Mittwoch, 29. Oktober 2008
Karl der Große - Verschwunden.
Der Bahnhof von Metz. Hauptattraktion (für mich): ein Glasfenster mit einer Darstellung von Karl dem Großen. Morgens um sieben saß ich demnach im Zug von Stuttgart nach Straßburg (Zwischenstop, die Fresken dort sind längst zerstört, wen wundert's, zeigten Sie doch das Deutsche Kaiserreich in all seiner Pracht). Von Straßburg aus weiter nach Metz, und alles nur, um Charlemagne zu sehen.
Allerdings war er nicht da. Natürlich kam ich - anders als der Flickr-User, dessen Bild ich mir ausgeliehen habe (s.o.) - nicht einmal in den Kaisersaal, wo er seit 100 Jahren standesgemäß untergebracht ist. Oder besser, war, denn von außen zeigt sich: der hohe Herr ist ausgeflogen.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Kaum hatte ich mir auch nur einen Kaffee gekocht...
... war der Tag irgendwie schon vorbei. Vielleicht klappt ja heute abend noch was. Schließlich gibt es ja elektrisches Licht, damit man auch NACH Sonnenuntergang noch am Rechner sitzen kann.
Dieser Artikel ist ein Update zu Bücher sind Lebensmittel. Pro Prokrastination. Schon wieder. Kein gutes Zeichen.
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nie mehr Langeweile dank Internet,
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Sonntag, 19. Oktober 2008
So soll es sein. So soll es bleiben.
Herrlich gammeliger Sonntag.
Dienstag, 14. Oktober 2008
Bücher sind Lebensmittel. Pro Prokrastination.
Letzten Montag ist ja bekanntermaßen das langersehnte und hier schon öfter angekündigte Buch erschienen. Kathrin Passig und Sascha Lobo: "Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin".Da ich gerade drei bis sieben schwere Bücher, teils in französischer Sprache, allesamt langersehnte Fernleihbestellungen mit einem Gesamtwert von zehn Euro fünfzig aus der Unibibliothek abgeholt hatte, Rückgabe spätestens 30.10., lag es nahe, "Dinge geregelt kriegen..." sofort zu kaufen und zuerst zu lesen.
Gesagt, getan. Obwohl ich ja das Lesen von Sachbüchern eigentlich ablehne und es vorziehe, in meiner Freizeit möglichst effiziente Realitätsflucht zu betreiben, habe ich das Buch ohne Abzusetzen durchgelesen. Einiges Vorwissen hat sich bestätigt, einiges habe ich neu dazugelernt. Beides lässt sich auf wenige Punkte zusammenfassen:
1.) S. 8-287
Passig und Lobo schreiben sehr unterhaltsam, ohne einem das Gefühl zu geben, unfundiert zu sein. Sie haben bloß die Fußnoten ausgegliedert und im Begleit-Blog publiziert. Das macht das Lesen erstmal angenehmer.
(bekanntes Vorwissen, da ich a) das Blog zum Buch b) andere Blogs der beiden schon länger lese)
2.) Teil III: Alltag, S. 133-192; bes. der Forderungskatalog auf S. 186-189, bes. Forderungen 5 und 18
Ich mag einiges Aufschieben in meinem Leben, zum Beispiel und vor allem die Kündigung einer unsäglich nutzlosen Domain bei 1&1, aber offenbar gibt es Abgründe der Prokrastination, dessen dunkelste Tiefen ich nur ahnen kann. Holla die Waldfee, nee: ich kriege eigentlich eine ganze Menge geregelt... Obwohl 1&1 es m. E. in bösartiger Absicht extra schwer bis unmöglich (nicht nur für LOBOs) macht, eine Kündigung durchzukriegen. Mehrere Anläufe sind bisher jeweils nach ungefähr 2/3 des Prozesses gescheitert, ein Prozess, der verlangt, Hotlines anzurufen, zugeschickte Links anzuklicken, Formulare auszufüllen, zu unterschreiben und an eine Faxnummer zu senden, die nicht funktioniert...
(irgendwie ein bisschen bekanntes Vorwissen in beruhigenderweise bestätigt)
3.) Teil IV - Abhilfe. Bes. der Abschnitt "Jetzt helfe ich mir nicht mehr selbst: Outsourcing", S.212-225
Ich werde meinen Freund bitten, sich den gehörnten, dreischwänzigen, schwefelriechenden o. g. Internet-Anbieter vorzuknöpfen. Dafür kündige ich seinen Telefonanschluss (ja, das will er schon länger tun).
(neu gelernt, auch wenn es wie fast alle einfachen Lösungen irgendwie total banal ist.)
