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Donnerstag, 23. Juni 2011

Good News!

jaja, ich weiß, ich weiß:
der Interviewer ist so leise, er ist fast unverständlich,
und das Interview ist erschreckend lang (ca. 30 Minuten)


http://livestre.am/PGgM

aber gute Nachrichten sind gute Nachrichten.
Und ein geplantes American Gods Teil 2 ist eine gute Nachricht.
Und *so wie das hier angedeutet ist* wäre auch eine Verfilmung von American Gods eine gute Nachricht.
Wen interessiert schon Neil's Bart?

Zurück nach Limoges...

Mittwoch, 11. August 2010

Das Filmereignis einer Generation.

Ich habe gerade wahnsinnig viel sehr ernsthafte Sorgen. Naja. Ziemlich ernsthafte Sorgen.
Deshalb heute mal nur das - und nein, das ist weder eine Sorge, noch irgendwie ernsthaft:
Das Finale - Das Filmereignis einer Generation - so wird der neue Harry Potter Trailer nicht ganz unzutreffend angekündigt. Eine ganze Generation ist mit diesen Büchern aufgewachsen. Das gemeinsame Warten auf den nächsten Band, das Markieren des Erscheinungsdatums von "HP 4-7" im Kalender, das gemeinsame Lesen, das Mitfiebern - bei allen inhaltlichen Schwächen der Bücher, über die ich mir völlig klar bin - war schön. Ja. Schön war's!
Schön war auch auch Alan Rickman als Snape. Ich bin mit dieser Meinung nicht alleine, man gebe eine x-beliebige Kobination der Suchworte "Snape" und "sexy" in eine Suchmaschine der Wahl ein und zähle die Ergebnisse. Alles klar.
Und im Herbst jetzt also endlich die Verfilmung des letzten Teils - Harry Potter and the Deathly Hallows kommt ins Kino.




Aber wohl nicht so ganz - der Film wird in zwei Teilen erscheinen - im November Teil 1 und erst im Juni 2011 Teil 2!
Ok, das Buch ist dick. Aber ich habe den Eindruck, hier wird ein Trend ausgeschlachtet, der schon wieder vorbei ist... nuja. Wird trotzdem angeguckt. Wenn's sein muss, auch in 3D.  :-)

Montag, 12. April 2010

Bücher sind Lebensmittel. Gute Ratschläge.

Dieses Video ist so poetisch, und klug, und humorvoll - ich konnte es Euch nicht vorenthalten.
Und so  Gute Ratschläge kann man immer brauchen...

 


Kann man Fan eines Schriftstellers werden,nur weil man seinem Blog folgt? Ja klar, denn auch hier schreibt er, und erzählt Geschichten.
Aber wie bin ich eigentlich darauf gekommen?
Traditionell als Buch gelesen habe ich:
+etwa 1999/2000: Good Omens - auf dem Höhepunkt der Pratchett-Mania, dem Ersten Lesen aller Bücher, auch wenn es kein Discworld-Roman ist, wie hier fälschlich behauptet...
+möglicherweise 2007, bei Freunden: Die Wölfe in den Wänden - auch wenn ich damals den Namen nicht wiedererkannt habe und es erst jetzt mit ihm verbinde...
+irgendwann in den Jahren dazwischen den Blog, den ich über eine Link-Spur gefunden zu haben glaube - und auch wieder vergaß... in meinem Feedreader erst seit letztem Jahr, seither kleinere seiner Texte, Blogposts und Interviews, sowie ein paar Videos von Lesungen aus dem Netz gefischt
+Weihnachten 2009: den ersten Sandmann-Band, den ich - neugierig geworden, auf meine Wunschliste bei amazon gesetzt hatte und der mir vone einem überraschten Familienmitglied etwas zweifelnd überreicht wurde
+   Coraline, gezielt auf der Suche nach Gaiman-Büchern, um mir ein Bild vom Werk des Autors zu machen
Unbedingt lesen möchte ich das Graveyard Book.
Und dann möchte ich die "erwachsenen" Bücher auftreiben...obwohl seine Kinderbücher erfreulich erwachsen sind.


Links:
http://www.youtube.com/watch?v=dWRvqO1MjIs&feature=player_embedded
http://journal.neilgaiman.com/
http://www.amazon.de/Good-Omens-Accurate-Prophecies-Discworld/dp/0552137030/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1271073542&sr=8-3
http://www.amazon.de/Die-W%C3%B6lfe-W%C3%A4nden-Neil-Gaiman/dp/3551516480/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1271073861&sr=8-1
http://www.amazon.de/Coraline-Gefangen-hinter-dem-Spiegel/dp/3401055542/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1271074125&sr=1-2
http://www.amazon.de/Graveyard-Book-Neil-Gaiman/dp/0061712825/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1271074358&sr=1-1

Der Beitrag gehört irgendwie  zu diesem: Bücher sind Lebensmittel: Stadtbibliothek Bremen.

Samstag, 20. März 2010

Odyssee, 23. Gesang.

198
Ein wunderbares Geheimnis
War an dem künstlichen Bett; und ich selber baut' es, kein andrer!
 
190
Innerhalb des Gehegs war ein weitumschattender Ölbaum,
Stark und blühendes Wuchses; der Stamm glich Säulen an Dicke.
Rings um diesen erbaut' ich von dichtgeordneten Steinen
Unser Ehegemach, und wölbte die obere Decke,
Und verschloß die Pforte mit festeinfugenden Flügeln
195
Hierauf kappt' ich die Äste des weitumschattenden Ölbaums,
Und behaute den Stamm an der Wurzel, glättet' ihn ringsum

Künstlich und schön mit dem Erz, und nach dem Maße der Richtschnur;
Schnitzt' ihn zum Fuße des Bettes, und bohrt' ihn rings mit dem Bohrer,
Fügete Bohlen daran, und baute das zierliche Bette,
200
Welches mit Gold und Silber und Elfenbeine geschmückt war;

Und durchzog es mit Riemen von purpurfarbener Stierhaut.[...]
205
Also sprach er. Der Fürstin erzitterten Herz und Kniee,
[…]
Weinend lief sie hinzu, und fiel mit offenen Armen
Ihrem Gemahl um den Hals, und küßte sein Antlitz, und sagte:
[…]
225
Jetzo, da du, Geliebter, mir so umständlich die Zeichen
Unserer Kammer nennst, die doch kein Sterblicher sahe,
[…]
230
Jetzo besiegst du mein Herz, und alle Zweifel verschwinden.
Also sprach sie. Da schwoll ihm sein Herz von inniger Wehmut:
Weinend hielt er sein treues geliebtes Weib in den Armen.
[…]
240
Und fest hielt sie den Hals mit weißen Armen umschlungen.
[…]

Quellen:
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1270&kapitel=60&cHash=eb613776112#gb_found
http://www.mlahanas.de/Greeks/Mythology/OdysseusWithThePalladium.html 


Dieser Beitrag ist ein Update zu: Feinschliff. Kapitel 5 und auch sonst. 
und Zwischenstand.

Montag, 8. Februar 2010

Die 100 beliebtesten Bücher der Deutschen. Jetzt auch in diesem Blog.

 Eigentlich nehme ich nicht jedes Stöckchen mit nach Hause, das  im Blogland herumliegt. Aber nachdem dieser Artikel in unendlichen Variationen in meinem Feedreader aufgetaucht ist, und Bücherregale in diesem Haus nicht nur der Wanddekoration dienen, packt mich selbst die Neugier. Wommamasehn...

