Dienstag, 31. August 2010

CO2-neutraler Blog.

Möglicherweise eine gute Sache:
Blog CO2-neutral machen.
Geht ganz einfach:

1. Bild in die Sidebar
http://www.kaufda.de/umwelt/co2-neutral/banner/

2. Post drüber schreiben

3. kaufda pflanzt einen Baum - kostenlos

Mitmachen! schlimmstenfalls steht irgendwo ein Baum, der vorher nicht da war. Klingt das gut?

Links:
http://www.kaufda.de/umwelt/

Die Insel der Gefühle. Ein Schreibworkshop.

Ein Schreibworkshop ist eine Veranstaltung, in der ein Textentwurf zusammen mit der/dem Workshopleiter/in besprochen und kritisch überarbeitet wird. Im besten Falle werden Redundanzen entfernt, der rote Faden herausgearbeitet, stilistische Schwächen erkannt und behoben. Probieren wir das mal anhand einer beliebigen, im Internet leicht zu findenden Geschichte unbekannten Verfassers, die offenbar noch nie geworkshopt wurde...

(Originaltext: eingerückt, Hervorhebungen der Workshopleiterin: fett, Anmerkungen der Workshopleiterin: kursiv)

Die Insel der Gefühle

Vor langer Zeit existierte einmal eine wunderschöne, kleine Insel. Auf dieser Insel waren alle Gefühle der Menschen zu Hause: Der Humor und die gute Laune, die Traurigkeit und die Einsamkeit, das Glück und das Wissen und all die vielen anderen Gefühle. Natürlich lebte auch die Liebe dort.
Offenbar geht es nicht um haptische, taktile Erfahrungen des Fühlens oder Tastens, sondern um die psychologische Dimension der Emotionen, die wiederum in die unkontrollierbaren Affekte und die länger ausgedehnten Stimmungen unterschieden werden. Gute Laune wäre eine Stimmung. Humor ist eine Charaktereigenschaft. Das Wissen -- nun ja. Kein Gefühl. Besser wäre es, andere Gefühle aufzählen, die weniger bestreitbar wären: Neben Traurigkeit, Einsamkeit und Glück  zum Beispiel Kälte, Hunger, Schmerz (die drei "männlichen" Gefühle...kleiner Scherz), oder vielleicht Neid, Furcht, oder Dankbarkeit, Mitleid...
Eines Tages wurde den Gefühlen jedoch überraschend mitgeteilt, dass die Insel sinken würde. Also machten alle ihre Schiffe seeklar, um die Insel zu verlassen. Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten, denn sie hing sehr an ihrer Insel. Bevor die Insel sank, bat die Liebe die anderen um Hilfe.
Wer teilt mit, dass die Insel sinkt? Warum sinkt die Insel? Wohin wollen alle fliehen? Woher weiß die Liebe, wann genau die Insel sinken würde? Hier gibt es einen inhaltlichen Sprung, den man leicht ausmerzen könnte. (Eine Tsunamiwarnung beispielsweise wäre zeitgemäß, und würde sowohl den plötzlichen Aufbruch als auch den drohenden Untergang erklären...) 
Vor allem scheint es aber einen logischen Fehler zu geben, denn: Offenbar haben alle Boote, nur die Liebe nicht. Sie bleibt also gar nicht aus Hingabe zur Insel, sondern kann nicht weg - ein großer Unterschied! denn tatsächlich wartet sie ja nicht bis zum letzten Augenblick, sondern fragt, wie wir gleich sehen werden, die anderen Gefühle um Hilfe, während diese noch da sind!Werden wir absichtlich über den Charakter der Liebe getäuscht? Warum schreibt man nicht einfach: "nur die Liebe hatte kein Boot..."?
Als der Reichtum auf einem sehr luxuriösen Schiff die Insel verließ, fragte ihn die Liebe: "Reichtum, kannst du mich mitnehmen?"
"Nein, ich kann nicht. Auf meinem Schiff habe ich sehr viel Gold, Silber und Edelsteine. Da ist kein Platz mehr für dich."
Noch so ein "Gefühl"...
Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam. "Stolz, bitte, kannst du mich mitnehmen?"
"Liebe, ich kann dich nicht mitnehmen", antwortete der Stolz, "hier ist alles perfekt und du könntest mein schönes Schiff beschädigen."
Ist das wirklich Stolz? Klingt wie eine Mischung aus Eitelkeit und Habgier... Den Stolz interessiert möglicherweise weniger, ob sein Schiff beschädigt würde, als mit so einem schäbigen Gelump wie der Liebe (Wortwahl: Stolz!) gesichtet zu werden...
Als nächstes fragte die Liebe die Traurigkeit: "Traurigkeit, bitte nimm du mich mit."
"Oh Liebe", sagte die Traurigkeit, "ich bin so traurig, dass ich allein bleiben muss."
Die Traurigkeit scheint eine ausgewachsene Depression zu sein, die dringend in klinische Behandlung gehört - Vorsicht! Die zwei sind leicht zu verwechseln, aber mit so etwas ist nicht zu spaßen!
Als die gute Laune losfuhr, war sie so zufrieden und ausgelassen, dass sie nicht einmal hörte, dass die Liebe sie rief.
Auch die gute Laune benimmt sich untypisch - hat sie was geraucht? Oder war es die Selbstzufriedenheit?
Plötzlich aber rief eine Stimme: "Komm Liebe, ich nehme dich mit."
Die Liebe war so dankbar und so glücklich, dass sie ganz und gar vergaß, ihren Retter nach seinem Namen zu fragen.
Später fragte die Liebe das Wissen: "Wissen, kannst du mir vielleicht sagen, wer es war, der mir geholfen hat?"
Wie gesagt: das Wissen ist kein Gefühl... auch wenn mir diese Besserwisserei (die klugscheißerische Nichte des Wissens) gerade echt Spaß macht... Aber wohin ging die rettende Reise? Warum steht da das Wissen rum? Treffen sich alle im Hamburger Freihafen wieder?
"Ja sicher", antwortete das Wissen, "das war die Zeit."
"Die Zeit?" fragte die Liebe erstaunt, "Warum hat mir die Zeit denn geholfen?"
Und das Wissen antwortete: "Weil nur die Zeit versteht, wie wichtig die Liebe im Leben ist."
Die Zeit - ein Gefühl? Das berühmte Zeitgefühl also? 
Statt Gefühlen hätte man vielleicht besser Charaktertypen genommen, wie im Mittelalterlichen Totentanz: Den Geizigen, den Reichen etc.Oder - Spaß! - moderne zu entschlüsselnde Archetypen erfunden: den Wall-Street-Banker, den zerstreuten Professor...
Einleitung und Hauptteil waren knapp, aber vorhanden- der Schluß läßt zu wünschen übrig. Wo ist man jetzt? Immerhin gibt es eine passabel ausformulierte Moral zur Geschicht'... obwohl: das Wissen wusste ja auch Bescheid. Liebe hätte also auch bei Wissen mitfahren können?
Verfasser leider unbekannt
Zum Glück!  Happy End!

