Donnerstag, 23. Juni 2011
Good News!
der Interviewer ist so leise, er ist fast unverständlich,
und das Interview ist erschreckend lang (ca. 30 Minuten)
http://livestre.am/PGgM
aber gute Nachrichten sind gute Nachrichten.
Und ein geplantes American Gods Teil 2 ist eine gute Nachricht.
Und *so wie das hier angedeutet ist* wäre auch eine Verfilmung von American Gods eine gute Nachricht.
Wen interessiert schon Neil's Bart?
Zurück nach Limoges...
Dienstag, 19. Oktober 2010
Stuttgart 21. Endlich umsetzen, was New York vor 100 Jahren vorgemacht hat.
Erstaunlich, dass sie das jetzt erst tun, denn das Projekt ist ja nicht gerade neu. Tatsächlich ist es so alt, dass es schon 1996 in Tübingen im studentischen Debattierclub "Debatte" Thema war. (Damals hörte ich zum ersten Mal davon.) Ungefähr genauso lange (gefühlt) gab es eine Ausstellung zu den Plänen im Turm des Bonatz-Bahnhofs in Stuttgart - die Pläne wurden nicht verschwiegen, aber Aufruhr gab es erst, als sie dann -- endlich! -- umgesetzt werden sollten.
Und natürlich ist es skandalös, wenn Schülern und Rentnern und Bürgern, die bloß von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen, mit Tränengas und Knüppeln begegnet wird - die Eskalation ist völlig unentschuldbar.
Aber viel skandalöser ist es, wenn mit fadenscheinigen und uninformierten Argumenten der Umbau verhindert werden soll. Möglich, dass im Detail noch viel zu verbessern wäre. Aber das stellt m. E. keineswegs das Projekt selbst in Frage. Man hat das Gefühl, hier protestieren die gleichen Leute, die 1835 schon in Fürth "dagegen" waren - damals allerdings mit viel berechtigteren Ängsten vor der neuen Technik.
Stuttgart 21 hat eine viel größere Dimension als den Baulärm, den es rund um den Schloßpark in den nächsten 10 Jahren geben wird. Es geht um ein europaweites Schienensystem. Vielleicht werden bis Ulm oder München "nur" elf Minuten eingespart --- aber von Madrid bis Budapest läppert sich das zusammen.
Von den immensen -notwendigen - Chancen für die Stuttgarter Innenstadt-Entwicklung wollen wir gar nicht sprechen. Ich bin weit davon entfernt, Stuttgart mit New York zu vergleichen - aber wenn Grand Central Station 1903-13 nicht elektrifiziert und untertunnelt worden wäre, gäbe es heute keine Park Avenue. Dass dabei die Bahnschuppen des jetzigen Kopfbahnhofs - dessen eindrucksvolle und denkmalgeschützte Wandelhalle und Turm ja im Übrigen erhalten bleiben - abgerissen wird, wird in 20 Jahren niemand mehr bedauern.
Werden die Kosten eingehalten werden? Wahrscheinlich nicht. Dennoch hinkt der Vergleich zum Beispiel mit der Elbphilarmonie. Während bei letzerer eine Kostenexplosion zwar zu weltweit einmaliger Akustik führt, profitieren davon nur wenige (konzertbegeisterte, musikverständige) Menschen. Selbst wenn Stuttgart 21 teuerer wird - was nach Erfahrungswerten wahrscheinlich ist - so ist das wohlinvestiertes Geld: in die Infrastruktur (regional, national, international), in die Innenstadtentwicklung, in die Ökologie und in die regionale Wirtschaft.
Wenn Stuttgart als eine der wenigen deutschen Regionalmetropolen auch weiterhin wachsen soll, dann müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Das mag im Moment unangenehm sein. Aber da muss man durch - ich glaube, dass es sich lohnt.
Weitere, exzellente Argumente pro Stuttgart 21 in der Faz und anderswo, z. B. auch auf The European.
Link:
http://grandcentralterminal.com/info/grandcentralterminal.cfm
http://www.faz.net/s/Rub0F6C1ACA6E6643119477C00AAEDD6BD6/Doc~EFACC66319B9846E0BBD645B357EADCEB~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.theeuropean.de/wolfgang-dietrich/4521-stuttgart-21-muss-realisiert-werden
Zuletzt ging es um den Stuttgarter Hauptbahnhof in diesem Beitrag: was macht Ihr denn so über Ostern?
Sonntag, 30. Mai 2010
Stefan Raab gewinnt den Grand Prix de la Chanson! (Lena auch).
Als Deutschland das letzte Mal den Eurovision Song Contest gewonnen hat, hieß der noch Grand Prix, war Lena noch nicht mal angedacht, und die Hälfte der Länder heute durften noch gar nicht mitstimmen...
Und jetzt hat dieses junge Huhn aus Hannover völlig souverän gewonnen - mit ordentlichem Vorsprung! Respekt!
Vor vier Monaten "ich sing halt gern" und gleich ein Weltstar in Deutschland und Europa -Mädele! Andere Abiturientinnen machen Interrail, Du machst ne Europa-Tournee...
Aber der eigentliche Sieger ist doch Stefan Raab - warum? weil er ja mindestens zum vierten Mal mitgemischt hat:
Als Alf Igel hat er Guildo Horn ins Rennen geschickt. Immerhin Top 10, und Medienaufmerksamkeit in Deutschland.
Waddehaddedudeda - wir sprechen nicht drüber, aber sooo schlecht hats nicht abgeschnitten.
Dann die erste Casting Show - Gewinner: Max Mutzke - super! Aber zu langsam für den Osteuropa-Klüngel, wahrscheinlich.
Und jetzt das! Bravo Stefan - du hast es dir verdient! Gut gemacht!
Und ist es nicht großartig, dass der größte lebende deutsche Grandprix-Fan, Hape Kerkeling, Präsident der deutschen Jury war? Hape! Warste darum so eingeschüchtert? Dein Auftritt erinnerte mich fatal an einen deiner ganz frühen Sketche!
Neeee, watt kann Samstach abends fernsehen bei den Öffentlich Rechtlichen nett sein!
Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest
http://de.wikipedia.org/wiki/Alf_Igel?title=Alf_Igel&redirect=no
http://www.top-lyrics.de/songtext/stefan-raab,waddehaddedudeda,38451.html
http://www.maxmutzke.de/
http://www.gala.de/stars/news/101487/Hape-Kerkeling-Sein-grosser-Grand-Prix-Traum-wird-wahr.html
http://www.youtube.com/watch?v=vDAe1SSHKwk
Sonntag, 18. April 2010
Schein vs. Credit. Nach dem Semester ist vor dem Semester.
Damit meine ich nicht die Tatsache, dass die privaten Ivy-League Universiäten ihr (privates) Vermögen in der Finanzkrise
Glaubt man der Homepage, brechen für die Arbeitenbenotung in Billiglohnländern, das sogenannte "Outgrading", große Zeiten an. Studenten erhielten ausführliches und professionelles Feedback auf ihre schriftlichen Erzeugnisse, und Professoren bleibe mehr Zeit für die Lehre von Angesicht zu Angesicht, so das Verkaufsargument von EduMetry.Leider hat die Sache einen Haken: Wenn ich die Hausarbeit/den Essay/das Referat/die Prüfungsleistung nicht gelesen/gehört und korrigiert habe - was bleibt denn dann noch von der Lehre "von Angesicht zu Angesicht"? Denn der wichtigste Teil der Lehre, oder sagen wir, der Teil der Lehre, bei dem die Studierenden idealiter am meisten lernen können, das ist ja nun mal der Kommentar zur Prüfungsleistung (Hausarbeit). Vermittelt vorzugsweise in der Sprechstunde, bei einer mehr oder weniger ausführlichen Besprechung der Prüfungsleistung (Hausarbeit)!