 (Zuerst gesehen hatte ich's bei Draußen nur Kännchen).


fett = gelesen/gehört, kursiv = ungelesen im Regal

1. Der Herr der Ringe, JRR Tolkien (mehrfach gehört, einmal gelesen mit 14. Beim Wiederlesen mit Anfang 20 nur die besten Stellen genutzt. Geht gar nicht mehr.)
2. Die Bibel (in Teilen mehrfach - Weihnachtsgeschichte etc)
3. Die Säulen der Erde, Ken Follett
4. Das Parfum, Patrick Süskind
5. Der kleine Prinz, Antoine de Saint-Exupéry
(mehrfach gelesen und gehört)
6. Buddenbrooks, Thomas Mann
7. Der Medicus, Noah Gordon
8. Der Alchimist, Paulo Coelho
9. Harry Potter und der Stein der Weisen, JK Rowling
(mehrfach gelesen und gehört)
10. Die Päpstin, Donna W. Cross
11. Tintenherz, Cornelia Funke

12. Feuer und Stein, Diana Gabaldon
13. Das Geisterhaus, Isabel Allende (und natürlich der Film...)
14. Der Vorleser, Bernhard Schlink
(und natürlich der Film...)
15. Faust. Der Tragödie erster Teil, Johann Wolfgang von Goethe
(und natürlich der Film. Gründgens...)
16. Der Schatten des Windes, Carlos Ruiz Zafón
17. Stolz und Vorurteil, Jane Austen (Bin unsicher. Mindestens der BBC Film ist bekannt.)
18. Der Name der Rose, Umberto Eco
(Beim ersten Lesen - als Kind - gelitten; beim Wiederlesen Ende 20 als guten Strandschmöker empfunden. Und natürlich der Film...)
19. Illuminati, Dan Brown
20. Effi Briest, Theodor Fontane (Schule? mindestens aber der Faßbender Film)
21. Harry Potter und der Orden des Phönix, JK Rowling (mehrfach gelesen und gehört und gesehen)
22. Der Zauberberg, Thomas Mann (angefangen, beim zweiten Nasenbluten aufgegeben.)
23. Vom Winde verweht, Margaret Mitchell
24. Siddharta, Hermann Hesse
25. Die Entdeckung des Himmels, Harry Mulisch
26. Die unendliche Geschichte, Michael Ende (Natürlich. Mehrfach)
27. Das verborgene Wort, Ulla Hahn
28. Die Asche meiner Mutter, Frank McCourt (erst Film, dann Buch)
29. Narziss und Goldmund, Hermann Hesse
30. Die Nebel von Avalon, Marion Zimmer Bradley
31. Deutschstunde, Siegfried Lenz
32. Die Glut, Sándor Márai
33. Homo faber, Max Frisch
34. Die Entdeckung der Langsamkeit, Sten Nadolny
35. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, Milan Kundera (zweimal; meine erste Begegnung mit einem Autor, der über seine Figuren reflektiert...)
36. Hundert Jahre Einsamkeit, Gabriel Garcia Márquez (Ha! Fieber...)
37. Owen Meany, John Irving
38. Sofies Welt, Jostein Gaarder
39. Per Anhalter durch die Galaxis, Douglas Adams
40. Die Wand, Marlen Haushofer
41. Gottes Werk und Teufels Beitrag, John Irving
42. Die Liebe in den Zeiten der Cholera, Gabriel Garcia Márquez
43. Der Stechlin, Theodor Fontane (grad den Film gesehen.)
44. Der Steppenwolf, Hermann Hesse (Schule)
45. Wer die Nachtigall stört, Harper Lee (mehrfach, und den Film)
46. Joseph und seine Brüder, Thomas Mann
47. Der Laden, Erwin Strittmatter
48. Die Blechtrommel, Günter Grass
49. Im Westen nichts Neues, Erich Maria Remarque
50. Der Schwarm, Frank Schätzing (nicht im Badeurlaub lesen!)
51. Wie ein einziger Tag, Nicholas Sparks
52. Harry Potter und der Gefangene von Askaban, JK Rowling (mehrfach gehört/gelesen/gesehen...)
53. Momo, Michael Ende
54. Jahrestage, Uwe Johnson
55. Traumfänger, Marlo Morgan
56. Der Fänger im Roggen, Jerome David Salinger (erst in der Schule, dann wieder. Gut. )
57. Sakrileg, Dan Brown
58. Krabat, Otfried Preußler (mehrfach das Buch, zweimal den Scherenschnitt-Film)
59. Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgren
60. Wüstenblume, Waris Dirie
61. Geh, wohin dein Herz dich trägt, Susanna Tamaro
62. Hannas Töchter, Marianne Fredriksson
63. Mittsommermord, Henning Mankell
64. Die Rückkehr des Tanzlehrers, Henning Mankell
65. Das Hotel New Hampshire, John Irving (oder war das der Film?)
66. Krieg und Frieden, Leo N. Tolstoi
67. Das Glasperlenspiel, Hermann Hesse
68. Die Muschelsucher, Rosamunde Pilcher
69. Harry Potter und der Feuerkelch, JK Rowling
(mehrfach gehört/gelesen/gesehen...)
70. Tagebuch, Anne Frank
71. Salz auf unserer Haut, Benoite Groult
72. Jauche und Levkojen , Christine Brückner (als Kind. Verstanden hab ichs nicht)
73. Die Korrekturen, Jonathan Franzen
74. Die weiße Massai, Corinne Hofmann
75. Was ich liebte, Siri Hustvedt (ganz groß!)
76. Die dreizehn Leben des Käpt’n Blaubär, Walter Moers
77. Das Lächeln der Fortuna, Rebecca Gablé
78. Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran, Eric-Emmanuel Schmitt
79. Winnetou, Karl May (alle vier-fünf Teile...)
80. Désirée, Annemarie Selinko
81. Nirgendwo in Afrika, Stefanie Zweig
82. Garp und wie er die Welt sah, John Irving
83. Die Sturmhöhe, Emily Brontë (überschätzt. NUR unsympathische Protagonisten)
84. P.S. Ich liebe Dich, Cecilia Ahern
85. 1984, George Orwell
86. Mondscheintarif, Ildiko von Kürthy

87. Paula, Isabel Allende
88. Solange du da bist, Marc Levy
89. Es muss nicht immer Kaviar sein, Johanns Mario Simmel
90. Veronika beschließt zu sterben, Paulo Coelho
91. Der Chronist der Winde, Henning Mankell
92. Der Meister und Margarita, Michail Bulgakow
93. Schachnovelle, Stefan Zweig (mehrfach)
94. Tadellöser & Wolff, Walter Kempowski
95. Anna Karenina, Leo N. Tolstoi
96. Schuld und Sühne, Fjodor Dostojewski
97. Der Graf von Monte Christo, Alexandre Dumas (klar!)
98. Der Puppenspieler, Tanja Kinkel
99. Jane Eyre, Charlotte Brontë
100. Rote Sonne, schwarzes Land, Barbara Woods



Schon ganz gut. 
In der Regel habe ich englische, französische und schwedische Bücher im Original gelesen. Falls ich mich je an die Russen mache, recherchiere ich vorher eine ordentliche Übersetzung. Historische Romane sind in der Regel ein Versehen... Verfilmungen fast immer schlechter als das Buch.
Von den bisher nicht gelesenen interessieren mich  - neben den ohnehin im Regal stehenden:
16, 17, 46, 49, 89, 
Ganz sicher will ich nicht lesen:
8, 12, 23, 29, 48 (!), 51, 67, 74, 84, 99 (!), 100
wobei sich das mit den Jahren ändern mag... Wir werden es erleben.


Bildquelle:
http://www.e-book-news.de/wp-content/uploads/2009/05/e-book-bestseller_bild_pixelio_manfred_walker3-224x300.jpg

Link:
http://draussennurkaennchen.blogspot.com/2010/01/die-100-beliebtesten-bucher-der.html
http://bleistift-und-notiz-blog.blogspot.com/2009/06/illuminati-semiotik-vs-kunstgeschichte.html
http://bleistift-und-notiz-blog.blogspot.com/2009/02/bucher-sind-lebensmittel-der-graf-herr.html


Um Bücher gings zuletzt hier: Bücher sind Lebensmittel: Stadtbibliothek Bremen.

Samstag, 16. Januar 2010

Bücher sind Lebensmittel: Stadtbibliothek Bremen.

"Read sometimes for the story, Bobby. Don't be like the book-snobs who won't do that. Read sometimes for the words - the language. Don't be like the play-it-safers that won't do that. But when you find a book that has both a good story and good words, treasure that book." (Ted Brautigan's Rat an Bobby, der zum 11. Geburtstag einen Erwachsenen-Bibliotheksausweis bekommen hat. Ein sehr guter Ratschlag in Stephen King: Hearts in Atlantis, Hodder and Stoughton: 1999, S. 23)


Seit den - dank Halbgrippe verlängerten - Weihnachtsferien habe ich endlich einen Jahresausweis für die Stadtbibliothek beantragt. Hat auch gar nicht weh getan - im Gegenteil! Ich bin von der Bibliothek ziemlich angetan. Zum einen sind es nur knapp 500 m Fußweg, sodass man allerlei Schweinehunde, die einen an der rechtzeitigen Rückgabe ausgeliehener Objekte hindern wollen, recht leicht austricksen kann. Zum anderen kann man tatsächlich unterschiedlichste Objekte leihen bzw. nutzen, vom klassischen Buch über Zeitschriften, Videospiele und Hörbücher auch DVDs. Zum dritten, und vielleicht wichtigsten, ist der Bestand so gestaltet, dass er tatsächlich Medien umfasst, die man auch ausleihen möchte!

