Dienstag, 21. Mai 2013

Abschluss.

Dieser Blog entstand, damals, als Reaktion auf eine Schreibblockade während meiner Dissertation.
Getreu dem Prinzip, bekämpfe Gleiches mit Ähnlichem, konnte ich hier kurze, explizit nicht-dissige Themen verschriftlichen - Schreiben ohne Druck, und dabei wieder in den Prozess kommen.

Seit letztem Jahr im Mai - nun schon über ein Jahr - ist das Magnus Opus abgegeben.
Im Juli habe ich verteidigt.
Dieses Blog hat seine Schuldigkeit getan, das Blog kann gehen.

Sollte ich wieder den Drang haben, mich im Internet zu verewigen, so wird dies - wenn überhaupt -
hier
geschehen.
Man liest sich!

http://bleistifterin.blogspot.de/

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Donnerstag, 23. Juni 2011

Good News!

jaja, ich weiß, ich weiß:
der Interviewer ist so leise, er ist fast unverständlich,
und das Interview ist erschreckend lang (ca. 30 Minuten)


http://livestre.am/PGgM

aber gute Nachrichten sind gute Nachrichten.
Und ein geplantes American Gods Teil 2 ist eine gute Nachricht.
Und *so wie das hier angedeutet ist* wäre auch eine Verfilmung von American Gods eine gute Nachricht.
Wen interessiert schon Neil's Bart?

Zurück nach Limoges...

Samstag, 4. Juni 2011

Wer nicht selbst schreibt, muss schreiben lassen...

... und da ich die Doktorarbeit ja selbst schreiben will, muss, und seit Anfang Mai auch endlich darf (dank einer Beurlaubung zu eben diesem Zwecke), liegt dieser Blog, wie Ihr gemerkt habt, ein bisschen brach. Es geht zur Zeit nämlich nur entweder -- oder. Und da die Diss gerade fluppt, wäre es doch schade, die Energie hierhin abzuleiten, nicht wahr?
(Die Betonung lag auf "zur Zeit". Das kann sich natürlich alles schnell wieder ändern... wenn ja, erfahrt Ihr es natürlich als Erste!)

Damit sich niemand, der hier versehentlich noch nach Updates und neueren Beiträgen sucht, langweilen muss, gibt es heute, ganz passend, einen hübschen Beitrag zur Bildungspolitik von Wolf Lotter, aus der heißgeliebten brandeins (5/2008).
http://www.brandeins.de/typo3temp/pics/1ae18029f5.jpg

Und zwar hier.
Nicht ganz neu, aber auch noch nicht veraltet. Viel Spaß!

Links:
http://www.brandeins.de/uploads/tx_brandeinsmagazine/060_b1_05_08_schwerpeinleitung.pdf

Mittwoch, 23. Februar 2011

Causa Guttenberg 3. Guttenplag kann nicht die Lösung sein.

In einem Schreibworkshop zur Hausarbeit, den die Leuphana für die Erstsemester angeboten hat, sagte ein Student: "ja aber  ich darf ja gar keine eigene Meinung äußern. ich muss ja alles zitieren!"
Hier kann man sehen, wie ein Student das Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens grundlegend mißverstanden hat.
Studierende sollen natürlich ihre eigene Meinung äußern. Aber nicht als diffuses Bauchgefühl, sondern wohlinformiert über den bestehenden Diskurs, und wohlbegründet unter Berücksichtigung bereits vorgebrachter Argumente.Um zu zeigen, dass man den Diskurs kennt, zitiert man ihn. Um dem weniger im Diskurs verhafteten Leser (und das sind im Falle eines Doktoranden alle außer ihm, inklusive Betreuer!) den Diskursverlauf nachvollziehbar zu machen, setzt man Belegverweise. Man knüpft sich ein in ein Netz aus Querverweisen. Und natürlich bewertet man sie auch, auf Grundlage der bekannten Fakten. Das ist schon Wissenschaft.


Hier kann man aber auch sehen, wie m. E. auch die Aktion Guttenplag etwas grundlegend mißverstanden hat. Um den Diskurs wiederzugeben, muss man ihn zitieren. Dass man dabei zum Teil auf Formulierungen stößt, die besser sind, als die eigenen, bleibt nicht aus. Aber tatsächlich ist es nicht unbedingt nötig, etwas "Neues" zu erfinden. Oder sagen wir lieber so: "neu" ist eben manchmal auch die Zusammenstellung bekannter Argumente und Tatsachen in einem ungewöhnlichen Kontext, oder unter einer neuen Fragestellung, oder mit einer neuen Bewertung unter Einbeziehung der bisher nicht berücksichtigten Komponente X. Es geht nicht um die Erschaffung von ETWAS aus NICHTS. Manchmal ist es schon eine promotionswürdige wissenschaftliche Leistung, überhaupt unterschiedliche Gesprächsfragmente zu einem Diskurs zusammenzufügen.
Guttenplag zeigt deutlich und klar, dass Herr zu Guttenberg mehr "Zitatepatchwork" betrieben hat, als für eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit in Ordnung wäre. Daran herrscht kein Zweifel, nicht einmal mehr beim Autor. Es ist gut, dass er diese Fehler endlich eingesehen und eingeräumt hat. Es ist völlig richtig, dass er daraufhin den Doktortitel zurückgegeben hat. Wer so schlampig arbeitet, hat den Titel nicht verdient. Es ist ebenfalls richtig, dass die Affäre damit noch nicht beendet ist.


Ich habe übrigens den Verdacht, dass diese handwerklichen Mängel mit der gängigen Ausbildungspraxis der juristischen Fakultäten zusammenhängt, aber das wäre nur eine Erklärung, keine Entschuldigung. (Die Tatsache, dass besagte handwerkliche Mängel den Prüfern nicht aufgefallen sind, ist allerdings ein Indiz dafür, dass in diesem Fachbereich der Schwerpunkt nicht auf der Vermittlung und Wertschätzung handwerklicher Grundlagen liegt. Aber das ist Spekulation.)

Guttenplag wirft zu Guttenberg allerdings auch vor, eine noch kriminellere Form des Plagiats betrieben zu haben, bei der

The writer properly cites all sources, paraphrasing and using quotations appropriately. The catch? The manuscript contains almost no original work! It is sometimes difficult to spot this form of plagiarism because it looks like any other well-researched document. 
Diese Anschuldigung kann nur der Prüfungsausschuss, bzw. ein Gremium ausgewiesener Fachleute beurteilen. Prof. Fischer-Lescano, der die Affäre losgetreten hat, gehört dazu. Eine Horde anonymer Blogger, die sich zur fröhlichen Ministerjagd versammelt haben,  aber nicht.Viele der solcherart angezeigten Plagiatsstellen sind nämlich wahrscheinlich keine.
Und eine Ministerjagd ist es, leider: das zeigt der Name "Guttenplag" - warum nicht "Ministerplag"?  Wäre doch schön, wenn jetzt alle promovierten Volksvertreter/innen  -- und wenn wir schon dabei sind: alle promovierten Wirtschaftslenker/innen in Entscheidungspositionen -- mit Hilfe der vielberufenen Schwarmintelligenz  überprüft würden. Klappt nicht? Interessiert keinen?
Eben.
Drum.
Schade eigentlich.

Dienstag, 22. Februar 2011

Causa Guttenberg 2. Wissenschaftliches Fehlverhalten steckt häufig im System.

Ich habe natürlich gut reden.
Was den Umgang mit Fußnoten und Quellenbelegen angeht, haben wir Geisteswissenschaftler - oft so viel geschmäht - den Naturwissenschaften und solchen Disziplinen wie BWL, Jura oder Ingenieurwissenschaften einiges voraus.