Studierende heute (möglicherweise war das früher nicht anders, man soll ja nicht von sich auf andere schließen) also Studierende heute sind allerdings leider häufig gar nicht daran interessiert, etwas zu lernen.
Stattdessen wollen sie ihre Note wissen - ohne Kommentar. Ob die 2,3 die beste Note unter lauter Dreiern oder das Letzte unter lauter Einsern war - interessiert nicht. Was gefehlt hat, um die 2,3 zu einer 1,7 oder gar einer 1,0 hochzureißen (Aufbau? Methodik? verwendete Literatur? Formalien?) - egal!
Das wiederum kommt denjenigen unter den Lehrenden entgegen, deren Benotung auf der altbewährten Methode Eins-Null-nich-'meckern-nich'-fragen beruht - denn eigentlich sollte auch eine 1,0 begründet werden - sonst bleibts beim Glückstreffer und hilft dem Empfänger der Note nicht dabei, seine Leistung korrekt einzuschätzen.
Diese Lehrenden gibt es - man muss aber zur Ehrenrettung eines unterbezahlten Berufsstandes hervorheben: diese Einstellung ist sehr viel seltener als das Klischee vermuten lässt. Dies ist das Klischee:
Korrigieren Dozenten hierzulande Studienarbeiten, gehen sie mit der roten Tinte oft sehr sparsam um: Jungfräuliche Seitenränder, auf den Seiten 11 und 18 mal eine Alibi-Bemerkung eingestreut, dazu die Note, gewürzt mit einem allgemeinen Kommentar. Das zeugt von Zeitmangel, Unlust oder beidem zugleich.Die Realität besteht darin, dass Lehrbeauftragte hunderte von Kilometer anreisen, um 5-6 Stunden am Stück Hausarbeiten zu besprechen. Oder zweiseitige getippte Kommentare beifügen, die die Notengebung begründen. Oder die Studierenden per E-Mail/Telefon zur Nachbesprechung animieren wollen. Wohlgemerkt: Lehrbeauftragte bekommen in der Regel ihre Korrekturzeit nicht bezahlt!
Und zum Glück gibt es auch die Studierenden, die für dieses Feedback dankbar sind. Und es sich zu Herzen nehmen. Und nicht wegen einer 3,7 vor den Prüfungsausschuss ziehen.
Links:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,687933,00.html#ref=nldt
Bildquelle:
http://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/header_images/Default/square/start_mitte.jpg
Dienstag, 1. Dezember 2009
Studierendenproteste in Serie. Heute: Studiengebühren (3. und letzter Teil)
Die Studierendenproteste sind offenbar NOCH globaler, als man bisher mitbekommen hat. Das ist insofern erstaunlich, als es 2009 anders als 1969, viel unpolitischer zugeht bei den Protesten. Waren es damals über die konkrete Situation an den Universitäten hinausgehende politische Anliegen (Vietnam Krieg, Antikapitalismus, Schah-Besuch und APO), die eine Medienöffentlichkeit sicherten, ist der Protest heute offenbar überall mehr auf das Wesentliche beschränkt: Studiengebühren, Studieninhalte, universitäre Infrastruktur. In Lüneburg wurde der Hörsaal ganz explizit NICHT vom AStA besetzt, sondern von "richtigen" Studierenden (also wohl solchen, die sich sonst nicht organisiert hochschulpolitisch engagieren). In München gibt es eine Facebook-Gruppe gegen die "Hippies im Audimax".
Dass der sozial beschränkte Zugang zu höherer Bildung natürlich doch ein hochpolitisches Thema ist, sieht man auch und vor allem an den Protesten in Kalifornien: friedlich demonstrierende Studierende wurden dort mit Tasern (Elektroschocker) konfrontiert, Polizei erschien in voller Straßenkampf-Rüstung. Dort steigen die Studiengebühren übrigens um 32% auf über 10.000 $/Jahr. Und die UC ist noch nicht mal eine der berühmten privaten Hochschulen, sondern staatlich. Soweit zur Finanzkrise, und "richtigen" Studiengebühren.
Ich bleibe dabei: Jede Gebühr, die einen begaben jungen Menschen vom Studieren abhält, ist zu hoch. Aber alle, die sich das Studium leisten können, sollten sich mal fragen, was Ihnen die Chance auf Bildung wert ist. UND aufhören, ständig über Anwesenheitspflicht und Lesekontingent und andere Aufgaben zu nölen: Nix ist Pflicht. Das Studium ist nicht Pflicht. Aber wenn ein Dozent empfiehlt, ein Buch zu lesen, dann ist das wahrscheinlich nicht Schikane, sondern der beste Weg, etwas zu lernen... Es würde vielen protestierenden Studierenden gut anstehen, ihre Chance trotz widriger Umstände zu nutzen, indem sie ihre Schülermentalität (ich muss das lernen) ganz rasch gegen eine Studentenmentalität (ich will das lernen) eintauschen. Das ist nervig und schwierig, wenn man grad 19 ist und bisher geglaubt hat, erwachsen sein hieße vor allem, selbst zu bestimmen wann man schlafen geht (und mit wem). Die Leute, die man in der Schule "Streber" geschimpft hat, haben es da leichter.
Links:
http://www.youtube.com/watch?v=0OQtp1UJpOo
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,663831,00.html
http://www.feministing.com/archives/019050.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+Feministing+(Feministing)
Donnerstag, 19. November 2009
Studierendenproteste in Serie. Heute: Studiengebühren.
Heute, älter, weiser, reifer, wenn auch nicht so alt wie ich mich gerade anhöre - ohweh! - bin ich etwas weiter - zum Glück. Dank eines erfolgreich absolvierten Studiums (naja, anderthalb und eine angefangene Promotion), und dank einer Insider-Position weiß ich etwas besser, wie viele Seiten die akademische Medaille (die offenbar nicht nur in unserer langweiligen Dreidimensionalen Welt existiert) hat.
verschiedene Seiten einer Humboldt-Medaille (lustiger Bilderwitz!)
Zum Beispiel ist es ja eine unter Studierenden weit verbreitete Annahme, die Uni sei ausschließlich dafür da, dass sie etwas lernen könnten. Dies ist falsch.
Andersherum geht die Professorenschaft fast vollständig davon aus, dass die Uni vor allem die nötige Infrastruktur bietet, um in Ruhe zu forschen. (Das sieht auch die Politik so, wie man an den diversen Exzellenzinitiativen leicht erkennen kann.) Dementsprechend wäre die Lehre ein zu vernachlässigendes Abfallprodukt der Forschung, nützlich allenfalls im Sinne von Kleists schönem Essay "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden".
Auch das ist falsch. Richtig, und mehr in Humboldts Sinne, wäre eine ordentliche Kombination von beidem bei gleichzeitiger Anerkennung der speziellen Bedürfnisse all der anderen Wesen in diesem überaus komplexen Biotop: Mittelbau, Bibliothekare, Hausmeister, Gärtner, Mensamenschen, Verwaltungsangestellte - was meint Ihr, was die glauben, wozu so eine Uni alles gut ist!?
Aber ich schweife ab. Dabei ist doch das wichtigste, am lautesten und längsten konkret bekämpfte und damit für uns hier an erster Stelle zu beleuchtende Thema das der leidigen Studiengebühren.Worum geht’s?
Studiengebühren, früher „Hörergelder“, sind 1970 abgeschafft, und unter dem Vorwand der Bologna-Reforemen in vielen Bundesländern seit 2005 wieder eingeführt worden. Die sogenannte Campus-Maut beträgt in der Regel 500,- Euro pro Semester, dazu kommen Verwaltungsgebühren (gab’s früher auch schon), die häufig zusammen mit dem Zwangsbeitrag zum Studentenwerk sowie der Umlage für das Semesterticket eingezogen werden. Da können, abhängig vom Standort, schon mal weitere 250,- Euro zusammenkommen. Für Prüfungen fallen –anders als bspw. beim Führerschein - keine gesonderten Gebühren an. Einige Bundesländer erheben zudem „Langzeitgebühren“ für Studierende, die die Regelstudienzeit deutlich überschreiten.
