm*

...Teller mit Möhrchen (Eselchen) und Schnaps (Nikolaus) aufstellen...
sorry - schlechte Bildqualität. You get the picture...

...beim Aufstehen reiche Beute Gaben vorfinden!
Hurra!
Qualitätszeit - wen nehme ich bloß mit, wenn Harvey und ich "einen lüpfen" gehen?
Date mit einem Puka
Offenbar nicht den Nikolaus... schade!
Also, als ich klein war hat er das immer gemocht...
Das war natürlich ein Update zu: Lasst uns froho uhund munter sein...

Sonntag, 5. Dezember 2010

Lasst uns froho uhund munter sein...

... und uns rehecht vohon Herzen freuen,
Lustig, lustig, trallallallalla!
Bald ist Nikolausabend da!
Bald ist Nikolausabend da!

Genau genommen, ist morgen Nikolausabend da.
Deshalb habe ich gestern mal den Backofen angeschmissen, und während der Meinige, der am Donnerstag auf eine eintägige Geschäftsreise geschickt worden war, immer noch in Amsterdam am Flughafen feststeckte, habe ich den ganzen Abend gebacken...
stolzes Ergebnis meiner Backwut

Lebkuchen...
Sterne, Herzchen, Männchen

... und Mandelmakronen...
mit Schokolade. Hab leider den Kakao vergessen. Schmecken trotzdem!
... und Zimtstangen...
auf Sterne lass ich mich nicht ein. Außerdem kann man so Schokolade unterjubeln...

... und Schwarz-Weiß-Gebäck...
kleinkariertes Gebäck

...und (natürlich) Vanille-Kipferl.
links: zerlaufen rechts: gutes Kipferl

Alle nach streng gehüteten Familienrezepten aus diesem Buch, versteht sich!

(Naja. Genau genommen habe ich schnöde geschummelt, und die letzten drei mit Fertigteigen aus dem Kühlregal gemacht. *schäm* Aber Nussteig ist total blöd zu verarbeiten, und die S-W und Kipferl finde ich eigentlich relativ langweilig, kurzum: ich wollte die Fertigteige mal testen. Ist ok. Wobei zwischen den verschiedenen Firmen auch Qualitätsunterschiede sind.)

Und ja: die Dosen sind alle schon halb leer. Aber nicht, weil ich so verfressen gewesen wäre. Mit Ausnahme der zulässigen fortlaufenden Qualitätskontrolle wird so einiges morgen verschenkt werden (Geheimauftrag vom Nikolaus persönlich!)

Daher:
Plätzchen in die Tüte packen...
... mit Apfel Mandarine, Nuss und Mandelkern (mögen alle Kinder gern!) und
...einem netten Gruß in die Tüte packen...
Fertig ist der Nikolaus-Gruß für die Nachbarn. (Sind nur drei...)
Aber da wir ein paar amerikanische Europe-Trotter auf der Durchreise erwarten, kommt eben einiges zusammen...
Hoffentlich bringen die alle einen Stiefel mit!
Meine Arbeit ist getan.
Ich kann mich jetzt entspannt der zweiten Kerze widmen...
siehe, das zweite Lichtlein brennt schon!
...und mich um die Fertigstellung des letzten Weihnachtsgeschenks kümmern, bis die besagten Jungs (hoffentlich bald) kommen! Entspannung!
Euch allen eine gesegnete und recht friedliche Adventszeit...

Links:
http://www.amazon.de/Backen-f%C3%BCr-Weihnachten-christmas-book/dp/3774249423/ref=sr_1_5?ie=UTF8&qid=1291558697&sr=8-5

 Letzes Jahr habe ich das auch schon gemacht. Liest du hier: Nikolaus. Zweiter Advent. Sonntag. Jahrestag.

Freitag, 26. November 2010

Frauen und Netzwerke.

Wenn man, so wie ich, kein Auto besitzt, dann fährt man natürlich häufiger mit Bus und Bahn. Is' ja auch praktisch (außer wenn mal wieder der ICE ausfällt und man 40 min auf dem Gang stehen muss. Dafür bin ich schon lange zu alt, und bald auch echt. Aber echt!).  Notgedrungen lauscht man in Bus und Bahn anderen nicht-automobilen  Zeitgenossen so einiges ab. Einseitig geführte Handytelefonate sind dabei nicht so erfreulich wie echte Gespräche, und in letzter Zeit sind die Gespräche zwischen den Damen irgendwie interessanter - muss mich manchmal recht beherrschen, mich nicht einzumischen.