Dies mag jetzt für gewiefte Stadtbibliotheksnutzer gar nicht sooo überraschend sein - ich aber bin geprägt von der Katholischen Öffentlichen Bücherei meiner Heimatstadt, die - anders als Bremen - bis heute über keine Website, geschweige denn einen Online-OPAC oder eine eAusleihe zu verfügen scheint. (Deshalb auch keine Links zu besagter KÖB sondern nach Bremen...) Als ich in der 2. Klasse war, machten wir einen Schulausflug zur KÖB und jeder von uns bekam einen Leih-Ausweis. Die Ausleihe kostete pro Buch 10 oder 20 Pfennige, aber vielleicht war das auch die Mahngebühr, wer weiß das heute noch so genau? Ich war sofort Stammkundin und war regelmäßig Mittwochs nachmittas (16-18 Uhr) und Sonntag vormittags (10-12 Uhr), in meiner Erinnerung waren das die einzigen Öffnungszeiten, dort anzutreffen. Damals war mir das beschränkte Angebot recht egal, da ich ja ohnehin noch nix kannte, und ich las mich durch Unmengen von Büchern. Ich bilde mir ein, pro Woche mindestens 5 Bücher gelesen oder zumindest geliehen zu haben, aber vielleicht irrt hier die Erinnerung. Geliebt und gefühlt vollständig gelesen habe ich (natürlich) die ???, und TKKG, und Tom & Locke, aber nach den 15. Sommerferien in denen sie immer noch 14 waren fand ich das irgendwann doof. Besser war Captain Brandis (hach! den hatte ich ja ganz vergessen!)... So mit 10 fing ich an, "richtige" Bücher zu leihen, z. B. alles von Dorothy L. Sayers. Mehrere ihrer Bücher habe ich mehrfach ausgeliehen, weil unterschiedlichen Übersetzer die Titel auch verschieden übersetzt hatten. Das war damals ärgerlich. Heute besitze ich alle Wimseys auf englisch und lese sie nach wie vor mit großer Freude. Auch die Don Camillo und Peppone-Bücher habe ich - veranlasst durch die großartigen Filme mit Fernandel - verschlungen - und muß im Nachhinein sagen: nicht verstanden. Was wusste ich denn schon mit 11 oder 12 über Kommunismus oder das Nachkriegsitalien? (Merken: dringend mal wieder lesen, das könnte ein Spaß werden...)
Aber ich schweife ab.

Endgültig überzeugt hat mich in Bremen die Existenz einer eigenen Krimibibliothek, die 2009 völlig zu Recht mit der "Ort der Ideen"-Auszeichnung geehrt wurde. Großartige Idee, auch wenn die Beschränkung auf deutsche Krimis etwas einschränkend ist und der Präsenzbestand den Genuß einschränkt... ABER: zumindest gibt es wunderbare rote Sofas, auf denen man sich an einem regnerischen Nachmittag niederlassen kann, um bspw. Bernhard Schlinks "Selbs Justiz" zu lesen... Ein schönes Buch, auch wenn es schon sehr veraltet wirkt. Telex? Ein Hackerangriff, aber ohne jedes Internet? Hihi, und dabei ist das gute Stück erst 20 Jahre alt...


Bremen, Krimibibliothek: stilecht mit Täfelung und roten Sofas. Es fehlt: Perserteppich, Kaffee

Seither habe ich ausgeliehen:
3 DVDs, von denen zwei (Plan 9 from Outer Space und Eine Nacht bei McCools) allerdings leider so verkratzt waren, dass man sie nicht anschauen konnte. Rühmann's Himmel auf Erden war aber einwandfrei, wenn auch sehr kitschig und nicht sehr gut...aber nett.


Weil ich Weihnachten den ersten Band der Sandmann-Serie geschenkt bekommen habe, und auch ab und zu seinen Blog lese, habe ich außerdem Neil Gaiman's "Coraline" eingesteckt. So viele Preise wie das Buch gewonnnen hat... Gruselig, aber zum Glück geht ja alles gut aus. Und starke Mädchen kann die Kinderliteratur immer brauchen.

Außerdem habe ich neulich auf 3Sat ein Interview mit Richard David Precht gesehen, und daher neugierig auf sein Buch über die "Liebe". Leider sind zur Zeit alle Exemplare ausgeliehen, also habe ich erst mal "Lenin kam nur bis Lüdenscheid" mitgenommen. Amüsant, aber anders als Florian Illies olle "Generation Golf" bleibt er nicht bei nostalgischen Kindheitserinnerungen stehen, sondern zieht als Erwachsener einige Analysen aus dem, was er als Kind erlebt, aber nicht immer ganz verstanden hat. Das macht das Buch richtig interessant. Würde ich verschenken.

Heute habe ich mir dann noch Cornelia Funkes "Tintenblut" ausgeliehen. Vor einigen Jahren hatte ich den ersten Teil gelesen, und obwohl er mir gut gefallen hat (ich mag Bücher über das Lesen), hatte ich bisher wenig Lust, über 20 Euro für eine angeblich nicht so tolle Fortsetzung zu blechen. Und genau dafür gibt es schließlich Leihbibliotheken!


(Im Gegensatz zu früheren Beiträgen werde ich Buchtitel jetzt nicht mehr zu amazon verlinken - das müsst Ihr schon selber suchen - denn schließlich krieg ich nichts dafür, und vielleicht kauft man seine Bücher ja auch lieber ganz woanders. Also gehen die Links zu der anderen Internetkrake - Google Books - nicht so sehr, weil ich damit eine Meinung zu deren nicht-ganz-open-access-Politik äußern möchte, sondern weil die zumindest die wichtigsten Grundinfos (ISBN etc) und oft auch Rezensionen bereitstellen.)



Links:
http://books.google.de/books?id=GL7yEd-vMvIC&q=king+hearts+in+atlantis&dq=king+hearts+in+atlantis&cd=1
http://www.stadtbibliothek-bremen.de/
http://opac.stadtbibliothek-bremen.de/webOPACClient/start.do
http://www.stadtbibliothek-bremen.de/eAusleihe.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_drei_Fragezeichen
http://de.wikipedia.org/wiki/TKKG
http://de.wikipedia.org/wiki/Tom_und_Locke
http://www.markbrandis.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothy_L._Sayers
http://de.wikipedia.org/wiki/Don_Camillo
http://de.wikipedia.org/wiki/Fernandel
http://www.land-der-ideen.de/CDA/ort_des_tages,1987,1,,de.html?action=detail&id=6697
http://books.google.de/books?id=MruzAAAAIAAJ&q=schlink+selbs+justiz&dq=schlink+selbs+justiz&cd=1
http://www.imdb.de/title/tt0052077/
http://www.imdb.de/title/tt0203755/
http://www.imdb.de/title/tt0026472/
http://books.google.de/books?id=tkiOPQAACAAJ&dq=gaiman+sandman+notturni&cd=1
http://journal.neilgaiman.com/
http://books.google.de/books?id=eRIxTzsJsB0C&dq=gaiman+coraline&cd=1
http://books.google.de/books?id=YFrMPAAACAAJ&dq=precht+liebe&cd=1
http://books.google.de/books?id=0f1lAAAAMAAJ&q=precht+lenin&dq=precht+lenin&cd=1
http://books.google.de/books?id=bmKtAAAAIAAJ&q=illies+golf&dq=illies+golf&cd=1
http://books.google.de/books?id=PUjhAAAAMAAJ&q=funke+tintenblut&dq=funke+tintenblut&cd=1
http://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Standardbuchnummer

Bildquellen:
http://www.kultur.bremen.de/fastmedia/12/thumbnails/stadtbibliothek.3047.jpg.3050.jpg
http://www.pressedienst.bremen.de/fastmedia/12/krimibib.jpg
amazon Buchcover

Der letzte Beitrag in dieser Reihe war: Bücher sind Lebensmittel. Der Graf, Herr Obama und ich.

Freitag, 1. Januar 2010

Das geht noch was. Das kann noch besser werden!

Gute Vorsätze sind doof. Außerdem funktionieren sie nicht.
Heute morgen zum Beispiel wollte ich trotz Ferien (!) einmal früh(er als sonst) aufstehen und den möglicherweise verkaterten (Wodka! Sekt! Martini! alles durcheinander!!), ganz sicher aber immer noch leicht grippig-maladen Liebsten mit einem schicken Milchkaffee am Bett wecken. Ein liebevoll-romantischer, fürsorglicher Start ins Neue Jahr!
Leider weckte ihn dann mein Schmerzensruf, hatte ich mir doch beide Hände an der heißen Milch verbrannt... So eine überflüssige Verletzung!
Das perfekte Neujahrsfrühstück (Bagels, Lachs, Rührei, Krabben) musste nun der Meinige selbst anrichten. Ich hatte die Hand mit einer feuchten, tiefgekühlten Serviette umwickelt und beobachtete mäßig beeindruckt, wie 3 Polizeiautos und 3 Leiterwagen der Bremer Feuerwehr mit ca. 12 Mann Besatzung plus Einsatzleitung im eigenen Auto den Schwelbrand im Keller vom Café gegenüber löschten..