Als ich damals meine Magisterarbeit in einer angesehenen Zeitschrift veröffentlichen konnte, erzählte ich mit stolzgeschwellter Brust einem Freund davon. Der Freund, ein Biologe, sagte:
"Wie - unter deinem eigenen Namen?"
 Clash of cultures, in dem Fall: Fachkulturen. Offenbar, so wurde mir erklärt, waren eigenständige Publikationen für Biologen VOR der Promotion gar nicht möglich. Man arbeitete für die Diss in einer Forschungsgruppe. Die Forschungsgruppe untersteht einem Post-Doc oder Prof. Da dieser offensichtlich die Anweisungen gibt, was man zu erforschen habe (wer sonst?), kann der Forschungsinput ja nicht vom Doktoranden kommen, ergo steht sein Name auch nicht auf dem Paper, und wenn, dann maximal als Co-Autor. (Über das weitverbreitete System der Ehrenautorschaft möchte ich gar nicht reden...)
So wurde mir das damals erklärt.
Für mich roch diese - offenbar gängige - Praxis nach Plagiat.
Vielleicht dürfen Nachwuchswissenschaftler in den Geisteswissenschaften aber auch tatsächlich viel früher viel selbständiger forschen?
Oder vielleicht ist unser gesamtes Studium (mein Erfahrungshintergrund ist natürlich das alte Magisterstudium) von Anfang an auf selbständiges Forschen angelegt?

Wir müssen nämlich während des Studiums Hausarbeiten schreiben. Und beim Hausarbeiten schreiben lernt man das, vom ersten Semester an.
Wer sein ganzes Studium hingegen nur Klausurwissen paukt, ist auf forschendes Arbeiten und forschendes Publizieren nicht wirklich vorbereitet. Dementsprechend entstehen dann grundlegende Probleme bei den Abschlussprüfungen, die ja fast überall aus solchen selbständig recherchierten Arbeiten bestehen: Diplomarbeit, Magisterarbeit, Bachelorarbeit - überall wird plötzlich all das vorausgesetzt, was so ein Ingenieur oder BWLer während des Studiums gar nicht oder kaum eingeübt hat.

Den Prüfern bleiben zwei Möglichkeiten:

a) sie senken die Ansprüche an die Einhaltung allgemeiner Zitiergewohnheiten - die meisten Ingenieure, BWLer und Juristen gehen ja auch gar nicht in die Forschung, wollen gar nicht akademisch arbeiten

b) sie ändern ihre Prüfungsmodalitäten dergestalt, dass auch in den genannten Massenstudiengängen Studierenden Grundkenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt werden können, d. h. zumindest einige der standardisierten Klausuren durch korrekturintensive Hausarbeiten ersetzt werden.

c) sie ändern die Abschlussprüfung, so dass (auf Bachelorebene) Klausuren geschrieben werden - und die Studierenden in der eingeübten Prüfungsform geprüft werden.

Mein Verdacht ist, dass Lösung a) häufiger vorkommt.


Meine Sorge ist leider auch, dass Lehrende, die es im Studium selbst nicht richtig gelernt haben (gerade bei den Ingenieuren wird eine Herkunft aus der "Praxis" ja als Gütesiegel betrachtet), ordentliches Zitieren gar nicht vermitteln können.
Diese Sorge stammt übrigens auch meiner Erfahrung mit geisteswissenschaftlichen Lehrkräften aller möglichen Fachrichtung, die die Grundlagen so verinnerlicht haben, dass sie sich nicht mehr entsinnen können, wie schwierig das war.
Das ist nämlich schwierig.
Und anstrengend.
Und braucht Zeit, die man auf interessantere, inhaltliche,  fachliche Diskussionen verwenden könnte.

Aber was nützt das Klettern in fachliche Gipfel, wenn die Seminarteilnehmer alle nicht begriffen haben, wozu sie die Sherpas anerkannter Autoritäten dabei haben, und wie sie die  Seile und Karabinerhaken wissenschaftlicher Zitation bedienen? Natürlich KANN man auch ohne diese auf den Gipfel der Erkenntnis gelangen. Ist aber selten. Und gefährlich. Und man kann abstürzen.
quod erat demonstrandum.

Montag, 21. Februar 2011

Die Causa Guttenberg. Einige allgemeine Sätze über akademische Ethik.

Wer diesen Blog schon länger liest, weiß, bei aller Anonymität, dass die Autorin zum einen schon länger an ihrer Doktorarbeit schreibt und zum anderen an einer kleinen Universität arbeitet. Der Rummel um Karl Theodor zu Guttenbergs möglicherweise plagiierte Dissertation und alle Implikationen, die sich daraus ergeben interessiert mich daher sowohl privat als auch beruflich. Dies betrifft ganz verschiedene Aspekte der Debatte:
– ganz konkret: zu Guttenbergs Anspruch auf einen akademischen Titel (und daraus abgeleitet für seine (politische) Glaubwürdigkeit)
- etwas allgemeiner: die Rückschlüsse auf die akademische Kultur in Deutschland, und wie sie sich zu Fragen akademischer Ethik verhält

Wie klar und eindeutig der Fall Guttenberg wirklich ist, dazu möchte ich mich an dieser Stelle (noch) nicht äußern. Zuerst einmal möchte ich mich etwas genauer über die konkreten Anschuldigungen informieren. Ich möchte erst einmal einige der im wiki Guttenplag (http://de.guttenplag.wikia.com) gefundenen Stellen lesen, bevor ich etwas dazu sage oder schreibe. Da die Seite schon sehr umfangreich ist, brauche ich dazu etwas mehr Zeit und Muße. Die endgültige Beurteilung der Vorwürfe liegt ohnehin bei der Universität Bayreuth, die den Titel verliehen hat. Sollten sie die Vorwürfe einräumen müssen, fiele auch auf sie, bzw. die Betreuer und Gutachter ein schlechtes Licht. Mit der Aufgabe des Titels durch Herrn zu Guttenberg ist die Sache jedoch keineswegs erledigt. Der Fall wirft schließlich ein Schlaglicht auf die deutsche Wissenschaftspraxis. Wir Akademiker müssen uns nun alle die Frage stellen (und die Frage gefallen lassen), wie denn die gängige Praxis bei der Verleihung von Doktorgraden abläuft. Und hier liegt doch auch schon eines der Probleme:

Es gibt doch eigentlich nicht wirklich eine gängige Praxis.

So einfach, wie sich mir die zur Zeit geführte öffentliche Debatte darstellt, ist die Sache nämlich leider nicht. Schon der reine Tatbestand dessen, was ein Plagiat darstellt, ist ziemlich umstritten. Außerdem legen die verschiedenen Fachbereiche an deutschen Universitäten höchst unterschiedliche Maßstäbe an, zum Teil aus gewissen akademischen Traditionen heraus. Dazu kommt, dass grundlegende Kenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens (vor allem in der Königsdisziplin „Belegen und Zitieren“) je nach Dozent, Lehrstuhl, Fachbereich oder Universität nicht mit der gleichen Sorgfalt vermittelt werden – und dann gegebenenfalls nach einigen Generationen dermaßen schlampiger Ausbildung auch nicht mehr vermittelt werden kann.

Beginnen wir mit der Definition eines Plagiats, wobei ich mich hier auf das akademische, wissenschaftliche Plagiat im Kontext der deutschen Wissenschaftslandschaft beschränken möchte. Ausschlaggebendes, sozusagen „gesetzgebendes Gremium“ scheint mir die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zu sein. Diese hielt es interessanterweise erst vor vergleichsweise wenigen Jahren für nötig, überhaupt verbindlich definierte Regeln einzufordern. Immerhin: am 6. Juli 1998 empfahl die HRK allen Hochschulen, verbindliche Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis zu formulieren, bei begründetem Verdacht wissenschaftlichem Fehlverhalten konsequent nachzugehen und es gegebenenfalls juristisch zu ahnden. Sie definiert:
“Wissenschaftliches Fehlverhalten liegt vor, wenn in einem wissenschaftserheblichen Zusammenhang bewusst oder grob fahrlässig Falschangaben gemacht werden, geistiges Eigentum anderer verletzt oder sonst wie deren Forschungstätigkeit beeinträchtigt wird.“
Zur Verletzung geistigen Eigentums zählt sie insbesondere „in Bezug auf ein von einem anderen geschaffenes urheberrechtlich geschütztes Werk oder von anderen stammende wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse, Hypothesen, Lehren oder Forschungsansätze:
■■ die unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorschaft (Plagiat)
■■ die Ausbeutung von Forschungsansätzen und Ideen, insbesondere als Gutachter (Ideendiebstahl)
■■ die Anmaßung oder unbegründete Annahme wissenschaftlicher Autor- oder Mitautorschaft
■■ die Verfälschung des Inhalts
■■ die unbefugte Veröffentlichung und das unbefugte Zugänglichmachen gegenüber Dritten, solange das Werk, die Erkenntnis, die Hypothese, die Lehre oder der Forschungsansatz noch nicht veröffentlicht sind“
Inwieweit einer dieser Vorwürfe auf die Dissertation von Herrn zu Guttenberg zutrifft, möchte ich an dieser Stelle gar nicht bewerten. Wichtig ist jedoch festzuhalten, dass Unwissenheit (wie es „richtig“ geht) nicht vor einem Plagiatsvorwurf schützt. Sollte KTzG also „nur“ fahrlässig gehandelt haben, also bspw. die Fußnoten an die falsche Stelle gesetzt, oder ein-zwei Mal vergessen haben, so wie er es bereits eingeräumt hat, wäre der Plagiatsvorwurf bereits begründet. (Eine offizielle Pressemitteilung des Verteidigungsministeriums gibt es scheinbar zurzeit noch nicht. Angesichts des „laufenden Verfahrens“ an der (indirekt mitangeklagten) Universität Bayreuth ist das m. E. auch nachvollziehbar.)