Neulich im Bus  zur Uni also diese Mädels. Wahrscheinlich Studierende, wahrscheinlich kurz vorm Abschluss - BA, nicht Master - nicht mehr so ganz grün hinter den Ohren, aber auch noch nicht sehr abgeklärt. Sie sprechen über Karrierechancen, demografische Entwicklung, Familienpolitik und Zukunftspläne. Und obwohl die Zeiten für hochqualifizierte junge Frauen schon mal deutlich schlechter standen, waren sie nicht sehr zuversichtlich. Fazit der einen: Frauen knüpfen halt keine Netzwerke, das ist ja bekannt. Da kommt man in der Karriereplanung eben nur bis zu einem gewissen Punkt, und dann nicht weiter...

http://blog.onlymarketingjobs.com/wp-content/uploads/2010/03/Oldboysnetwork.jpg

Ich habe das auch schon öfter gehört - Männer netzwerken, Frauen menscheln. Männer machen Karriere, Frauen die Wäsche. Ich habe es so oft gehört, dass ich es manchmal auch glauben möchte. Eine schöne einfache Erklärung für ein komplexes Phänomen.

Aber bei Licht betrachtet - bloß weil alle das "wissen", heißt ja nicht, dass es stimmt.
Frauen sind exzellente Netzwerkerinnen. Sie haben einen höhere Sozialkompetenz (so heißt es zumindest...:-D), sie haben eine höhere emotionale Intelligenz, sie sind emphatisch, sie kommunizieren statt zu dominieren etc pp. All diese Eigenschaften machen sie zumindest in der Theorie zu sehr guten und zuverlässigen Netzwerkerinnen.

Netzwerkerin

Und auch in der Praxis - nehmen wir doch mal die klassische Mutter von kleineren Kindern, gerne berufstätig - und die Kita streikt. (Fast) jede dieser Mütter hat eine Mutter/ Schwester/ Freundin aus der Stillgruppe, die zumindest zeitweise einspringen kann. Da wird ein sehr komplexes Netz von Tauschgeschäften gewoben - ich hole Deine Lena heute mit ab, wenn meine Pia morgen mit zu dir kann; meine alte Babysachen gegen das zu kleine Fahrrad deines Ältesten für die Nichte meiner Nachbarin damit die mir .... etc. Ein dichtes Netz an Gefallen und Gegen-Gefallen, Abhängigkeiten und Zuständigkeiten, und alle Mütter sitzen mittendrin wie die Spinne Thekla und weben und knüpfen und denken oft mehrere Schritte um die Ecke und wenn sich dabei alle noch gut verstehen und Spaß haben, umso bessser. In den meisten Fällen funktionieren diese Netzwerke ganz hervorragend, und da werden auch so manche Kita-Mütter "mitgeschleppt" mit denen man sich ohne Kind vielleicht nicht (so eng) angefreundet hätte. Weil es nämlich notwendig ist, um den Alltag zu organisieren, Kind, Haushalt und Beruf (oder anderen Verpflichtungen) gerecht zu werden.

Und hier liegt wohl eher der eigentliche Unterschied zwischen "männlichen" und weiblichen Netzwerken: Männer netzwerken vor allem im und für den Job. Frauen netzwerken "privat" oder in ihrer Eigenschaft als "Famillienmanagerin" - aber nicht da, wo sie finanziell davon profitieren würden (sie profitieren, natürlich). Aber das gleiche Geschick in ein berufliches Netzwerk zu investieren wie in ein privates, das finden wir unartig, unmoralische, unfair, und benennen es mit negativen Begriffen wie Kader, Seilschaft, old boys...
Die Schere ist, wie so häufig, im Kopf. Leider.
Irgendwie sind wir's oft ja auch selbst schuld, wenn wir uns das Leben so schwer machen. Xing und Kaffeepausen stehen uns ja genauso zur Verfügung. Und ganz offensichtlich ist es nicht unmoralisch - gibt ja sogar Fortbildungen dazu! Aber das konnte ich den Mädels im Bus ja wohl kaum erklären - im Übrigen waren sie ja auch schon ausgestiegen...