4. ) Teil II - Arbeit. Besonders der Abschnitt "Der innere Zwingli: vom Arbeitsethos", S. 57-64
Am schlimmsten ist tatsächlich das schlechte Gewissen und der innere Leistungsdruck. Zwar habe ich nichts übrig für eine Angestellten-Mentalität, bei der man nur Dienst nach Vorschrift macht, und um fünf vor vier den frisch gespitzten Bleistift fallen lässt, aber gut ein Drittel meines Stresses ist in der Tat selbstgemacht. Mein nominell-direkter Chef zumindest macht mir keinen Druck (eher umgekehrt). Mag ein Berufsanfänger-Fehler sein - vielleicht kann man ja da zukünftig etwas gegenbalancieren. Wenn es zum Burn-Out kommen sollte, will ich ihn zumindest nicht selbstverschuldet haben. Sich selber (und die eigene Arbeit) weniger wichtig nehmen - ein Akt von Demut und Bescheidenheit. Hart zu erlernen, auf Dauer sicherlich gesünder für alle.
(leider immer wieder neu, jedesmal, wenn es mir gesagt wird. Hier zumindest amüsant formuliert und ohne Vorwurf, da die Autoren offenbar selbst betroffen sind.)
5. ) Teil IV - Abhilfe. Besonders "Wir müssen nur wollen: Motivation diesseits des Lustprinzips", S. 193-199, und "Aufschubumkehr: Die belebende Kraft der Deadline", S. 236-247
Zwischendeadlines sind gut. Sind für die Diss auch schon eingeführt. Gleichzeitig bricht mir bei Nicht-Einhaltung der aktuellen Deadline (Dezember 08 bzw März 09) auch kein Zacken aus der Krone, die Welt geht nicht unter, und vor allem, bedingt durch den grundsätzlichen Fleiss, mit dem ich eigentlich ganz kontinuierlich an der Arbeit schreibe: es wird nicht besser, wenn ich es übers Knie breche. Der innere Zwang (Zwingli?) nimmt mir den Spaß am Schreiben, den ich eigentlich habe, und verwandelt alles in eine unerträgliche Pflichtübung, eine Fußfessel. Werde also mal versehen, ob ich ohne die selbstangelegte Fessel nicht sogar schneller vorankommen. Möglich wäre es ja. Es spricht einiges dafür.
(fast neu gelernt - die Zwischendeadlines hatte ich mir beispielsweise schon selbst erbeten. Aber die Studien zur geänderten Produktivität in Abhängigkeit von der geforderten Einstellung waren neu, und irgendwie tröstlich.)
http://prokrastination.com/
http://www.amazon.de/gp/product/3871346195?ie=UTF8&tag=riesenmaschin-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3871346195
Dieser Beitrag ist ganz klar ein Update zu: Fortschritte
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Bücher: Non-Fiction,
Konsum macht Freude
Samstag, 11. Oktober 2008
Bildung für Studienanfänger. Glanz und Elend einer Idee.
Den Auftakt der Ringvorlesung im interdisziplinären Modul "Wissenschaft macht Geschichte", Pflichtveranstaltung für alle Erstsemester im Leuphana Semester, machte gestern Prof. Jörn Rüsen (Witten-Herdecke; KWI). Er sprach über "Humanismus als Bildungskonzept-Glanz und Elend einer Idee" und setzte damit den inhaltlichen Tenor für das gesamte Semester.Die Überlegung war ja gewesen, für welches historische Thema sich wohl alle Studienanfänger - vom zukünftigen Wasserbauingenieur bis zum Lehramtskandidaten, interessieren würden. Da sich die Uni in einer einzigartigen, und durchaus auch umstrittenen Umbruchsphase befindet, kam die Idee auf, diesen Umbruch - also die Neuausrichtung auf das Konzept des Leuphana Bachelor mit seinen humanistischen Bildungsidealen - wissenschaftlich zu begleiten und dabei kritisch zu hinterfragen. Die Vermutung lag nahe, dass die 1300 Erstsemesterstudierenden, die sich ja aktiv für diesen Studiengang an dieser Universität entschieden hatten, tatsächlich ein Interesse an Bildung haben könnten. Vor allem natürlich ihrer eigenen. Bei der Entscheidung FÜR das Leuphana Konzept hatten sie sich schließlich auch GEGEN andere Konzepte entschieden: den 08/15 Bachelor anderer Universitäten, eine FH-Ausbildung, ein Auslandstudium, eine Banklehre... Dieses Bild des typischen "Leuphanten" ist wahrscheinlich ziemlich idealisiert. Aber als jemand, an dem/der eine Universitätsreform ausprobiert wird, könnte man sich ja auch mal mit den historischen und geistesgeschichtlichen Hintergründen dieser Reform befassen.
