Freitag, 27. Juli 2007

Urlaubszeit. Must-Sees.


Immer wenn die Urlaubsplanung in die harte Phase kommt, gilt es zu entscheiden: herumgammeln am Strand, braun werden und vielleicht einen Cocktail schlürfen, oder aber herumreisen und die touristischen Must-Sees abhaken.
Unter die zweite Form des Urlaubs fällt übrigens meiner Meinung nach auch das ostentative "off the beaten track" der überzeugten Rucksacktouristen - schließlich haben die auch alle einen Lonely-Planet dabei, der ihnen sagt, welche Orte sie, als "Reisende" vermeiden sollten - wegen der "Touristen"...
Und was guckt man sich an? In der Antike waren es die Sieben Weltwunder - laut Antipatros also
Heute gibt's davon nur noch die Pyramiden. Wenn man also kein Archäologe ist, ist man aufgeschmissen.
Zum Glück wurden gerade Sieben Neue Weltwunder online gewählt. Jetzt also reisen wir nach
Jordanien: die Felsenstadt Petra
Brasilien: die Christus-Statue auf dem Zuckerhut vor Rio de Janeiro
Italien: das Kolosseum in Rom
Indien: das Taj Mahal

Wir bemerken: die Welt ist größer geworden, und man muss viel weiter reisen... und Europa ist fast gar nicht dabei! aber wahrscheinlich war das richtige Marketing auch hier wieder entscheidend - ich meine, hätten wir von dieser Abstimmung gewusst, hätten wir vielleicht alle für Schloss Neuschwanstein gestimmt, oder?

Naja, vielleicht auch nicht...

Merkwürdigerweise ist es trotzdem ins Finale gekommen. Zusammen mit der Freiheitsstatue, dem Opernhaus von Sidney, oder den Statuen auf den Osterinseln, mindestestens letztere zugegebenermaßen viel denkwürdiger als Ludwigs Märchenphantasie. Immerhin: Die Pyramiden waren auch noch im Rennen...

Na dann: Gute Reise!

Dienstag, 24. Juli 2007

Harry Potter and the Digested Read.

Jede Woche, immer Dienstags, stellt John Crace vom Guardian ein Buch vor. In fünhundert Worten fasst er jeweils das Buch zusammen, das in dieser Woche den meisten Medienhype verursacht hat. Im Stil des Autors. Gar nicht übel.
Die schönsten Verrisse (die meisten Bücher kommen nicht sehr gut weg) galten in letzter Zeit übrigens Paul Auster und dem neuen Tolkien.
Die Kolumne nennt sich Digested Read, und heute geht's - natürlich - um Harry Potter and the Deathly Hallows. Grund genug, und weil aller guten Dinge drei sind, Euch mit einem letzten Eintrag zum Thema zu belästigen - und keine Angst: John Crace will es sich nicht mit Millionen von Fans verderben. NO (REAL) SPOILERS HERE! Erstaunlicherweise nicht einmal ein richtig vernichtendes Urteil. Höchstens ein paar amüsante Seitenhiebe auf die Medienmaschine...


"... Harry was lost again but a Patronus spell led him to the Sword of Gryffindor. He had to step naked into an icy pool to retrieve it. "I knew getting the lead part in the school production of Equus would come in handy," he thought. ..."
Das ist doch schon fast eine Lese-Empfehlung? Aber die braucht es eigentlich auch gar nicht. Dieses Buch ist ein automatischer Bestseller. Genau wie John Crace's eigenes Buch...

Dieser Artikel ist ein Update zu: Bücherkater. Ohne Spoiler.

Montag, 23. Juli 2007

Bücherkater. Ohne Spoiler.