("Echte" Mütter mögen mich korrigieren, mein obiges Beispiel beruht auf Beobachtung, nicht auf Erfahrung. Im Zweifel halte ich es allerdings für zutreffend, eher noch Untertreibung.)

Heute mal eigene Gedanken, keine Links.
Zuletzt mal so Gedanken gepostet: Si tacuisses...

Freitag, 5. November 2010

Templiner Manifest - hier lang zur Unterschrift.


Die GEW hat eine ordentliche Aktion gestartet - das Templiner Manifest bemüht sich um eine Anerkennung von Wissenschaft als Beruf - denn so wie Lehrbeauftragte und Post-Docs zur Zeit behandelt werden, lässt sich Wissenschaft für die meisten Doktoranden und Post-Docs -- also wir in den 30gern, in der berühmten Karriere-bauen-Familie-gründen-Phase -- nur als Hobby betreiben - vorausgesetzt, man hat Vermögen oder eine/n Ernährer(in), oder einen lukrativen Hauptjob, oder kann und will von Hartz IV leben...
 Hier ist der Link: http://www.gew.de/Templiner_Manifest.html
 und hier ist der Text:


Templiner Manifest

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind mit wachsenden Anforderungen konfrontiert: durch steigende Studierendenzahlen, durch die Reform der Studiengänge, eine autonome Steuerung der Einrichtungen und die zunehmende Bedeutung der Drittmitteleinwerbung. Diesen Anforderungen müssen sich die Beschäftigten in der Wissenschaft stellen, ohne dass sie aufgabengerechte Bedingungen vorfinden. Befristete Arbeitsverträge und weitere Formen atypischer und prekärer Beschäftigung betreffen immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden selbstständige Forschung und Lehre und verlässliche berufliche Perspektiven verwehrt.

Doch gute Lehre und Forschung auf der einen Seite sowie gute Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven auf der anderen sind zwei Seiten einer Medaille. Wir fordern daher Bund, Länder und Hochschulen zu einer Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung auf, die sich an den folgenden zehn Eckpunkten orientiert.

1. Promotionsphase besser absichern und strukturieren
Wir verstehen die Promotion als erste Phase wissenschaftlicher Berufsausübung. Für Doktorandinnen und Doktoranden fordern wir daher ausreichend tarifvertraglich geregelte Beschäftigungsverhältnisse zur Qualifikation mit Sozialversicherungsschutz, die mindestens drei Viertel der Arbeitszeit für die eigenständige Qualifikation vorsehen. Fächerübergreifende Graduiertenzentren sollen alle Promovierende bei der Aufnahme, Durchführung und dem erfolgreichen Abschluss des Promotionsvorhabens unterstützen. Wir treten für mehr Transparenz und soziale Gerechtigkeit beim Zugang zur Promotion ein – auch für Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen.

2. Postdocs verlässliche Perspektiven geben
Promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Postdocs) müssen verlässliche berufliche Perspektiven haben: durch einen Tenure Track, der den dauerhaften Verbleib in Hochschule und Forschung ermöglicht – unabhängig davon, ob eine Berufung auf eine Professur erfolgt oder nicht. Voraussetzung dafür ist eine systematische Personalplanung und –entwicklung durch Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Hochschullehrerlaufbahn muss über unterschiedliche Karrierewege erreichbar sein, die Habilitation ist dabei immer nur eine Möglichkeit.

3. Daueraufgaben mit Dauerstellen erfüllen
Neben Stellen zur Qualifikation und Professuren benötigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ausreichend Stellen, auf denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit unbefristeten Verträgen Wissenschaft als Beruf ausüben können. Nur so lassen sich die Daueraufgaben in Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement mit der erforderlichen Kontinuität und Qualität erfüllen. Und nur dann eröffnen sich qualifizierten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berufliche Perspektiven auch neben der Professur.

4. Prekäre durch reguläre Beschäftigung ersetzen
Viele Hochschulen lassen unter großem finanziellen Druck einen erheblichen Teil ihrer Pflichtlehre von Lehrbeauftragten erbringen. Mit der Ausbeutung von Dumping-Lehrkräften muss Schluss sein! Dort, wo Lehrbeauftragte dauerhaft Lehr- und Prüfungsaufgaben wahrnehmen, müssen diese sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse erhalten. Soweit zur Ergänzung des Lehrangebots Lehraufträge sinnvoll sind, müssen Mindeststandards im Hinblick auf Bezahlung, Vertragsdauer und Verlängerungsoption gelten.