Es ging etwas schneller, nachdem der Polizeiwagen vom Hydranten runtergefahren war.
Das hatten sich die Nachbarn sicher auch nicht vorgenommen fürs Neue Jahr! Aber man muss sich ja noch steigern können.

In diesem Sinne halte ich's mit dem Skizzenblog und werde mir auch Gute Nebensätze suchen:

Sicher finde ich hier etwas - in meiner Erinnerung ist dieses Buch voll davon!




Links:
http://skizzenblog.clausast.de/
http://skizzenblog.clausast.de/?p=2410
http://www.amazon.de/Austerlitz-Winfried-G-Sebald/dp/3596148642

Der Skizzenblog wurde hier schon mal erwähnt: Adventskalender. Erste Tür.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Abgemeldet. Weihnachtsblogpause.

Heute mit wunden Fingern das letzte Weihnachtsgeschenk fertiggestellt, fotografiert (für den "Werkkatalog") und eingepackt. (Klar, dass das hier nicht veröffentlicht werden kann.)
Der Maurer war da, betrachtete den Schimmel, kletterte einmal halb aus dem Fenster, schüttelte betrübt den Kopf, und bemängelte die Kälte im Schlafzimmer (zwei Außenwände). Die Kälte im Schlafzimmer hatte ich auch schon mal bemängelt, aber was soll ich tun? Die Heizung dort heizt eben nicht so wie im Rest der Wohnung (weniger Heißwasserschlingen im Estrich?), die sich nach kurzem Zwischen-Hoch jetzt zwischen 19 und 20°C einzupendeln scheint. Abwarten!
Der Maurer verließ die Wohnung und fand den Besitzer des Nebenan-Appartments im Nachbarhaus, das an unserere Außenwand grenzend mit einer großen Dachterrasse gesegnet ist. Von dort scheint der Übeltäter ausfindig gemacht worden zu sein: rissige Wand und Efeu.
(Vom Efeu können wir viel lernen:
er ist sehr grün und läuft spitz aus.
Er rankt rasch, und er ist vom Haus,
an dem er wächst, schwer zu entfernen.

Was uns der Efeu lehrt? Ich will es so umschreiben:
Das Grünsein lehrt er uns. Das rasche Ranken.
Den spitzen Auslauf und, um den Gedanken
noch abzurunden: auch das Haftenbleiben.

Robert Gernhardt; Lehrmeisterin Natur)

Haftenbleiben kann der Efeu, indem er in die Mauer kriecht. Mit ihm kriechen Frost und Feuchtigkeit und was-weiß-ich-was-schädlich-für-die-Wand-ist. Hinzu kommt der Temperaturunterschied zwischen draußen und drinnen, sowie drinnen (Schlafzimmer) und drinnen (restliche Wohnung), der offenbar dazu führt, dass sich an der vorgeschädigten Wand besonders viel Kondenswasser niederschlägt.

Bei diesem Wetter (kalt, Schnee) und dieser Jahreszeit - d. h. zwischen zwei Jahren - läßt sich unser Problem nicht so gut beheben. Immerhin dürfen wir im Januar in die gerade frei gewordene Nachbarwohnung ausweichen. Ab Februar sollte der Schimmel dann besser verschwunden sein.

Sicherheitshalber begebe ich mich ab morgen in die Weihnachtsferien. Bloggen ist unwahrscheinlich. Falls ich mich also dieses Jahr nicht mehr melde - gesegnete Feiertage und guten Rutsch - wir sehen uns 2010!


Link:

http://www.sagen.at/doku/zauberpflanzen/h.html

http://souvenirs.jotefa.de/robert_gernhardt

Montag, 31. August 2009

SSV. Doktortitel zu (ver)kaufen .

Ungefähr so kam es mir letzte Woche aus dem Radio entgegen. Und auch Spiegel Online hat darüber berichtet.

Bild von hier

Zwei Dinge möchte ich dazu sagen:
Erstens: Natürlich ist es absolut fatal, im eigentlichen Wortsinne, wenn eine Institution ("die" Universität bzw. einzelne ihrer Vertreter) ihr "Produkt" (nämlich das Vertrauen in ihr Gütesiegel/Zertifikat über ihr Ausbildungsergebnis) dermaßen leichtsinnig aufs Spiel setzt. Und ja, es schädigt Ihren Ruf. Von dem Verstoß gegen die wissenschaftliche Ethik ganz zu schweigen - dieses "Spiel" funktioniert nämlich nur, solange sich ALLE an die Regeln halten. (Beste Lektüre dazu ist und bleibt imho Dorothy Sayers' Klassiker "Gaudy Night"...)
Andererseits scheint mir die Berichterstattung etwas vereinfachend:
1. muss in der Regel ein ganzes Gremium über die Qualität der Diss entscheiden - nicht nur der Doktorvater/die Doktormutter. Da wird Bestechung schwierig.
2. muss die Arbeit in der Regel ja auch verteidigt werden, vor einem noch größeren Gremium. Schummeln ist sicherlich möglich, aber nicht ganz einfach. Und so wird denn den ProfessorInnen "nur" "... zur Last gelegt, möglicherweise ungeeignete Kandidaten als Doktoranden angenommen zu haben" - aber wenn die KandidatInnen tatsächlich ungeeignet waren, haben sie eben möglicherweise die Prüfung eben auch nicht bestanden. Soll ja vorkommen. (sorry, mir liegen keine Zahlen vor. Vielleicht äußere ich ja auch nur Wunschdenken.)
Tatsächlich wird im Artikel ausdrücklich darauf hingewiesen, dass "... in manchen Medien der Eindruck erweckt [wurde], die Kunden des Instituts hätten gar keine Doktorarbeiten geschrieben [...] Das stimmt so nicht." Und "Bei weitem nicht alle Interessenten dürften allerdings tatsächlich die Promotion geschafft haben."
Glücklicherweise scheint die Bestechung eines Professors/einer Professorin also doch nicht automatisch zur Doktorwürde zu führen. Und das geht in der Kurzform der Nachricht leider meistens unter. (Angesichts der Arbeit/Zeit/Energie die ich bisher hineingesteckt habe, bin ich darüber natürlich sehr erleichtert. Man lässt sich ja nur ungern von Betrügern überholen.) Wer also für diese Dienste zahlt, ist tatsächlich schön blöd, denn Erfolg ist nicht garantiert, bzw. man zahlt sogar für Dinge, die man auch umsonst haben könnte.

Zweitens: Offenbar sind es hauptsächlich PrivatdozentInnen und HonorarprofessorInnen, die nun unter Anklage stehen. Bedenkt man deren Arbeitsbedingungen ("Honorarprofessur" kommt eben nicht von "Honorar", und PDs werden häufig , nun ja, das angemessene deutsche Wort wäre wohl "erpresst" ...) wundert es wenig, wenn ein Zuverdienst dankbar angenommen worden sein sollte. (Dies erklärt das Phänomen, entschuldigen oder gar rechtfertigen tut es nicht!) Der Skandal könnte somit einen positiven Nebeneffekt haben: er könnte den Aspekt "Betreuung des Nachwuchses" in der Debatte als genauso geldwerte Arbeit hervorheben wie die gute alte Forschung. Könnte. Nein, ich glaube nicht, dass das passieren wird.
In ein ähnliches Horn stößt auch die WELT in diesem Kommentar. Die darin geäußerte - mindestens zwischenzeilig angedeutete - Unterstellung, dass PDs, Juniorprofessuren etc nicht qualifiziert genug für die Betreuung einer Diss seien, teile ich aber wohlgemerkt nicht.

Bildquelle (verfremdet): wikimedia (Sebastian Brandt's "Narrenschiff")

Und die Debatte, warum jemand meint, mit einem (gekauften) Doktortitel besser zu sein als andere, braucht man in unserer Gesellschaft auch nicht zu führen - der Gehaltsscheck zerstreut alle Zweifel. Das Problem ist eben, dass mehr und mehr Doktorarbeiten geschrieben werden, die eben gerade NICHT für die wissenschaftliche Arbeit qualifizieren, sondern einzig ein höheres Gehalt/einen besseren Posten sichern sollen. Und das inzwischen beileibe nicht mehr nur in den Fächern Medizin und Jura (bei denen schließlich ein staatliches Examen für den Beruf qualifiziert)...