Allerdings fällt mir doch auf, dass die Vorwürfe, die erhoben werden, vielfach genauso ungenau sind, wie es offenbar die Zitierweise des Verteidigungsministers war. Eine schlampige Arbeitsweise (in einer mit „summa cum laude“ bewerteten Arbeit noch dazu!) ist wahrlich schlimm genug, und kann, ja muss! zur Aberkennung des Titels (bzw. wie hier geschehen: zur Aufgabe des Titels) führen. Die Doktorarbeit dient schließlich als Prüfung dem Nachweis, dass man die Spielregeln des wissenschaftlichen Arbeitens beherrscht und beherzigt. Sorgfalt, Präzision und Transparenz sind hier nicht einfach nur wünschenswerte Tugenden, sie sind die zugrunde liegende Voraussetzung einer jeglichen wissenschaftlichen Erkenntnis.
Dennoch ist es noch einmal ein substantiell schlimmerer Vorwurf zu unterstellen, zu Guttenberg habe einen Ghostwriter engagiert, also eine völlig fremde Arbeit als seine eigene ausgegeben – wie mehrfach geschehen, teils als Hoax-Meldung, teils durch die häufige Aussage, er habe die Arbeit „nicht selbst geschrieben“.
Dies scheint mir nach meinem bisherigen Kenntnisstand nun wirklich nicht passiert zu sein.

Und auch die Verwendung fremder Formulierungen allein ist – entgegen der Auffassung des Guttenplag-Initiators – eben noch kein Plagiat, solange die Quelle angegeben ist. Eigene, strengere Kriterien als die wissenschaftlich üblichen anzuwenden, ist daher, sagen wir, „wenig hilfreich“. Die Beurteilung solcher korrekt zitierter Stellen im Rahmen der eigenständigen Thesen der Doktorarbeit obliegt hingegen allein den Betreuern der Arbeit und anderen, inhaltlich einschlägig informierten Fachleuten.

(Kontext: Auf Guttenplag heißt es bei den FAQs zur Frage: "Bei einem der angeblichen Plagiate ist die Quelle in einer Fußnote angegeben/im Literaturverzeichnis aufgeführt. Ist das fair?Edit Bei einem der angeblichen Plagiate ist die Quelle in einer Fußnote angegeben/im Literaturverzeichnis aufgeführt. Ist das fair? section

Ein Plagiat wird nicht zulässig, nur weil eine Fußnote oder das Literaturverzeichnis auf die Quelle verweist. (Siehe auch [1], Abschnitt "Plagiarism - Sources Are Cited") Zweck einer Dissertation ist es, Neues herauszufinden und eine eigene Position zu vertreten. Die Verwendung fremder Literatur hat immer im Zusammenhang mit diesem Zweck zu geschehen. Das kann etwa kritische Bezugnahme darauf, Fortentwicklung dort vertretener Gedanken, Anwendung dortiger Ideen auf eigene Gedanken (oder umgekehrt) sein. Geschieht sie jedoch nur zum Zweck, sich fremde Gedanken zu eigen zu machen, um keine eigenen entwickeln zu müssen, so sprechen wir von einem Plagiat – egal, ob die Quelle irgendwo angegeben ist oder nicht."

Ein weites Feld, und noch viel zu sagen. Für heute muss ich aber leider aufhören. Ich versuche, in den nächsten Tagen mehr dazu zu schreiben.

Links:
http://de.guttenplag.wikia.com/
http://www.hrk.de/de/beschluesse/109_422.php
http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/presse/pressemitteilungen/archiv_2011?yw_contentURL=/C1256F1200608B1B/W28C6C4E151INFODE/content.jsp
http://www.netzpolitik.org/2011/fake-pm-weist-zu-guttenberg-kommerziellen-ghostwriter-nach/
http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/FAQ

Montag, 17. Januar 2011

Das verflixte Siebte Jahr.

Volle Sechs Jahre sind vergangen, und die Doktorarbeit ist immer noch nicht fertig.
(Mal abgesehen von den Vorbereitungen, wie Themensuche, Betreuersuche, Exposé schreiben etc, dann könnte man noch einmal 18 Monate draufschlagen.)

Challenges. I expected times like this - but I never thought
they'd be so bad, so long, and so frequent.

Zuerst lief alles ganz gut. Dem Exposé lag ein Zeitplan bei, ausgerichtet auf drei Jahre. (Natürlich frei erfunden.) Am 1. Januar 2005 habe ich in Berlin mein Stipendium im Graduiertenkolleg angetreten. Wie es auslief, ohne dass die Arbeit fertig war, wie ich seit nunmehr fast drei Jahren "nebenher" an der Universität Lüneburg arbeite - oder vielmehr: arbeite, und nebenher die Diss schreibe, das habt Ihr in diesem Blog immer wieder mitverfolgen können.


In letzter Zeit stand hier nicht mehr sehr viel über neue Fortschritte. Genau genommen stand hier überhaupt nicht mehr viel. Im März hatte ich ein (sehr langwieriges, komplexes) Kapitel eingereicht. Im Mai habe ich mich ans nächste Kapitel gemacht. Dann kam wieder der Job dazwischen. Im August wollte ich -während meines Urlaubs - mit der relevanten Literatur weiterkommen, hatte aber im Juli soviel berruflich zu tun, dass ich die zu sichtenden Bücher weder recherchiert noch bestellt hatte. Seit September liegen mir einige Aufsätze vor, und seit September ruht auch die Arbeit an der Diss - ein sehr wichtiges anderes Projekt war mir in meiner "Freizeit" dazwischengekommen.

Do it later. The Early Worm is for the Birds.
Das ist nun aber alles vorbei und für das neue Jahr habe ich nur einen wirklichen Vorsatz:
Fertig werden!

Fertig werden ist ein Wert an sich, und er ist deutlich wichtiger und höher zu bewerten als die Qualität der wissenschaftlichen Prosa, die Breite und Repräsentativität (?) der Feldstudien, ja sogar wichtiger als die Tiefe der analytischen Untersuchung.
Denn nur wer fertig wird - und sei es mit einem verachtenswerten "rite" - wird geprüft, und darf seinen Titel führen. Wer nicht fertig wird, ist nichts und wird auch nichts (in der Wissenschaft). Macht nichts?


 Nee, macht an sich nichts - die Wissenschaft ist ohnehin ein korruptes sehr spezielles Berufsfeld (aber auch toll, natürlich). In jedem anderen Beruf (inklusive Hausfrau und Mutter) fragt niemand nach Note oder Inhalt der Doktorarbeit. Nie.

Die Frage ist jetzt natürlich: wie wird man fertig? Wie immer: jede große Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. In diesem Fall: drei Schritten:
  • Schritt Eins
habe ich schon erledigt, in den letzten Wochen und Monaten: ich habe mich mit Verstand UND Herz (schwieriger) von meinem ursprünglichen Konzept verabschiedet. Zu viel, zu komplex, zu umfangreich, zu viele Vergleichstudien. Das schaffe ich nicht, und ich MUSS das auch gar nicht schaffen -- denn vieles was ich sagen möchte ist schon nach einer Analyse gezeigt, Vergleiche wären nur "mehr vom Selben, bloß anders"... interessant, aber nicht wichtig.

ist schon schwieriger: es geht darum, genügend Motivation und/oder externe Verpflichtung in Form von Deadlines, Kolloquien etc aufzubieten, um dem Endspurt durchhalten zu können.



