Freitag, 26. November 2010

Frauen und Netzwerke.

Wenn man, so wie ich, kein Auto besitzt, dann fährt man natürlich häufiger mit Bus und Bahn. Is' ja auch praktisch (außer wenn mal wieder der ICE ausfällt und man 40 min auf dem Gang stehen muss. Dafür bin ich schon lange zu alt, und bald auch echt. Aber echt!).  Notgedrungen lauscht man in Bus und Bahn anderen nicht-automobilen  Zeitgenossen so einiges ab. Einseitig geführte Handytelefonate sind dabei nicht so erfreulich wie echte Gespräche, und in letzter Zeit sind die Gespräche zwischen den Damen irgendwie interessanter - muss mich manchmal recht beherrschen, mich nicht einzumischen.

Neulich im Bus  zur Uni also diese Mädels. Wahrscheinlich Studierende, wahrscheinlich kurz vorm Abschluss - BA, nicht Master - nicht mehr so ganz grün hinter den Ohren, aber auch noch nicht sehr abgeklärt. Sie sprechen über Karrierechancen, demografische Entwicklung, Familienpolitik und Zukunftspläne. Und obwohl die Zeiten für hochqualifizierte junge Frauen schon mal deutlich schlechter standen, waren sie nicht sehr zuversichtlich. Fazit der einen: Frauen knüpfen halt keine Netzwerke, das ist ja bekannt. Da kommt man in der Karriereplanung eben nur bis zu einem gewissen Punkt, und dann nicht weiter...

http://blog.onlymarketingjobs.com/wp-content/uploads/2010/03/Oldboysnetwork.jpg

Ich habe das auch schon öfter gehört - Männer netzwerken, Frauen menscheln. Männer machen Karriere, Frauen die Wäsche. Ich habe es so oft gehört, dass ich es manchmal auch glauben möchte. Eine schöne einfache Erklärung für ein komplexes Phänomen.

Aber bei Licht betrachtet - bloß weil alle das "wissen", heißt ja nicht, dass es stimmt.
Frauen sind exzellente Netzwerkerinnen. Sie haben einen höhere Sozialkompetenz (so heißt es zumindest...:-D), sie haben eine höhere emotionale Intelligenz, sie sind emphatisch, sie kommunizieren statt zu dominieren etc pp. All diese Eigenschaften machen sie zumindest in der Theorie zu sehr guten und zuverlässigen Netzwerkerinnen.

Netzwerkerin

Und auch in der Praxis - nehmen wir doch mal die klassische Mutter von kleineren Kindern, gerne berufstätig - und die Kita streikt. (Fast) jede dieser Mütter hat eine Mutter/ Schwester/ Freundin aus der Stillgruppe, die zumindest zeitweise einspringen kann. Da wird ein sehr komplexes Netz von Tauschgeschäften gewoben - ich hole Deine Lena heute mit ab, wenn meine Pia morgen mit zu dir kann; meine alte Babysachen gegen das zu kleine Fahrrad deines Ältesten für die Nichte meiner Nachbarin damit die mir .... etc. Ein dichtes Netz an Gefallen und Gegen-Gefallen, Abhängigkeiten und Zuständigkeiten, und alle Mütter sitzen mittendrin wie die Spinne Thekla und weben und knüpfen und denken oft mehrere Schritte um die Ecke und wenn sich dabei alle noch gut verstehen und Spaß haben, umso bessser. In den meisten Fällen funktionieren diese Netzwerke ganz hervorragend, und da werden auch so manche Kita-Mütter "mitgeschleppt" mit denen man sich ohne Kind vielleicht nicht (so eng) angefreundet hätte. Weil es nämlich notwendig ist, um den Alltag zu organisieren, Kind, Haushalt und Beruf (oder anderen Verpflichtungen) gerecht zu werden.

Und hier liegt wohl eher der eigentliche Unterschied zwischen "männlichen" und weiblichen Netzwerken: Männer netzwerken vor allem im und für den Job. Frauen netzwerken "privat" oder in ihrer Eigenschaft als "Famillienmanagerin" - aber nicht da, wo sie finanziell davon profitieren würden (sie profitieren, natürlich). Aber das gleiche Geschick in ein berufliches Netzwerk zu investieren wie in ein privates, das finden wir unartig, unmoralische, unfair, und benennen es mit negativen Begriffen wie Kader, Seilschaft, old boys...
Die Schere ist, wie so häufig, im Kopf. Leider.
Irgendwie sind wir's oft ja auch selbst schuld, wenn wir uns das Leben so schwer machen. Xing und Kaffeepausen stehen uns ja genauso zur Verfügung. Und ganz offensichtlich ist es nicht unmoralisch - gibt ja sogar Fortbildungen dazu! Aber das konnte ich den Mädels im Bus ja wohl kaum erklären - im Übrigen waren sie ja auch schon ausgestiegen...