Wir sehen also, wie mit wenig Mühe aus einem vorhandenen Text ein sehr viel besserer Text entstehen könnte, wenn man die Vorlage auf inhaltliche Logik und narrative Stringenz untersucht.
Hausaufgabe: Die Geschichte neu schreiben.
 In der nächsten Stunde widmen wir uns dann der sprachlichen und stilistischen Ausarbeitung. Danach üben wir , wie man das Publikum in den Bann schlägt...
PowerPoint und Youtube sind da keine Lösung!

Ich empfehle das persönliche Vorlesen - der ernsthafte Vortrag vom frontalen Katheder. Nicht zu toppen!

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%BChl
http://de.wikipedia.org/wiki/Emotion
http://de.wikipedia.org/wiki/Totentanz#Liste_der_Totentanz-Motive
http://www.youtube.com/watch?v=NZX4hZl6GxQ

Mittwoch, 25. August 2010

Reisen lassen.

Zwei Wochen hatte ich frei, was sich bei meiner Drei-Tage-Woche und einigen Wochenenden auf stolze 18 Urlaubstage verlängert. Und nein: ich bin nicht weggefahren.
Die Wahrheit ist nämlich, ich verreise nicht gerne. Viele Mitmenschen glauben mir das nicht, und verweisen auf meine zahlreichen Auslandsaufenthalte, und ich sei doch soweit herumgekommen. Nun ist aber ein Auslandssemester in den USA, oder ein vierwöchiger Sprachkurs in Florenz, ja selbst ein Jahr in Kyoto ziemlich genau das Gegenteil von Reisen: es ist nämlich "woanders wohnen".