Motivation. If a pretty poster and a cute saying are all it takes to motivate you,
you probably have a very easy job. The kind robots will be doing soon.
 

Hier bin ich auf einem guten Weg: schon in einer Woche muss ich im Doktoranden-Kolloquium des geschätzten Betreuers präsentieren (zuletzt war ich da im November 2007...) Was ich da erzählen soll? Keine Ahnung! Aber dafür sind Deadlines ja gut. Im März ist außerdem Kunsthysterikertag in Würzburg. Da gibt's zwar auch nichts zu meinem Thema, aber schon beim letzten Mal in Marburg hat der halbe Tag Forschungsluft ordentlich Schwung in die Sache gebracht. Außerdem kann man da Freunde treffen und Strategien aushecken. Und natürlich mit Verlagen anbandeln... Bis März bin ich also versorgt.
  • Schritt Drei
hängt mit Zwei zusammen - denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg - und zwar geht es um ausreichend Zeit UND AUCH Kraft/Energie. Hier habe ich die bedrückende Erfahrung gemacht, dass ich neben meinem Beruf die Dissertation oft - zu oft - hinten angestellt habe.
Das eine wird bezahlt, das andere nicht;
Get to Work. You aren't being paid to believe in the power of your dreams.

beim einen bin ich Kollegen (und Studierendem und einem Semesterzeitplan) verpflichtet, beim anderen nur mir selbst... Nach einer durchschnittlichen 28 h/Woche, in drei Wochentagen absolviert, brauche ich sowohl den jeweiligen Feierabend als auch mein Wochenende zur Regeneration, und an den eigentlich freien Tagen prüfe ich dennoch die E-Mails, beantworte Fragen und betreue Lehrende und TutorInnen - da gehen oft mehrere Stunden für drauf. Problem: die Arbeit macht mir ja Spaß, und der "Nutzen" ist sofort sichtbar - im persönlichen Kontakt, und auch in Form taktiler Beweise (Briefe, Aktenordner, interne Publikationen). Das ist viel befriedigender als ein Doktortitel in weiter Ferne...

 Zu dieser Form des Multi-Taskings (zwei parallele Jobs plus Privatleben) tauge ich offenbar nur bedingt. Allerdings läuft demnächst der zweite Zeitvertrag aus, aber die nächste "Karrierestufe" bleibt mir ohne die Diss versperrt. Will ich beruflich weiterkommen (egal wo, egal was), so muss ich fertig werden, und zwar bald, soviel ist klar.


vision, determination, and an endless supply of expendable labor.


Ob mein Zeitmanagement in diesem Jahr, ohne besagtes persönliches Großprojekt aus 2010, nun besser wird, sehe ich dann ab übermorgen - denn da geht's ja wieder los. Wird die Motivation aus Schritt Zwei reichen?

Inspiration. Genius is 1 percent inspiration and 99% perspiration,
Jetzt werde ich sie jedenfalls erst einmal in meine Präsentation für nächste Woche umlenken. Ich versuche mich gerade an einer To-Do-Mindmap mit Prezi... Gambarimas!

Links:
alle Bilder: http://www.despair.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Promotion_(Doktor)#Deutschland
http://www.kunsthistoriker.org/1166.html

Über Planungen für  meine Diss wahrscheinlich hier (oha!): Feinschliff. Kapitel 5 und auch sonst.
Über Prezi hier: PowerPoint ist tot - Es lebe Prezi? Einige Überlegungen für und wider.
Über gute Vorsätze zuletzt hier: Lauter gute Vorsätze.
Über Berufsaussichten in der Wissenschaft  zuletzt hier: Templiner Manifest - hier lang zur Unterschrift.
Über den Deutschen Kunsthistorikertag hier: Kanon ist, wenn alle dasselbe singen nur nicht gleichzeitig.

Montag, 6. Dezember 2010

Return of Investment.

Also, ich finde, es hat sich gelohnt:
Stiefel aufstellen...
schlecht geputzt...*schäm*

...Teller mit Möhrchen (Eselchen) und Schnaps (Nikolaus) aufstellen...
sorry - schlechte Bildqualität. You get the picture...

...beim Aufstehen reiche Beute Gaben vorfinden!
Hurra!
Qualitätszeit - wen nehme ich bloß mit, wenn Harvey und ich "einen lüpfen" gehen?
Date mit einem Puka
Offenbar nicht den Nikolaus... schade!
Also, als ich klein war hat er das immer gemocht...
Das war natürlich ein Update zu: Lasst uns froho uhund munter sein...

Sonntag, 5. Dezember 2010

Lasst uns froho uhund munter sein...

... und uns rehecht vohon Herzen freuen,
Lustig, lustig, trallallallalla!
Bald ist Nikolausabend da!
Bald ist Nikolausabend da!

Genau genommen, ist morgen Nikolausabend da.
Deshalb habe ich gestern mal den Backofen angeschmissen, und während der Meinige, der am Donnerstag auf eine eintägige Geschäftsreise geschickt worden war, immer noch in Amsterdam am Flughafen feststeckte, habe ich den ganzen Abend gebacken...
stolzes Ergebnis meiner Backwut

Lebkuchen...
Sterne, Herzchen, Männchen

... und Mandelmakronen...
mit Schokolade. Hab leider den Kakao vergessen. Schmecken trotzdem!
... und Zimtstangen...
auf Sterne lass ich mich nicht ein. Außerdem kann man so Schokolade unterjubeln...

... und Schwarz-Weiß-Gebäck...
kleinkariertes Gebäck

...und (natürlich) Vanille-Kipferl.
links: zerlaufen rechts: gutes Kipferl

Alle nach streng gehüteten Familienrezepten aus diesem Buch, versteht sich!

(Naja. Genau genommen habe ich schnöde geschummelt, und die letzten drei mit Fertigteigen aus dem Kühlregal gemacht. *schäm* Aber Nussteig ist total blöd zu verarbeiten, und die S-W und Kipferl finde ich eigentlich relativ langweilig, kurzum: ich wollte die Fertigteige mal testen. Ist ok. Wobei zwischen den verschiedenen Firmen auch Qualitätsunterschiede sind.)

Und ja: die Dosen sind alle schon halb leer. Aber nicht, weil ich so verfressen gewesen wäre. Mit Ausnahme der zulässigen fortlaufenden Qualitätskontrolle wird so einiges morgen verschenkt werden (Geheimauftrag vom Nikolaus persönlich!)

Daher:
Plätzchen in die Tüte packen...
... mit Apfel Mandarine, Nuss und Mandelkern (mögen alle Kinder gern!) und
...einem netten Gruß in die Tüte packen...
Fertig ist der Nikolaus-Gruß für die Nachbarn. (Sind nur drei...)
Aber da wir ein paar amerikanische Europe-Trotter auf der Durchreise erwarten, kommt eben einiges zusammen...
Hoffentlich bringen die alle einen Stiefel mit!
Meine Arbeit ist getan.
Ich kann mich jetzt entspannt der zweiten Kerze widmen...
siehe, das zweite Lichtlein brennt schon!
...und mich um die Fertigstellung des letzten Weihnachtsgeschenks kümmern, bis die besagten Jungs (hoffentlich bald) kommen! Entspannung!
Euch allen eine gesegnete und recht friedliche Adventszeit...

Links:
http://www.amazon.de/Backen-f%C3%BCr-Weihnachten-christmas-book/dp/3774249423/ref=sr_1_5?ie=UTF8&qid=1291558697&sr=8-5

 Letzes Jahr habe ich das auch schon gemacht. Liest du hier: Nikolaus. Zweiter Advent. Sonntag. Jahrestag.

Freitag, 26. November 2010

Frauen und Netzwerke.