("Echte" Mütter mögen mich korrigieren, mein obiges Beispiel beruht auf Beobachtung, nicht auf Erfahrung. Im Zweifel halte ich es allerdings für zutreffend, eher noch Untertreibung.)

Heute mal eigene Gedanken, keine Links.
Zuletzt mal so Gedanken gepostet: Si tacuisses...

Freitag, 5. November 2010

Templiner Manifest - hier lang zur Unterschrift.


Die GEW hat eine ordentliche Aktion gestartet - das Templiner Manifest bemüht sich um eine Anerkennung von Wissenschaft als Beruf - denn so wie Lehrbeauftragte und Post-Docs zur Zeit behandelt werden, lässt sich Wissenschaft für die meisten Doktoranden und Post-Docs -- also wir in den 30gern, in der berühmten Karriere-bauen-Familie-gründen-Phase -- nur als Hobby betreiben - vorausgesetzt, man hat Vermögen oder eine/n Ernährer(in), oder einen lukrativen Hauptjob, oder kann und will von Hartz IV leben...
 Hier ist der Link: http://www.gew.de/Templiner_Manifest.html
 und hier ist der Text:


Templiner Manifest

Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind mit wachsenden Anforderungen konfrontiert: durch steigende Studierendenzahlen, durch die Reform der Studiengänge, eine autonome Steuerung der Einrichtungen und die zunehmende Bedeutung der Drittmitteleinwerbung. Diesen Anforderungen müssen sich die Beschäftigten in der Wissenschaft stellen, ohne dass sie aufgabengerechte Bedingungen vorfinden. Befristete Arbeitsverträge und weitere Formen atypischer und prekärer Beschäftigung betreffen immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern werden selbstständige Forschung und Lehre und verlässliche berufliche Perspektiven verwehrt.

Doch gute Lehre und Forschung auf der einen Seite sowie gute Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven auf der anderen sind zwei Seiten einer Medaille. Wir fordern daher Bund, Länder und Hochschulen zu einer Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung auf, die sich an den folgenden zehn Eckpunkten orientiert.

1. Promotionsphase besser absichern und strukturieren
Wir verstehen die Promotion als erste Phase wissenschaftlicher Berufsausübung. Für Doktorandinnen und Doktoranden fordern wir daher ausreichend tarifvertraglich geregelte Beschäftigungsverhältnisse zur Qualifikation mit Sozialversicherungsschutz, die mindestens drei Viertel der Arbeitszeit für die eigenständige Qualifikation vorsehen. Fächerübergreifende Graduiertenzentren sollen alle Promovierende bei der Aufnahme, Durchführung und dem erfolgreichen Abschluss des Promotionsvorhabens unterstützen. Wir treten für mehr Transparenz und soziale Gerechtigkeit beim Zugang zur Promotion ein – auch für Fachhochschulabsolventinnen und -absolventen.

2. Postdocs verlässliche Perspektiven geben
Promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Postdocs) müssen verlässliche berufliche Perspektiven haben: durch einen Tenure Track, der den dauerhaften Verbleib in Hochschule und Forschung ermöglicht – unabhängig davon, ob eine Berufung auf eine Professur erfolgt oder nicht. Voraussetzung dafür ist eine systematische Personalplanung und –entwicklung durch Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Hochschullehrerlaufbahn muss über unterschiedliche Karrierewege erreichbar sein, die Habilitation ist dabei immer nur eine Möglichkeit.

3. Daueraufgaben mit Dauerstellen erfüllen
Neben Stellen zur Qualifikation und Professuren benötigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ausreichend Stellen, auf denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit unbefristeten Verträgen Wissenschaft als Beruf ausüben können. Nur so lassen sich die Daueraufgaben in Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement mit der erforderlichen Kontinuität und Qualität erfüllen. Und nur dann eröffnen sich qualifizierten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berufliche Perspektiven auch neben der Professur.