Woanders wohnen tu ich sehr gerne. Ich suche mir eine Unterkunft, und von der Unterkunft erarbeite ich mir innerhalb der ersten drei bis vier Tage meine neue Umgebung: Supermarkt, Arbeit/Uni/Schule, Bäcker, ggf. Friseur, Kirche und andere Infrastruktur werden aufgesucht, und mit imaginären Trampelpfaden in die Mental Map eingetragen.
Bildquelle: http://www.loosetooth.com/Viscom/gf/mental_map.gif
Spätere Abweichungen von den gewohnten Routen benötigen hohe Energie und in der Regel Fremdeinwirkung: Besucher, neue Freunde/neuer Job/neue Wohnung... Reiselust hingegen bedeutet, neugierig zu sein, nicht nur die Straßenseite zu wechseln (Abwechslung!) sondern sogar die Straße, ständig unterwegs sein, öfter mal und immer wieder in fremden Betten schlafen... Anstrengend! Ich hab gar nichts gegen Exotik, aber ich brauche Konstanz (nicht das am Bodensee). 

Deshalb sind auch immer wieder Menschen überrascht, wenn ich behaupte, ich würde gerne mal mit der Trans-Sib nach Shanghai fahren. Oder mit dem Orient-Express. Oder dem Blue Train, oder anderen berühmten Zügen. Oder eine Ostseekreuzfahrt machen, via Stockholm, Baltikum, St. Petersburg, Danzig... da sei man doch dauernd unterwegs? Ja, und nein, denn meine Kabine/Abteil behalte ich ja. Bin also "zu Hause", komme trotzdem herum, perfekt! Nur dass man halt die Mitreisenden immer an der Backe hat, und die meisten davon kann man sich ja in der Regel nicht aussuchen. Nun ist es aber tatsächlich so, dass man nur beim alleine reisen die Möglichkeiten voll ausschöpft (genau wie beim alleine auf Parties gehen): spontane Umwege/Verlängerungen/Kontakte zu "Einheimischen" -- alles alleine viel leichter und angenehmer zu haben. Gute Reisegenossen sind hingegen selten. Schade, kein Plan ist perfekt...

Und so bin ich eben nicht weggefahren in meinen 18 Tagen "Urlaub" - ich hatte wahrhaftig auch zu Hause genug zu tun - und habe stattdessen reisen lassen. Von Hamburg nach Schanghai, mit dem Zug entlang der Seidenstraße, und ich kriege eins-A-Original-Reise-Erlebnisse, wie ich sie so toll niemals selbst erlebt hätte, und kann dabei die ganze Zeit zu Hause auf dem Sofa sitzen!
Quelle: http://www.tina-uebel.de/titel/bilder/tinareise-xs.gif
Über die Hälfte haben wir schon geschafft, und ich hatte noch nicht einmal Blasen an den Füßen/ Rückenschmerzen/Magenverstimmung - toll!
Die Hamburger Schriftstellerin Tina Uebel hat ein Residenz-Scholarship, eine Art "Forschungsaufenthalt" der Stadt Schanghai erhalten. Am 1. September geht's los, also noch fünf Tage ungefähr - Sie ist aber schon vor fünf Wochen losgefahren, und berichtet, je nach WLAN-Lage nicht immer täglich, und auch nicht immer in der richtigen Reihenfolge, von ihren Reiseerlebnissen. Ihre Neugierde, ihre Offenheit, ein Lonely-Planet, eine gehörige Portion Selbst-Ironie und zudem wenige aber solide Russischkenntnisse sind ihre wichtigsten Waffen - ihre berufsbedingte Freude am Wort und Beobachtunsfähigkeit machen die Lektüre zum Vergnügen. Ganz nebenbei wird mir dabei klar, wie wenig ich eigentlich über Asien weiß: wo es anfängt beispielsweise, und wie es dort aussieht. Samarkand, Taschkent, das riecht nach Orangen und fühlt sich etwas staubig an und glitzert gülden - Seidenstraße! Marco Polo! - aber aktuelle Fakten habe ich über diese Fremde nicht. Nicht mal Marco Polo habe ich gelesen!
Ich bin ihr ein paar Tage hinterher, aber wie schön, auch während der Arbeitswoche abends ein bisschen reisen zu können...
Empfehlenswert!

via

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Karte
http://de.wikipedia.org/wiki/Transsibirische_Eisenbahn
http://de.wikipedia.org/wiki/Orient-Express
http://www.tina-uebel.de/
http://www.gutenberg.org/etext/10636
http://nutriculinary.com/2010/07/21/neues-blog-uebel-unterwegs-von-hamburg-nach-shanghai-auf-dem-landweg/

Die Schrecken des Reisen habe ich unter anderem hier geschildert: Urlaubszeit. Must-Sees. und Alle Wetter

Dienstag, 17. August 2010

Wie soll ich das meinen Eltern erklären?