Links:
http://www.happesign.de/Sommerschlussverkauf-Aufkleber.jpg
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,644526-2,00.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Gaudy_Night
http://www.amazon.de/s/?ie=UTF8&keywords=sayers+gaudy+night&tag=googhydr08-21&index=english-books&hvadid=2671379361&ref=pd_sl_47r4bbiiaa_e
http://debatte.welt.de/kommentare/151564/etikettenschwindel+gekaufte+doktortitel
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Narrenschiff_(Brant)_1499_0150.jpg
http://de.wikipedia.org/wiki/Narrenschiff

Montag, 29. Juni 2009

Narrative Weltsicht. Erfreulich, verständlich, hilfreich.

Endlich war heute mal Sommersonnenwetter. Und ich habe den ganzen Tag auf meinem nicht vorhandenen Balkon (= Sofa am offenen Fenster) gesessen und gelesen. Herrlich! Allerdings handelte es sich wohlgemerkt keineswegs um einen Roman oder andere fiktionale Trivialitäten, sondern um einen Klassiker der zeitgenössischen Forschungsliteratur zum Thema Nationalbewegung: Benedict Anderson's Imagined Communities.
(Ein zweiter Anlauf nachdem ich mich zwar daran erinnern konnte, das Buch vor drei Jahren schon einmal gelesen zu haben, aber nicht wirklich daran, was drin stand.)
Ich glaube, mit einigen seiner Konzepte komme ich vielleicht weiter - vor allem ein "neues" Kapitel aus der Neuauflage (über Narration, Erinnerung und bewusste, ja offenkundige Auslassung) klingen vielversprechend. (Deutsche Übersetzung hier.)
Für mich als bekennende Methoden-Schlampe (d.h. sehr ungenau, unsicher und ungeschult in der Methodenreflexion) war natürlich das Nachwort zur zweiten Auflage fast das interessanteste am Buch: eine Einordnung des Buches durch den Autor in die Forschungslage sowohl der ersten als der zweiten Auflage, genaue Motivation und Position pro/con welche Kollegen, und eine faszinierende Aufzählung der Rezeption über die Publikations- bzw. Übersetzungsgeschichte, komplett mit (akademisch-politischer) Einschätzung der Verlagshäuser und deren Motivation.

Aufschlussreich, weil ich offenbar immer noch nicht vollständig begriffen hat, dass Bücher und die Menschen, die sie schreiben, ganz eng zusammen hängen, und diese Bücher - wie alle Texte - stets durch die Lebensumstände dieser Menschen motiviert sind.
Ich meine, ich weiss das.
Aber ganz tief in meinem Herzen bin ich immer noch und immer wieder erstaunt, dass man Buchautoren treffen kann.
("Wie der lebt noch? ich habe doch ein Buch von ihm?!?")
(Und nebenbei bemerkt, ich bleibe auch bei meiner Verallgemeinerung, dass es in der Regel besser ist, nicht mit dem Künstler/Autor zu sprechen. Das zerstört die Illusion. )
Das merkwürdigste daran ist, dass ich mich nach fast 13 Jahren akademischen Lesens immer noch darauf konzentrieren muss, diese (für mich) sehr nützliche Faustregel* nicht auf Wissenschaftler zu übertragen...

* In einer denkwürdigen Ausnahme von dieser Regel habe ich einmal einen Auslandsaufenthalt verschoben, weil Terry Pratchett eine "Lesung" (mehr ein Interview) in Berlin hatte. Und es war richtig, den Flug zu verschieben! Auch wenn ich mit meiner Transformation in ein errötendes Groupie gar nicht zufrieden war - zumindest habe ich jetzt vier signierte Bücher, und in Small Gods sogar eine Zeichnung einer Schildkröte! The Turtle Moves! (Was mich aber nicht dazu bewegen wird, seinen wohlrezensierten Letztling Nation zu zitieren. Schade eigentlich, denn wenn irgendwo "Narrativium" -ganz im Sinne meiner momentanen Interpretationslinie - als konstituierendes Element der Welt angesehen wird, dann auf der Scheibenwelt. Und Fußnoten benutzt er ja auch... Aber das traue ich mich dann doch nicht. )**

**Gerade lese ich in dem schon zitierten Wikipedia-Artikel, dass Pratchett Alzheimer hat.
Scheiße. Sicher für ihn mehr als für mich, aber trotzdem. Scheiße. Der Mann ist IMHO brilliant, und soll nun zusehen müssen, wie sein Verstand nach und nach zerfällt?!
Das mit dem Ritterschlag hatte ich hingegen mitbekommen. Ein bisschen absurd, wenn man bedenkt, wie republikanisch seine Bücher sind. Aber warum soll es im besser gehen als Captain Vimes?

Links
http://www.amazon.de/Imagined-Communities-Reflections-Origin-Nationalism/dp/1844670864/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1246296369&sr=8-1
http://www.amazon.de/Die-Erfindung-Nation-Karriere-folgenreichen/dp/3593377292/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1246296369&sr=8-2
http://de.wikipedia.org/wiki/Terry_Pratchett
http://www.amazon.de/Small-Gods-Terry-Pratchett/dp/0552152978/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1246297464&sr=1-1
http://www.amazon.de/Nation-Terry-Pratchett/dp/0385613709/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1246297558&sr=1-1
http://www.lspace.org/books/analysis/statistics.html#footnotes
http://www.lspace.org/books/analysis/andreas-kristiansen.html#Toc58643936
http://www.lspace.org/
http://de.wikipedia.org/wiki/Alzheimer-Krankheit
http://en.wikipedia.org/wiki/Sam_Vimes

Dieser Post ist ein Update zu Neue Köpfe. Neue Welten und Südafrika on my mind. und irgendwie auch Bücher sind Lebensmittel. November.

Freitag, 5. Juni 2009

Illuminati. "Symbologie" vs. Kunstgeschichte, oder wozu echte Wissenschaft nutzt

NB: Version 2 des Beitrages nach Anmerkungen vom Kugelschreiber. s.u.

Verschwörungstheorien sind großartig. Der Mischung aus überprüfbaren Fakten, geschickt eingestreuter Fiktion und hanebüchener Erklärung kann man sich nur schwer entziehen.
Möglicherweise ist Herr Brown auch ein guter Autor, der sein Handwerk versteht. (*) Obwohl ich keines seiner Bücher gelesen habe - weil ich nämlich den Verdacht habe, dass sie meine Intelligenz beleidigen. Und das regt mich dann auf, egal wie gut die Verschwörung sein mag.
Aus nicht näher nachvollziehbaren Gründen habe ich mir letzte Woche trotzdem "Illuminatus" angeschaut, wohlwissend, dass die hanebüchene Handlung des Buches für die Filmadaption wahrscheinlich eher noch vereinfacht wurde.
Ich verrate wohl niemandem zuviel, wenn ich zusammenfasse: Der Symbologe (was soll das eigentlich sein? ein Semiotiker? Warum muss man eine wissenschaftliche Disziplin erfinden - Wissenschaftler beschäftigen sich doch auch so schon mit den erstaunlichsten Sachen...) Langdon-Tom Hanks soll in Rom vier Kardinäle finden, die eigentlich gerade zum Papst hätten gewählt werden sollen, wären sie nicht in letzter Minute gekidnappt worden. Sie sollen im Stundenrhythmus hingerichtet werden, der erste um 8, der letzte um 12, also Mitternacht, und dann soll der gesamte Vatikan und halb Rom mittels im CERN produzierter Antimaterie in die Luft gesprengt werden. Ach ja, und dahinter steckt nicht Al Qaida, sondern natürlich die Illuminaten.
Da Herr Hanks sich noch warm laufen muss und ausserdem die Schweizer Garde ihn nicht mag, wegen dieser anderen Sache vor ein paar Jahren, kommt er zur ersten Leiche leider knapp zu spät. So weit so gut, oder vorhersehbar. (Übrigens: so wie der Mann sich aufführt würde ich ihn auch nicht in mein Archiv lassen...)
Nachdem er aber dann den entscheidenden Hinweis auf Bernini erhalten hat - warum zum Teufel setzt er sich nicht einfach wie ein guter _Akademiker (**)_ mit einem Stadtplan und dem Dumont Reiseführer Rom an einen Tisch und lässt die kleinen grauen Zellen arbeiten?
Mit wissenschaftlicher Methodik statt wahllosem Herumrennen in der Stadt hätten spätestens um 20 Uhr 35 alle weiteren geplanten "Opferschauplätze" identifiziert und mit Soldaten oder Polizei besetzt werden können. Ich meine, hallo?!? Bernini ist nicht gerade unbekannt unter den Künstlern des Barock - ich hätte ohne besondere Kenntnisse römischer Barockskulptur sofort zwei der drei "Altäre" nennen können. (ups. habe ich auch. die anderen Zuschauer waren aber nicht dankbar...) Dazu braucht es noch nicht mal Wissenschaftler - das ist wikipedia-Wissen!