Wenn man, so wie ich, kein Auto besitzt, dann fährt man natürlich häufiger mit Bus und Bahn. Is' ja auch praktisch (außer wenn mal wieder der ICE ausfällt und man 40 min auf dem Gang stehen muss. Dafür bin ich schon lange zu alt, und bald auch echt. Aber echt!).  Notgedrungen lauscht man in Bus und Bahn anderen nicht-automobilen  Zeitgenossen so einiges ab. Einseitig geführte Handytelefonate sind dabei nicht so erfreulich wie echte Gespräche, und in letzter Zeit sind die Gespräche zwischen den Damen irgendwie interessanter - muss mich manchmal recht beherrschen, mich nicht einzumischen.

Neulich im Bus  zur Uni also diese Mädels. Wahrscheinlich Studierende, wahrscheinlich kurz vorm Abschluss - BA, nicht Master - nicht mehr so ganz grün hinter den Ohren, aber auch noch nicht sehr abgeklärt. Sie sprechen über Karrierechancen, demografische Entwicklung, Familienpolitik und Zukunftspläne. Und obwohl die Zeiten für hochqualifizierte junge Frauen schon mal deutlich schlechter standen, waren sie nicht sehr zuversichtlich. Fazit der einen: Frauen knüpfen halt keine Netzwerke, das ist ja bekannt. Da kommt man in der Karriereplanung eben nur bis zu einem gewissen Punkt, und dann nicht weiter...

http://blog.onlymarketingjobs.com/wp-content/uploads/2010/03/Oldboysnetwork.jpg

Ich habe das auch schon öfter gehört - Männer netzwerken, Frauen menscheln. Männer machen Karriere, Frauen die Wäsche. Ich habe es so oft gehört, dass ich es manchmal auch glauben möchte. Eine schöne einfache Erklärung für ein komplexes Phänomen.

Aber bei Licht betrachtet - bloß weil alle das "wissen", heißt ja nicht, dass es stimmt.
Frauen sind exzellente Netzwerkerinnen. Sie haben einen höhere Sozialkompetenz (so heißt es zumindest...:-D), sie haben eine höhere emotionale Intelligenz, sie sind emphatisch, sie kommunizieren statt zu dominieren etc pp. All diese Eigenschaften machen sie zumindest in der Theorie zu sehr guten und zuverlässigen Netzwerkerinnen.

Netzwerkerin

Und auch in der Praxis - nehmen wir doch mal die klassische Mutter von kleineren Kindern, gerne berufstätig - und die Kita streikt. (Fast) jede dieser Mütter hat eine Mutter/ Schwester/ Freundin aus der Stillgruppe, die zumindest zeitweise einspringen kann. Da wird ein sehr komplexes Netz von Tauschgeschäften gewoben - ich hole Deine Lena heute mit ab, wenn meine Pia morgen mit zu dir kann; meine alte Babysachen gegen das zu kleine Fahrrad deines Ältesten für die Nichte meiner Nachbarin damit die mir .... etc. Ein dichtes Netz an Gefallen und Gegen-Gefallen, Abhängigkeiten und Zuständigkeiten, und alle Mütter sitzen mittendrin wie die Spinne Thekla und weben und knüpfen und denken oft mehrere Schritte um die Ecke und wenn sich dabei alle noch gut verstehen und Spaß haben, umso bessser. In den meisten Fällen funktionieren diese Netzwerke ganz hervorragend, und da werden auch so manche Kita-Mütter "mitgeschleppt" mit denen man sich ohne Kind vielleicht nicht (so eng) angefreundet hätte. Weil es nämlich notwendig ist, um den Alltag zu organisieren, Kind, Haushalt und Beruf (oder anderen Verpflichtungen) gerecht zu werden.

Und hier liegt wohl eher der eigentliche Unterschied zwischen "männlichen" und weiblichen Netzwerken: Männer netzwerken vor allem im und für den Job. Frauen netzwerken "privat" oder in ihrer Eigenschaft als "Famillienmanagerin" - aber nicht da, wo sie finanziell davon profitieren würden (sie profitieren, natürlich). Aber das gleiche Geschick in ein berufliches Netzwerk zu investieren wie in ein privates, das finden wir unartig, unmoralische, unfair, und benennen es mit negativen Begriffen wie Kader, Seilschaft, old boys...
Die Schere ist, wie so häufig, im Kopf. Leider.
Irgendwie sind wir's oft ja auch selbst schuld, wenn wir uns das Leben so schwer machen. Xing und Kaffeepausen stehen uns ja genauso zur Verfügung. Und ganz offensichtlich ist es nicht unmoralisch - gibt ja sogar Fortbildungen dazu! Aber das konnte ich den Mädels im Bus ja wohl kaum erklären - im Übrigen waren sie ja auch schon ausgestiegen...

("Echte" Mütter mögen mich korrigieren, mein obiges Beispiel beruht auf Beobachtung, nicht auf Erfahrung. Im Zweifel halte ich es allerdings für zutreffend, eher noch Untertreibung.)

Heute mal eigene Gedanken, keine Links.
Zuletzt mal so Gedanken gepostet: Si tacuisses...

Freitag, 5. November 2010

Templiner Manifest - hier lang zur Unterschrift.


Die GEW hat eine ordentliche Aktion gestartet - das Templiner Manifest bemüht sich um eine Anerkennung von Wissenschaft als Beruf - denn so wie Lehrbeauftragte und Post-Docs zur Zeit behandelt werden, lässt sich Wissenschaft für die meisten Doktoranden und Post-Docs -- also wir in den 30gern, in der berühmten Karriere-bauen-Familie-gründen-Phase -- nur als Hobby betreiben - vorausgesetzt, man hat Vermögen oder eine/n Ernährer(in), oder einen lukrativen Hauptjob, oder kann und will von Hartz IV leben...
 Hier ist der Link: http://www.gew.de/Templiner_Manifest.html
 und hier ist der Text:


Templiner Manifest

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind mit wachsenden Anforderungen konfrontiert: durch steigende Studierendenzahlen, durch die Reform der Studiengänge, eine autonome Steuerung der Einrichtungen und die zunehmende Bedeutung der Drittmitteleinwerbung. Diesen Anforderungen müssen sich die Beschäftigten in der Wissenschaft stellen, ohne dass sie aufgabengerechte Bedingungen vorfinden. Befristete Arbeitsverträge und weitere Formen atypischer und prekärer Beschäftigung betreffen immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden selbstständige Forschung und Lehre und verlässliche berufliche Perspektiven verwehrt.

Doch gute Lehre und Forschung auf der einen Seite sowie gute Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven auf der anderen sind zwei Seiten einer Medaille. Wir fordern daher Bund, Länder und Hochschulen zu einer Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung auf, die sich an den folgenden zehn Eckpunkten orientiert.

1. Promotionsphase besser absichern und strukturieren
Wir verstehen die Promotion als erste Phase wissenschaftlicher Berufsausübung. Für Doktorandinnen und Doktoranden fordern wir daher ausreichend tarifvertraglich geregelte Beschäftigungsverhältnisse zur Qualifikation mit Sozialversicherungsschutz, die mindestens drei Viertel der Arbeitszeit für die eigenständige Qualifikation vorsehen. Fächerübergreifende Graduiertenzentren sollen alle Promovierende bei der Aufnahme, Durchführung und dem erfolgreichen Abschluss des Promotionsvorhabens unterstützen. Wir treten für mehr Transparenz und soziale Gerechtigkeit beim Zugang zur Promotion ein – auch für Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen.

2. Postdocs verlässliche Perspektiven geben
Promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Postdocs) müssen verlässliche berufliche Perspektiven haben: durch einen Tenure Track, der den dauerhaften Verbleib in Hochschule und Forschung ermöglicht – unabhängig davon, ob eine Berufung auf eine Professur erfolgt oder nicht. Voraussetzung dafür ist eine systematische Personalplanung und –entwicklung durch Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Hochschullehrerlaufbahn muss über unterschiedliche Karrierewege erreichbar sein, die Habilitation ist dabei immer nur eine Möglichkeit.

3. Daueraufgaben mit Dauerstellen erfüllen
Neben Stellen zur Qualifikation und Professuren benötigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ausreichend Stellen, auf denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit unbefristeten Verträgen Wissenschaft als Beruf ausüben können. Nur so lassen sich die Daueraufgaben in Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement mit der erforderlichen Kontinuität und Qualität erfüllen. Und nur dann eröffnen sich qualifizierten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berufliche Perspektiven auch neben der Professur.