Was gibt’s dafür?
Im Gegensatz zur von Studierenden weit verbreiteten Meinung, „es gäbe nichts dafür“, bekommen die Studiosi eine ganze Menge für ihr Geld. Fangen wir bei den „alten“ Gebühren an: vom zwangsumgelegten StuWe-Beitrag bspw. finanzieren sich verbilligtes Wohnen (oder glaubt Ihr etwa, so ein Wohnheim trägt sich selbst?), Essen (eine warme Mahlzeit für 1,80 Euro: glaubt Ihr, das sei ein wirtschaftlicher Preis?) und zahlreiche zusätzliche Betreuungsangebote wie psychologische Beratungsstellen etc. Und niemand, der mal ein Monats-Abo des regionalen ÖPNV abonnieren musste, wird sich über 6 Monate kostenloses Bus-und-Bahnfahren für rund 100 Euretten beschweren wollen – Preise variieren ebenso wie die Reichweite, aber günstig ist es allemal. Auch dass der Studierendenausweis überall auf der Welt für Rabatte, Nachlässe und Vergünstigungen sorgt, nimmt der gemeine Student einfach so hin, als sei es selbstverständlich, dass die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten zukünftigen Verdienstquote und, ja leider, den reichsten Elternhäusern (im Durchschnitt! Kommt mir nicht mit Ausnahme-Einzelschicksalen! Ihr wisst, dass ich Recht habe, und die OECD weiß es auch!) sich eine Kinokarte für 7 Euro nicht leisten könnte (oder würde). Für halbzeitbeschäftigte Vollzeit-Alleinerziehende mit geringem Einkommen gibt's sowas jedenfalls nicht.
Die ultimative Rabattmarke
Die eigentlichen Studiengebühren von 500,- Euro sind eigentlich auch nicht so hoch, wenn man bedenkt, was man dafür „kauft“: nämlich den Zugang (Zugangsrechte! Nicht Recht auf gute Noten, dafür muss man immer noch arbeiten…) zu einer Infrastruktur (Raummiete), Informationen (Lehrendenhonorar), Lehrmitteln (Bücher, Zeitschriften). Zwar müssen, abhängig vom Studiengang, manche Dinge zusätzlich auf eigene Kosten angeschafft werden, aber dafür kannst Du in Deinem eigenen Gesetzestext soviel herumschmieren wie Du willst. Und willst Du das Stethoskop wirklich teilen? Aber das ist doch Jammern auf hohem Niveau: jeder Kochlehrling braucht eigene Messer, jeder Schreiner hat eigenes Werkzeug. Warum soll es den Studierenden da besser gehen als den Azubis?
A propos Azubis: ist den Herren und Damen Studierenden, die „nichts kriegen für ihr Geld“, eigentlich klar, was eine „normale“ Fortbildungsmaßnahme, wie sie das Arbeitsamt empfiehlt, und nicht jeder Arbeitgeber bezahlt, eigentlich kostet? Da sind schnell mal 5000 Euro weg – für einen Kurs! Selbst die VHS nimmt Geld! Rechnet das mal nach, da kommt man mit 500,-Euro/Semester ganz gut weg, vor allem, wenn man die zahlreichen Zusatzangebote (für die es keine CP gibt) mal so richtig ausschöpft… (Und von seinem Lehrlingsgehalt kann ein Azubi übrigens auch nicht unbedingt leben…)
Bevor mich jetzt alle schlagen: natürlich sind 750 Euro viel Geld für jemand, der es nicht hat. Auch ich hätte während meines Studiums Probleme gehabt, dieses Geld „mal eben“ aufzubringen – als Halbwaise mit drei Geschwistern ebenfalls in der Ausbildung, bei zeitweilig drei Jobs zugleich und trotz eines sehr bescheidenen Lebensstils. Die Frage war aber nicht: richtig oder falsch, sondern: was bekommt man dafür. Und das ist selbst in den Fällen, wo das, was man bekommt, nicht genug ist, wo sich wirklich gar nichts verändert hat dank der Gebühren, immer noch eine ganze Menge. Wer’s nicht glaubt, kann ja mal eine Lehre zur Vergolderin oder Physiotherapeutin oder sonst was anfangen.
Wie werden Studiengebühren verwendet?
Es wird erzählt, dass Studiengebühren angeblich häufig "zweckentfremdet" (d.h. nicht zur „Verbesserung der Lehre“) eingesetzt werden. Stattdessen würden Haushaltslöcher gestopft, Strukturschwächen ausgeglichen, Dächer geflickt, was-weiß-ich. Das ist nicht überall so. Die meisten Unis gehen sehr sorgfältig mit dem Geld um - einige sogar so sorgfältig, dass sie es nicht mehr brauchen können, denn irgendwann hat jeder Raum einen Beamer, und die Regelungen für den "richtigen" Einsatz der Mittel sind eng begrenzt.
Infrastruktur pflegen? Nicht aus Studiengebühren, denn das ist Ländersache!
Mehr Profs einstellen? Dito! Allenfalls Zeitschriftenabos, Bücher und Tutorien (zur Verbesserung der Gruppengröße) kann man stets anschaffen, vielleicht sogar die Ausstattung einiger Laboratorien verbessern, aber mal ehrlich: die eigentlichen Probleme (marode Gebäude, überfüllte Studiengänge/schlechte Betreungsratio) sind damit nicht gelöst.
Wie soll man’s also halten mit den Studiengebühren?
Oha, schon spät. Das wird ein neuer Beitrag. Stay tuned!
Links:
http://www.kleist.org/texte/UeberdieallmaehlicheVerfertigungderGedankenbeimRedenL.pdf
http://www.einfach-sparsam.de/geld-sparen/studenten/
http://de.wikipedia.org/wiki/Studiengebühren_in_Deutschland
http://de.wikipedia.org/wiki/Studentenwerk
http://de.wikipedia.org/wiki/OECD
http://www.oecd.org/document/8/0,3343,de_34968570_34968855_39283656_1_1_1_1,00.html
Bildquellen:
http://www.muenzauktion.info/auction/uploaded/8250455893108.jpg
http://astamuenster.files.wordpress.com/2009/11/stugebsoliparty.png?w=350&h=332
http://www.reisebuero-kuhlmann.de/studentenausweis/studentenausweis.jpg
Und natürlich schließt der Beitrag direkt an diesen an: Neue Studierendenproteste. Sonst ist wenig neu.
Mittwoch, 18. November 2009
Neue Studierendenproteste. Sonst ist wenig neu.
Diesmal ging es in Österreich los, nun sind auch unzählige deutsche Hörsäle besetzt, auch in Lüneburg, immerhin geschätzte 85 000 Studierende fanden neben Studium, Job und was-weiß-ich die Zeit, gestern auf die Straße zu gehen.
Und was fordern sie diesmal? Wahrscheinlich das gleiche wie immer, teilweise das gleiche wie wir damals schon:
-Abschaffung der Studiengebühren (ok. WIR waren gegen die Einführung...)
-mehr Geld für Bildung
-mehr Mitbestimmung
-weniger Verschulung/weniger Bachelor/Bachelor nicht als wichtigsten Abschluss
-Master für alle/Zulassung für alle
und natürlich diverse lokalspezifische Sachen, z. B. Abwahl der jeweiligen (ziemlich) demokratisch gewählten Hochschulleitung.
Was ist neu?
-Die Proteste stoßen auf eine breite Medienöffentlichkeit.