Ok, es wäre kein aufregender Actionfilm geworden, aber der Mann ist ja angeblich auch Wissenschaftler - aber warum muss er Indiana Jones nacheifern?(***) Auch Poirot (****) hat mit der "Nachdenken-dann-handeln" Methode fast 40 Bücher bestritten, und alle waren sie fesselnd...
Es ist ein Kreuz.
_______________________________________________________________
Anmerkungen:
(*) Ich unterscheide gerne zwischen Guten Autoren, d. h. Leuten, die mit Sprache umgehen, Spannung erzeugen, ja auch Gefühle wecken können, und Guten Geschichten. Nicht jeder gute Autor kann nämlich auch einen guten Plot entwickeln, oder glaubhafte Charaktere. Wenn beides zusammen kommt ... das ist schön!
(**) Der ursprünglich benutzte, ironisch gemeinte Begriff "Schreibtischtäter" wurde vom Kugelschreiber zu Recht bemängelt. Ich gebe zu, mir waren die juristischen Implikationen nicht bekannt. Wieder was gelernt!
(***) Mir ist bekannt, dass die fiktionale Figur "Indiana Jones" ebenfalls Wissenschaftler, in diesem Fall Archäologe ist. Mir ist auch bekannt, dass seine "Forschungsalltag" sich stark von dem "normaler" Archäologen unterscheidet. Hinweise: mehr Explosionen, weniger Schreiben von DFG-Anträgen...
(****) Über die akademische Bildung von M. Hercule Poirot ist mir nichts bekannt. Sein analytisches Denken fällt aber in die Gruppe von Methoden, die ich von Wissenschaftlern erwarte. Das heißt nicht, dass sie akademisch gebildeten Menschen vorbehalten ist.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dan_Brown
http://de.wikipedia.org/wiki/Illuminati_(Film)
http://de.wikipedia.org/wiki/Semiotik
http://de.wikipedia.org/wiki/CERN
http://de.wikipedia.org/wiki/Illuminaten
http://de.wikipedia.org/wiki/The_Da_Vinci_Code_%E2%80%93_Sakrileg
http://de.wikipedia.org/wiki/Gian_Lorenzo_Bernini
http://de.wikipedia.org/wiki/Hercule_Poirot

Freitag, 3. April 2009

Jim Knopf und Charles Darwin.

Jim Knopf erklärt Darwins Evolutionstheorie. Naja, eigentlich ist es Frau Mahlzahn.









guckst Du hier:
http://www.faz.net/s/Rub9D229D57C7F947129665399BB3D3BB9B/Doc~E6B323C1F041B431BA5F583FD99FD31D6~ATpl~Ecommon~SMed.html

(leider noch nicht bei youtube)
Und die FAZ erklärt, was Jim Knopf mit dem frisch-industrialisierten England und Darwin zu tun hat. Spannender kann Literaturwissenschaft gar nicht werden.

Da fällt mir ein - das Buch zum Film (oder doch besser so) wollte ich auch schon länger mal lesen... jetzt im Darwin-Jahr!

Links dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jim_Knopf
http://www.faz.net/s/Rub71E8665493FD4CB29D4E0759DF21C32C/Doc~E63B66F19501A41828F6A22377304DC05~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.amazon.de/Jim-Knopf-Lukas-Lokomotivf%C3%BChrer-Sonderausgabe/dp/3522176502/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1238785528&sr=8-1
http://www.amazon.de/Die-Entstehung-Arten-Charles-Darwin/dp/3868200029/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=books&qid=1238784591&sr=8-2
http://www.amazon.de/Origin-Species-Facsimile-First/dp/1592242855/ref=sr_1_4?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1238784658&sr=1-4
http://www.darwin-jahr.de/

Dieser Beitrag ist ganz anders als Perlentaucher im Jahr der Geisteswissenschaften

Donnerstag, 26. März 2009

Ben Becker, die Meinhof, und der Uwe

Als ich einen Anruf bekam, Ben Becker sei im Kloster Lüne - eine nicht-öffentliche Veranstaltung - und lese "aus seinem Programm" bin ich, vom genius loci getäuscht, davon ausgegangen, er lese aus der Bibel.
Das war nicht so.
Zwar saß er vorn in der Kirche an seinem eigenen, selbst mitgebrachten Tisch, dem Tisch, an dem schon sein Vater jahrzehntelang gelesen hatte, denn man kann den Veranstaltern nicht trauen, ob sie einen ordentlichen, lesungstauglichen Tisch zur Verfügung stellen und so hat man auch gleich ein Stück Heimat dabei - er saß also in der Kirche, vorn, vorm Altar, und konnte das verdunkelte Kirchenschiff, welches sein Publikum enthielt gar nicht sehen, aber er las - Gedichte. Hauptsächlich Balladen. Stellt sich heraus: das neue Programm ist "Der Ewige Brunnen", so benannt nach dem gleichnamigen Klassiker. (Mir ist das eine große Freude, habe ich das Buch doch selbst von meinem Onkel geschenkt bekommen, ergänzt um zahlreiche weitere, offenbar fehlende Gedichte, die er auf die freien Seiten des Frontispizes schrieb, weil ich ihn einmal bewundert hatte dafür, wieviele Gedichte er auswendig konnte.) Mit hörbarem Spaß am Wort las Herr Becker, begleitet von einem Mann am Klavier, der uns nicht weiter vorgestellt wurde, die klassischen Balladen, trank dazu Wein, Erlkönig, Zauberlehrling, John Maynard -letztere vom Vater autorisiert, der, so scheint es, Herrn Beckers Kindheit mit dem Lesen von Balladen stark geprägt hat, gerne an Weihnachten, wenn man zu Besuch bei Ganzens war- man kennt sich unter Schauspielerfamilien- und zu später, weinseliger Stunde, oft die gesuchten Werke nicht mehr fand, bis man sich verkrachte mit den Ganzens, weil Bruno betrunken in den Biedermeierspiegel der Mutter fiel und diesen zerstörte. So erzählte es Herr Becker. Und trank noch einen Schluck Rotwein.
Vielleicht, um ein wenig zu provozieren, brachte er als Zugabe ein Gedicht für Ulrike Meinhof, sehr schön und doch im Kontext verstörend - warum? - und begründete dies später, rauchend, trinkend, auf Nachfrage so: Er sei ein Romantiker und das Gedicht - der Autor war ihm leider nicht bekannt - der perfekte Einstieg für die folgende "Loreley" - und das stimmt sicherlich - und die Anwesenden wüßten vielleicht gar nicht, wer die Meinhof sei - und das stimmt sicherlich nicht, denn anders als ich zum Beispiel und möglicherweise auch als Herr Becker las der Großteil des Publikums zu Zeiten des Deutschen Herbstes bereits Tageszeitungen- in jedem Fall aber sei sie eine spannende, hochintelligente und sehr empfindsame Frau gewesen. Und das könnte wiederum stimmen. So schildert sie zumindest generationenprägend Stefan Aust.
Ich werde mal sehen, ob ich Joachim Fest's Interview mit Frau Meinhof auftreiben kann.


Bild: Nis Randers
Übrigens: Das Gedicht vom Uwe ist übrigens wirklich sehr komisch. Es traut sich nur niemand (laut) zu lachen. (Kirche! Kultur!!)


Links:
http://www.benbecker.de
http://www.kloster-luene.de/
http://www.bibel2008.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Sander
http://www.amazon.de/ewige-Brunnen-Hausbuch-deutscher-Dichtung/dp/340604140X
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Ewige_Brunnen
http://www.literaturwelt.com/werke/goethe/erlkoenig.html
http://www.unix-ag.uni-kl.de/~conrad/lyrics/zauber.html
http://www.lyrikwelt.de/gedichte/fontaneg2.htm
http://www.amazon.de/Klagendes-Leid-schaurige-Melodramen-deutschen/dp/3491912008
http://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Ganz
http://de.wikipedia.org/wiki/Monika_Hansen
http://www.lyrikwelt.de/gedichte/heineg4.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrike_Meinhof
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Herbst
http://www.amazon.de/Baader-Meinhof-Komplex-Stefan-Aust/dp/3442129532
http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Fest
http://www.amazon.de/Begegnungen-%C3%9Cber-nahe-ferne-Freunde/dp/3499620820
http://www.lukas.no/forall/schiffahoi.html

Mittwoch, 11. Februar 2009

Bücher sind Lebensmittel. Der Graf, Herr Obama und ich.