Prof. Rüsen hielt also seinen Vortrag. Er hielt ihn nach einem stichworthaften Konzept, und er hielt ihn frei. Der Hörsaal 2 war gut gefüllt, fast 750 Studierende waren anwesend, die Vorlesung gilt als Pflichtveranstaltung, auch wenn die Anwesenheit natürlich nicht kontrolliert wird - Studierende sind erwachsenen Menschen - und das vermittelte Wissen nicht in einer Klausur abgefragt wird. Es soll später nur ein Essay geschrieben werden zur Frage "Was ist der Bildungsauftrag der Universität?", eine unbenotete Studienleistung, immerhin erforderlich um die 5 Credit Points zu erhalten.
Prof. Rüsen sprach frei, aber mit einer klaren Gliederung, ohne Medienunterstützung aber nachvollziehbar, teils geradezu mitreißend über ein komplexes geistesgeschichtliches Thema, das er wohlformuliert und routiniert in eine allgemeinverständliche Form brachte. Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schleiermacher, Schiller und immer wieder Kant wurden als Gewährsleute eingebracht. Ein wohlfundierter Überblick und solider Einstieg ins Semesterthema, immer wieder in Bezug gebracht zur heutigen Situation der Studierenden. 1808 wie 2008 wurde statt Bildung (auch der Persönlichkeit) die Vermittlung von "Kompetenzen" (neudeutsch: Employability) gefordert. Damals reagierte Humboldt mit der Gründung der Berliner Universität. Heute reagieren die meisten deutschen Hochschulen mit der Abwendung von deren Prinzipien. Nicht selten unter dem fadenscheinigen Vorwand, sich amerikanische Elite-Universitäten zum Vorbild zu nehmen - Harvard, Yale, Stanford würden das nicht gerne hören, ja von sich weisen, setzen sie doch das Humboldtsche Bildungsideal als bald letzte ihrer Art in der Praxis um.
Kurzum, ein hochinteressanter Vortrag, fand ich. Die Erstsemester fanden das wohl nicht. Vielleicht sind sie nur an der Leuphana, weil sie aus dem Großraum Lüneburg stammen und keine Lust auf ein Leben in der Fremde verspüren. Jedenfalls war der Geräuschpegel kontinuierlich hoch. Kurz nachdem die ersten Zu-Spät-Kommer sich endlich gesetzt hatten, fingen die ersten an, wieder zu gehen. Es wurde gekichert und geratscht, zum Teil zu dritt und über mehrere Reihen hinweg. Es war wahnsinnig schwierig sich zu konzentrieren - sowohl für die interessierten Zuhörer als auch für den Redner.
Vor allem aber war es unaussprechlich unhöflich und zeugte von mangelndem Respekt vor dem Sprecher. Unwichtig, dass er einer der renommiertesten deutschen Historiker ist: wenn einer vorne spricht, dann hören die anderen zu. Und zwar leise. Auch wenn es langweilig ist, dann bleibt man leise - es gibt unzählige Möglichkeiten sich ohne Getuschel zu beschäftigen: Zettel schreiben zum Beispiel. Oder Käsekästchen spielen. Ich kenne einen sehr renommierten Wissenschaftler von der Columbia University, der auf Konferenzen einen konzentriert-interessierten Eindruck hinterlässt, indem er Sudoku spielt. Aber verdammt noch mal: in jedem Fall hält man die Klappe und versucht zu schlafen, ohne zu schnarchen.
Okay, sagt man. Das sind alles Erstsemester. Die müssen bestimmte Kompetenzen, die im "Studierfähigkeitstest" nicht abgefragt werden, noch lernen: z. B. wie man 90 Minuten still sitzt, seine Blase und den Trieb nach Kaffee kontrolliert und zuhört, auch wenn keine bunten Bilder an die Wand projiziert werden. Oder wie man die wichtigsten Gedanken mitschreibt, statt sie von einer später ins Netz gestellten PowerPointFolie abzuschreiben - wenn überhaupt.
Andererseits: die sind alle über 18 - haben die wirklich nie gelernt, wie unhöflich ihr Verhalten ist? Liegt es daran, dass ihre Eltern die anti-autoritär erzogenen Kinder der 68er Generation sind? (sind sie das überhaupt?)
Und vor allem, bin ich wirklich schon so alt und spießig, dass ich über die mangelnden Manieren "der Jugend von heute" stöhne, wohlwissend, dass über meine Jugendgeneration genauso gestöhnt wurde?
Ohweh.
Vielleicht wird es ja nächste Woche etwas besser. Man darf die Hoffnung nicht aufgeben.
http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rn_R%C3%BCsen
Bildquelle Rüsen: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:R%C3%BCsen2.jpg
Dieser Artikel ist irgendwie auch ein Update zu: Alte Zöpfe abschneiden
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Einblicke in den Elfenbeinturm,
Leuphana
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