(Naja, das ist nicht wirklich neu und passierte bei allen Spaß-Aktionen der letzten Jahre. Ich bin mal gespannt, ob diesmal nachhaltige Aktionen entstehen, die konkrete, umsetzbare Ziele verfolgen, statt pseudo-linken Dutschke-Recycling-Phrasen. Das wäre schon den Studies zu wünschen, den wo das hinführen kann, können wir ab morgen im Kino bestaunen. Es ist ja erstaunlich, wie sich ein gewisser Habitus/Jargon über Studierendengenerationen vererbt! Wird wahrscheinlich während dieser Ersti-Wochenenden der Fachschaftsrätevollversammlung - der Name spricht Bände - eingeübt, aber da war ich nie mit...)
Das ist vielleicht wirklich neu: Dank Internet sind die Studierenden viel besser miteinander vernetzt. Und es scheint, als ob es den Wienern gelingt, die Informationen über die Aktionen, auch über die in Deutschland, gut zu bündeln. Man darf gespannt sein, was sie nun mit den Infos machen... Das Wiki vom Sommer ist jedenfalls eher erbärmlich.
-Die Protestierenden werden so umfassend und von allen beteiligten Akteuren aus Politik und Hochschulleitung/Professorenschaft unterstützt, dass man sich fragt, wie es so weit kommen konnte und warum nicht längst etwas getan wurde.
(Okay. Auch das ist nicht ganz neu: schon 1997 haben uns einige Profs die Transparente schier in die Hand gedrückt, während andere mit glühenden Wangen und verklärtem Blick von '68 schwärmten: "24h-Vorlesung? Spaßstreik! Wir haben damals wenigstens Steine geschmissen!" -- Ja, schon 1997 war es schwer, eine Generation zu schockieren, die sich über den nackigen Haschkonsum im Schlamm eines Rockfestivals definierte... Es half eigentlich nur "Spießigkeit": vernünftige Vorschläge. -- Und schon 1997 hieß es von allen Seiten: "Ihr habt ja Recht - aber es ist doch kein Geld da!" - "Ach so", dachten wir, und gingen wieder studieren. Wenn halt kein Geld da ist... )
Das ist vielleicht wirklich neu: nach den Rettungspaketen für Banken und Abwrackprämien für die Automobil-Industrie lässt sich diese Protestgeneration möglicherweise nicht mehr so leicht abspeisen. Wir werden es erleben! Und ich plane eine kleine Auseinandersetzung mit den alten und neuen Forderungen in diesem Blog. Bleiben Sie dran!
Links:
http://freiebildung.at/wordpress/
http://unsereuni.at/
http://www.unsereunis.de/
http://www.hoersaal1lg.tk/
http://www.google.de/search?client=opera&rls=de&q=studierendenproteste&sourceid=opera&ie=utf-8&oe=utf-8
http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Internationale_Vernezung_/_Europaweiter_Studierenden_Streik
Bildquellen:
http://tlsdp.com/bilder/streik/2.JPG
http://www.realfictionfilme.de/filme/die-anwaelte/assets/die-anwaelte_pressefoto_1_drei-anwaelte_press.jpg
Dieser Beitrag ist ein Update zu "Och nö." Studentenproteste. Mal wieder. Egal, was das Widget sagt.
Donnerstag, 10. September 2009
Informieren wir uns. Wahlplakate 2009.
1. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands
Offensichtlich wollen sie Hartz IV abschaffen. Merkwürdig. Ausgerechnet die Partei, die man auf der Seite der Schwächsten vermuten würde, möchte dem sozialen Prekariat die Lebensgrundlage entziehen. Aber wovon sollen wir denn leben, wenn wir plötzlich arbeitslos werden? Gleich unter die Brücke? Das kann ja auch nicht im Sinne des Sozialismus sein... Wahrscheinlich wollen Sie das ALG II gar nicht abschaffen, sondern bloß aufstocken. Oder Bürgergeld einführen, wer weiß. Vielleicht sollte man mal die genannte Hotmail anrufen und das klarstellen lassen?2. CDU
Hier erhalten wir einige Informationen. Keine davon wird meine Wahlentscheidung beeinflussen. Aber es ist trotzdem sehr angenehm zu wissen, dass eine Regierungspartei zu ein bißchen Humor und Selbstironie fähig ist.Dies hier hingegen - kein Wahlplakat. Zumindest nicht für Politik.

3. Die Linke
Die Linke hat ja tiefe historische Wurzeln und schließt deshalb - passend, in Zeiten der Krise - direkt an den wohl prominentesten Slogan der Wirtschaftswunderzeit an. Ok, Ludwig Erhard war bei der CDU, aber deshalb gibt man sich mit reinem Wohlstand auch nicht zufrieden: "Reichtum für alle" soll es sein!
So weit so überzeugend. Problem: Reichtum ist ja bekanntlich relativ, definiert sich als "Einkommen über 200 % des Durchschnitteinkommens (Nettoäquivalenzeinkommens) eines Landes". Während also ALLE am Wohlstand (Häuschen, Fernseher, Auto, Sommerurlaub in Itatlien etc) teilhaben können, kann nicht jeder reich sein.
Macht nix! Wenn erst alle reich sind, kann man sie richtig gut besteuern! Dann gleicht sich das wahrscheinlich wieder aus... und das ist dann tatsächlich gerecht. (Bisher finden wir dummes Wahlvolk Steuern ja hauptsächlich dann gerecht, wenn sie von den anderen gezahlt werden.) Nee, is schon klar, Herr Gysi!
4. Die Grünen
Hier finden wir tatsächlich eine Aussage, noch dazu eine doppelbödige. Zugleich gegen die Atomkraft sein und gegen eine Koalition der CDU-FDP, ohne dabei gleich die Beteiligung an der Regierungsbildung (gar unter Beteiligung beider) auszuschließen (von Jamaika ist ja nicht die Rede...) - Respekt! Und sein eigenes Plakat kaufen kann man auch.

5. SPD
Der Vizekanzler wirbt damit, ein Programm zu haben. Das allein ist irgendwie schon beeindruckend. Große Teile davon druckt er aufs Plakat. Nun braucht man nur noch eine rote Ampel und eine gute Brille - aber nein, Ihr habt ja recht: über mangelnde Information kann man sich hier wirklich nicht lustig machen. Nur über schlechte Grafik.
6. FDPAnders die FDP:
Die sagen zwar, sie könnten es besser, aber stimmt das auch? und was genau kann D. besser? und wie? Ein anderer Blogger hat schön formuliert, was ich gerne selbst gesagt hätte. Ich will es dem Leser nicht vorenthalten:Deutschland kann es besser, titelt das Plakat. Was ja schon eine bodenlose Frechheit der FDP ist, oder sehe ich das falsch?Danke, Teilzeitlügen!
Wenn Deutschland etwas besser kann, dann heißt das ja, dass es zur Zeit eher schlechter läuft.
Was kann Deutschland eigentlich besser? Wirtschaft? Arbeitslosenquote? Internetfreiheit? Oder doch nur Wahlplakate? Da hätte die FDP recht, bessere Wahlplakate kann Deutschland nämlich wirklich machen als so ein Rotz.
Und dass dieses ominöse "es" dann mithilfe der FDP besser laufen soll - tschuldigung, das kann selbst die titanic nicht besser erfinden. Der Slogan ist wohl ein Griff ins Klo.
