Samstag, 16. Januar 2010

Bücher sind Lebensmittel: Stadtbibliothek Bremen.

"Read sometimes for the story, Bobby. Don't be like the book-snobs who won't do that. Read sometimes for the words - the language. Don't be like the play-it-safers that won't do that. But when you find a book that has both a good story and good words, treasure that book." (Ted Brautigan's Rat an Bobby, der zum 11. Geburtstag einen Erwachsenen-Bibliotheksausweis bekommen hat. Ein sehr guter Ratschlag in Stephen King: Hearts in Atlantis, Hodder and Stoughton: 1999, S. 23)


Seit den - dank Halbgrippe verlängerten - Weihnachtsferien habe ich endlich einen Jahresausweis für die Stadtbibliothek beantragt. Hat auch gar nicht weh getan - im Gegenteil! Ich bin von der Bibliothek ziemlich angetan. Zum einen sind es nur knapp 500 m Fußweg, sodass man allerlei Schweinehunde, die einen an der rechtzeitigen Rückgabe ausgeliehener Objekte hindern wollen, recht leicht austricksen kann. Zum anderen kann man tatsächlich unterschiedlichste Objekte leihen bzw. nutzen, vom klassischen Buch über Zeitschriften, Videospiele und Hörbücher auch DVDs. Zum dritten, und vielleicht wichtigsten, ist der Bestand so gestaltet, dass er tatsächlich Medien umfasst, die man auch ausleihen möchte!

Dies mag jetzt für gewiefte Stadtbibliotheksnutzer gar nicht sooo überraschend sein - ich aber bin geprägt von der Katholischen Öffentlichen Bücherei meiner Heimatstadt, die - anders als Bremen - bis heute über keine Website, geschweige denn einen Online-OPAC oder eine eAusleihe zu verfügen scheint. (Deshalb auch keine Links zu besagter KÖB sondern nach Bremen...) Als ich in der 2. Klasse war, machten wir einen Schulausflug zur KÖB und jeder von uns bekam einen Leih-Ausweis. Die Ausleihe kostete pro Buch 10 oder 20 Pfennige, aber vielleicht war das auch die Mahngebühr, wer weiß das heute noch so genau? Ich war sofort Stammkundin und war regelmäßig Mittwochs nachmittas (16-18 Uhr) und Sonntag vormittags (10-12 Uhr), in meiner Erinnerung waren das die einzigen Öffnungszeiten, dort anzutreffen. Damals war mir das beschränkte Angebot recht egal, da ich ja ohnehin noch nix kannte, und ich las mich durch Unmengen von Büchern. Ich bilde mir ein, pro Woche mindestens 5 Bücher gelesen oder zumindest geliehen zu haben, aber vielleicht irrt hier die Erinnerung. Geliebt und gefühlt vollständig gelesen habe ich (natürlich) die ???, und TKKG, und Tom & Locke, aber nach den 15. Sommerferien in denen sie immer noch 14 waren fand ich das irgendwann doof. Besser war Captain Brandis (hach! den hatte ich ja ganz vergessen!)... So mit 10 fing ich an, "richtige" Bücher zu leihen, z. B. alles von Dorothy L. Sayers. Mehrere ihrer Bücher habe ich mehrfach ausgeliehen, weil unterschiedlichen Übersetzer die Titel auch verschieden übersetzt hatten. Das war damals ärgerlich. Heute besitze ich alle Wimseys auf englisch und lese sie nach wie vor mit großer Freude. Auch die Don Camillo und Peppone-Bücher habe ich - veranlasst durch die großartigen Filme mit Fernandel - verschlungen - und muß im Nachhinein sagen: nicht verstanden. Was wusste ich denn schon mit 11 oder 12 über Kommunismus oder das Nachkriegsitalien? (Merken: dringend mal wieder lesen, das könnte ein Spaß werden...)
Aber ich schweife ab.

Endgültig überzeugt hat mich in Bremen die Existenz einer eigenen Krimibibliothek, die 2009 völlig zu Recht mit der "Ort der Ideen"-Auszeichnung geehrt wurde. Großartige Idee, auch wenn die Beschränkung auf deutsche Krimis etwas einschränkend ist und der Präsenzbestand den Genuß einschränkt... ABER: zumindest gibt es wunderbare rote Sofas, auf denen man sich an einem regnerischen Nachmittag niederlassen kann, um bspw. Bernhard Schlinks "Selbs Justiz" zu lesen... Ein schönes Buch, auch wenn es schon sehr veraltet wirkt. Telex? Ein Hackerangriff, aber ohne jedes Internet? Hihi, und dabei ist das gute Stück erst 20 Jahre alt...


Bremen, Krimibibliothek: stilecht mit Täfelung und roten Sofas. Es fehlt: Perserteppich, Kaffee

Seither habe ich ausgeliehen:
3 DVDs, von denen zwei (Plan 9 from Outer Space und Eine Nacht bei McCools) allerdings leider so verkratzt waren, dass man sie nicht anschauen konnte. Rühmann's Himmel auf Erden war aber einwandfrei, wenn auch sehr kitschig und nicht sehr gut...aber nett.