4. Prekäre durch reguläre Beschäftigung ersetzen
Viele Hochschulen lassen unter großem finanziellen Druck einen erheblichen Teil ihrer Pflichtlehre von Lehrbeauftragten erbringen. Mit der Ausbeutung von Dumping-Lehrkräften muss Schluss sein! Dort, wo Lehrbeauftragte dauerhaft Lehr- und Prüfungsaufgaben wahrnehmen, müssen diese sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse erhalten. Soweit zur Ergänzung des Lehrangebots Lehraufträge sinnvoll sind, müssen Mindeststandards im Hinblick auf Bezahlung, Vertragsdauer und Verlängerungsoption gelten.

5. Im Gleichgewicht lehren, forschen und leben
Wissenschaft ist ein normaler Beruf, auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein Recht auf eine Work-Life-Balance. Das setzt eine familiengerechte Gestaltung von Hochschule und Forschung voraus. Dabei gehen wir von einem breiten Familienverständnis aus, das alle Lebensgemeinschaften einschließt, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Wir fordern bedarfsgerechte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder, die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Beschäftigten mit betreuungs- und pflegebedürftigen Angehörigen und die Realisierung entsprechender Arbeitszeitmodelle.

6. Ausgeglichenes Geschlechterverhältnis durchsetzen
Da Frauen in leitenden Funktionen des Wissenschaftsbetriebs unterrepräsentiert sind, brauchen wir wirksame Maßnahmen, um den Anteil der Frauen auf allen Stufen der wissenschaftlichen Laufbahn mit dem Ziel eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses zu erhöhen. Die Qualität der Arbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen muss danach beurteilt werden, mit welchem Erfolg sie den Gleichstellungsauftrag erfüllen. Wir fordern eine verbindliche und mit Sanktionen verknüpfte Quotierung, auch bei der Besetzung von Professuren und Leitungsfunktionen. Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte brauchen wirksame Gestaltungsmöglichkeiten und Beteiligungsrechte.

7. Gleichberechtigt mitbestimmen
Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssen demokratisiert, die Selbstverwaltung muss gestärkt werden. Alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen unabhängig vom Status in Hochschulgremien beziehungsweise Aufsichtsgremien der Forschungseinrichtungen auf Augenhöhe gleichberechtigt mitbestimmen können. Das gilt auch für neue Organisationsformen wie Graduiertenschulen oder Exzellenz-Cluster. Wir fordern eine Ausdehnung des Geltungsbereichs der Personalvertretungsgesetze bzw. des Betriebsverfassungsrechts auf alle Beschäftigten sowie einen Ausbau der Rechte der von ihnen gewählten Personalvertretungen und Betriebsräte – auch als Konsequenz der größeren Autonomie der Einrichtungen in Wirtschafts- und Personalangelegenheiten.

8. Mobilität fördern, nicht bestrafen
Wir treten für Bedingungen in der Wissenschaft ein, die Mobilität ermöglichen: zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, im europäischen und globalen Hochschul- und Forschungsraum sowie zwischen Wissenschaft und Praxis. Altersversorgungs- und Sozialversicherungsansprüche müssen uneingeschränkt erhalten, Erfahrungszeiten bei anderen Einrichtungen und Qualifikationen anerkannt werden. Gleichzeitig gilt: Auch wer nicht mobil sein will oder kann, muss eine faire Chance in der Wissenschaft haben.

9. Hochschule und Forschung bedarfs- und nachfragegerecht ausbauen
Die wachsenden Anforderungen an Forschung, Lehre und Wissenschaftsmanagement sind auf Dauer nur durch einen bedarfs- und nachfragegerechten Ausbau von Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu bewältigen. Dazu brauchen wir mehr Studienplätze, ein besseres Betreuungsverhältnis und eine intensivere Forschung, um den gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden.

10. Alle Beschäftigungsverhältnisse tarifvertraglich aushandeln
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie studentische Beschäftigte haben Anspruch auf tarifvertraglichen Schutz. Wir fordern daher die Ausdehnung des Geltungsbereichs der Flächentarifverträge des öffentlichen Dienstes auf alle Beschäftigten in Hochschule und Forschung. Wir treten für wissenschaftsspezifische Regelungen ein, die den besonderen Anforderungen des Arbeitsplatzes Hochschule und Forschung Rechnung tragen. Der Gesetzgeber muss die Tarifautonomie von Gewerkschaften und Arbeitgebern respektieren und das Verbot, Regeln zur Befristung von Arbeitsverträgen in Hochschule und Forschung auszuhandeln und anzuwenden, aufheben. Daher fordern wir die ersatzlose Streichung der Tarifsperre im Wissenschaftszeitvertragsgesetz.