Bleiben nur noch:
7. Die Piraten
Amen. Schöner hätte ich es nicht sagen können.Quellen:
http://www.bundestag.de/btg_wahl/index.html
http://www.mlpd.de/
http://www.mlpd.de/uber-uns/gestaltungsmittel/weg-mit-hartz-iv/image_preview
http://www.arbeitsagentur.de/Navigation/zentral/Buerger/Arbeitslos/Alg-II/Alg-II-Nav.html
http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgergeld
http://www.cdu.de/
http://www.rhetorik.ch/Aktuell/09/05_04/index.html
http://die-linke.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Erhard
http://de.wikipedia.org/wiki/Reichtum
http://www.gruene.de/
http://www.gruene.de/einzelansicht/artikel/unsere-wahlplakate.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Jamaika-Koalition
http://www.spd.de/start/portal/start.html?ref=http://www.google.de/search?q=spd&ie=utf-8&oe=utf-8&aq=t&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a#thema
http://www.fdp-bundespartei.de/fdp/
http://www.piratenpartei.de
http://wiki.piratenpartei.de/TH:AG_Wahlkampf/Material#Gro.C3.9Fplakate
Einige Kolleginnen und Kollegen, die Wahlplakate auch (nicht) mögen:
http://www.stern.de/wahl-2009/kandidaten/angela-merkel-im-wahlkampf-chefin-bei-den-c-feministinnen-1503711-photoshow.html
http://1234rockandroll.blogspot.com/2009_08_01_archive.html
http://www.sajonara.de/2009/09/03/wahlwerbung-fuer-frank-walter-steinmeier-einpacken-fuer-die-spd/
auch hier, vielleicht parteiisch:
http://waehltvera.wordpress.com/2009/09/08/frisch-vom-friedhof-der-weltgeschichte-strobeles-wimmelbild/
Dieser Beitrag ist ein Update zu Qual der Wahl. Wahl-o-mat.
Montag, 7. September 2009
Qual der Wahl. Wahl-o-mat.
Bei der letzten Bundestagswahl war ich tagsüber in Köpenick, erst im Museum, dann herrlich altmodisch Kaffee trinken - die Bedienung trug sogar Häubchen - und dann sind wir gemütlich mit dem Boot bis Treptow zurück "in die Stadt" gefahren. Als wir um sieben den Fernseher anmachten, ließ sich Herr Schröder ausgiebig bejubeln und befeiern, und für ein paar Minuten dachte ich, er sei wiedergewählt worden. Dann sah ich das unten durchlaufende Wahlergebnis und konnte die zwei Informationen nicht gut zusammenfügen. Spätestens in der Talkshow zwei Stunden später hatte Herr Schröder seinem Amt die letzte Würde genommen und sich als so schlechter Verlierer präsentiert, dass Angie eigentlich gar nichts mehr falsch machen konnte.Das ist offenbar vier Jahre her, denn am 27.09. wird schon wieder gewählt, und ich werde fremden Leuten beim Heiraten zusehen.
Ich weiss nicht warum, aber wenn ich mich so zurückerinnere habe ich, glaube ich, noch nie am Wahltag gewählt.
Bevor Mißverständnisse aufkommen: ich nehme mein Wahlrecht - für das andernorts Menschen sterben - sehr ernst. Ich bin bloß Sonntags wenn Wahl ist selten in der Nähe eines Wahllokals. Nun kann man ja problemlos eine Briefwahl beantragen, und wenn man dazu persönlich aufs Amt geht auch in der Regel gleich ausfüllen und dalassen. Ich wähle also oft schon zwei-drei Wochen früher, und so wird es auch dieses Jahr wieder sein.
Und auch dieses Jahr weiss ich wieder nicht, wen ich denn nun eigentlich wählen soll. Ich fühle mich zwar einigen Parteien näher verbunden als anderen, ich habe auch in einigen Gebieten ganz explizite politische Meinungen. Welche Partei aber nun gerade jetzt diese Meinungen auch vertritt, das weiss ich eigentlich nicht so richtig. Immerhin ist die CDU 2009 viel ökologischer als die GRÜNEN es 1979 je waren. Von Plakaten und Wahlwerbefilmen kann man keine Informationen erwarten. Man müsste also mal das Wahlprogramm lesen, und zwar von mehreren Parteien, und dann vergleichen, gewichten und bewerten. Dazu habe ich weder Zeit noch wirklich Lust. Zum Glück gibt es das Internet!
Unter www.wahl-o-mat.de stellt die Bundeszentrale für politische Bildung nun schon seit mehren Jahren einen praktischen und vertrauenswürdigen Entscheidungshelfer bereit, der die Wahlprogramme alle schon gelesen hat. Man muss nur den wichtigsten Thesen zustimmen oder sie ablehnen, und schon sagt einem die Maschine, welche Partei meine Meinung zu vertreten gedenkt. Und wenn man dann feststellt, dass das Ergebnis überraschend wenig mit dem laut Selbstbild erwarteten zusammenfällt, kann man auch noch einige der Themen als besonders wichtig doppelt werten lassen, und so das Ergebnis von "Die Linke" wieder mehr zur "CDU/CSU" hin verschieben. Vielleicht. Also nur mal so als Beispiel jetzt.
Jedenfalls kann ich das Ding nur empfehlen, denn bloß SPD zu wählen, weil Vater, Großvater und Urgroßvater das auch schon getan haben und einem nichts besseres einfällt - das kann ja auch keine Lösung sein.
In diesem Sinne: Ich geh hin. (Bloß früher halt).
Links:
http://www.waehle-schlaemmer.de
http://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2009/main_app.php
http://www10.bpb.de/methodik/XQJYR3,0,0,WahlOMat_Bundestagswahl.html
http://www.youtube.com/watch?v=KjIunxvD38k&feature=related
Montag, 6. Juli 2009
6. Juli - internationaler Tag des Kusses.
Wer legt sowas eigentlich fest?und was soll das bringen?
Wer sich liebt, küsst ohnehin.
Wer niemanden zum Küssen hat, möchte bestimmt nicht dran erinnert werden.
Und verkaufen -analog zu Blumen am Valentinstag- kann man damit eigentlich auch nichts.
Außer vielleicht Herpes-Pflaster...
Links
http://www.tagesschau.de/schlusslicht/kuessen100.html
http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Lippenherpes/
Bild:
Auguste Rodin: Der Kuss, 1886
Freitag, 5. Juni 2009
Obama in Kairo. Zu schön um wahr zu sein.
Man braucht es eigentlich nicht zu kommentieren. Was für eine Rede! Hoffentlich meint er es nicht nur so wie er es sagt sondern erhält auch die Möglichkeit, diese Politik durchzuziehen. Ich habe Angst um einen Mann, der so vernünftig spricht... es grenzt an Naivität, an einer Fehleinschätzung wie Politik funktioniert. Dann wieder: Vielleicht ist es genauso "einfach" - talk sense. Just do it.
Good luck, Mr. President!
Link:
http://www.youtube.com/watch?v=6BlqLwCKkeY
Transkript hier:
http://www.whitehouse.gov/blog/NewBeginning/
Dieser Beitrag setzt fort, was inBücher sind Lebensmittel. Der Graf, Herr Obama und ich. begonnen wurde
Sonntag, 17. Mai 2009
Sängerkrieg. Vorbei.
Warum ist mir nicht ganz klar, ich fand das Jüngelchen jetzt nicht soooo super, dass ich mit einem solchen Erdrutsch-Sieg gerechnet hätte.
Andererseits: vielleicht hat ja der Herr Gesangsminister mit dem Direktor Wackelohr...?!? Bestechung hat beim Grand Prix ja System:
"1996 wurde beschlossen, dass die vier Mitglieder, die den größten Anteil des EBU-Etats tragen, für die Teilnahme gesetzt sind. [...] Seither sind Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich sowie Spanien gesetzt."
So richtig fair klingt das nicht, auch wenn Deutschland dabei profitiert. Man könnte ja stattdessen auch einfach mal ein GUTES Lied an den Start schicken, statt sich auf eine Stripperin -Verzeihung: das heißt ja jetzt "Burlesque Dancer"... - zu verlassen - die sich dann nicht mal groß ausziehen darf, sondern nur ein bisschen lustlos mit einer Peitsche wedelt... was sollen denn die zuschauenden Kinder davon halten? Und warum sang ein Amerikaner für Deutschland? Und in diesen Hosen?!? Kein Wunder, dass Deutschland nur auf Platz 20 kam.