4. Prekäre durch reguläre Beschäftigung ersetzen
Viele Hochschulen lassen unter großem finanziellen Druck einen erheblichen Teil ihrer Pflichtlehre von Lehrbeauftragten erbringen. Mit der Ausbeutung von Dumping-Lehrkräften muss Schluss sein! Dort, wo Lehrbeauftragte dauerhaft Lehr- und Prüfungsaufgaben wahrnehmen, müssen diese sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse erhalten. Soweit zur Ergänzung des Lehrangebots Lehraufträge sinnvoll sind, müssen Mindeststandards im Hinblick auf Bezahlung, Vertragsdauer und Verlängerungsoption gelten.

5. Im Gleichgewicht lehren, forschen und leben
Wissenschaft ist ein normaler Beruf, auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein Recht auf eine Work-Life-Balance. Das setzt eine familiengerechte Gestaltung von Hochschule und Forschung voraus. Dabei gehen wir von einem breiten Familienverständnis aus, das alle Lebensgemeinschaften einschließt, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Wir fordern bedarfsgerechte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder, die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Beschäftigten mit betreuungs- und pflegebedürftigen Angehörigen und die Realisierung entsprechender Arbeitszeitmodelle.

6. Ausgeglichenes Geschlechterverhältnis durchsetzen
Da Frauen in leitenden Funktionen des Wissenschaftsbetriebs unterrepräsentiert sind, brauchen wir wirksame Maßnahmen, um den Anteil der Frauen auf allen Stufen der wissenschaftlichen Laufbahn mit dem Ziel eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses zu erhöhen. Die Qualität der Arbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen muss danach beurteilt werden, mit welchem Erfolg sie den Gleichstellungsauftrag erfüllen. Wir fordern eine verbindliche und mit Sanktionen verknüpfte Quotierung, auch bei der Besetzung von Professuren und Leitungsfunktionen. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte brauchen wirksame Gestaltungsmöglichkeiten und Beteiligungsrechte.

7. Gleichberechtigt mitbestimmen
Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssen demokratisiert, die Selbstverwaltung muss gestärkt werden. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen unabhängig vom Status in Hochschulgremien beziehungsweise Aufsichtsgremien der Forschungseinrichtungen auf Augenhöhe gleichberechtigt mitbestimmen können. Das gilt auch für neue Organisationsformen wie Graduiertenschulen oder Exzellenz-Cluster. Wir fordern eine Ausdehnung des Geltungsbereichs der Personalvertretungsgesetze bzw. des Betriebsverfassungsrechts auf alle Beschäftigten sowie einen Ausbau der Rechte der von ihnen gewählten Personalvertretungen und Betriebsräte – auch als Konsequenz der größeren Autonomie der Einrichtungen in Wirtschafts- und Personalangelegenheiten.

8. Mobilität fördern, nicht bestrafen
Wir treten für Bedingungen in der Wissenschaft ein, die Mobilität ermöglichen: zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, im europäischen und globalen Hochschul- und Forschungsraum sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Altersversorgungs- und Sozialversicherungsansprüche müssen uneingeschränkt erhalten, Erfahrungszeiten bei anderen Einrichtungen und Qualifikationen anerkannt werden. Gleichzeitig gilt: Auch wer nicht mobil sein will oder kann, muss eine faire Chance in der Wissenschaft haben.

9. Hochschule und Forschung bedarfs- und nachfragegerecht ausbauen
Die wachsenden Anforderungen an Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement sind auf Dauer nur durch einen bedarfs- und nachfragegerechten Ausbau von Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu bewältigen. Dazu brauchen wir mehr Studienplätze, ein besseres Betreuungsverhältnis und eine intensivere Forschung, um den gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.

10. Alle Beschäftigungsverhältnisse tarifvertraglich aushandeln
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie studentische Beschäftigte haben Anspruch auf tarifvertraglichen Schutz. Wir fordern daher die Ausdehnung des Geltungsbereichs der Flächentarifverträge des öffentlichen Dienstes auf alle Beschäftigten in Hochschule und Forschung. Wir treten für wissenschaftsspezifische Regelungen ein, die den besonderen Anforderungen des Arbeitsplatzes Hochschule und Forschung Rechnung tragen. Der Gesetzgeber muss die Tarifautonomie von Gewerkschaften und Arbeitgebern respektieren und das Verbot, Regeln zur Befristung von Arbeitsverträgen in Hochschule und Forschung auszuhandeln und anzuwenden, aufheben. Daher fordern wir die ersatzlose Streichung der Tarifsperre im Wissenschaftszeitvertragsgesetz.

/ Templiner Manifest online unterzeichnen


Zuletzt ging es um Wissenschaft als Arbeitsplatz hier: Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Stuttgart 21. Endlich umsetzen, was New York vor 100 Jahren vorgemacht hat.

Eigentlich sollte ich mich schon länger dazu geäußert haben. Die Debatte um Stuttgart 21 tobt, aber vor allem die Bürger toben.
Erstaunlich, dass sie das jetzt erst tun, denn das Projekt ist ja nicht gerade neu. Tatsächlich ist es so alt, dass es schon 1996 in Tübingen im studentischen Debattierclub "Debatte" Thema war. (Damals hörte ich zum ersten Mal davon.) Ungefähr genauso lange (gefühlt) gab es eine Ausstellung zu den Plänen im Turm des Bonatz-Bahnhofs in Stuttgart - die Pläne wurden nicht verschwiegen, aber Aufruhr gab es erst, als sie dann -- endlich! -- umgesetzt werden sollten.

Und natürlich ist es skandalös, wenn Schülern und Rentnern und Bürgern, die bloß von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen, mit Tränengas und Knüppeln begegnet wird - die Eskalation ist völlig unentschuldbar.

Aber viel skandalöser ist es, wenn mit fadenscheinigen und uninformierten Argumenten der Umbau verhindert werden soll. Möglich, dass im Detail noch viel zu verbessern wäre. Aber das stellt m. E. keineswegs das Projekt selbst in Frage. Man hat das Gefühl, hier protestieren die gleichen Leute, die 1835 schon in Fürth "dagegen" waren - damals allerdings mit viel berechtigteren Ängsten vor der neuen Technik.

Stuttgart 21 hat eine viel größere Dimension als den Baulärm, den es rund um den Schloßpark in den nächsten 10 Jahren geben wird. Es geht um ein europaweites Schienensystem. Vielleicht werden bis Ulm oder München "nur" elf Minuten eingespart --- aber von Madrid bis Budapest läppert sich das zusammen.

Von den immensen -notwendigen - Chancen für die Stuttgarter Innenstadt-Entwicklung wollen wir gar nicht sprechen. Ich bin weit davon entfernt, Stuttgart mit New York zu vergleichen - aber wenn Grand Central Station 1903-13 nicht elektrifiziert und untertunnelt worden wäre, gäbe es heute keine Park Avenue. Dass dabei die Bahnschuppen des jetzigen Kopfbahnhofs - dessen eindrucksvolle und denkmalgeschützte Wandelhalle und Turm ja im Übrigen erhalten bleiben - abgerissen wird, wird in 20 Jahren niemand mehr bedauern.

Werden die Kosten eingehalten werden? Wahrscheinlich nicht. Dennoch hinkt der Vergleich zum Beispiel mit der Elbphilarmonie. Während bei letzerer eine Kostenexplosion zwar zu weltweit einmaliger Akustik führt, profitieren davon nur wenige (konzertbegeisterte, musikverständige) Menschen. Selbst wenn Stuttgart 21 teuerer wird - was nach Erfahrungswerten wahrscheinlich ist - so ist das wohlinvestiertes Geld: in die Infrastruktur (regional, national, international), in die Innenstadtentwicklung, in die Ökologie und in die regionale Wirtschaft. 

Wenn Stuttgart als eine der wenigen deutschen Regionalmetropolen auch weiterhin wachsen soll, dann müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Das mag im Moment unangenehm sein. Aber da muss man durch - ich glaube, dass es sich lohnt.

Weitere, exzellente Argumente pro Stuttgart 21 in der Faz und anderswo, z. B. auch auf The European.