5. Im Gleichgewicht lehren, forschen und leben
Wissenschaft ist ein normaler Beruf, auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein Recht auf eine Work-Life-Balance. Das setzt eine familiengerechte Gestaltung von Hochschule und Forschung voraus. Dabei gehen wir von einem breiten Familienverständnis aus, das alle Lebensgemeinschaften einschließt, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Wir fordern bedarfsgerechte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder, die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Beschäftigten mit betreuungs- und pflegebedürftigen Angehörigen und die Realisierung entsprechender Arbeitszeitmodelle.

6. Ausgeglichenes Geschlechterverhältnis durchsetzen
Da Frauen in leitenden Funktionen des Wissenschaftsbetriebs unterrepräsentiert sind, brauchen wir wirksame Maßnahmen, um den Anteil der Frauen auf allen Stufen der wissenschaftlichen Laufbahn mit dem Ziel eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses zu erhöhen. Die Qualität der Arbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen muss danach beurteilt werden, mit welchem Erfolg sie den Gleichstellungsauftrag erfüllen. Wir fordern eine verbindliche und mit Sanktionen verknüpfte Quotierung, auch bei der Besetzung von Professuren und Leitungsfunktionen. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte brauchen wirksame Gestaltungsmöglichkeiten und Beteiligungsrechte.

7. Gleichberechtigt mitbestimmen
Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssen demokratisiert, die Selbstverwaltung muss gestärkt werden. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen unabhängig vom Status in Hochschulgremien beziehungsweise Aufsichtsgremien der Forschungseinrichtungen auf Augenhöhe gleichberechtigt mitbestimmen können. Das gilt auch für neue Organisationsformen wie Graduiertenschulen oder Exzellenz-Cluster. Wir fordern eine Ausdehnung des Geltungsbereichs der Personalvertretungsgesetze bzw. des Betriebsverfassungsrechts auf alle Beschäftigten sowie einen Ausbau der Rechte der von ihnen gewählten Personalvertretungen und Betriebsräte – auch als Konsequenz der größeren Autonomie der Einrichtungen in Wirtschafts- und Personalangelegenheiten.

8. Mobilität fördern, nicht bestrafen
Wir treten für Bedingungen in der Wissenschaft ein, die Mobilität ermöglichen: zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, im europäischen und globalen Hochschul- und Forschungsraum sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Altersversorgungs- und Sozialversicherungsansprüche müssen uneingeschränkt erhalten, Erfahrungszeiten bei anderen Einrichtungen und Qualifikationen anerkannt werden. Gleichzeitig gilt: Auch wer nicht mobil sein will oder kann, muss eine faire Chance in der Wissenschaft haben.

9. Hochschule und Forschung bedarfs- und nachfragegerecht ausbauen
Die wachsenden Anforderungen an Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement sind auf Dauer nur durch einen bedarfs- und nachfragegerechten Ausbau von Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu bewältigen. Dazu brauchen wir mehr Studienplätze, ein besseres Betreuungsverhältnis und eine intensivere Forschung, um den gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.

10. Alle Beschäftigungsverhältnisse tarifvertraglich aushandeln
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie studentische Beschäftigte haben Anspruch auf tarifvertraglichen Schutz. Wir fordern daher die Ausdehnung des Geltungsbereichs der Flächentarifverträge des öffentlichen Dienstes auf alle Beschäftigten in Hochschule und Forschung. Wir treten für wissenschaftsspezifische Regelungen ein, die den besonderen Anforderungen des Arbeitsplatzes Hochschule und Forschung Rechnung tragen. Der Gesetzgeber muss die Tarifautonomie von Gewerkschaften und Arbeitgebern respektieren und das Verbot, Regeln zur Befristung von Arbeitsverträgen in Hochschule und Forschung auszuhandeln und anzuwenden, aufheben. Daher fordern wir die ersatzlose Streichung der Tarifsperre im Wissenschaftszeitvertragsgesetz.

Templiner Manifest online unterzeichnen


Zuletzt ging es um Wissenschaft als Arbeitsplatz hier: Lehrjahre sind keine Herrenjahre.