Links:
http://eurovision.ndr.de/
http://www.youtube.com/watch?v=kfOuulTyj4o&feature=related
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_S%C3%A4ngerkrieg_der_Heidehasen
http://de.wikipedia.org/wiki/Eurovision_Song_Contest
http://www.alexswingsoscarsings.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Dita_Von_Teese
http://de.wikipedia.org/wiki/New_Burlesque
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,625313,00.html
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-39915-5.html#backToArticle=625313
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,625326,00.html
Dienstag, 20. Januar 2009
Neuanfang. Barack Obama Antrittsrede.
Immerhin wurde soeben Barack Obama als 44. (und zugleich 1. schwarzer) Präsident der USA vereidigt. Dies ist das erste Mal, dass mich die Amtseinführung eines amerikanischen Präsidenten wirklich interessiert hat - jedenfalls hatte ich nie vorher das Gefühl, die Rede hören zu wollen... Da Obama für die Werte Change, Hope, und A New Beginning einsteht, fühle ich mich geradezu verpflichtet, der Amtseinführung zu folgen: immerhin beschreiben diese selben Begriffe auch meine Arbeitseinstellung für 2009...
Tickets hätte man wohl - wie das Bild oben zeigt - für nur wenige tausend Dollar noch bekommen können, aber wie bei allen öffentlichen Veranstaltungen gilt ja, dass man im Fernsehen alles viel besser sehen kann.
Nun habe ich ja leider kein Fernsehen.
Und im Radio sabbelt immer einer dazwischen.
Also Internet: CNN ist völlig überlastet zusammengebrochen, auch NTV ist abgestürzt - langsam macht sich Panik breit. Erst nach dem Amtseid (15 Sekunden) gelingt der Aufbau eines stark durchgerüttelten Livestreams.
Mein erster Eindruck: Ernst. Wendet sich wirklich an das Volk. Bezeichnet global anerkannte Werte ("hard work and honesty, courage and fair play, tolerance and curiosity, loyalty and patriotism") als ur-amerikanisch und behauptet, die großen Ideale der Unabhängigkeitserklärung seien von Gott gegeben ("the God-given promise that all are equal, all are free, and all deserve a chance to pursue their full measure of happiness"). Die Bibelstelle, an der das steht (Buch Hiob?) liefert er leider ebenso wenig mit wie es die von Gott eingesetzten Monarchen vergangener europäischer Monarchien getan haben, aber nun ja.
Es ist trotzdem eine beeindruckende Rede, die den Ernst der Lage benennt und Rettung verspricht, aber keine Wunder. Vielmehr werden das Volk ("Starting today, we must pick ourselves up, dust ourselves off, and begin again the work of remaking America"), und ja, auch die anderen Industrienationen in die Pflicht genommen ("And to those nations like ours that enjoy relative plenty, we say we can no longer afford indifference to suffering outside our borders; nor can we consume the world’s resources without regard to effect. For the world has changed, and we must change with it.")
Als kleiner Bonus gibt es eine zutiefst befriedigende und gar nicht mal so unterschwellige Kritik an Bush und seinen politischen Prinzipien, die den obligatorischen Dank an den Vorgänger als höfliche Floskel entlarvt. ("On this day, we come to proclaim an end to the petty grievances and false promises, the recriminations and worn out dogmas, that for far too long have strangled our politics [...] But our time of standing pat, of protecting narrow interests and putting off unpleasant decisions - that time has surely passed. [...] We will restore science to its rightful place, and wield technology’s wonders to raise health care’s quality and lower its cost. [...] we reject as false the choice between our safety and our ideals. [...] Recall that earlier generations faced down fascism and communism not just with missiles and tanks, but with sturdy alliances and enduring convictions. They understood that our power alone cannot protect us, nor does it entitle us to do as we please. Instead, they knew that our power grows through its prudent use; our security emanates from the justness of our cause, the force of our example, the tempering qualities of humility and restraint.")
Das macht in der Tat Hoffnung.
Viel Erfolg!
Die komplette Rede hier:
http://www.pic2009.org/blog/entry/president_obamas_inaugural_address/
Mehr Obama-gelenkte Selbst-Propaganda (Internet-Kampagne) hier:
http://www.pic2009.org/content/home/
Fotoquelle: http://www.newsday.com/media/photo/2008-04/37403297.jpg
http://edition.cnn.com/
http://www.n-tv.de/
Dieser Beitrag ist nur sehr entfernt im weitesten Sinne verwandt mit dem Eintrag: Kaum hatte ich mir auch nur einen Kaffee gekocht...
Freitag, 5. Oktober 2007
University of Berkeley by Youtube.
Spiegel online berichtet heute, die University of Berkeley habe seit letzten Mittwoch fast 300 mitgefilmte Stunden Vorlesung by youtube ins Netz gestellt, und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die meisten davon scheinen aus dem Bereich Naturwissenschaften zu sein, wobei mir besonders die Kursnamen gefallen. "Physics for Future Presidents" von Professor Richard A. Muller beispielsweise konzentriert sich auf"most interesting and important topics in physics, stressing conceptual understanding rather than math, with applications to current events. Topics covered may vary and may include energy and conservation, radioactivity, nuclear physics, the Theory of Relativity, lasers, explosions, earthquakes, superconductors, and quantum physics." Cool. Und so anwendungsorientiert. Offenbar wird hier nicht erwartet, dass man nachher selber eine Atombombe bauen kann, sondern nur, dass man versteht, was passiert, wenn man den roten Knopf drückt...
Das ganze geht natürlich nur, weil Berkeley auf youtube ein eigenes Portal hat, auf dem sie die sonst übliche Sperre von 100 MB oder 10 Minuten umgehen können, um 40-50 minütige Vorlesungen hochzuladen.
Fragt sich nur, wie sich das mit den hohen Studiengebühren in Einklang bringen lässt - die liegen im Moment für Undergrads bei $19,620 (ohne Lebenshaltungskosten wohlgemerkt), in der Grad-school zwischen $ 30.000 (für Einwohner Kaliforniens) bis $ 45.000 (für internationale Doktoranden) pro akademisches Jahr. Kostenloses Gasthören, wie in Deutschland (wo das zwar auch ein paar Euro kostet, aber nie kontrolliert wird) ist ja eigentlich weder üblich noch möglich. Naja, ich nehme an, wenn ich einen offiziellen Degree will, und/oder Zugang zu den Büchern der Bibliotheken, dann muss ich mich wohl immer noch für teures Geld registrieren. Ansonsten aber ist das doch ein großer Schritt Richtung International Scientific Community! Schade nur, dass Kommentare (vor allem auf den wissenschaftlichen Inhalt bezogen) offenbar noch nicht an der Tagesordnung sind...
Aber natürlich ist es vor allem ein famoser Marketing-Trick. In ihrer eigenen Presse-Mitteilung schreibt UC Berkeley: "UC Berkeley on YouTube will provide a public window into university life - academics, events and athletics - which will build on our rich tradition of open educational content for the larger community," said Christina Maslach, UC Berkeley's vice provost for undergraduate education. Mit dem Ergebnis, dass die Uni möglicherweise noch berühmter wird als sie schon ist, und ihre Professoren noch mehr als Autorität gelten. In diesem Sinne: Let there be light!
(Videostreaming, podcasts und ähnliches gibt es natürlich schon seit einigen Jahren auch an anderen (amerikanischen) Universitäten... am MIT zum Beispiel...)
http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,509453,00.html
http://www.berkeley.edu/news/media/releases/2007/10/03_YouTube.shtml
http://www.youtube.com/ucberkeley
http://www.youtube.com/view_play_list?p=095393D5B42B2266
Dieser Artikel ist ein Update zu Globale Wissenschaft. Englisch ist das Neue Latein.