/ Templiner Manifest online unterzeichnen


Zuletzt ging es um Wissenschaft als Arbeitsplatz hier: Lehrjahre sind keine Herrenjahre.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Stuttgart 21. Endlich umsetzen, was New York vor 100 Jahren vorgemacht hat.

Eigentlich sollte ich mich schon länger dazu geäußert haben. Die Debatte um Stuttgart 21 tobt, aber vor allem die Bürger toben.
Erstaunlich, dass sie das jetzt erst tun, denn das Projekt ist ja nicht gerade neu. Tatsächlich ist es so alt, dass es schon 1996 in Tübingen im studentischen Debattierclub "Debatte" Thema war. (Damals hörte ich zum ersten Mal davon.) Ungefähr genauso lange (gefühlt) gab es eine Ausstellung zu den Plänen im Turm des Bonatz-Bahnhofs in Stuttgart - die Pläne wurden nicht verschwiegen, aber Aufruhr gab es erst, als sie dann -- endlich! -- umgesetzt werden sollten.

Und natürlich ist es skandalös, wenn Schülern und Rentnern und Bürgern, die bloß von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen, mit Tränengas und Knüppeln begegnet wird - die Eskalation ist völlig unentschuldbar.

Aber viel skandalöser ist es, wenn mit fadenscheinigen und uninformierten Argumenten der Umbau verhindert werden soll. Möglich, dass im Detail noch viel zu verbessern wäre. Aber das stellt m. E. keineswegs das Projekt selbst in Frage. Man hat das Gefühl, hier protestieren die gleichen Leute, die 1835 schon in Fürth "dagegen" waren - damals allerdings mit viel berechtigteren Ängsten vor der neuen Technik.

Stuttgart 21 hat eine viel größere Dimension als den Baulärm, den es rund um den Schloßpark in den nächsten 10 Jahren geben wird. Es geht um ein europaweites Schienensystem. Vielleicht werden bis Ulm oder München "nur" elf Minuten eingespart --- aber von Madrid bis Budapest läppert sich das zusammen.

Von den immensen -notwendigen - Chancen für die Stuttgarter Innenstadt-Entwicklung wollen wir gar nicht sprechen. Ich bin weit davon entfernt, Stuttgart mit New York zu vergleichen - aber wenn Grand Central Station 1903-13 nicht elektrifiziert und untertunnelt worden wäre, gäbe es heute keine Park Avenue. Dass dabei die Bahnschuppen des jetzigen Kopfbahnhofs - dessen eindrucksvolle und denkmalgeschützte Wandelhalle und Turm ja im Übrigen erhalten bleiben - abgerissen wird, wird in 20 Jahren niemand mehr bedauern.

Werden die Kosten eingehalten werden? Wahrscheinlich nicht. Dennoch hinkt der Vergleich zum Beispiel mit der Elbphilarmonie. Während bei letzerer eine Kostenexplosion zwar zu weltweit einmaliger Akustik führt, profitieren davon nur wenige (konzertbegeisterte, musikverständige) Menschen. Selbst wenn Stuttgart 21 teuerer wird - was nach Erfahrungswerten wahrscheinlich ist - so ist das wohlinvestiertes Geld: in die Infrastruktur (regional, national, international), in die Innenstadtentwicklung, in die Ökologie und in die regionale Wirtschaft. 

Wenn Stuttgart als eine der wenigen deutschen Regionalmetropolen auch weiterhin wachsen soll, dann müssen jetzt die Weichen gestellt werden. Das mag im Moment unangenehm sein. Aber da muss man durch - ich glaube, dass es sich lohnt.

Weitere, exzellente Argumente pro Stuttgart 21 in der Faz und anderswo, z. B. auch auf The European.

Link:
http://grandcentralterminal.com/info/grandcentralterminal.cfm
http://www.faz.net/s/Rub0F6C1ACA6E6643119477C00AAEDD6BD6/Doc~EFACC66319B9846E0BBD645B357EADCEB~ATpl~Ecommon~Scontent.html
http://www.theeuropean.de/wolfgang-dietrich/4521-stuttgart-21-muss-realisiert-werden

Zuletzt ging es um den Stuttgarter Hauptbahnhof in diesem Beitrag: was macht Ihr denn so über Ostern?