Weil ich Weihnachten den ersten Band der Sandmann-Serie geschenkt bekommen habe, und auch ab und zu seinen Blog lese, habe ich außerdem Neil Gaiman's "Coraline" eingesteckt. So viele Preise wie das Buch gewonnnen hat... Gruselig, aber zum Glück geht ja alles gut aus. Und starke Mädchen kann die Kinderliteratur immer brauchen.

Außerdem habe ich neulich auf 3Sat ein Interview mit Richard David Precht gesehen, und daher neugierig auf sein Buch über die "Liebe". Leider sind zur Zeit alle Exemplare ausgeliehen, also habe ich erst mal "Lenin kam nur bis Lüdenscheid" mitgenommen. Amüsant, aber anders als Florian Illies olle "Generation Golf" bleibt er nicht bei nostalgischen Kindheitserinnerungen stehen, sondern zieht als Erwachsener einige Analysen aus dem, was er als Kind erlebt, aber nicht immer ganz verstanden hat. Das macht das Buch richtig interessant. Würde ich verschenken.

Heute habe ich mir dann noch Cornelia Funkes "Tintenblut" ausgeliehen. Vor einigen Jahren hatte ich den ersten Teil gelesen, und obwohl er mir gut gefallen hat (ich mag Bücher über das Lesen), hatte ich bisher wenig Lust, über 20 Euro für eine angeblich nicht so tolle Fortsetzung zu blechen. Und genau dafür gibt es schließlich Leihbibliotheken!


(Im Gegensatz zu früheren Beiträgen werde ich Buchtitel jetzt nicht mehr zu amazon verlinken - das müsst Ihr schon selber suchen - denn schließlich krieg ich nichts dafür, und vielleicht kauft man seine Bücher ja auch lieber ganz woanders. Also gehen die Links zu der anderen Internetkrake - Google Books - nicht so sehr, weil ich damit eine Meinung zu deren nicht-ganz-open-access-Politik äußern möchte, sondern weil die zumindest die wichtigsten Grundinfos (ISBN etc) und oft auch Rezensionen bereitstellen.)



Links:
http://books.google.de/books?id=GL7yEd-vMvIC&q=king+hearts+in+atlantis&dq=king+hearts+in+atlantis&cd=1
http://www.stadtbibliothek-bremen.de/
http://opac.stadtbibliothek-bremen.de/webOPACClient/start.do
http://www.stadtbibliothek-bremen.de/eAusleihe.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_drei_Fragezeichen
http://de.wikipedia.org/wiki/TKKG
http://de.wikipedia.org/wiki/Tom_und_Locke
http://www.markbrandis.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothy_L._Sayers
http://de.wikipedia.org/wiki/Don_Camillo
http://de.wikipedia.org/wiki/Fernandel
http://www.land-der-ideen.de/CDA/ort_des_tages,1987,1,,de.html?action=detail&id=6697
http://books.google.de/books?id=MruzAAAAIAAJ&q=schlink+selbs+justiz&dq=schlink+selbs+justiz&cd=1
http://www.imdb.de/title/tt0052077/
http://www.imdb.de/title/tt0203755/
http://www.imdb.de/title/tt0026472/
http://books.google.de/books?id=tkiOPQAACAAJ&dq=gaiman+sandman+notturni&cd=1
http://journal.neilgaiman.com/
http://books.google.de/books?id=eRIxTzsJsB0C&dq=gaiman+coraline&cd=1
http://books.google.de/books?id=YFrMPAAACAAJ&dq=precht+liebe&cd=1
http://books.google.de/books?id=0f1lAAAAMAAJ&q=precht+lenin&dq=precht+lenin&cd=1
http://books.google.de/books?id=bmKtAAAAIAAJ&q=illies+golf&dq=illies+golf&cd=1
http://books.google.de/books?id=PUjhAAAAMAAJ&q=funke+tintenblut&dq=funke+tintenblut&cd=1
http://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Standardbuchnummer

Bildquellen:
http://www.kultur.bremen.de/fastmedia/12/thumbnails/stadtbibliothek.3047.jpg.3050.jpg
http://www.pressedienst.bremen.de/fastmedia/12/krimibib.jpg
amazon Buchcover

Der letzte Beitrag in dieser Reihe war: Bücher sind Lebensmittel. Der Graf, Herr Obama und ich.

Kommentare:

Kraxpelax hat gesagt…

In Totenstadt kann Nichts wachsen,
Nacht bebaut die grüne Bezirke.
Wache, Kind, wache!
Es kommt ein Mann zum Haus.

Es läuft das Gerücht um schwarze
Schein von brennende Schächte.
Wache, Kind, wache!
Er öffnet die Tür zum Zimmer.

Das Mond der Nachkriegszeit fällt
seine Auge über allen Gärten.
Wache, Kind, Wache!
Der König hat er gestürzt.

Deine Atemwende wird leicht als Tod
führt Erwartung zur Himmelskapelle.
Träume, Kind, träume!
Dein Vater ist immer bei dir.

Fremde Gedichte

- Peter Ingestad, Schweden

moonroque hat gesagt…

Schöner Beitrag ! Gruss aus der Nachbarschaft !

Bleistifterin hat gesagt…

Danke! :-)