Es ist nicht so, als ob ich in den letzten Monaten nichts gelesen hätte, oh nein! Es stimmt allerdings, das die vormals beliebte, und 2007 regelmäßig erscheinende Rubrik "Bücher sind Lebensmittel" seit der letzten Ausgabe stark vernachlässigt wurde. Dabei ist gerade mein Konsum an Non-Fiction im letzten Jahr stark angestiegen. Sogar in meinen Tags steht es 17 (Fiction) zu 21 (Non-Fiction). Dies ist bemerkenswert, handelt es sich dabei doch um Sachbücher, die ich nicht für die Diss gebraucht habe!

Ich habe also gelesen, wenn auch vielleicht weniger als früher. In manchen Fällen, so scheint es mir, vor allem langsamer. Schon im Oktober hatte ich beispielsweise, angeregt durch die Ausstrahlung der hübschen Verfilmung mit Gerard Depardieu und Ornella Muti, und verführt durch die Gelegenheit - nämlich den Aufenthalt in einer französischen Bahnhofsbücherei - Dumas' Graf von Monte Cristo erstanden (und auch darüber berichtet). Nun rührt ein Großteil meiner Abneigung gegen die Lektüre französischer Literatur sicherlich daher, dass ich aus mir selbst unbekannten Gründen immer Bücher greife, voll mit passé simple und merkwürdigen Vokabeln und den noch merkwürdigeren Lebensumständen der oberen Schichten im Frankreich des 19. Jahrhunderts. Immerhin hat Dumas den Vorzug gegenüber vielen seiner Zeitgenossen, dass die Abstrusität seiner Handlungen weder versucht, soziale Realität zu spiegeln, noch die Langeweile der Epoche in Worte (bzw. Handlung) zu fassen... Und doch: auch Der Graf beginnt langsam. Die ersten 150 Seiten schleppen sich dahin. Bis der junge Dantés endlich im Gefängnis landet, vergeht eine Ewigkeit. Häufig lässt sich bei der Lektüre des berühmten Klassikers nicht der Gedanke vermeiden, dass die Verleger gut daran getan hätten, die Handlung zu kürzen und zu straffen, vielleicht sogar den Stil etwas zu... nun ja. Es liegt in der Natur des Fortsetzungsromans, des Kolportageromans, wortreich und weitschweifend zu sein. Das Ding wird per Zeile bezahlt, und je mehr Teile es gibt, desto besser! Und trotz aller Fehler: Das Ding wird spannend. Hat man sich also erstmal in die altertümliche Sprache und Denkweise dieses Buchs eingelesen, ist es fesselnd. Und zutiefst frustrierend, wenn man am Ende von immerhin 928 Seiten und 61 Kapiteln feststellen muss, dass zwar die Rache des Grafen gerade erst beginnt, das Buch aber schon aus ist...

(Übrigens, liebes Amazon.de: das ist kein Ausrufezeichen am Ende des Titels! Das ist eine Römische Eins (I), wie in Band I. Warum nur macht Ihr es so schwierig, auch Band II zu kaufen? und Dumas, zumindest in dieser Ausgabe, gehört auch nicht in "Englische Titel", danke schön.)
Bis ich mir also den Zweiten Teil beschafft hatte, war eine Lücke zu füllen.

Der Graf ist ein neureicher, selbstgerechter Parvenü , ein Aufschneider und Angeber und drogensüchtiger Haschischesser. Seine enorme finanzielle Macht nutzt er, um aller Welt Verderben zu bringen. Seine Bildung besteht aus den 150 Büchern und 5 Sprachen, die sein Zellengenosse Abbé Faria auswenig gelernt hatte, und die er in nur zwei Jahren (!) ebenfalls erlernt (was die Sprachen angeht: akzentfrei. Natürlich.) Aber weil es die Gesetze des französischen Kolportageroman so wollen, ist er gutaussehend und von großer Anlage, und im Gegensatz zu seinen ebenfalls aus den unteren Klassen stammenden Feinden merkt man seinem edlen Herzen die niedrige Herkunft niemals an. Das ist wahre Größe, ja, der Vergleich mit einem Gott, oder mindestens von Gott gesandten Racheengel ist ein Leitthema des Romans.

Bis ich mich also wieder mit ihm beschäftigen konnte, habe ich mir einen anderen Großen, angeblich von Gott Gesandten vorgenommen: Barack Obama und die Audacity of Hope . Schließlich kann der Mann angeblich schreiben, und wenn ein dermaßen wichtiger Politiker seine wichtigsten politschen Ziele in einem Buch vorstellt, das noch dazu VOR seinem Präsidentschaftswahlkampf erschienen ist - tja, dann sollte man doch auch wissen, was der Mann so vorhat. Und er hat einiges vor. Wow. Ich bin beeindruckt. Wenn ihm nur die Hälfte von dem gelingt, wird er ein großer Präsident. Der Mann ist intelligent, ja: klug, aber nicht arrogant. Er bemüht sich um das Erkennen von Gemeinsamkeiten, er ist empathisch, aber nicht um den Preis eines eigenen Standpunktes. Ich mag ihm nicht in allem zustimmen, was er schreibt, und ich bin auch ganz deutlich nicht die Zielgruppe, für die er schreibt - dies ist ein Buch für Amerikaner - aber ich möchte wirklich sehen, wieviele seiner Ziele er umsetzen kann.
Und ich freue mich schon auf sein nächstes Buch; das Buch, das der (ehemalige) Präsident, und nicht der (gerade gewählte) Senator, schreiben wird.



Links:
http://www.youtube.com/watch?v=mDC_jmcnYfM&feature=related
http://www.amazon.de/Le-Comte-de-Monte-Cristo/dp/226609033X/ref=sr_1_15?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1234803262&sr=8-15
http://www.amazon.de/Madame-Bovary-Gustave-Flaubert/dp/3704311154/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1234804079&sr=8-1
http://de.wikipedia.org/wiki/Fortsetzungsroman
http://de.wikipedia.org/wiki/Kolportageroman
http://www.amazon.de/Le-Comte-de-Monte-Cristo/dp/226609033X/ref=sr_1_15?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1234803262&sr=8-15
http://www.amazon.de/Comte-Monte-Cristo-2/dp/2266090348/ref=sr_1_13?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1234805239&sr=1-13
http://www.amazon.de/Audacity-Hope-Thoughts-Reclaiming-American/dp/0307455874/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1234805968&sr=1-1

Dieser Post ist eine Fortsetzung von Bücher sind Lebensmittel. November. und enthält Referenzen zu Die Freuden des Fliegens. Spießiges Silvester. und Embrace Change. Billy storms the Oval Office.

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Die Freuden des Fliegens. Spießiges Silvester.

Flughafen Bilbao: sehr schön aber klein und ereignisarm

Der Flughafen in Bilbao, wie das berühmte Guggenheim Museum ebenfalls ein Stück "Starchitecture", allerdings von Calatrava, ist zwar wunderschön. Aber wenn man den Regeln des internationalen Flugverkehrs folgt und ca. zwei Stunden vor Abflug am Check-in Schalter steht, hat man mehr Zeit die Architektur zu genießen, als einem lieb ist. Der Flughafen ist zwar ein eindrucksvolles Gebäude, aber eben auch klein. Man kann einen überteuerten Kaffee trinken, oder ein überteuertes Boccadillo essen, oder überteuerte regionale Spezialitäten kaufen, aber das ist es denn auch schon.

Flughafen Paris Charles de Gaulle: deutlich größer, dafür häßlich und ereignisarm
Bildquelle: http://www.skycontrol.net/UserFiles/Image/Industry_img/200801/200801-controlware-communications-CCTV-Paris-charles-de-gaulle-b.jpg

Fliegt man dann endlich ab, mit einer dieser winzigen Maschinen, so landet man kurz nach dem Start schon wieder in Paris Charles de Gaulle, weil Air France nunmal immer über Paris Charles de Gaulle fliegt. Dort stellt sich heraus, dass der Flughafen zwar nicht so schön, aber deutlich größer ist, bezüglich der Freizeitgestaltung einer gelangweilten Reisenden aber auch nicht viel mehr zu bieten hat als das beschauliche Bilbao. Sicher, es gab einen Zeitschriftenhändler, sogar mit internationalen (englischsprachigen!) Büchern, und ein beeindruckend umfangreiches Sortiment von Champagner und Gänsestopfleber im Duty Free Shop. Ansonsten gesellten sich zu überteuertem Kaffee, überteuerten Sandwiches und überteuerten Spezialitäten nur noch überteuerte (weil leider nicht steuerfreie) Kosmetika und Parfums. Eine PlayStation 3, die man offenbar kostenlos bespielen konnte, war natürlich von allerlei jungen Männern belagert, die damit auch umgehen konnten.