Dienstag, 11. September 2007
Sechs Jahre später. Irak und 9/11
Ich zitiere:
"To this day, millions of Americans believe we invaded Iraq because of 9/11. Thirty-three percent still believe there was some interconnection between Saddam Hussein and the nightmares here and in Washington and in Pennsylvania. Iraq, of course, had nothing to do with 9/11. Six years later, that has changed. Iraq has distracted us from punishing those responsible for 9/11. If another 9/11 comes, our focus on Iraq will surely have been central to that nightmare. How did we get here? What consequences have been paid by those who brought us here? No one person is to blame. And only some of those who are recognize it."
Und dann geht's los: Da ein gepflegtes Beschimpfem der eigentlichen Schuldigen an den Attentaten vom 11. September (Al Kaida etc) weder neu noch kontrovers ist, konzentriert sich Olbermann auf den Wahlkampf, und damit auf die Schuldigen am Irak-Krieg. Von Colin Powell und Donald Rumsfeld über Condoleeza Rice werden die Vergehen der Kriegstreiber und Kriegsgewinnler durchexerziert. Der größte Nutznießer war natürlich der Erzfeind selbst - Osama Bin Laden:
"Osama bin Laden, the mastermind of 9/11 -- his reach, and recruiting are all benefiting from Bush's war and his group's strength today at a six-year high. His Afghan allies the Taliban and as NBC reported tonight are also resurgent, planning the death of Americans, just 25 miles from Kabul. All while bin Laden himself operates freely, unmolested, with his own media operation... thanks to a regional Pakistani truce endorsed by Bush in a region where Bush will not go, can not go even if he chose to.Because he has spent so much American blood and treasure, in the desert of a nation that had neither means nor motive to threaten us but that tempted Bush and those around him who wished to transform the Middle East so much so that he forswore the vow he made, standing on New York's dead that their killers would hear us soon. Six years later, we still hear them, because now, finally, Iraq and 9/11 really are connected by him. And we suffer the consequences."
Olbi, das hast du schon besser gemacht. Und Bush kann sowieso nicht wiedergewählt werden, also rechnet man eben mit allen seinen Anhängern ab - bis ins vierte und fünfte Glied. Ach ja! Unabhängige Medienberichterstattung - der Schlüssel einer funktionierenden Demokratie!
http://www.jibjab.com/originals/what_we_call_the_news
http://www.youtube.com/watch?v=GbXBQouIfk0
http://www.msnbc.msn.com/id/20730121/?pg=5#SEPT11_Bushfolks_070911
Dieser Artikel ist ein Update zu: Olberman strikes again!
Mittwoch, 22. August 2007
German Brain Drain. Gaehtgens am Getty - ein Vorbild?
Foto von hier: http://www.bridgeandtunnelclub.com/bigmap/outoftown/california/losangeles/gettycenter/index.htmKann man sich das nun zum Vorbild nehmen? Wie sieht denn so eine beispielhafte Wissenschaftlerkarriere aus?
Promotion 1966, mit 26 Jahren. Das war damals der erstmögliche Abschluss, und ist daher vielleicht gar nicht so erstaunlich jung, wie es heute aussieht. Unsereins muss sich aber natürlich erst durch Bachelor, Master, oder auch Magisterstudium quälen, bis wir eine Dissertation schreiben dürfen. Jede Prüfung (und vor allem die geforderten schriftlichen Arbeiten) verzögert das Studium um etwa ein Jahr... Eine durchschnittliche Dissertation dauert drei bis fünf Jahre, je nach Fragestellung und finanzieller Situation.
Fazit: Das läßt sich kaum aufholen. Otto-und-Anna-Durchschnittskunsthysteriker sind heute wahrscheinlich 30-32 bei Abschluss der Diss.
Assistentenstellen. Habilitation 1972, mit 32 Jahren. Professur in Göttingen. Wow. Da haben wir gerade erst die Diss abgeschlossen. Assistentenstellen sind so rar wie, wie, wie irgendwas sehr seltenes, von dem man aber schon gehört hat. Aber einmal angenommen wir starten übergangslos in die Habil, ohne zeitverzögernde Familiengründungsauszeiten oder Brot-und-Butter-Berufe, dann brauchen wir im Schnitt ca. 6 Jahre und sind dann 36 oder 38 Jahre alt. Leider bekommen wir dann noch keinen Ruf, weil erstens die Stellen gerade gestrichen wurden, zweitens, eine Neuberufung drei Jahre dauert, und drittens, man ja noch kaum Lehrerfahrung hat, das junge Fohlen also noch ein paar Jahre auf die Weide geschickt werden muss. Zwei bis vier Jahre Semestervertretungen als Privatdozent sind nicht ungewöhnlich.
Fazit: Jetzt hängen wir schon fast zehn Jahre hinterher...
1979 Forschungsjahr in Princeton. 1985 Forschungsjahr am Getty Research Center. Hier steigen wir wieder ein: Auslandsstipendien, Fellowships, Lehraufträge in den USA sind dank elaborierter Stipendiensysteme des In-und Auslandes (DAAD, DFG, Fulbright etc) auch für uns schon vor dem Erhalt eines eigenen Lehrstuhls erhältlich. Zum Glück: für viele von uns ist das mangels (Assistenten-)Stellen an der Uni die einzige Möglichkeit, weiter wissenschaftlich zu arbeiten. Und glücklicherweise sind gerade die Unis in den USA der Meinung, dass Nachwuchswissenschaftler neue Ideen mitbringen und gefördert werden müssen. Mit dem zunehmenden Druck der Internationalisierung und Globalisierung auch in den Wissenschaften haben die meisten von uns wahrscheinlich schon während des Studiums ein Erasmus-Jahr abgelegt.
Fazit: Im Ausland forschen können wir alle, und tun's auch. Princeton und Getty ist natürlich sehr renommiert, aber theoretisch möglich. Englisch ist das neue Latein. Natürlich kriegt man wahrscheinlich Vorwürfe, den Brain-Drain zu verkörpern, aber dagegen können wir dann auch nichts tun.
1980 bis 2006 Professor an der FU Berlin. Seit 1997 Gründer und Direktor des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris. Tja. Seit 1980, ach was red ich, seit 1995 sind 12% der Stellen in den Geisteswissenschaften abgewickelt worden. Bei steigenden Studierendenzahlen. Die Wahrscheinlichkeit, sechsundzwanzig Jahre lang einen Lehrstuhl innezuhaben, ist also deutlich geringer als Herr Gaehtgens sie hatte. Aber möglich. Die Gründung des Deutschen Forums hingegen können wir ihm nicht mehr nachmachen. Zumindest nicht in Paris. Und in Italien gibt's schon die Bibliotheca Hertziana (Rom) und das KHI in Florenz. Dort können wir uns natürlich überall bewerben. Für Neugründungen müssen wir uns aber ein anderes Land suchen. Aber hey, was soll's: der Osten ruft - wozu gibt's denn eine EU-Osterweiterung?
Fazit: Wenn wir erst die Drittmittel haben, steht uns Polen offen!
1999 das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 2004 die Ehrendoktorwürde des renommierten Courtauld Institute of Art der University of London, Chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres, Ritter der französischen Ehrenlegion.
Qualität zahlt sich offenbar aus. Hier kann man nur hoffen, streben und fleissig sein. Fazit: das ist schon eine ganz schön schwer aufzuholende Vorlage.
Und jetzt das: mit 67 ein ganz neuer Start in Kalifornien, fernab von Frankreich, und erst recht der verkrusteten deutschen Forschungslandschaft. Wenn wir unsere besten Leute in Rente schicken, schlägt das weltweit größte und reichste Forschungsinstitut zu. Ein Brain-Drainer par excellence!
Fazit: Ha! Nach der Rente kann noch alles kommen? Tröstliche Aussichten! Aber vielleicht sollten wir uns die Umwege sparen und jetzt schon auswandern?
http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E7E297719A7DA410183B92C8AF1175964~ATpl~Ecommon~Scontent.html http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~EE49D0760C28141B088179557D46713AC~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.fu-berlin.de/presse/fup/2006/fup_06_148.html
Dienstag, 21. August 2007
Freiheit der Forschung - Fortsetzung: A German Guantanamó?