Samstag, 2. Oktober 2010

Draußen, vor dem Fenster...

laufen vermummte Gestalten die Straße entlang und rufen:

 "Nie wieder Deutschland!"
und

"Deutschland. Nation. Kapital. Scheiße!"
und
andere Dinge, die man in einer Demokratie laut und deutlich sagen darf.
Über die gewünschte Alternative sagen sie nicht viel, zumindest nichts, was ich so schnell verstehen kann. "Nie wieder Deutschland" - das zum Beispiel erklärt nicht, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen... Angliederung an Frankreich? Freistaat Bremen? Wohl kaum.

Und die jungen Leute, ausnahmslos mit schwarzen Kapuzenpullis uniformiert, würde man auch alle gerne mal in die Normannestraße nach Berlin schicken, oder nach Kuba, oder in eine Kolchose in Nord Korea, wo sie sich angucken können, wohin das führt mit dem real existierenden Sozialismus/Kommunismus.
Da sind die Uniformen auch gleich viel fescher...

Bis dahin sage ich: Happy Einheit, liebes Deutschland!
Gut gemacht - auch wenn es noch viel zu tun gibt....


Links:
http://www.stasimuseum.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunistische_Partei_Kubas
http://de.wikipedia.org/wiki/Nordkorea
http://www.bremen.de/tag_der_deutschen_einheit/

Zuletzt habe ich aus dem Fenster geschaut: Bremer Karneval. Land unter!

Dienstag, 28. September 2010

PowerPoint ist tot - Es lebe Prezi? Einige Überlegungen für und wider.

Schon vor Wochen wurde ich auf das neue Präsentationstool Prezi aufmerksam gemacht - von verschiedenen Seiten, aber nach diesem Artikel auf artefakt habe ich mich auf der Website mal genauer umgeschaut und einen Probe-Account eröffnet. Wie bei fast allen neuen Web-2.0-Anwendungen erscheint allerdings der Jubel der Konvertierten Neu-Prezianer ein bisschen einseitig...




Natürlich: Prezi scheint ein gutes Tool zu sein.
Aber es gelten auch hier einige Einschränkungen. Die wichtigste ist -wie immer- der Anwender.
Wer schlechte PPP erstellt, der wird auch keine guten Prezis estellen.

Denn in jedem Fall gilt es, zuallererst folgende Frage zu beantworten:
-Was will ich meinem Publikum sagen?
erst dann kann ich fragen:
-Mit welchem Medium kann ich meine Aussage unterstützen?
und dann muss ich mir ganz ganz klar machen:
- eine gute Präsentation (egal mit welcher Software) schreibt man nicht "mal schnell zwischendurch"  in zwei Stunden...14 Tage sollte man schon kalkulieren (mit "Ruhephasen", selbstverständlich!)

Für mich als Kunsthistorikerin ist PPP nicht automatisch mit Schwefelgeruch umgeben -meine PP-Vorträge sehen ziemlich genau so aus, wie ich es in der Uni mit zwei Diaprojektoren  gelernt habe. Nur halt jetzt digital. Also Folien mit großen Bildern, oder Folien mit Bild und Detail eines Bildes. Powerpoint kann das, und Powerpoint kann das gut. Basta.

Außerdem nutze ich gerne die Notizenfunktion von PP, um bereits geschriebene Texte zu editieren. Das geht ungefähr so: 
1. Fertig ausformulierten Vortrag/Teilkapitel der Diss/Hausarbeit abspeichern
2. Einzelne Abschnitte in das Notizenfeld leerer Folien kopieren
3. Zum Text passende Folie gestalten
3.a) Schlussfolgerung/Hauptthese des Absatzes in den Titel tun. Dabei bemerken, ob die Hauptthese des Abschnittes bereits ausformuliert im Text ist, und warum eigentlich nicht?
3.b) Der Argumentation zugrundeliegende Bilder in die Folie packen. (In Kunstgeschichte liegen eigentlich immer Bilder zugrunde, deshalb ist das nicht so schwer). Überprüfen, ob man die gleichen Bilder im Abbildungsverzeichnis hat, bzw. im Text angegeben hat.
3.c) Alles was nicht mit der Folie zu tun hat, aus dem Text streichen (überflüssig) oder in eine neue Folie verschieben (neuen Absatz im Text anlegen.)
4. Anhand der Reihenfolge der Folien überprüfen, ob der Argumentationsaufbau im Text so sinnvoll ist, oder ob einzelne Argumentationsstränge verschoben werden müssen.
5. Alle Änderungen wieder in den Text übernehmen. Fertig.
Hat sich bei mir bewährt.