Link:
http://grandcentralterminal.com/info/grandcentralterminal.cfm
http://www.faz.net/s/Rub0F6C1ACA6E6643119477C00AAEDD6BD6/Doc~EFACC66319B9846E0BBD645B357EADCEB~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.theeuropean.de/wolfgang-dietrich/4521-stuttgart-21-muss-realisiert-werden

Zuletzt ging es um den Stuttgarter Hauptbahnhof in diesem Beitrag: was macht Ihr denn so über Ostern?

Samstag, 2. Oktober 2010

Draußen, vor dem Fenster...

laufen vermummte Gestalten die Straße entlang und rufen:

 "Nie wieder Deutschland!"
und

"Deutschland. Nation. Kapital. Scheiße!"
und
andere Dinge, die man in einer Demokratie laut und deutlich sagen darf.
Über die gewünschte Alternative sagen sie nicht viel, zumindest nichts, was ich so schnell verstehen kann. "Nie wieder Deutschland" - das zum Beispiel erklärt nicht, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen... Angliederung an Frankreich? Freistaat Bremen? Wohl kaum.

Und die jungen Leute, ausnahmslos mit schwarzen Kapuzenpullis uniformiert, würde man auch alle gerne mal in die Normannestraße nach Berlin schicken, oder nach Kuba, oder in eine Kolchose in Nord Korea, wo sie sich angucken können, wohin das führt mit dem real existierenden Sozialismus/Kommunismus.
Da sind die Uniformen auch gleich viel fescher...

Bis dahin sage ich: Happy Einheit, liebes Deutschland!
Gut gemacht - auch wenn es noch viel zu tun gibt....


Links:
http://www.stasimuseum.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Kubas
http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea
http://www.bremen.de/tag_der_deutschen_einheit/

Zuletzt habe ich aus dem Fenster geschaut: Bremer Karneval. Land unter!

Dienstag, 28. September 2010

PowerPoint ist tot - Es lebe Prezi? Einige Überlegungen für und wider.

Schon vor Wochen wurde ich auf das neue Präsentationstool Prezi aufmerksam gemacht - von verschiedenen Seiten, aber nach diesem Artikel auf artefakt habe ich mich auf der Website mal genauer umgeschaut und einen Probe-Account eröffnet. Wie bei fast allen neuen Web-2.0-Anwendungen erscheint allerdings der Jubel der Konvertierten Neu-Prezianer ein bisschen einseitig...




Natürlich: Prezi scheint ein gutes Tool zu sein.
Aber es gelten auch hier einige Einschränkungen. Die wichtigste ist -wie immer- der Anwender.
Wer schlechte PPP erstellt, der wird auch keine guten Prezis estellen.

Denn in jedem Fall gilt es, zuallererst folgende Frage zu beantworten:
-Was will ich meinem Publikum sagen?
erst dann kann ich fragen:
-Mit welchem Medium kann ich meine Aussage unterstützen?
und dann muss ich mir ganz ganz klar machen:
- eine gute Präsentation (egal mit welcher Software) schreibt man nicht "mal schnell zwischendurch"  in zwei Stunden...14 Tage sollte man schon kalkulieren (mit "Ruhephasen", selbstverständlich!)

Für mich als Kunsthistorikerin ist PPP nicht automatisch mit Schwefelgeruch umgeben -meine PP-Vorträge sehen ziemlich genau so aus, wie ich es in der Uni mit zwei Diaprojektoren  gelernt habe. Nur halt jetzt digital. Also Folien mit großen Bildern, oder Folien mit Bild und Detail eines Bildes. Powerpoint kann das, und Powerpoint kann das gut. Basta.

Außerdem nutze ich gerne die Notizenfunktion von PP, um bereits geschriebene Texte zu editieren. Das geht ungefähr so: 
1. Fertig ausformulierten Vortrag/Teilkapitel der Diss/Hausarbeit abspeichern
2. Einzelne Abschnitte in das Notizenfeld leerer Folien kopieren
3. Zum Text passende Folie gestalten
3.a) Schlussfolgerung/Hauptthese des Absatzes in den Titel tun. Dabei bemerken, ob die Hauptthese des Abschnittes bereits ausformuliert im Text ist, und warum eigentlich nicht?
3.b) Der Argumentation zugrundeliegende Bilder in die Folie packen. (In Kunstgeschichte liegen eigentlich immer Bilder zugrunde, deshalb ist das nicht so schwer). Überprüfen, ob man die gleichen Bilder im Abbildungsverzeichnis hat, bzw. im Text angegeben hat.
3.c) Alles was nicht mit der Folie zu tun hat, aus dem Text streichen (überflüssig) oder in eine neue Folie verschieben (neuen Absatz im Text anlegen.)
4. Anhand der Reihenfolge der Folien überprüfen, ob der Argumentationsaufbau im Text so sinnvoll ist, oder ob einzelne Argumentationsstränge verschoben werden müssen.
5. Alle Änderungen wieder in den Text übernehmen. Fertig.
Hat sich bei mir bewährt.

Nun bin ich, wie gesagt, als Kunsthysterikerin in einer sehr bequemen Position mit meinen PP-Folien, aber die erste Regel lautet eben: nützt die Folie meinem Publikum?
Visualisierung ist wichtig, aber PowerPoint ist kein Teleprompter. Warum also sollte ich meinem Publikum meine Vortragsnotizen zum Mitlesen zumuten, die ich mir doch viel besser ausdrucken kann - wer mitliest, hört nicht zu.
Und wenn das Publikum den Text wirklich braucht oder als Skript haben soll, kann ich die Notizen als Handzettel austeilen (oder einen eigens angefertigten Handzettel), und gut.

Heute erwarten die Studierenden, dass ihnen nach jeder Vorlesung sofort die Folien zur Verfügung gestellt werden. Das führt dazu, dass keiner der Studies mehr selbst mitschreibt, oder möglicherweise etwas falsches mitschreibt (ich denke hier natürlich hauptsächlich  an den universitären Kontext...) und dann hat er/sie wahrscheinlich nur wenig davon - wer mal versucht hat, den Inhalt einer PPP zu verstehen, ohne den Vortrag gehört zu haben (Stichwort PowerPoint-Karaoke), der weiß, was ich meine. Und was ist mit den schön-altmodischen Vorträgen, in denen es erst gar keine Medienunterstützung gibt? A***karte in gold!

Andererseits wird auch von den Studierenden erwartet, dass sie ihre Referate mit Medienunterstützung präsentieren. PPP haben sich hier zum Standard gemausert. Davon abgesehen, dass die intelligente Nutzung von PP den Großteil der Referate schon sehr viel erträglicher machen würde, könnte Prezi hier eine echte Bereicherung sein.

Prezi funktioniert wie eine große, digitale Tafel. Man kann sich darauf Notizen machen, Bilder oder Videos hinzufügen, und vor allen Dingen hinein und wieder herauszoomen. Eine Skalierung von wichtigen und unwichtigen Punkten erfolgt daher einfach und intuitiv durch unterschiedliche Größenverhältnisse.
Natürlich kann man auch hier vieles falsch machen - auf die Gefahr von Seekrankheit und Schwindelgefühl durch zuviel/unmotiviertes Zoomen weisen schon die Prezi-Leute in ihren Tutorials hin.

Ich bin auch nicht ganz überzeugt davon, dass man Prezi - in der Freeware - nur online nutzen kann... aber wahrscheinlich hat heute ohnehin jeder (potentielle Nutzer) eine Flatrate.
Immerhin gibt es ohne Umstände eine Studenten/Lehrendenversion, die es erlaubt, zusätzliche Features kostenlos zu nutzen. Und Prezi ist neu, und lebt daher noch von der Mund-zu-Mund-Propaganda...

Meines Erachtens ist Prezi gut für Präsentationen, die
a) textlastig wären (in PowerPoint hauptsächlich aus Bulletpoints bestünden)
b) auch ohne Erzähler funktionieren müssen (z. B. statt einer Posterpräsentation)
c) wenn man noch keinen ausformulierten Text hat, der zum Referat gekürzt werden soll, sondern umgekehrt erst einige Stichpunkte gesammelt werden, die zum Referat ausgebaut werden sollen...

Prezi ist m. E. super geeignet, Mindmap-Strukuren mit einem Erzählstrang zu versehen.
Leider bin ich nicht gut mit Mindmaps. Ich glaube auch nicht, dass ich mich noch umgewöhnen kann.
Aber wir arbeiten alle unterschiedlich.