Sicherlich: hätte ich nicht erst vor einer Woche schon einmal viereinhalb Stunden hier verbracht, hätte ich mich vielleicht zwei Stunden mit dem Betrachten der Auslage und dem Ausprobieren diverser Duftstoffe beschäftigen können. Bei meinem zweiten Stopp gleicher Länge innerhalb von acht Tagen war der Reiz des Neuen allerdings verflogen. Ich wollte lieber nach Hause.
Zum Glück ist dem Herrn Dumas sein Graf von Monte Christo ein sehr langatmiges Buch, besonders in der ungekürzten französischen Originalfassung (mit Erklärungen im Anhang).
Eigentlich kein Wunder also, dass ich nach 13 Stunden Brutto-Reisezeit, von denen ich zwei Drittel auf zugigen Flughäfen oder Bahnsteigen zugebracht habe, den Montag erst einmal mit einem Anflug von Grippe im Bett geblieben bin. Silvester war akut gefährdet.
Der Meinige und ich haben uns daher für ein herrlich unspektakuläres Silvester zu zweit entschieden - ohne Raclette, ohne Feuerwerk, ohne - nja ok. Dinner for One (vorsorglich auf Video besorgt, da kein TV-Anschluß) muß schon sein... Und Knallbonbons. Bleigießen. Champagner. Was leckeres zu essen (Gemeinsame Zubereitung: 4 Stunden. Aufessen: 30 Minuten)...
Aber sonst: wunderbar unaufgeregt. Hätten meine Eltern so gefeiert, hätte ich es spießig gefunden. Aber es war herrlich!
Frohes und Gesundes neues Jahr!

Vorsätze für 2009:
1. Diss fertigstellen. (Natürlich.)
2. 5-10 Kilo abnehmen. (sobald die Reste vom Silvesteressen und die übrigen Lebkuchen aufgegessen sind. Natürlich.)
3. Sag ich nicht. (Aber wenn es klappt, wird es hier veröffentlicht. Natürlich.)



Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Santiago_Calatrava
http://de.wikipedia.org/wiki/Guggenheim-Museum_Bilbao
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Graf_von_Monte_Christo
http://www.amazon.fr/Comte-Monte-Cristo-1-Alexandre-Dumas/dp/226609033X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1230917906&sr=8-1

Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung von Baskische Weihnachtsbräuche

Freitag, 7. Dezember 2007

Bücher sind Lebensmittel. November.

Bei all dem Chaos um verlorene Literatur habe ich ganz vergessen, den Buchkonsum des letzten Monats zu notieren. Mal sehen, ob ich es von hier aus zusammenkriege:
Ein Stapel Reclam-Bücher war dabei, etwas wahllos zusammenbestellt, als ich mal die Sache mit dem Autorenrabatt testen wollte.

Seit ich vor zwei Jahren Finding Neverland im Kino gesehen habe, wollte ich noch einmal Peter Pan von James M. Barrie lesen. Ich erinnerte mich, dass ich das Buch als Teenager gar nicht mochte, mir Peter furchtbar auf den Geist ging, und ich mit Disney's Klassiker generell mehr anfangen konnte. Beim Wiederlesen war dann auch klar, warum: Der Autor begeht den Kardinalfehler aller Kinderbuchautoren - einen Fehler, vor dem Astrid Lindgren ausführlich gewarnt hat - er schreibt nämlich nicht für die Kinder, sondern für die Erwachsenen! Aber wer soll das sein, bei einem so demonstrativ auf Kinder zugeschnittenen Stoff? Die vorlesenden Eltern? Oder doch Leute wie ich, die versuchen ihre Kindheit aufzuarbeiten? Es scheint, als liege der Fehler in der nachträglichen Buchfassung des ursprünglichen Theaterstücks, in dem die ironische Kommentierung des Autors natürlich nicht vorkommt. (Merken: dramatisierte Fassung besorgen!)

Wunderschön gruselig, und sehr sehr zielgruppengerecht, war dafür Roald Dahl's The Witches: Wie ausführlich grausig er die Hexen beschreibt, daran haben Kinder sicher ihre Freude. Erwachsene finden es zu gruselig, wollen es den Kindern als nicht kindgerecht verbieten, und bauen in der Verfilmung ein Happy-End ein, weil sie nicht verstanden haben, dass das Buch schon ein Happy-End hat.
Apuleius und Das Märchen von Amor und Psyche wollte ich schon lange mal lesen - ist ja irgendwie schon fast Sekundärliteratur. (Bild links: Bouguereau)
Richtige Sekundärliteratur ist natürlich Nikolaus Pevsner's Wegbereiter moderner Formgebung von Morris bis Gropius. Ich habe zwar eine andere Ausgabe, aber beim Lesen entdeckt, dass ich es offenbar doch schon mal gelesen und danach selbiges völlig verdrängt habe. Sicher immer noch ein Standardtext, auch wenn der "Neue Stil" inzwischen als Klassische Moderne schon gar nicht mehr so neu ist, und seine Bewertung als quasi-Endpunkt architektonisch-gestalterischer Entwicklungsgeschichte vielleicht sogar etwas hinterfragt wird.


Terry Pratchett's Making Money kommt leider erst im Juni als Paperback, und aus lauter Frust darüber habe ich mich mal wieder den Anfängen von Pratchett's Scheibenwelt gewidmet: Rincewind in The Colour of Magic, The Light Fantastic und Eric. Ich habe zwar die meisten der inzwischen 30+ Scheibenwelt-Romane mehrfach gelesen, aber merkwürdigerweise eben gerade die ersten nicht. Es war ein seltsames Gefühl, die inzwischen so vertraute Welt noch mal sozusagen mit den Eierschalen dran wiederzusehen - so viel würde sich noch entwickeln und ändern. Pratchett hat selbst einmal gesagt, seit der die Scheibe kartographiert hat, sei alles einfacher geworden: you can stick to the facts! Hier merkt man, dass es diese Fakten anfangs eben noch nicht gab. Leider hat er auf einer Lesung (hier) verkündet, dass nach Hogfather jetzt auch CoM und LF verfilmt werden sollen. Tu's nicht, möchte man rufen, aber auf mich hört ja keiner... Immerhin sind die neuen Cover von Corgi Adult endlich so gestaltet, dass man das Buch auch in der U-Bahn lesen kann - noch besser als die von Harper. Die ursprünglichen Corgi-Editionen haben zwar irgendwie schon Kultstatus, schrecken aber meines Erachtens immer noch Leute vom Kauf ab, die sonst bestimmt Spaß an der Lektüre hätten. Thou shalt not judge a book by its cover sagt sich eben leichter als es sich umsetzen läßt...

Last but not least wurde es mal wieder Zeit, den besten Trost- und Ratgeber in persönlichen (akademischen) Krisenzeiten zu lesen, den ich für mich bisher gefunden habe: Dorothy L. Sayers Gaudy Night. Zugegebenermaßen nicht ihr bester Krimi, aber dafür ihr unschlagbar bester Roman, ungemein weltklug, und in seinen Aussagen über Frauenstudium, Ethik in den Wissenschaften, Karrierefindung und den Schwierigkeiten, persönliches Glück zu akzeptieren nach jedem Lesen für mich aktueller als zuvor. Obwohl ich glaube, dass meinereins sich heutzutage nicht mehr ganz so krass entscheiden muss zwischen entweder Universität/Karierre oder Familie... hoffe ich.

Foto via beyondrivalry.

Dieser Beitrag gehört in eine Reihe mit Bücher sind Lebensmittel. Oktober.

Mittwoch, 14. November 2007

Happy Birthday Astrid Lindgren

Für manche Menschen gibt es einfach immer noch nicht genügend Denkmäler. Immerhin: ein paar gibt's!
In Vimmerby...

... und ausserhalb von Junibacken, Stockholm...
...und ein sehr hässliches in Tegnérlunden...















... und dieses sehr schöne in Göteborg.

Viel wichtiger aber, dass sie 1978 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt- und die Rede dazu! Das kann mich damit versöhnen, dass sie den Nobelpreis für Literatur nicht erhalten hat, weil sie ja "nur" Kinderbücher schrieb...
Immerhin: der 2002 gestiftete Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis ist mit ca. 540.000 Euro der zweithöchstdotierte Preis für Literatur weltweit - gleich nach dem Nobelpreis (knapp 1,1 Millionen Euro).
In Deutschland gab's diesjahr sogar eine Briefmarke. Aber ehrlich: wer kauft schon 100 cent-Marken?

Da finde ich es viel schöner, dass nun schon 150 Grundschulen ihren Namen tragen. Und ich habe sie im Verdacht, dass ihr das auch gefallen hätte.
Selbst bin ich auf eine Mathias-Claudius-Grundschule gegangen. Langweilig! Bei Astrid Lindgren hingegen hätte mir niemand im Sachkundeunterricht erklären müssen, wer das eigentlich ist!
So schöne Geschichten! Danke dafür...