Manchmal brauchen die Buschtrommeln etwas, aber wenn Akademiker protestieren, dann weltweit und auf hohem argumentativen Niveau. Mal sehen, wie lange die Staatsanwaltschaft den Berliner Stadtsoziologen Andrej Holm noch in U-Haft halten kann - bzw. wann die absurden Anschuldigungen durch reale Anklagepunkte ersetzt werden... Bisher bestehen die Vorwürfe bestenfalls in "thought crimes", eine Farce nennen das die Soziologen Richard Sennet (London School of Economics) und Saskia Sassen (Columbia University) heute im englischen Guardian.
Ich zitiere:
"The German federal police [...] raided the flats and workplaces of Dr Andrej Holm and Dr Matthias B, as well as of two other people, all of them engaged in that most suspicious pursuit - committing sociology. [...] Of course the police may have solid, rational knowledge they are withholding, but their public statements belong to the realm of farce.
Dr B is alleged to have used, in his academic publications, "phrases and key words" also used by a militant group, among them "inequality" and "gentrification". The police found it suspicious that meetings occurred with German activists in which the sociologists did not bring their mobile phones; the police deemed this a sign of "conspiratorial behaviour".
Die Autoren erinnern an die Terror-Angst im Deutschen Herbst, als die RAF Deutschland mit Anschlägen überzog, aber warnen zugleich zu recht, dass
"this police action in a liberal democracy seems to fall more into Guantánamo mode than genuine counter-espionage.
Consider the hapless Dr B a little further. He's not actually accused of writing anything inflammatory, but seen rather to be intellectually capable of "authoring the sophisticated texts" a militant group might require; further, our scholar, "as employee in a research institute has access to libraries which he can use inconspicuously in order to do the research necessary to the drafting of texts" of militant groups, though he hasn't writtten any. [...]"
Das Zugeständnis, dass die Briten im Angesicht der IRA, und in letzter Zeit die Amerikaner in Guantanamò, die Regeln des Rechtsstaates, sagen wir einmal, überdehnt haben - wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein - ist für Sennet und Sassen nur ein weiterer Grund, vor dem schleichenden Abbau von Menschenrechten im Namen der Terrorbekämpfung zu warnen:
"In the 60s, Germany had the most enlightened rules for refugees and asylum seekers in Europe; the US passed the most sensible laws on immigration in its history; France granted automatic citizenship to all those born on its territory, including all Muslims. Today all these countries have, in the name of the war on terror, revised their rules - the state of emergency prevails. The laws meant for real threats are invoked to counter shapeless fear; in place of real police work, the authorities want to put a name - any name - to what they should dread. States of emergency are dangerous to the legitimacy of states. In cases conducted like this one, a government stands to lose its authority and so its ability to root out actual terrorists.
If our colleagues are indeed dangerous sociologists, they should be prosecuted rationally. But, as in Guantánamo, persecution seems to have taken the place of prosecution."
Inzwischen setzt sich die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft immer lauter für Andrej Holm ein - hunderte unterschrieben die Protestschreiben. Darin liegt natürlich auch ein Eigeninteresse: So schrieb Uwe Rada am 15. August in der taz:
"Namentlich der Vorwurf einer intellektuellen Urheberschaft ist es, der in der Wissenschaftsszene für Unruhe sorgt. In einer Erklärung von Teilnehmern der Jahrestagung der American Sociology Association in New York heißt es: "Wir verwahren uns aufs Schärfste gegen den unglaublichen Vorwurf, die wissenschaftliche Tätigkeit und das politische Engagement sei als intellektuelle Mittäterschaft in einer angeblichen terroristischen Vereinigung zu bewerten."
Trotzdem: die Stimmen der internationalen wissenschaftlichen Elite könnten immerhin in den Augen der Staatsanwaltschaft mehr Gewicht haben als die Proteste potentiell verdächtiger, weil politisch links engagierter (regionaler) Unterstützer. Hoffentlich...
Der ganze Artikel hier:
http://education.guardian.co.uk/higher/worldwide/story/0,,2153121,00.html
und hier:
http://education.guardian.co.uk/higher/news/story/0,,2152985,00.html
und schon vor einer Woche hier:
http://www.taz.de/index.php?id=digitaz-artikel&ressort=ku&art=3202&no_cache=1
Dieser Artikel ist ein Update zu: Freiheit der Forschung
Donnerstag, 31. Mai 2007
Dinosaurier auf der Arche Noah
Und dann die Dinosaurier. Jederman weiß doch, wie wichtig Dinosaurier sind. Nicht nur ist es sehr schwierig, ihre Skelette allesamt als Fälschung auszugeben. Jedes erfolgreiche Naturkundemuseum (oder Variation davon) braucht ein paar naturgetreue Nachbauten. Denn Kinder lieben Dinosaurier! Zum Glück haben die Creationisten eine Lösung: die Sintflut wars! Die armen Dinos haben eben einfach nicht auf die Arche gepasst...
http://www.creationmuseum.org/
Mehr zum Thema hier: http://www.cuzproduces.com/index.php/2007/05/31/289/
http://derstandard.at/?url=/?id=2895644
http://youtube.com/watch?v=Wzjjxi7f0Oc
Dienstag, 27. März 2007
Olberman strikes again!
For those of you who have not heard - K.O. is probably the most articulate Bush-basher on US national TV. But this time it's not Bush he attacks.
This time it's republican Tom DeLay who was forced to resign from his post as House majority leader in 2006. In his new book, “No Retreat, No Surrender: One American’s Fight”, DeLay compares his political enenmies to Hitler.
Olberman justly although indirectly accuses DeLay for using Godwin's Law and does the appropriate thing with his usual condescension... a treat. Thanks!
Read and/or watch the entire comment here.
http://www.msnbc.msn.com/id/17804328/
Montag, 5. März 2007
Schwule Katholiken
Demnach hat sich folgendes zugetragen:
"A humorous video of what are said to be young Dominican monks in Krakow
performing a routine of the iconic “gay anthem” originated by The Village
People, “YMCA” has outraged monastery officials.
The video, posted on YouTube, was filmed in a Krakow Church. [...] Starting with Gregorian chant, the video explodes into “YMCA” as the monks discard their traditional brown hooded cloaks.
“I know who did this clip,” the ‘Przeor’ of the Dominican monastery in Krakow Adam Sulikowski told the daily newspaper, Gazeta Wyborcza. “It was very wrong.”However, many Polish people are reported to have thought the video to be very funny. "
Oiweh! Das muss man wohl selbst gesehen haben. Bitte sehr!
O tempora, o mores. Was soll ich sagen. Ich fand's auch ein bisschen lustig. Skandalös finde ich höchstens, dass solch ein harmloser Spass für solches Aufsehen sorgt. Ich meine, wenn es um Strip-Dance geht, haben wir doch wohl alle schon Aufregenderes gesehen. (Zum Beispiel hier. Aus Gründen des Jugendschutzes nicht eingebettet). Unter "discarding their robes" hatte ich mir jedenfalls etwas Aufregenderes vorgestellt...
Aber wenn die Kirche mit Homosexualität konfrontiert wird, dann muss sie wohl hart und unnachgiebig bleiben. Zum Glück bemühen sich einige Geistliche redlich um die Rettung der verirrten Schäfchen. So wie zum Beispiel Pastor Quinn:
Also Freunde, wie ist das bei Euch? Are you "eating very very chocolately stuff all the time as a part of a homosexual lifestyle or as a dessert after a meal with the fellowship of Christian friends?"
Gibt es wirklich nur diese zwei Alternativen? Das bringt mich auf etwas. Hoffentlich hat die Tanke noch auf. Ich will Edelbitter mit ganzen Haselnüssen! Sofort!