Nun bin ich, wie gesagt, als Kunsthysterikerin in einer sehr bequemen Position mit meinen PP-Folien, aber die erste Regel lautet eben: nützt die Folie meinem Publikum?
Visualisierung ist wichtig, aber PowerPoint ist kein Teleprompter. Warum also sollte ich meinem Publikum meine Vortragsnotizen zum Mitlesen zumuten, die ich mir doch viel besser ausdrucken kann - wer mitliest, hört nicht zu.
Und wenn das Publikum den Text wirklich braucht oder als Skript haben soll, kann ich die Notizen als Handzettel austeilen (oder einen eigens angefertigten Handzettel), und gut.

Heute erwarten die Studierenden, dass ihnen nach jeder Vorlesung sofort die Folien zur Verfügung gestellt werden. Das führt dazu, dass keiner der Studies mehr selbst mitschreibt, oder möglicherweise etwas falsches mitschreibt (ich denke hier natürlich hauptsächlich  an den universitären Kontext...) und dann hat er/sie wahrscheinlich nur wenig davon - wer mal versucht hat, den Inhalt einer PPP zu verstehen, ohne den Vortrag gehört zu haben (Stichwort PowerPoint-Karaoke), der weiß, was ich meine. Und was ist mit den schön-altmodischen Vorträgen, in denen es erst gar keine Medienunterstützung gibt? A***karte in gold!

Andererseits wird auch von den Studierenden erwartet, dass sie ihre Referate mit Medienunterstützung präsentieren. PPP haben sich hier zum Standard gemausert. Davon abgesehen, dass die intelligente Nutzung von PP den Großteil der Referate schon sehr viel erträglicher machen würde, könnte Prezi hier eine echte Bereicherung sein.

Prezi funktioniert wie eine große, digitale Tafel. Man kann sich darauf Notizen machen, Bilder oder Videos hinzufügen, und vor allen Dingen hinein und wieder herauszoomen. Eine Skalierung von wichtigen und unwichtigen Punkten erfolgt daher einfach und intuitiv durch unterschiedliche Größenverhältnisse.
Natürlich kann man auch hier vieles falsch machen - auf die Gefahr von Seekrankheit und Schwindelgefühl durch zuviel/unmotiviertes Zoomen weisen schon die Prezi-Leute in ihren Tutorials hin.

Ich bin auch nicht ganz überzeugt davon, dass man Prezi - in der Freeware - nur online nutzen kann... aber wahrscheinlich hat heute ohnehin jeder (potentielle Nutzer) eine Flatrate.
Immerhin gibt es ohne Umstände eine Studenten/Lehrendenversion, die es erlaubt, zusätzliche Features kostenlos zu nutzen. Und Prezi ist neu, und lebt daher noch von der Mund-zu-Mund-Propaganda...

Meines Erachtens ist Prezi gut für Präsentationen, die
a) textlastig wären (in PowerPoint hauptsächlich aus Bulletpoints bestünden)
b) auch ohne Erzähler funktionieren müssen (z. B. statt einer Posterpräsentation)
c) wenn man noch keinen ausformulierten Text hat, der zum Referat gekürzt werden soll, sondern umgekehrt erst einige Stichpunkte gesammelt werden, die zum Referat ausgebaut werden sollen...

Prezi ist m. E. super geeignet, Mindmap-Strukuren mit einem Erzählstrang zu versehen.
Leider bin ich nicht gut mit Mindmaps. Ich glaube auch nicht, dass ich mich noch umgewöhnen kann.
Aber wir arbeiten alle unterschiedlich.

Links:
www.prezi.com
http://www.artefakt-sz.net/allerart/warum-eigentlich-immer-powerpoint
http://prezi.com/wwmfvms6dno-/death-of-powerpoint-prometisdesigncom/
http://de.wikipedia.org/wiki/Powerpoint-Karaoke