In der Regel finde ich das aller-allerschlimmste, einem  Künstler zuzuhören, der seine eigene Kunst erklären will oder soll.
Nicht so sehr, weil ich finde, das sei mein Job als Kunsthysterikerin.
Vielmehr weil ich finde, dass die meisten Künstler dazu gar nicht in der Lage sind.
Es gibt Ausnahmen - es gibt immer Ausnahmen! - aber der Künstler an sich, der mit seiner Kunst etwas sagen, anklagen, kommentieren, aufzeigen will - der wählt ja nun gerade sein ihm eigenes Medium - die Kunst - sei sie Malerei, Installation, Tanz, Bildhauerei, Musik, whatever - und eben nicht das gesprochene oder geschriebene Wort, um zu sagen, anzuklagen, zu kommentieren oder aufzuzeigen.

Und selbst wenn sie es tun, und selbst wenn sie es können (die Botschaft ihrer Kunst in Worte zu übersetzen), so engen sie den "Originaltext" ein  - denn jede Übersetzung ist Interpretation, und die Interpretation des Künstlers trägt die enorme Last, als die "eigentliche" , die "wirklich gemeinte" Botschaft des Kunstwerks aufgenommen zu werden. Das wiederum verhindert, dass das Kunstwerk andere, kontextbezogene, betrachterbezogene,  nicht zeitgebundene, neue und sich stets erneuernde Bedeutungen annehmen oder generieren kann. Letzteres ist wiederum ein Merkmal guter Kunst - sie spricht für sich, unabhängig vom Künstler entwickelt sie ein eigenes Leben, wird erwachsen.

Deshalb sollten Künstler nicht über ihre eigene Kunst sprechen. Finde ich.
Aber auch Künstler müssen erwachsen werden. Und ihren Eltern erklären, was sie da eigentlich tun.
Ganz großes Kino!

Klick aufs Bild führt zum Film.

via itspublique

Link:
http://www.blinkart.co.uk/#project/howtoexplaintomyparents
http://itspublique.wordpress.com/2010/08/13/how-to-explain-it-to-my-parents/

Über aktuelle Kunstereignise schrieb ich zuletzt wahrscheinlich hier: Slow Art. Ein neuer Trend im Museum.

Sonntag, 15. August 2010

Guestblogger's entry. Silber, Putzen und Erotik.

Neulich in meinem SPAM-Postfach. Im ersten Moment dachte ich, die nachfolgende E-Mail sei vom E-Mail-Provider ganz anständig aussortiert worden, doch dann sah ich, sie kam vom hier schon mehrfach erwähnten guten Freund aus dem europäischen Ausland. Normalerweise schreibt er ein verständliches, wenn auch orthographisch phantasievolles Deutsch. Diese Nachricht aber erhielten wir auf English unter der Überschrift:

"if I had a blog, this would be the first entry"
Da der Herr keinen Blog besitzt, lassen wir die geneigte Leserschaft gerne auf diese Weise an seinen Erfahrungen teilhaben. Wir haben keinerlei geldwerte Gegenleistung für diesen Beitrag erhalten, für inhaltliche Fehler oder abweichende Meinungen übernehmen wir keinerlei Verantwortung.

"I enjoyed some envigorating moments today bringing in to practise the advise of John Hamilton's shopgirl: use Brasso, it removes also the tiny scratches.
Skeptic as I was, being a hagerty user... I gave it a try...
vigorously I started polishing and wow what a surprise.
See the enclosed picture. Tarnishe free has been bet by genuin polishing.
(the advice of the Silver Vaults contact did include not to use brasso for the weekly cleaning!)"
Vielen Dank für diese Information! Beigefügt war dieses Beweisfoto:

Es zeigt sich: auch für Silber gilt, was wir über Kalkflecken im Badezimmer wissen. einfach nur aufsprühen und abwischen allein hilft nüscht. Wenn es wirklich glänzen soll, hilft allein Muskelschmalz... und Putzen ist ja auch sooo romantisch, nicht wahr?





Im weitesten Sinne ein Update von hier: Endlich eine hausfrauliche Göttin - dank gepökelter Limetten!