Links:
www.prezi.com
http://www.artefakt-sz.net/allerart/warum-eigentlich-immer-powerpoint
http://prezi.com/wwmfvms6dno-/death-of-powerpoint-prometisdesigncom/
http://de.wikipedia.org/wiki/Powerpoint-Karaoke

Dienstag, 31. August 2010

CO2-neutraler Blog.

Möglicherweise eine gute Sache:
Blog CO2-neutral machen.
Geht ganz einfach:

1. Bild in die Sidebar
http://www.kaufda.de/umwelt/co2-neutral/banner/

2. Post drüber schreiben

3. kaufda pflanzt einen Baum - kostenlos

Mitmachen! schlimmstenfalls steht irgendwo ein Baum, der vorher nicht da war. Klingt das gut?

Links:
http://www.kaufda.de/umwelt/

Die Insel der Gefühle. Ein Schreibworkshop.

Ein Schreibworkshop ist eine Veranstaltung, in der ein Textentwurf zusammen mit der/dem Workshopleiter/in besprochen und kritisch überarbeitet wird. Im besten Falle werden Redundanzen entfernt, der rote Faden herausgearbeitet, stilistische Schwächen erkannt und behoben. Probieren wir das mal anhand einer beliebigen, im Internet leicht zu findenden Geschichte unbekannten Verfassers, die offenbar noch nie geworkshopt wurde...

(Originaltext: eingerückt, Hervorhebungen der Workshopleiterin: fett, Anmerkungen der Workshopleiterin: kursiv)

Die Insel der Gefühle

Vor langer Zeit existierte einmal eine wunderschöne, kleine Insel. Auf dieser Insel waren alle Gefühle der Menschen zu Hause: Der Humor und die gute Laune, die Traurigkeit und die Einsamkeit, das Glück und das Wissen und all die vielen anderen Gefühle. Natürlich lebte auch die Liebe dort.
Offenbar geht es nicht um haptische, taktile Erfahrungen des Fühlens oder Tastens, sondern um die psychologische Dimension der Emotionen, die wiederum in die unkontrollierbaren Affekte und die länger ausgedehnten Stimmungen unterschieden werden. Gute Laune wäre eine Stimmung. Humor ist eine Charaktereigenschaft. Das Wissen -- nun ja. Kein Gefühl. Besser wäre es, andere Gefühle aufzählen, die weniger bestreitbar wären: Neben Traurigkeit, Einsamkeit und Glück  zum Beispiel Kälte, Hunger, Schmerz (die drei "männlichen" Gefühle...kleiner Scherz), oder vielleicht Neid, Furcht, oder Dankbarkeit, Mitleid...
Eines Tages wurde den Gefühlen jedoch überraschend mitgeteilt, dass die Insel sinken würde. Also machten alle ihre Schiffe seeklar, um die Insel zu verlassen. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten, denn sie hing sehr an ihrer Insel. Bevor die Insel sank, bat die Liebe die anderen um Hilfe.
Wer teilt mit, dass die Insel sinkt? Warum sinkt die Insel? Wohin wollen alle fliehen? Woher weiß die Liebe, wann genau die Insel sinken würde? Hier gibt es einen inhaltlichen Sprung, den man leicht ausmerzen könnte. (Eine Tsunamiwarnung beispielsweise wäre zeitgemäß, und würde sowohl den plötzlichen Aufbruch als auch den drohenden Untergang erklären...) 
Vor allem scheint es aber einen logischen Fehler zu geben, denn: Offenbar haben alle Boote, nur die Liebe nicht. Sie bleibt also gar nicht aus Hingabe zur Insel, sondern kann nicht weg - ein großer Unterschied! denn tatsächlich wartet sie ja nicht bis zum letzten Augenblick, sondern fragt, wie wir gleich sehen werden, die anderen Gefühle um Hilfe, während diese noch da sind!Werden wir absichtlich über den Charakter der Liebe getäuscht? Warum schreibt man nicht einfach: "nur die Liebe hatte kein Boot..."?
Als der Reichtum auf einem sehr luxuriösen Schiff die Insel verließ, fragte ihn die Liebe: "Reichtum, kannst du mich mitnehmen?"
"Nein, ich kann nicht. Auf meinem Schiff habe ich sehr viel Gold, Silber und Edelsteine. Da ist kein Platz mehr für dich."
Noch so ein "Gefühl"...
Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam. "Stolz, bitte, kannst du mich mitnehmen?"
"Liebe, ich kann dich nicht mitnehmen", antwortete der Stolz, "hier ist alles perfekt und du könntest mein schönes Schiff beschädigen."
Ist das wirklich Stolz? Klingt wie eine Mischung aus Eitelkeit und Habgier... Den Stolz interessiert möglicherweise weniger, ob sein Schiff beschädigt würde, als mit so einem schäbigen Gelump wie der Liebe (Wortwahl: Stolz!) gesichtet zu werden...
Als nächstes fragte die Liebe die Traurigkeit: "Traurigkeit, bitte nimm du mich mit."
"Oh Liebe", sagte die Traurigkeit, "ich bin so traurig, dass ich allein bleiben muss."
Die Traurigkeit scheint eine ausgewachsene Depression zu sein, die dringend in klinische Behandlung gehört - Vorsicht! Die zwei sind leicht zu verwechseln, aber mit so etwas ist nicht zu spaßen!
Als die gute Laune losfuhr, war sie so zufrieden und ausgelassen, dass sie nicht einmal hörte, dass die Liebe sie rief.
Auch die gute Laune benimmt sich untypisch - hat sie was geraucht? Oder war es die Selbstzufriedenheit?
Plötzlich aber rief eine Stimme: "Komm Liebe, ich nehme dich mit."
Die Liebe war so dankbar und so glücklich, dass sie ganz und gar vergaß, ihren Retter nach seinem Namen zu fragen.
Später fragte die Liebe das Wissen: "Wissen, kannst du mir vielleicht sagen, wer es war, der mir geholfen hat?"
Wie gesagt: das Wissen ist kein Gefühl... auch wenn mir diese Besserwisserei (die klugscheißerische Nichte des Wissens) gerade echt Spaß macht... Aber wohin ging die rettende Reise? Warum steht da das Wissen rum? Treffen sich alle im Hamburger Freihafen wieder?
"Ja sicher", antwortete das Wissen, "das war die Zeit."
"Die Zeit?" fragte die Liebe erstaunt, "Warum hat mir die Zeit denn geholfen?"
Und das Wissen antwortete: "Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist."
Die Zeit - ein Gefühl? Das berühmte Zeitgefühl also? 
Statt Gefühlen hätte man vielleicht besser Charaktertypen genommen, wie im Mittelalterlichen Totentanz: Den Geizigen, den Reichen etc.Oder - Spaß! - moderne zu entschlüsselnde Archetypen erfunden: den Wall-Street-Banker, den zerstreuten Professor...
Einleitung und Hauptteil waren knapp, aber vorhanden- der Schluß läßt zu wünschen übrig. Wo ist man jetzt? Immerhin gibt es eine passabel ausformulierte Moral zur Geschicht'... obwohl: das Wissen wusste ja auch Bescheid. Liebe hätte also auch bei Wissen mitfahren können?
Verfasser leider unbekannt
Zum Glück!  Happy End!

Wir sehen also, wie mit wenig Mühe aus einem vorhandenen Text ein sehr viel besserer Text entstehen könnte, wenn man die Vorlage auf inhaltliche Logik und narrative Stringenz untersucht.
Hausaufgabe: Die Geschichte neu schreiben.
 In der nächsten Stunde widmen wir uns dann der sprachlichen und stilistischen Ausarbeitung. Danach üben wir , wie man das Publikum in den Bann schlägt...
PowerPoint und Youtube sind da keine Lösung!

Ich empfehle das persönliche Vorlesen - der ernsthafte Vortrag vom frontalen Katheder. Nicht zu toppen!

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%BChl
http://de.wikipedia.org/wiki/Emotion
http://de.wikipedia.org/wiki/Totentanz#Liste_der_Totentanz-Motive
http://www.youtube.com/watch?v=NZX4hZl6GxQ