Ich war ja schon ein bisschen ungeduldig. Aber ich hatte Besuch, und man muss ja vielleicht auch etwas Reife zeigen in meinem Alter - obwohl, warum eigentlich? - und so war es schon 12 Uhr 47 am Samstag mittag bis ich HP7 endlich in den Händen hielt.
Ausgestattet mit Freizeit, Schokoloade, einem halben Liter Apfelschorle und dem langersehnten Buch hatte ich dementsprechend einen wunderbaren Nachmittag an der Spree, um endlich die letzten Mysterien um Dumbledore und Snape zu ergründen...
Da ich dann aber doch nicht mein gesamtes Privatleben wegen eines Buches aufgebe (und Samstag abend eingeladen war, und dann auch irgendwann mal richtig schlafen musste...) - kurzum, gestern nachmittag gegen halb fünf war ich durch. Das macht ungefähr 12 Stunden netto Lesezeit, und auch wenn der Rekord offenbar bei 47 Minuten liegt, bin ich damit ganz zufrieden.
Ein Bücherkater ist schließlich schlimm genug, aber wenn man sich beim Lesen aus lauter Gier nach Handlung auch noch verschluckt, wird es nicht besser. Und nach wiederholter Lektüre der komplizierteren Stellen habe ich's jetzt glaube ich alles verstanden. Natürlich steht jetzt auch das erneute Lesen ALLER Bücher auf dem Programm. Spuren suchen, Hinweise aufspüren - einiges war mir ja klar gewesen, anderes habe ich sicherlich übersehen - schaumama. Aber das ist nicht so dringend.
Eins ist aber richtig schade: Auch wenn Frau Rowling sich ja alles offen gelassen hat für Sequels und Prequels und Spin-Offs und womit in der modernen Medienwelt sonst noch so Geld gemacht wird, so ist der eigentliche Spaß jetzt wohl (fast) vorbei.
Zwar gibt es noch zwei Filme auf die wir uns freuen können, weil man uns jetzt nicht mehr mit 10 Sekunden-Sequenzen von Snape abspeisen kann... (nicht bei Teil 6 und 7!)
Aber der Spaß, auf der Straße (oder im Internet, z. B. hier) mit wildfremden Menschen (Verschwörungs-)Theorien auszutauschen, mit Freunden aller Altersgruppen darüber zu spekulieren, ob Dumbledore wirklich tot ist, wo er doch als Ölbild noch irgendwie da sein muss, oder ob Neville und Luna als Paar gedacht sind, oder ob Snape vielleicht doch ein unregistrierter Animagus (Spinne?!) ist -- das ist doch jetzt wohl vorbei...
Und auch wenn andere Buchreihen bei Fans ein ähnliches Interesse hervorrufen mögen, so hatte doch keine die weltweite Aufmerksamkeit wie die Harry Potter Bücher. Irgendwie schade. (Und das trotz der miesen Spaßbremsen da draußen im Netz, die Ihr anderen Lesern die Freude am Lesen verderben wolltet - schämt Euch! Crucio!)

Hoffentlich kommt bald der neue Pratchett raus.

Dieser Artikel ist ein Update zu: Der Countdown läuft!

Freitag, 20. Juli 2007

Der Countdown läuft!

Morgen ist der Große Tag.
Nach dem Frühstück werde ich tun, was Hunderte, nein, Tausende anderer Leute auch tun: Zum Buchladen meines Vertrauens gehen, den neuen und voraussichtlich letzten Harry Potter Band kaufen, und den Rest des Tages nicht ansprechbar sein.
Freu mich schon!

Und ja, ich habe auch die Filme gesehen. Obwohl es eigentlich nur einen einzigen Grund dafür gibt (NICHT Daniel Radcliff!)
Und offenbar bin ich mit dieser Meinung nicht allein, wie dieses brilliante Video beweist:




http://youtube.com/watch?v=0loOcaW7Hnk

Donnerstag, 19. Juli 2007

Rohkunstbau. Weiss.

Seit Samstag läuft sie wieder, die große Kunstschau explizit jenseites jeder Metropole, also in der Tradition von Münster, Kassel, Basel und Venedig: Rohkunstbau hatte am 14. Juni Vernissage. Heuer wird das Festival XV, ist aber dennoch jünger als die Documenta xii. Und meines Erachtens wird sie bei den großen Überblicksreportagen für Kulturreisende diesen Sommer nicht ausreichend gewürdigt.
Dabei sind doch große Namen vertreten! Sogar Gerhart Richter hat ein kleines graues Bild ausgestellt!
Wer sich mit der Geschichte von Rohkunstbau auskennt, weiß, wie alles begann: einige Schüler aus dem Spreewald hatten nach der Wende die unbescheidene Idee, ein Kunstfestival im ländlichen Raum auf die Beine zu stellen. Das romantisch halbverfallene Schloß Leuthen bot sich als Veranstaltungsort an, und binnen kurzem hatte das Festival einen guten Ruf erlangt. Namhafte Künstler wie Norbert Bisky oder Michael Wesely beteiligten sich und erstellten Werke, die sich explizit auf den Veranstaltungsort Leuthen bezogen.
Letztes Jahr gab's dann sogar richtig Fördergelder von der Bundeskulturstiftung für das auf drei Jahre angelegte Projekt: drei Farben Blau-Weiß-Rot. Wer jetzt an die Filmtrilogie des polnischen Regisseurs Krzysztof Kieslowski denkt, hat recht - sie diente in der Tat als Inspiration.
Dieses Jahr also WEISS (=Gleichheit). Leider wurde Schloss Leuthen im Januar verkauft, und damit das ganze Projekt gefährdet. Glücklicherweise haben die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten, sowie der Verein Ars Sacrow e. V. Rohkunstbau Asyl gewährt: Und zwar in Sacrow, gleich hinter der Glienicker Brücke und somit immer noch ländlich, aber doch deutlich leichter zu erreichen. Ein Tagesausflug, bei diesem schönen Sommerwetter auch gut mit S-Bahn plus Fahrrad zu erledigen.